Linux ist in der Lage, geschützte Musik-CDs zu lesen und sogar zu kopieren. Diese zunächst erfreulich wirkende Nachricht geisterte bereits vor einiger Zeit durch die Presse. Allerdings gibt es auch hier wieder einmal den berühmten Haken an der Sache.
In den letzten Monaten hat die Kauflust der Deutschen in punkto Musik-CDs drastisch nachgelassen. Gleichzeitig schnellten die Verkaufszahlen von CD-Rohlingen in die Höhe. Für die Musikindustrie war sofort klar, dass mit dem größten Teil der Rohlinge illegale Kopien ihres geistigen Eigentums angefertigt werden. Aus diesem Grund statten die Musikkonzerne langsam und klammheimlich ihre Audio-CDs mit einer Kopiersperre aus. Diese soll verhindern, dass sich die Original-CD an einem Computer abspielen und somit auch auslesen und kopieren lässt. Eigens zu diesem Zweck entwickelte die Industrie verschiedene Kopierschutzverfahren, welche die CD-ROM-Laufwerke „irritieren“ sollen. Die beiden berühmtesten hören auf die Namen „Cactus Data Shield“ (Midbar) und „Key2Audio“ (Sony). Als Folge werden die geschützten Musik-CDs nicht mehr erkannt oder die Wiedergabe wird einfach verweigert. Der Kopierschutz ist so ausgelegt, dass normale CD-Spieler von den Sperren nicht betroffen sind.
Nun wurde bekannt, dass Linux diese Schutzmechanismen angeblich umgeht. Nachdem bereits die Printmedien diese Neuigkeit verbreiteten, berichtete auch der WDR-ComputerClub in seiner Sendung vom 19.01.2002 über diesen Sachverhalt. Im Studio wurde an einem Beispielrechner unter SuSE Linux 7.3 vorgeführt, dass das freie Betriebssystem tatsächlich in der Lage ist, kopiergeschützte Musik-CDs wiederzugeben. Unter Windows blieb dieselbe CD auf dem gleichen System stumm.
Nach diesen Meldungen wollten wir wissen, was hinter der Geschichte steckt. Das ernüchternde Ergebnis gleich vorweg: Nur auf einen Teil aller Laufwerke trifft die Behauptung zu. Von vier Laufwerken, die für unsere Testzwecke zur Verfügung standen, ließ sich lediglich ein älteres LiteON 32Xmax Modell zur Wiedergabe bewegen. Zum Einsatz kam dabei eine Musik-CD mit dem mittlerweile recht verbreiteten Kopierschutz „Cactus Data Shield 200“. Störrisch blieben hingegen die Laufwerke Traxdata CDR4120Pro (CD-Brenner), Ricoh MP7200A (CD-Brenner) und das DVD-Laufwerk LG DRD-8160B. Das Abspielprogramm hat nach unseren Erfahrungen keinen Einfluss auf die Wiedergabe – es kann also nach Belieben gewählt werden.
Sofern die Wiedergabe unter Linux startet und die Musik fehlerfrei über die Lautsprecher ausgegeben wird, stehen die Chancen gut, dass die CD auch kopiert werden kann. Die bereits angesprochene Test-CD ließ sich unter Linux ohne Probleme mit cdda2wav auf die Festplatte bannen. Dieses Format verstehen alle gängigen Brennprogramme – einer Kopie dürfte somit nichts mehr im Wege stehen.
Fazit
Wie auch andere Erfahrungen bestätigen, hängt der Erfolg nicht so sehr von Linux, sondern mehr vom heimischen Laufwerk ab. Dabei scheint die Faustformel „je älter, desto besser“ zu gelten. Als Folge muss jeder selbst ausprobieren, ob geschützte Musik-CDs auf dem eigenen System abgespielt werden können oder nicht. Es lässt sich aber bestätigen, dass Linux dem Abspielvorgang weitaus toleranter gegenüber steht als die Betriebssystem-Konkurrenz aus dem Hause Microsoft.




