Preispiraten auf Schnäppchenjagd

Aus LinuxUser 11/2005

Preispiraten auf Schnäppchenjagd

Klar zum Entern

Für die Schnäppchenjagd bei Ebay & Co. bietet sich Preispiraten als nützlicher Helfer an. Den noch jungen Linux-Freibeuter plagen allerdings einige Kinderkrankheiten.

Um in Online-Shops oder elektronischen Auktionen einen Artikel zu einem günstigen Preis zu finden und zu erstehen, brauchen Sie mitunter viel Zeit und Geduld. Das Programm Preispiraten (http://www.preispiraten.de) bietet sich als eine Art Einkaufsassistent an (Abbildung 1).

Die Metaspinner GmbH, die die Software zum freien Download bereitstellt, wirbt dabei mit etlichen Funktionen: Suche in über 1000 Shops und Auktionen, Beobachten von Artikeln, Erinnerungsfunktion an laufende Bietverfahren – alles in einem übersichtlichen Interface zusammengefasst.

Abbildung 1: Das Programm Preispiraten ermöglicht in einem übersichtlichen Interface die Suche nach Artikeln in diversen Online-Marktplätzen.

Abbildung 1: Das Programm Preispiraten ermöglicht in einem übersichtlichen Interface die Suche nach Artikeln in diversen Online-Marktplätzen.

Abbildung 2: Im Gegensatz zur Linux-Version verfügt die Windows-Version der Preispiraten derzeit noch über mehr Funktionen.

Abbildung 2: Im Gegensatz zur Linux-Version verfügt die Windows-Version der Preispiraten derzeit noch über mehr Funktionen.

Bislang einziger Nachteil der Software aus Sicht des Linux-Anwenders: Es gab nur eine Windows-Version. Seit etwas über einem Monat stellt die Agentur jedoch auch eine Version für das freie Betriebssystem zur Verfügung. Diese erschien parallel zu einer Variante für die Macintosh-Plattform. Beide Neulinge tragen die Versionsnummer 1.0; bei der etablierten Windows-Version ist 2.5 die aktuelle Release.

Vom Design unterscheiden sich die drei Versionen nur in Details. Aus nahe liegenden Gründen verfügt die Windows-Variante über mehr Funktionen (Abbildung 2). Diese sollen aber nach einer ausgiebigen Testphase auch in die Mac- und Linux-Versionen einfließen.

Intuitive Suchfunktion

Nach dem Programmstart landen Sie im Hauptfenster, das sich in zwei Bereiche gliedert: Im oberen Teil definieren Sie Suchbegriffe und Parameter, mit denen Sie Auktionen und Shops durchforsten möchten. Hier setzen die Entwickler auf ein möglichst einfaches Interface, das intuitiv bedienbar ist.

Unterhalb der Suche geben zwei Tabs eine Übersicht über die Treffer in den Bereichen Auktionen und Preisvergleich. Ein weitere Tabs enthält die Liste der Artikel, die Sie beobachten wollen.

Der vierte Tab nutzt einen Algorithmus, der alle Auktionen einer Kategorie herausfiltert, die kurz vor Ablauf stehen und für die es kein Gebot gibt. Ein solcher Zustand gibt Anlass zur Vermutung, dass in der Beschreibung des entsprechenden Artikels ein Tippfehler aufgetreten ist, und die normale Produktsuche den Eintrag daher nicht findet.

In der normalen Ansicht erlaubt die Software die Eingabe von Suchbegriffen, wobei sich die Zahl der Suchergebnisse noch über eine Preisspanne sowie die maximale Anzahl von Treffern eingrenzen lässt. Mit dem Button Erweiterte Suche erscheinen zusätzliche Drop-down-Listen zur feineren Kontrolle der Suche.

Suche in Kategorien

Zwei dieser Listen enthalten die Ober- und Unterkategorien des jeweiligen Marktplatzes. Preispiraten ist an die Ebay-Plattformen in Deutschland, der Schweiz, Österreich sowie den USA angeschlossen. Außerdem greift die Software auf die Online-Plattform Atrada (http://www.atrada.de) und die zShops von Amazon (http://www.amazon.de/zshops/) zu.

Die Entwickler nutzen die kostenpflichtigen APIs der Online-Plattformen. Aus diesem Grund dürfen sie die Software nicht als freien Quellcode auf ihrer Web-Seite anbieten. Man habe die Möglichkeiten diskutiert und sei grundsätzlich einem solchem Weg nicht abgeneigt, heißt es von Seiten des Unternehmens, aber: Open Source hätte das gesamte Projekt sehr viel komplexer gemacht.

Die Developer gehen bei der Distribution des Programms einen etwas ungewöhnlichen Weg: Um möglichst zu allen Linux-Distributionen kompatibel zu sein, enthält das Tar-Archiv auf der Web-Seite nicht nur die ausführbare Programmdatei, sondern alle Library-Bestandteile, die für den reibungslosen Betrieb notwendig sind.

Zum Starten wechseln Sie einfach in das Verzeichnis und rufen das Programm mittels ./Preispiraten auf. Der Versuch, das Programm von einem anderen Pfad zu starten, scheitert im ersten Anlauf mit der Fehlermeldung localhost $ /home/abohle/Preispiraten/Preispiraten: line 4: ./ppl: Datei oder Verzeichnis nicht gefunden.

Ein Blick in die Datei Preispiraten offenbart, dass es sich dabei um ein Shell-Fragment handelt, das einige Variablen zur Sprachunterstützung und Verwendung der Thread-Nutzung setzt. Am Ende findet sich dann die entscheidende Zeile: ./ppl, die hier die Schwierigkeiten bereitet. Der Punkt in Kombination mit dem Slash lässt die Shell nur im aktuellen Verzeichnis nach der Binärdatei ppl suchen. Diese enthält die eigentliche Programmlogik.

Setzen Sie die Variable LD_LIBRARY_PATH auf das Preispiraten-Verzeichnis und erweitern Sie zudem die Variable PATH, indem Sie als vorletzte Zeile export PATH=$PATH:Preispiraten-Verzeichnis: einfügen. Anschließend steht einem Start aus einem beliebigen Pfad nichts mehr im Wege.

Richtige Integration

Eleganter als das Setzen diverser Startparameter in einem Wrapper wäre es natürlich, die nativen Funktionen eines Linux-System zu nutzen. Künftige Versionen sollen sich laut Hersteller tatsächlich besser in die Standard-Dateipfade einfügen. Es bestehen jedoch doch noch einige offene Fragen bezüglich der Aktualisierung: Diese sollte sich – wenn das Programm mehrbenutzerfähig ist – von jedem Anwender vornehmen lassen.

Für die Entwickler der Agentur war der Schritt auf die Linux-Version eine Wanderung in Neuland. Faktoren wie das Paket-Management, die korrekten Pfade und Bibliotheksversionen erarbeiteten sie sich nicht nur während der Entwicklungszeit, sondern auch durch die Suche nach Fehlerquellen, die bei der Version 1.0 hin und wieder zu Abstürzen führen.

Viele wichtige Informationen finden Sie beispielsweise im Forum der Metaspinner Media GmbH, in dem auch die Developer ebenfalls posten. Verschiedene Probleme ließen sich hier schon durch den Dialog beheben und die Entwickler nahmen einige Anregungen mit, die in die kommenden Versionen einfließen.

Absturzgefahr

Neigt die Software zum Beispiel zu Abstürzen bei der Eingabe von Suchbegriffen, dann handelt es sich wahrscheinlich um ein Problem mit der Verarbeitung von XML-Daten. Die dafür zuständige Libxercesxmldom erwartet eine Systembibliothek, die Libstdc++, in einer bestimmten Version. Liegt diese nicht vor, kommt es zu Problemen. Abhilfe schafft als Workaround ein symbolischer Link, den Sie als root wie folgt setzen:

ln -s /usr/lib/libstdc++-libc6.2-2.so.3 /usr/lib/libstdc++-libc6.1-1.so.2

Falls eine anderen Version als die libstdc++-libc6.2-2.so.3 installiert ist, ersetzen Sie den ersten Teil natürlich.

Auf dem Testsystem schlug auch der Preisvergleich fehl, obwohl er laut Hersteller eigentlich auch in der Linux-Version bereits funktionieren sollte. Preispirate zeigte zwar die Produkte an, die in den Listen der verschiedenen Online-Shops zu einem Suchbegriff passten, gab als Preis jedoch durchweg 0 Euro an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Beim Preisvergleich zeigte die Software auf einigen Distributionen konsequent 0 Euro an. Laut Entwickler ist die Funktion jedoch integriert und lauffähig auf anderen Systemen.

Abbildung 3: Beim Preisvergleich zeigte die Software auf einigen Distributionen konsequent 0 Euro an. Laut Entwickler ist die Funktion jedoch integriert und lauffähig auf anderen Systemen.

Fazit

Bei Preispiraten handelt es sich um eine nützliche Anwendung, die sich unter Windows bereits weitgehend bewährt hat. Aufgrund der Historie stehen die Entwickler heute vor einigen Problemen bei der Portierung der Software auf Linux.

Entsprechend der Nutzeranzahl treibt Metaspinner die Linux-Version nicht mit der gleichen Priorität voran wie das Windows-Pendant. Eine Weiterentwicklung steht aber auf dem Plan, und das positive Feedback auf die erste Version bestärkt das Unternehmen darin, dass sich der Mehraufwand lohnt.

Das Interesse der Entwickler an Verfahrensweisen ist vorhanden, sodass die berechtigte Hoffnung besteht, dass sich eine kommende Release harmonischer in ein bestehendes System integriert. Wie auch in der freien Entwicklerszene heißt das Unternehmen konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge ausdrücklich willkommen.

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