Interview mit Klaus Knopper

Aus LinuxUser 01/2006

Interview mit Klaus Knopper

Reine Neugier

Was als Bastelprojekt begann, gehört heute zu den beliebtesten Linux-Distributionen: Klaus Knopper über seine Schöpfung Knoppix – und über sich selbst.

LinuxUser: Klaus, was hast Du eigentlich gemacht, bevor Du mit Knoppix berühmt wurdest?

Klaus Knopper: Ich habe an der Universität Kaiserslautern meinen Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik gemacht. Im Bereich Unix-Systemadministration und Systemprogrammierung arbeite ich bereits, seit ich mit der Schule fertig bin.

Mit Beratungstätigkeit habe ich sogar schon während meiner Schulzeit angefangen. Außerdem war ich schon Lehrer, Software-Entwickler und Systemadministrator. Das alles mache ich heute noch – bis auf die Administration.

Neben meiner Tätigkeit als Linux-Consultant und meinen verschiedenen Software-Projekten unterrichte ich zurzeit auch Grundlagen der Informatik und Software-Entwicklung unter Linux an der FH Kaiserslautern, Standort Zweibrücken.

LU: Und wie nahm Knoppix dann seinen Anfang?

KK: Mit Knoppix ging es um 1999 los. Ich bekam damals eine dieser Rescue-CDs im Visitenkartenformat, die auf der CeBIT verschenkt wurden. Aus reiner Neugier und ganz im Geist von Open Source habe ich mir den Boot-Code angesehen, um herauszufinden, wie das funktioniert.

Später habe ich mir eine bootfähige CD gebastelt. Darauf waren die Programme, die ich täglich benutzte. Das war zunächst ein praktisches Selbstlernprojekt für mich, und ich nannte es “Knoppix”, weil mir kein besserer Name einfiel. Auf dem Atlanta Linux Showcase 2000 habe ich es als Fallstudie zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Später habe ich Knoppix zum öffentlichen Projekt gemacht und es auf Mirrors zum Download angeboten. Dadurch bekam ich Feedback zur Hardware-Kompatibilität und Wünsche von Anwendern.

LU: Wovon hängt es eigentlich ab, welche Programme Du in Knoppix aufnimmst?

KK: Der Inhalt der Distribution hängt sehr stark davon ab, was ich gerade für meine Arbeit als Dozent oder Berater brauche. Außerdem nehme ich Programme auf, die ich persönlich nützlich oder interessant finde.

Ich bekomme täglich E-Mails von Leuten, die nach bestimmten Anwendungen oder zusätzlichen Funktionen fragen. Manche dieser Vorschläge kann ich in Knoppix aufnehmen, bei anderen geht das nicht, meist aus lizenz- oder patentrechtlichen Gründen. Manchmal fehlt auch schlicht der Platz.

LU: Arbeitest Du in einem Team, wie viele Open-Source-Entwickler, oder eher alleine?

KK: Ich muss zugeben, dass ich in der Regel alleine arbeite. Das liegt zum einen an meinen ungewöhnlichen Arbeitszeiten, zum anderen daran, dass ich einen sehr konzentrierten – manche sagen auch: eigensinnigen – Arbeitsstil habe. Ich habe oft keinen Sinn für Fragen oder Vorschläge von außerhalb.

Allerdings gibt es drei bis fünf Leute, die mir regelmäßig helfen, Teile von Knoppix zu verbessern – abgesehen von den zahllosen Open-Source-Entwicklern, die die Debian-Pakete und die Anwendungen erstellen, auf denen Knoppix basiert.

Daneben fließen Verbesserungen aus anderen Knoppix-basierten Distributionen wieder in die Download-Version von Knoppix zurück – sofern das technisch und rechtlich geht.

LU: Was unterscheidet Knoppix von den vielen anderen Live-Distributionen – anders gefragt: Was ist Dein Erfolgsrezept?

KK: Meine Vorstellung von Knoppix war von Anfang an ein Live-System, mit dem ich auf fremden Rechnern richtig produktiv arbeiten kann. Deshalb habe ich es als ein vorinstalliertes Linux-System entwickelt, das einfach zu benutzen ist, weil es sich rasch und selbständig konfiguriert.

Es ist nicht nur ein Demo-System oder ein Werkzeug für Hacker. Andere Distributionen haben zwar auch Live-CDs, aber die dienen eher dazu, das Look & Feel der Box-Versionen zu demonstrieren, weniger, um tatsächlich damit zu arbeiten.

Knoppix liefert einige beliebte Programme, die man auch in vielen anderen Distributionen findet. Ich versuche, sowohl Einsteigern als auch Experten nützliche Anwendungen zu bieten.

Warum Knoppix allerdings derartig beliebt ist – ich habe täglich über 20000 Besucher auf der Website, welche einen Download-Mirror suchen –, kann ich mir selbst nicht ganz erklären.

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