Mit einer Rückbesinnung auf innere Werte wie Schlichtheit, Übersichtlichkeit und einfache Bedienung hat bereits Gnome 2.10 die Desktops vieler Anwender zurückerobert. Das neue Gnome 2.12 führt diese Tradition konsequent fort.
In jüngster Zeit räumen selbst die größten Kritiker von Gnome ein, dass der GNU-Desktop durch seinen verlässlichen Veröffentlichungszyklus und seine hohe Qualität immer mehr Anhänger sowohl im betrieblichen als auch privaten Umfeld findet. Seine maßgeschneiderten und einfach zu bedienenden Werkzeuge haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Gnome seit Version 2.10 erfolgreich auf vielen Desktops etablieren konnte – trotz anfangs eher skeptischer Aufnahme und Zweifel auch in den eigenen Reihen.
Mit Version 2.10 hat sich Gnome wieder auf die ursprüngliche Tradition besonnen, von Haus aus auf überflüssige Details zu verzichten und dadurch eine produktivere Arbeitsweise zu ermöglichen. Das war sicher kein revolutionärer Prozess, hat aber viele bis dahin unzufriedene Benutzer und auch Kritiker aus anderen Lagern zum Umdenken bewogen.
Auch das aktuelle Release Gnome 2.12 führt die Philosophie des “Weniger ist mehr” konsequent fort, verzichtet auf Überflüssiges und konzentriert sich auf das Wesentliche. Die wichtigsten Neuerungen gegenüber Gnome 2.10 stellt der vorliegende Artikel in knapper Form vor.
Neues Erscheinungsbild
Das neue Release setzt auf eine Weiterentwicklung des “Glider”-Themes von Gnome 2.1O: “Clearlooks” (Abbildung 1) ist attraktiver, ästhetischer und angenehmer anzusehen. Auf den Mailinglisten des Gnome-Projekts gab es bereits um die Jahresmitte lange Diskussionen darüber, welches Theme das Rennen machen sollte. Schließlich wurde man sich dann aber doch einig, und auch aus den Reihen der Benutzer gab es breiten Zuspruch. Aller Voraussicht nach, wird “Clearlooks” – wenngleich in überarbeiteter Form – auch in zukünftigen Versionen des Gnome-Desktops der Standard bleiben.
Panel und Applets
Das Panel und seine kleinen Helfer haben mit Version 2.12 einige Tricks dazugelernt. So rotiert etwa der Verlauf des Textes in die Vertikale, sobald der Benutzer das Panel an den linken oder rechten Bildrand schiebt (Abbildung 2). Dieses Verhalten bringt zum einen Platzersparnis und kommt zum anderen einem intuitiveren Verhalten entgegen.
Programme lassen nun ihren Namen in der Fensterliste aufblinken, um anzuzeigen, dass entweder ein wichtiges Ereignis aufgetreten ist oder sie zum Arbeiten bereit stehen. Vor allem bei Messenger-Anwendungen wie Gaim oder einer Aktualisierungs-Software wie Synaptic erweist sich dieses neue Verhalten als sehr angenehm und hilfreich.
Gnome bringt nun endlich auch den lange vermissten Menü-Editor mit. Es beinhaltet allerdings nur eine sehr einfache, spartanische Version, mit deren Hilfe man einzelne Anwendungen in den Menüs ein- oder ausblenden kann. Dieser rudimentäre Editor lässt sich jedoch gegen andere Programme austauschen; viele Distributionen liefern beispielsweise Smeg [1] aus, dessen Bedienung um einiges komfortabler ausfällt. Das Programm ermöglicht es Ihnen, Menüpunkte zu erstellen, zu modifizieren und auch wieder zu löschen (Abbildung 3).

Abbildung 3: SMEG bei der Arbeit: Mit dem Zusatzwerkzeug lassen sich komfortabel Menüeinträge bearbeiten.
Die Gnome Panel-Applets erfuhren im Vergleich zu Gnome 2.10 nur kleinere – aber nicht minder nützliche – Verbesserungen. Das Applet zum Einbinden von Platten zeigt sich gründlich überarbeitet und liefert auf Knopfdruck die passende Aktion. So lässt sich mit nur einem Klick ein Datenträger einbinden oder wieder entfernen (Abbildung 4). Bei leeren CDs schlägt das Applet gleich vor, diese zu brennen. Durch eine Verbesserung der Gnomevfs-Bibliothek und die weitere Integration der HAL (Hardware Abstraction Layer) werden stets die richtigen Symbole im Panel angezeigt; sei es ein CD-Laufwerk, ein USB-Stick oder ein anderer Wechseldatenträger. Das verhindert Missverständnisse, die unter Gnome 2.10 gelegentlich durch zu wenig eingängige Symbole ausgelöst wurden.
Ebenso wurde das Batterie-Applet verbessert, das experimentell die HAL verwendet und in Zukunft nun besser für neue Laptops gerüstet sein wird. Das Wetter-Applet bringt nun eine Suchfunktion mit, damit Sie nicht mehr langwierig die (mittlerweile recht umfangreiche) Liste der Orte nach Ihrem Wohnort durchblättern müssen.

Abbildung 4: Mit dem Applet zum Einbinden von Geräten ist jeder Massenspeicher nur einen Mausklick weit entfernt.
Durchstarten mit Nautilus
Der Datei-Manager Nautilus bringt in Gnome 2.12 allerhand neue Funktionen mit sich mit. Hier haben die Entwickler unter der Haube kräftig geschraubt und eine beachtliche Anzahl von Fehlern beseitigt.
Ins Auge fallen vor allen Dingen Verbesserungen im Nautilus-typischen Spatial-Modus (Abbildung 5). Sie können nun auch hier Ordner aufklappen, wie Sie das aus den üblichen Baumansichten kennen. Auf diesem Weg navigieren Sie sehr effektiv zu einem Unterordner, ohne dabei den Überblick zu verlieren.
Präferieren Sie dagegen den Navigationsmodus (Abbildung 6), stoßen Sie auch hier auf interessante Neuerungen: So zeigt der Dateimanager statt der bisher üblichen URL-Leiste eine Pfadleiste an. Hier zeigen sich – gewollt – Ähnlichkeiten zum Gtk-Dateiauswahldialog, wodurch ein noch stimmigeres Gesamtbild entsteht. Durch Drücken von [Esc] schalten Sie bei Bedarf wieder zur URL-Leiste zurück.
Außerdem zeigt die Seitenleiste nun Orte, Lesezeichen und eingehängte Wechseldatenträger an – nützlich, falls Sie beispielsweise schnell zu Ihrem Home-Verzeichnis navigieren möchten.
Auf ein etwas versteckteres Feature stoßen Sie, sobald Sie einen Text aus einer Anwendung in einen Ordner oder auf dem Desktop ziehen: Nautilus legt in diesem Fall eine neue Datei mit dem Text als Inhalt an. Beim Drag & Drop fällt sogleich auf, dass Nautilus den ausgewählten Text als Vorschau anzeigt (Abbildung 7). In früheren Versionen blendete der Datei-Manager lediglich ein generisches Symbol ein.
Vielleicht vermissen Sie bei der Arbeit mit Nautilus in der neuen Version den Kontext-Menüpunkt Terminal öffnen. Ihn ersetzt in Gnome 2.12 eine Nautilus-Extension, die dem alten Feature mehr als ebenbürtig ist: Nach dem Navigieren in einen Ordner öffnen Sie jetzt durch einen einfachen Rechtsklick dort ein Terminalfenster. Diese Möglichkeit haben viele Anwender bislang schmerzlich vermisst, zumal man sie nur durch den Einsatz entsprechender Skripte nachrüsten konnte.
Auch Senden an… taucht jetzt im Kontextmenü von Nautilus auf, sofern Sie die entsprechende Extension installiert haben. Auf diese Weise verschicken Sie komfortabel Dateien oder ganze Ordner (gepackt) per E-Mail oder Instant Messenger. Man darf in diesem Zusammenhang auf weitere Extensions gespannt sein: Die Architektur von Nautilus liefert die perfekte Grundlage für solche Erweiterungen.
Eine weitere Fähigkeit haben die Entwickler aufgrund der großen Nachfrage durch Gnome-Anwender hinzugefügt: Die integrierte Brennerfunktion von Nautilus kommt jetzt auch mit Audio-CDs zurecht. Somit vereint Gnome 2.12 alle wichtigen Funktionen zum Erstellen von CDs direkt im Datei-Manager.
Komfortablere Zwischenablage
Vielleicht kennen Sie diese lästige Situation: Sie kopieren einen Text aus einer Anwendung, schließen diese und möchten über die gängige Tastenkombination [Strg]+[V] den gerade kopierten Text in eine andere Anwendung einsetzen. Doch zu Ihrem Erstaunen passiert nichts – der Textpuffer ist leer.
In der neuen Gnome-Version macht ein Daemon Schluss mit diesem frustierenden Effekt. Er wacht im Hintergrund und unterbindet das (Fehl-)verhalten ohne die sonst üblichen Leistungseinbußen, die man aus anderen Umgebungen kennt. Der neue Daemon berücksichtigt, wie mittlerweile bei Gnome üblich, die Freedesktop-Spezifikationen [3].
Web-Browser Epiphany
Gnomes eigenständiger Webbrowser Epiphany legt auch in der neuen Version wieder an Funktionalität zu. Auch wenn Firefox sich immer besser in Gnome integriert – Epiphany bleibt hier das Maß aller Dinge.
Der Browser kann mittlerweile über nicht weniger als 19 Erweiterungen verfügen. Dazu zählt unter anderem die Online/Offline-Erkennung; das heißt, Epiphany registriert selbstständig, ob der Benutzer mit dem Internet verbunden ist. Dies erspart eine lästige Fehlersuche.
Zudem lassen sich die Reiter nun bis ins Detail einstellen. Hinzu kommen eine verbesserte Lesezeichen-Verwaltung sowie die Möglichkeit, News-Feed-Abonnements zu integrieren. Erfreulich ist, dass der Browser die Lesezeichen über die Rendezvous-Technologie netzwerkweit auch allen anderen Anwendern zur Verfügung stellen kann.
Mit Python-Skripten lassen sich nun sehr einfach neue Erweiterungen für Epiphany schreiben. Dazu haben die Entwickler die Bibliothek Pyphany, die früher separat angeboten wurde, in der neuen Version direkt in Epiphany integriert.
Die Post geht ab
Gnomes populäre Groupware-Lösung Evolution bringt gegenüber der Vorgängerversion nicht nur etliche nützliche Neuerungen mit: Die Entwickler achteten auch darauf, die Menüstruktur zu vereinfachen und den Speicherbedarf der Anwendung zu reduzieren.
Ein Highlight für sicherheitsbewusste Anwender: Evolution unterstützt in der neuen Version endlich Inline-PGP-Verschlüsselung. Auch besteht die Möglichkeit, an Ort und Stelle einer per E-Mail verschickten Musikdatei zu lauschen, ohne sie dazu erst aus der Nachricht extrahieren zu müssen. Entwickler werden es interessant finden, dass die Mail-Bibliothek libcamel in den Evolution-Data-Server verschoben wurde, wodurch der Zugriff nun direkt und ohne Umwege erfolgen kann.
Bei Ximian/Novell will man sich in Zukunft weiterhin auf die Optimierung des Speicherbedarfs der Anwendung, um die Geschwindigkeit beim Auslesen großer Konten sowie um eine CalDAV-Integration (diese steht jetzt bereits zur Verfügung) konzentrieren. Über CalDAV können Sie Kalender für den Zugriff durch andere Personen veröffentlichen, daneben eröffnet das Protokoll die Möglichkeit zum optimalen Zusammenspiel mit dem von Novell vorangetriebenen Kalender- und Mail-Server Hula [3].
Volle Kontrolle
Das Gnome-Kontrollzentrum bietet eine zentrale Anlaufstelle, um Änderungen an der Konfiguration des Desktops vorzunehmen. Das verbreitete Vorurteil, Gnome ließe sich nur mittels eines komplizierten, dem Registry-Editor von Windows ähnlichen Werkzeugs einstellen, gilt spätestens seit Gnome 2.8 nicht mehr. Bereits in der letzten Version erfuhr das Kontrollzentrum zudem einige Änderungen, die noch präzisere Einstellungen erlaubten.
In der aktuellen Version hat sich ein neues Helferchen dazugesellt, in dem Sie Ihre persönlichen Angaben – wie Name, Adresse, E-Mail und Telefonnummer – eintragen können. Diese Informationen werden automatisch in das Adressbuch von Evolution übernommen (Abbildung 8). Hier zeigt sich die immer engere Verzahnung der einzelnen Anwendungen.

Abbildung 8: Sammelstelle für persönliche Daten: Das Kontrollzentrum bietet nun die Möglichkeit, alle Daten zum Benutzer zentral zu erfassen. Aus diesem Pool bedienen sich andere Anwendungen – hier Evolution – bei Bedarf direkt.
In den meisten Bereichen des Kontrollzentrums blieb es dagegen bei geringfügigen Korrekturen sowie der Beseitigung von Fehlern. Ein kleines Goodie: Der Dialog für die Maus-Einstellungen zeigt nun die installierten Cursor-Themes direkt an und erlaubt Ihnen auch gleich die Auswahl (Abbildung 9).

Abbildung 9: In den Maus-Einstellungen ist es ab sofort möglich, das Cursor-Theme direkt auszuwählen.
Den Gnome System Tools gesellt sich ein Programm zur Verwaltung des aktuellen Runlevels hinzu (Abbildung 10). Aufgrund des frühzeitigen Feature-Freezes für Gnome 2.12 ist dieses Programm momentan eher einfach gehalten; für die nächste Version können Sie sich jedoch auf einen vollständigen Editor für alle Runlevels freuen.

Abbildung 10: Mit dem Editor zum Bearbeiten des Runlevels legen Sie komfortabel fest, welche Dienste beim Booten gestartet werden sollen.
Neue Gesichter, alte Bekannte
Evince (Abbildung 11) ist der neue Stern am Himmel der Dokumentbetrachter: Im Gegensatz zu früher, als man für jedes Dokumentenformat ein eigenes Programm benötigte, vereinigt Evince alle wichtigen Viewer in einem Programm [4]. Mit Evince können Sie derzeit PDF-, PS-, und TIFF-Dateien betrachten. Optional unterstützt das Programm DjVu und Powerpoint; an weiteren Formaten wie MSWord, Abiword und OpenOffice arbeiten die Entwickler derzeit. Bereits jetzt lässt sich absehen, dass aus Evince eine echte “Killer-Applikation” wird – und damit eines der Vorzeigeprojekte innerhalb von Gnome.

Abbildung 11: Das neue Dateiviewer-Multitalent Evince. Das Programm kann bereits jetzt PDF-, PS- und DVI-Dateien anzeigen.
Trotz einer noch kurzen Historie – Evince kann erst auf neun Monate Entwicklungszeit zurückblicken – ermöglicht der Allround-Dateibetrachter bereits ein produktives Arbeiten. Speziell die Suchfunktion gibt sich bereits sehr ausgereift: Evince greift dabei auf einen Fork von Xpdf mit dem ungewöhnlichen Namen Poppler zurück. Textpassagen lassen sich auf einfache Weise kopieren. Zu den weiteren Fähigkeit von Evince zählen die Darstellung mehrerer Seiten auf einmal sowie gut funktionierende Vollbild- und Präsentationsmodi. Komplementär zeigt auch Nautilus ab sofort mit Hilfe von Evince statt generierter Symbole eine Vorschau aller PDFs an.
Seit gut einem Jahr stellt Gnome zur Verwaltung von Passwörtern einen Schlüsselbund bereit, den die einzelnen Anwendungen nutzen können, um auf geschützte Dienste zuzugreifen. In Gnome 2.12 erhalten Sie durch den neuen Keyring-Manager nun die volle Kontrolle über die Schlüsselverwaltung (Abbildung 12). Sie erstellen, löschen und ändern damit je nach Bedarf einen kompletten Schlüssenbund oder entfernen auch nur einzelnen Keys. Bei diesem Tool handelt es sich um die erste Anwendung, die eigenständig vom Gnome-Love-Projekt [5] umgesetzt wurde.

Abbildung 12: Der neue Keyring-Manager von Gnome 2.12 erleichtert den Umgang mit dem digitalen Schlüsselbund erheblich.
Dem Hilfe-Browser Yelp (Abbildung 13) haben die Entwickler eine neue Rendering-Engine verpasst. Zwar operierte das inoffizielle 2.10er-Release schon mit der Gecko-Engine unter der Haube, jedoch lieferte Gnome vor einem halben Jahr noch Yelp 2.8 aus.

Abbildung 13: Das Gnome-Hilfeprogramm Yelp verwendet jetzt zur Darstellung die Gecko-Engine des Mozilla-Projekts.
Der Einsatz der Gecko-Engine sowie die Verbesserungen an Yelp haben sich bezahlt gemacht. Die Anwendung startet noch schneller und läuft weitaus stabiler als früher. Auch die Probleme mit sprachenspezifischen Formationsregeln gehören nun der Vergangenheit an. Die Hilfeseiten von Gnome werden im DocBook-Format [6] erstellt; Yelp wandelt sie dann in HTML um und zeigt sie an. Auch mit Manpages und Info-Dateien kommt das Gnome-Hilfeprogramm bestens zurecht.
Ebenso wie der Mozilla-Browser stellt nun auch Yelp ein Widget für die Suche im Text zur Verfügung: Statt eines zusätzlichen Dialogs erscheint am unteren Ende des Fensters ein Textfeld für den Suchbegriff. Dies trägt zu einem noch aufgeräumteren Gesamtbild bei. Epiphany und andere Programme bieten ebenfalls dieses Feature, das seinerzeit der Firefox-Browser einführte.
Der Bildbetrachter Eye of Gnome (kurz: EOG, Abbildung 14) – geraume Weile nicht weiterentwickelt, da der ursprüngliche Autor keine Zeit mehr hatte – wird ab sofort wieder aktiv gepflegt. Er kann mit Hilfe von ICC-Profilen [7] nun Bilder mit Farbkorrektur anzeigen. Derartige Profile kommen besonders im professionellen Umfeld zum Einsatz und spielen dort eine sehr wichtige Rolle.

Abbildung 14: Der Bildbetrachter Eye of Gnome kann nun mit ICC-Profilen zur Farbkalibrierung umgehen.
Auch Das Suchwerkzeug von Gnome selbst erfuhr ein kleines Update: Es zeigt in der neuen Version eine Vorschau der Bilder an, statt nur Symbole. Am Rande sei außerdem erwähnt, dass die Entwickler das Gnome-Wörterbuch und den Protokollbetrachter aufgeräumt haben. Beide Anwendungen lassen sich nun einfacher und intuitiver bedienen sind als zuvor.
Multimedia und mehr
Totem (Abbildung 15), seit Gnome 2.10 der Standard-Multimedia-Player, wurde abermals verbessert. Auf GStreamer [8] basierend, demonstriert das Programm die Funktionalität des Frameworks. Statt GStreamer können Sie alternativ aber nach wie vor das Xine-Backend verwenden. Gnome favorisiert freie Formate, die Totem ausnahmslos unterstützt. Aber auch proprietäre Audio- und Videoformate, wie MP3 oder DivX, bereiten Totem keine Schwierigkeiten und lassen sich einfach integrieren.
TIPP
Auf der diesjährigen Gnome Entwicklerkonferenz GUADEC in Stuttgart wurde live ein Großteil der Vorträge im OGG-Format gestreamt, die Sie bei Interesse unter [9] herunterladen und mit Totem ansehen können.
Die auffälligste Neuerung bei Totem stellt die integrierte Abspielliste im Hauptfenster dar. So erhalten Sie jetzt noch schneller Zugriff auf Ihre Musiksammlung. Hinzugekommen sind außerdem die Unterstützung von DVD-Menüs und Untertiteln. Die Arbeit an einem entsprechenden Mozilla-Plugin hat bereits begonnen, erste Resultate können Sie man bereits bewundern: Totem spielt nun auch innerhalb von Mozilla/Firefox Filme ab.

Abbildung 15: Totem, Gnomes Standard-Multimedia-Player, stellt neuerdings eine integrierte Abspielliste zur Verfügung.
Zum Auslesen von Audio-CDs bringt Gnome 2.12 den Soundjuicer mit. Das Programm gibt es zwar schon seit längerem; die Gnome-Entwickler hielten es aber erst jetzt für stabil genug, um es in Gnome zu integrieren. Zu den Neuerungen der aktuellen Version zählt unter anderem, dass man nun vor dem Auslesen einzelne Musikstücke anspielen kann. Standardmäßig extrahiert Soundjuicer den Inhalt der CDs in das OGG-Format, da die Fraunhofer-Gesellschaft ein Patent für das MP3-Format hält [10].
Ägyptischer Vektor
Das Gimp-Toolkit (kurz: Gtk+) greift nun auf die Vektorbibliothek Cairo [11] zurück. Dies bietet zum einen den Vorteil, dass Grafikelemente trotz Skalierung ohne grobe Pixel in attraktiver und detaillierter Darstellung erscheinen. Für Entwickler ist es wichtig, dass Gtk+ dennoch abwärtskompatibel bleibt.
In Zukunft darf man sich auf eine beschleunigte Ausgabe durch OpenGL freuen. Erste Demos sind schon sehr eindrucksvoll und zeigen, dass reichlich Potential in Cairo und Gtk+ steckt. Derzeit arbeiten die Entwickler an einer Gtk-Engine, die auf Cairo setzt [12]. Auch die Mozilla-Foundation erwägt, Cairo in der Version 1.9 zu verwenden.
Ausblick: Gnome 2.14
Derzeit befindet sich bereits die nächste Version von Gnome in Arbeit, die laut Gnome-Fahrplan stets einem halbes Jahr nach dem Vorgänger erscheint: In diesem Fall also Mitte März 2006. Hier sollen zahlreiche Änderungen einfließen, die es nicht mehr in Gnome 2.12 geschafft haben.
Zu den wichtigsten Entwicklungszielen gehört dabei ein “intelligentes” Verhalten der Oberfläche, also beispielsweise eine weitgehend automatische Anpassung an den Betrieb mit und ohne Netzwerkverbindung. Eine weiterhin wichtige Rolle spielen die Minimierung des Speicherverbrauchs und die Maximierung der Performance von Gnome-Programme.
Auf der anderen Seite will man das Panel enger mit Nautilus koppeln; auch der Download-Manager von Epiphany soll in Nautilus integriert werden und nicht mehr als eigener Dialog den Blick auf den Desktop verdecken. Den Texteditor Gedit schreiben die Entwickler derzeit in einigen Teilen komplett um und wollen ihn in Gnome 2.14 mit einem neuen Erscheinungsbild an den Start gehen lassen.
Das Projekt “Ridley” [13] versucht, die vielfältige Bibliothekenlandschaft rund um Gnome und Gtl+ zu konsolidieren, um die Entwicklung von Gnome-Anwendungen zu vereinfachen. So sollen kleinere Bibliotheken direkt in Gtk+ einfließen. Voraussichtlich wird Gtk+ 2.10 einen Großteil aller Gnome-Kernfunktionen in sich vereinen. Darauf freuen sich vor allem die Paketbetreuer bereits.
Die Entwickler von GnomeMeeting arbeiten bereits fieberhaft an einer neuen Version, die Skype und anderen proprietären VoIP-Programmen in nichts nachstehen soll. Im Mono-Lager erscheinen immer mehr neue Anwendungen – darunter speziell Banshee (Abbildung 16), das ähnlich wie Rhythmbox verschiedene Audioformate abspielen kann. Damit nicht genug: Lieder lassen sich direkt vom iPod abspielen und synchronisieren, Audio-CDs importieren und Playlists verwalten. Ein ID3-Tag-Editor ist auch mit von der Partie.

Abbildung 16: Mit dem komfortablen Banshee spielen Sie nicht nur verschiedenste Audio-Formate ab: Es arbeitet auch direkt mit Ihrem iPod zusammen.
Auch die GStreamer-Entwickler haben vor, bis Ende des Jahres eine neue Version fertigzustellen. Das böte eine ideale Voraussetzung, um eine fehlerbereinigtes Variante des Audio-Frameworks in Gnome 2.14 integrieren zu können. Näheres dazu finden Sie auf der GStreamer-Homepage [14].
Eine umfangreiche Auflistung der Design-Ziele für das kommende Gnome 2.14 können Sie bei Interesse in der Roadmap des Gnome-Projekts [15] nachlesen. (jlu)
Der Autor
Christian Meyer beschäftigt sich seit fünf Jahren mit Gnome und ist der Vorsitzende des im Oktober 2004 gegründeten Gnome Deutschland e.V. Sie erreichen Christian per E-Mail unter mailto:chrisime@gnome.org.
Glossar
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Rendezvous
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Von Apple entwickelte und als Open Source freigegebene Netzwerk-Technologie, die mit Hilfe von Standards wie IP, DNS und ARP Geräte und deren Dienste im Netzwerk automatisch bekannt macht und Rechnern zu Verfügung stellt.
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CalDAV
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Kalender-Server-Erweiterung für WebDAV. Bei WebDAV handelt es sich um einen auf HTTP basierende Standard für die Modifikation von Dokumenten und Dateien im Internet.
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Gecko
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Die Rendering Engine von Netscape, Mozilla und Firefox. Als Rendering Engine bezeichnet man den Programmteil eines Browsers, der für die formatierte Darstellung des HTML-Codes zuständig ist.
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ICC-Profil
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Genormter Datensatz, der den verfügbaren Farbraum eines Ein- oder Ausgabegeräts (Monitor, Drucker, Scanner etc.) beschreibt.
Infos
[1] Smeg: http://www.realistanew.com/category/projects/smeg/
[2] Freedesktop: http://www.freedesktop.org
[3] Hula-Projekt: http://www.hula-project.org
[4] Evince: Mathias Warkus, “Lesen mit Komfort”, LinuxUser 09/2005, S. 58
[5] Gnome Love-Projekt: http://live.Gnome.org/GnomeLove
[6] Infos zu DocBook: http://live.Gnome.org/DocBook
[7] Infos zu ICC: http://www.color.org/icc_specs2.html
[8] GStreamer: http://www.gstreamer.net
[9] Streams der GUADEC-Vorträge: http://stream.fluendo.com/guadec/
[11] Vektorbibliothek Cairo: http://cairographics.org/introduction
[12] Clearlooks-Engine auf Basis von Cairo: http://www.stellingwerff.com/?p=5
[13] Projekt Ridley: http://live.Gnome.org/ProjectRidley
[14] GStreamer 0.10: http://sourceforge.net/mailarchive/forum.php?thread_id=8245644&forum_id=5947
[15] Gnome-Roadmap: http://live.Gnome.org/RoadMap
[10] Audio-Formate: J.-C. Brendel / U. Wolf, “Unerhört”, LinuxUser 06/2005, S. 34








