Der tatsächliche Nutzen eines Backup-Programms zeigt sich oft erst dann, wenn die Wiederherstellung ansteht. Mit Areca sind Ihre Daten auch in schwierigen Zeiten in guten Händen.
Areca [1] ist ein sehr umfangreiches Backup-Programm zur Datensicherung auf lokalen Datenträgern oder einem FTP-Server. Das Java-Programm benötigt keine eigentliche Installation. Sie entpacken den Tarball von der Website oder der Heft-DVD in ein beliebiges Verzeichnis und starten danach im ausgepackten Verzeichnis areca das Skript areca.sh über den Befehl sh areca.sh. Treten bereits beim Start Fehlermeldungen auf, dann ist vermutlich auf Ihrem Rechner keine Java-Runtime-Umgebung installiert. Spielen Sie in diesem Fall über den Paketmanager der Distribution das entsprechende JRE-Paket ein. In unseren Tests funktionierte Areca mit Suns JRE und OpenJDK problemlos.
Aller Anfang
Beim ersten Start müssen Sie zunächst einen so genannten Arbeitsbereich öffnen. Beim diesem Arbeitsbereich handelt es sich um ein Verzeichnis, das die Meta-Informationen zum Backup im XML-Format enthält. Das dazu ausgewählte Verzeichnis hat mit dem Quell- oder Zielverzeichnis sonst nichts gemein. In den meisten Fällen genügt vermutlich ein einzelner Arbeitsbereich, es lassen sich aber beliebig viele solcher Arbeitsbereiche anlegen. In der Grundeinstellung öffnet Areca beim Start immer den zuletzt benutzten Arbeitsbereich. Möchten Sie stattdessen immer den gleichen Arbeitsbereich öffnen, ändern Sie dieses Verhalten unter Arbeitsbereich | Einstellungen | Programmstart.
Innerhalb eines Arbeitsbereiches legen Sie nun eine neue Gruppe an. Diese Gruppe darf mehrere Backup-Aufträge enthalten, Areca nennt diese Aufträge Ziele. Wählen Sie dazu Bearbeiten | Neue Gruppe. Nun erstellen Sie über einen Mausklick auf das Symbol mit dem leeren Blatt oder den Menübefehl Bearbeiten | Neues Ziel einen ersten Backup-Auftrag. Über das Ziel legen Sie nicht nur den Speicherort für die Datensicherung fest, sondern auch, welche Dateien und Verzeichnisse Sie genau sichern möchten.
Endlich Backup
Im neuen Dialog (Abbildung 1) legen Sie unter Allgemein einen Namen für den Backup-Auftrag sowie das Zielverzeichnis fest. Areca unterstützt sowohl lokale Backup in Verzeichnisse als auch die Remote-Datensicherung auf einen FTP-Server. Unter Quellen legen Sie nun ein oder mehrere Verzeichnisse fest, die der Auftrag umfassen soll. Areca sichert diese rekursiv, also inklusive sämtlicher Unterverzeichnisse und Dateien. Unter Kompression bestimmten Sie, ob und in welchem Format Areca die Dateien komprimieren soll. Über die Checkbox Splitten können Sie in diesem Dialog die Archive zudem in beliebig große Teilstücke zerlegen, zum Beispiel für das Backup auf CD oder DVD.
Unter Erweitert stellen Sie ein, ob Areca die Backups mit AES-128 oder AES-256 verschlüsseln soll – besonders bei Remote-Backup ein Muss. Neben den eigentlichen Daten verschlüsselt Areca auf Wunsch auch den Dateinamen, sodass ein potenzieller Angreifer bei einem verschlüsselten Backup praktisch keinerlei Rückschlüsse auf dessen Inhalt ziehen kann. Zudem legen Sie in diesem Dialog fest, ob Areca beim Backup symbolischen Verknüpfungen folgen und wie das Programm mit Unterverzeichnissen und leeren Verzeichnissen umgehen soll. Über eine ausführliche Filterliste schließen Sie einzelne Dateitypen oder Dateinamen vom Backup aus. Areca unterstützt dazu das Filtern über die Dateiendung, Größe, Datum und reguläre Ausdrücke.
Unter den Punkten Vor Bearbeitung und Nach Bearbeitung können Sie bestimmte Aktionen auswählen, die Areca vor und nach dem eigentlichen Sicherungslauf vornehmen soll. Dazu gehören zum Beispiel das Ausführen eines Skripts, der Versand einer E-Mail oder das Zusammenfügen älterer Archive. Mit einem Klick auf Speichern legt Areca den neuen Job an.
Nun finden Sie im Menü Ausführen die zwei Einträge Backup simulieren und Backup starten. Das entsprechende Symbol in der Werkzeugleiste führt das Backup aus.
Arbeiten mit Backups
Beim Start eines Auftrags haben Sie die Auswahl zwischen den drei Sicherungsarten komplett, inkrementell und differenziell. Während Areca beim kompletten Backup von sämtlichen Dateien eine Sicherheitskopie erstellt, sichert es beim inkrementellen beziehungsweise differenziellen Backup nur die Unterschiede zwischen einem bereits vorhandenen Backup und der aktuellen Version. Der Unterschied zwischen dem inkrementellen und differenziellen Backup: Bei der inkrementellen Sicherung berücksichtigt das Programm alle seit dem letzten Vollbackup veränderten Dateien, bei der differenziellen lediglich die seit der letzten differenziellen Sicherung entstandenen Unterschiede. Details dazu erklärt der Artikel zu den Backup-Grundlagen in diesem Schwerpunkt [2]. Aus Platzgründen empfiehlt sich das differenzielle Backup. Egal für welche Methode Sie sich entscheiden: Bei der allerersten Datensicherung erstellt das Java-Tool immer ein Vollbackup. Das dauert je nach Umfang der zu sichernden Dateien und dem gewählten Speicherort (lokale Festplatte oder FTP-Server) von mehreren Minuten bis zu mehreren Stunden.
Gerade bei einem ersten Vollbackup sollten Sie das Archiv nach der Sicherung unbedingt auf Konsistenz überprüfen. Im Fall von Areca erledigen Sie das über einen Klick auf die Checkbox Archive nach Backup überprüfen. Soll Areca den gesicherten Daten zusätzliche eine Datei mit Hinweisen zum Backup hinzufügen, dann markieren Sie die Option Hinzufügen eines Manifest und geben anschließenden einen Titel sowie eine Kurzbeschreibung an (Abbildung 2). Ein erneuter Klick auf Backup starten richtet die Sicherheitskopie ein.
In unseren Tests fror das Programmfenster bei längeren Backups auf einen FTP-Server in machen Fällen ein, im Hintergrund arbeitete das Tool jedoch weiter und die grafische Oberfläche war nach Abschluss des Backups wieder normal erreichbar.
Daten wiederherstellen
Nach dem erfolgreichen Backup sehen Sie einen Eintrag auf dem Reiter Archive. Das Icon davor zeigt an, ob es sich um ein volles, inkrementelles oder differenzielles Backup handelt. Per Rechtsklick auf ein solches Archiv stellen Sie sämtliche Dateien wieder her. Markieren Sie einen der Einträge und wechseln auf den Reiter Logische Darstellung, dann finden Sie hier die einzelnen Dateien der Sicherung. Über einen Rechtsklick auf einen Eintrag stellen Sie die Datei oder auch ein komplettes Verzeichnis wieder her (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Hauptfenster von Areca mit einer Sicherung. Per Rechtsklick stellen Sie Dateien und Verzeichnisse wieder her.
Dateien, die im Original gelöscht wurden, und leere Verzeichnisse stellt das Tool ausgegraut dar. Unter Dateiverlauf finden Sie Hinweise darauf, wann die Datei gelöscht wurde beziehungsweise bei welchem Backup sie zum ersten Mal nicht mehr mitgesichert werden konnte. Über das volle Backup lässt sich eine solche Datei aber jederzeit problemlos wiederherstellen. Der Reiter Journal gibt eine Übersicht über die einzelnen Aufträge. Er zeigt dabei auch die missglückten Backup-Versuche an. Detailliertere Informationen zu jedem Ziel finden Sie auf den Reitern Indikatoren und Protokoll.
Um eine bestimmte Datei eines Backups zu finden, wechseln Sie auf den Reiter Suche und geben hier den gewünschten Begriff oder einen regulären Ausdruck ein. Der Reiter Fortschritt hält Sie bei einem aktiven Job auf dem Laufenden.
Weitere Features
Neben diesen Grundfunktionen verfügt Areca noch über zahlreiche Zusatzfähigkeiten. So lassen sich zum Beispiel Vollbackups und inkrementelle Backups nachträglich zusammenfügen oder Backups regelmäßig ausführen. Areca bringt selbst keinen Timer mit, sodass sich die einzelnen Aufträge nicht direkt in Areca automatisieren lassen. Das Tool hilft Ihnen aber über einen Assistenten, Backup-Skripte zu erstellen, die Sie dann zum Beispiel per Cron regelmäßig ausführen lassen.
Wählen Sie dazu Bearbeiten | Assistent | Ein Backup-Skript erstellen beziehungsweise Bearbeiten | Assistent | Backup-Skripte für Sicherungsplan erstellen. Nützlich fanden wir in den Test auch die Funktion Bearbeiten | Ziel kopieren: Damit erstellen Sie eine Kopie des aktuellen Backup-Auftrags, um zum Beispiel eine zusätzliche Kopie auf einem FTP-Server abzulegen.
Fazit
Bei Areca handelt es sich um ein mächtiges Backup-Programm mit sehr vielen Einstellungsmöglichkeiten und einer einfachen Recovery-Funktion. Um das Tool perfekt zu machen, benötigt es eigentlich nur noch einen integrierten Scheduler, um Dateiverluste durch ein vergessenes Backup zu verhindern.
[1] Projekt-Homepage: http://www.areca-backup.org
[2] Backup-Grundlagen: Thomas Leichtenstern, “Daten(ver)sicherung”, LinuxUser 08/2009, S. 26, http://linux-community.de/artikel/18421/







