Auf unserer Heft-DVD finden Sie eine exklusive Pre-Release von Debian Sarge, die direkt von den Entwicklern des Debian-Projekts erstellt wurde. Sie installiert die freie Linux-Distribution auf vier verschiedenen Rechnerarchitekturen.
Debian, diese Kombination aus den Vornamen des Projektgründers Ian Murdoch und seiner Frau Debra, hält die Linux-Welt ständig auf Trab. Als eine der ältesten Distributionen hat sie zahlreiche Benutzer auf der ganzen Welt. Aber nicht nur das Alter macht Debian zu etwas Besonderem.
Das komplett freie Linux-Derivat unterstützt elf Prozessortypen gleichermaßen. Das Debian-Team hat anläßlich der CeBIT 2005 eine spezielle Installations-DVD zusammengestellt, die auf vier dieser Plattformen bootet und Debian installiert. Außer auf den 386-kompatiblen 32-Bit-PCs läuft die Heft-DVD auf der AMD64-Architektur, auf PowerPCs sowie auf PA-RISC-basierten Rechnern.
Neben der weitreichenden Plattformunabhängigkeit bietet Debian [1] ein schier unerschöpfliches Software-Reservoir – freie Software, die es nicht auch als Debian-Paket vorliegt, lässt sich nur schwer finden. Mehr als 16000 Pakete erfüllen fast jeden Wunsch selbst anspruchsvoller Software-Sammler.
Optimismus und Realismus
Es klingt also alles perfekt: Freie Software, von Freiwilligen ohne kommerzielle Hintergedanken getestet und paketiert, noch dazu stabil und für fast alle denkbaren Systeme verfügbar. Doch leider stimmt die Realität mit dem Computer-Utopia auch hier nicht komplett überein. Denn wer sich unbedarft die offiziell aktuelle Debian-Version herunterlädt und installiert, wird nach der Installation staunen: Debian 3.0, Codename Woody, erschien am 19. Juli des Jahres 2002 – sie nähert sich also bald ihrem dritten Geburtstag. Natürlich wirkt sich das auf die enthaltene Software in puncto Alter aus. Mit Enttäuschung wäre der erste Eindruck eines Desktop-Anwenders wohl unzureichend beschrieben, wenn er sich beispielsweise mit KDE 2.2 konfrontiert sieht. Außer Sicherheits-Patches erfährt das fertige Woody keinerlei Updates.
Der Nachfolger von Woody trägt den Codenamen Sarge und voraussichtlich die Versionsnummer 3.1. Sarge befindet sich derzeit noch im Stadium testing. Das bedeutet, sie enthält Software, die eigentlich als stabil gilt, jedoch vor der offiziellen Freigabe noch gründlich ausprobiert werden muss. Sarge wird ständig aktualisiert; neue Software aus dem unstable-Zweig von Debian geht ständig über in den testing-Bereich, wenn sie in einem gewissen Testzeitraum keine schwerwiegenden Fehler aufweist. Wann das Debian-Team den Woody-Nachfolger endlich als stabil deklariert, ist nach wie vor offen. Den angestrebten Termin verschiebt es bereits seit Monaten immer wieder, denn den Ausschlag gibt die Maxime: “Wir veröffentlichen erst, wenn es fertig ist”.
Debian Sarge enthält also meist aktuelle Programmversionen und funktioniert gleichzeitig trotz testing weitgehend zuverlässig. Nur wer einen Server oder andere sicherheitsrelevante Dienste betreibt, sollte vorsichtig sein, denn außer den neuen Programmversionen, die aus unstable einfließen, gibt es keinerlei Updates: das ändert selbst das Bekanntwerden von Sicherheitslücken nicht. Dem Einsatz auf dem Desktop-Rechner steht dagegen nichts im Wege und Sarge findet in diesem Bereich bereits zahlreiche Anwender.
Auch bei der Debian-Version auf unserer Heft-DVD handelt es sich noch um eine Pre-Release. Trotz intensiver Tests durch das Debian-Team ist es nicht auszuschließen, dass bei der Einrichtung oder am installierten System selbst noch kleinere Schwächen auftreten. Alle noch in Zusammenhang mit der Sarge-Version auf unserer Heft-DVD auftauchenden Problemquellen protokolliert das Debian-Projekt auf einer eigens eingerichteten Webseite [2] – ein kurzer Blick dorthin schadet also im Zweifelsfall nicht.
Technisches
Seine große Beliebtheit hat sich Debian durch unterschiedliche Qualitäten verdient. Die Anhängerschar rekrutiert sich grob aus zwei Lagern, allerdings mit einer großen Überschneidungsmenge: Der eher ideologisch motivierte Anteil schätzt vor allem die prinzipiellen Vorteile freier Software und möchte von den proprietären Programmen kommerzieller Distributoren unabhängig bleiben. Die Quelltexte sämtlicher Debian-Software liegen offen und jeder darf das Betriebssystem kostenlos herunterladen und vorbehaltlos verändern und weiterverbreiten.
Andere Debian-Anhänger betrachten vor allem die technischen Aspekte. Debian gilt als äußerst robust und zuverlässig – auch wenn dieser Vorteil vor allem für die offiziell stabile Version Woody gilt; der lange Entwicklungszyklus relativiert diesen Vorteil ein wenig. Andererseits landen auch im testing-Zweig nur getestete Programme und schwerwiegende Bugs treten sehr selten auf.
Beim Paket-Management zeigt Debian ebenfalls viele Pluspunkte gegenüber anderen Distributionen. Das selbstentwickelte Debian-Paketformat bietet einige Features, die das beispielsweise von Suse, Mandrake und Red Hat (Fedora) verwendete RPM-Format vermissen lassen. Das Debian-Paketwerkzeug APT installiert mit einem kurzen Aufruf wie apt-get install gimp nicht nur jede verfügbare Software einfach und schnell. Es kümmert sich zugleich darum, dass sämtliche dazu erforderlichen Pakete ebenfalls automatisch auf der Festplatte landen. Abhängigkeitsprobleme kennen Debian-Benutzer also nur in seltenen Ausnahmefällen.
Installation
Haben Sie Ihr BIOS so konfiguriert, dass das System vom DVD-Laufwerk bootet, startet bei eingelegter Heft-DVD automatisch der Debian-Installer. Um Debian Sarge auf einem 64-Bit-Prozessor von AMD zu installieren, geben Sie im Boot-Screen den Parameter amd64 an. In diesem Fall benötigt die Maschine außerdem einen funktionierenden Netzwerkzugang, da die Systemeinrichtung den Zugriff auf einen Debian-Server voraussetzt.
Beim erstmaligen Einrichten des Systems setzt Debian andere Schwerpunkte als die meisten Distributoren. Während besonders die Anbieter mit der Zielgruppe “Linux-Einsteiger” auf ein grafisches Interface Wert legen, wartet Debian mit einem textbasierten Installationsmenü auf (Abbildung 1). Die ungewohnt spartanische Optik tut der Bedienbarkeit jedoch keinen Abbruch. Außerdem sorgt diese ressourcenschonende Methode dafür, dass die Installation auch auf älteren Rechnern nicht zum reinen Geduldsspiel wird.

Abbildung 1: Trotz ihrer textbasierten Oberfläche erfordert die Debian-Installation inzwischen kein Expertenwissen mehr.
Sie navigieren mit den Pfeiltasten durch das Menü und wählen mit [Enter] die gewünschten Optionen aus. Bei der automatischen Installation reichen vier Eingaben, um die Basisinstallation anzustoßen. Drei davon beziehen sich allein auf die Lokalisierungsoptionen; Debian spricht stolze 41 Sprachen. Die automatische Methode empfiehlt sich jedoch ausschließlich auf Rechnern, auf denen kein anderes Betriebssystem erhalten bleiben soll. Denn in der Standardauswahl nimmt der Debian-Installer die gesamte erste Festplatte in Beschlag und überschreibt alles, was nicht niet- und nagelfest ist.
Nach der Basisinstallation erfolgt der erste Start von der Festplatte. Das frische Debian erfragt das gewünschte Root-Passwort und legt einen ersten Benutzer-Account an. Dann haben Sie die Möglichkeit, via Internet direkt auf die neuesten Programmversionen zuzugreifen; bei der hohen Update-Frequenz empfiehlt sich dies jedoch nur mit einer Breitbandanbindung oder viel Geduld. Schließlich fragt der Installer nach den zu installierenden Software-Kategorien. Reine Server-Systeme werden vermutlich keine Desktop-Umgebung benötigen, dagegen verwenden die wenigsten Endanwender beispielsweise einen DNS-Server. Wer alle Details festlegen möchte, hat in der manuellen Paketwahl die Möglichkeit, jedes Programm einzeln zur Installation an- oder abzuwählen. Abschließend richtet der Installer die entsprechende Software ein – ob von der DVD oder aus dem Internet – und dem ersten Login steht nichts mehr im Wege.
Infos
[1] Debian: http://www.debian.org/
[2] Errata für die Debian-Ausgabe zur CeBIT: http://kaputt.debian.net/





