Seit dem der chinesische Hersteller Lenovo die gesamte PC Sparte von IBM gekauft hat sprechen Kritiker von einem deutlichen Qualitätsverlust der Thinkpad Notebooks. Aufklärung soll dieser Test eines X301 und der Vergleich zu einem T60 bieten.
Um eines vornweg zu nehmen. Der Vergleich eines T60 und eines X301 hat etwas von dem Vergleich eines Apfels mit einer Bowlingkugel. Die Thinkpad T Serie ist auf pure Leistung getrimmt während die X Serie für Transportabilität steht. Der X Serie entspringen außerdem regelmäßig Tablet PCs. Da das T60 aber das einzige andere Thinkpad in meinem Besitz ist und das T60 das letzte, von IBM selbst, entwickelte Notebook ist bietet sich ein vorsichtiger Vergleich dennoch an. Doch bevor ich mit dem eigentlichen Test beginne möchte ich kurz die Hintergründe erläutern warum ich mich für ein X301 entschieden habe.
Qual der Wahl
Ich war mit dem Thinkpad meines Vaters vollkommen zufrieden. Die Hardware überzeugte mich voll und ganz. Der sprichwörtliche Ziegelstein Charakter den man Thinkpads häufiger nachsagt kam hier voll zur Geltung. An den mit kleinen Piktogrammen markierten Schrauben konnte man erkennen, dass das Notebook darauf ausgelegt war vom Besitzer selber gewartet und gegebenenfalls repariert zu werden. Dem entsprechend verhält sich auch der Support. “Ja die Y Taste klemmt ein bisschen” “Kein Problem wir schicken Ihnen einen neue Tastatur zu” – Ich hatte während der Lenovo Zeit zweimal mit dem Support zu tun. Einmal wegen der Tastatur und einmal wegen dem Akku und beide Male bekam ich sofort Ersatz zu geschickt. Ich muss ehrlich sagen das ich nicht weiß wie der Support zu IBM Zeit war, aber ich kann mir schlecht vorstellen das IBM mehr gemacht hat als das Teil sofort zugeschickt. Aber Genug Lob für das T60. Ich wollte auf jeden Fall wieder ein Thinkpad und wieder die T-Serie. Das 14″ T60 war von der Größe her OK und deshalb schaute ich mir das T500 und T400 näher an. Doch zu 100% überzeugten mich beide nicht. Das T500 (Lenovo hatte mittlerweile auf das Displayformat 16:10 gewechselt) war mir ein bisschen zu groß und das T400 hatte keinen digitalen Display Anschluss. Außerdem standen beim T400 die größeren Akkus bis zu 3cm hinten über. Das Gleiche hatte ich zwar schon beim T60, da war es aber nur ein guter Zentimeter. Die Tatsache das beide Notebooks zwei Grafikkarten hatten – die von mir präferierte onboard Intel und eine zusätzliche ATI – hätte ich ich zur Not noch ignoriert da ich wusste, dass man im Bios die ATI Karte abstellen konnte. Durch Zufall stolperte ich dann über ein Notebook, dass ich auf Grund der Serie eigentlich nie in Betracht gezogen hätte: Das X301. Mit einer Bildschirm Diagonale von 13.3″ ist das Display nur geringfügig kleiner als das 14.1″ Display des T60. Der Wechsel von 4:3 auf 16:10 sorgt dafür, dass das Display des X301 die gleiche Breite wie das des T60 hat und nur niedriger ist. Der Akku steht beim X301 im Gegensatz zum T400 nicht über. Außerdem verfügt das X301 über einen Digitalen Displayanschluß. (Übrigens zusätzlich zum Analogen VGA.)
Der Händler
Da ich sehr positiv vom Händler überrascht war möchte ich den auch an dieser Stelle erwähnen. Ich habe an einem Mittwoch im Studentenshop von notebooksandmore.net per Vorkasse (Überweisung) bestellt. Gegen Abend veranlasste ich die Überweisung. Am Donnerstag Vormittag kam die Bestätigung über den Geldeingang und wenige Stunden später die Versand Mitteilung. Das entspricht einer Reaktionszeit von weniger als 24 Stunden. UPS benötigte dann noch einmal 24 Stunden und am Freitag hielt ich mein Notebook in der Hand. Als das Notebook kam stellte ich zwei Dinge fest: Die Festplatte war doppelt so groß (128GB statt 64GB) und die UMTS/GPS Karte fehlte. Nach einem sehr freundlichen Telefonat mit dem Händler – “Die UMTS Karte fehlt” “Haben Sie das mal im Geräte Manager (unter Vista) nach geguckt?” “Ne, den hab ich nicht gefunden. Ich habs aufgeschraubt” – wurde mir die Karte kurzerhand zu geschickt, sodass ich über das Wochenende schon Linux auf dem Notebook installieren konnte.
Der Test
Packt man das X301 aus bekommt man erst einmal ein Schock. Das Notebook ist so extrem leicht das man sich unverzüglich fragt ob man wirklich für dieses Stück Plastik 2000 Euro bezahlt hat. Steckt man dann den Akku unter das Notebook bekommt das Notebook ein Gewicht das sich wesentlich besser anfühlt. (Laut Herstellerangabe irgendetwas um die 1.4kg) Der Akku befindet sich übrigens im Gegensatz zu anderen Thinkpad Modellen unter der Handballen Auflage und kann deshalb gar nicht überstehen.
Die gummierte Farbe die sich beim T60 noch über den Deckel erstreckte überzieht jetzt auch die Handballen Auflage und den Bereich um die Tastatur.Auf der Handballen Auflage befinden sich noch zwei Lautsprecher die einen wesentlich besseren Sound bieten als die des T60. Von der Stabilität ist das X301 auf keinen Fall mit einem T60 zu Vergleichen. Am deutlichsten sieht man dies an den Scharnieren. Die massiven Edelstahlschaniere des T60 sind Schanieren aus Kunsstoff gewichen (Kunststoff != Plastik) Die Verbindungen (Antennen und Display) die beim T60 noch durch ein Flachband Kabel liefen werden jetzt durch das Scharnier selber geleitet. Dem Deckel selber merkt man an, dass er wesentlich dünner geworden ist und somit einiges an Stabilität eingebüßt hat. Denoch: drückt man an einer beliebigen Stelle von Außen an den Deckel gibt der Kunststoff kein Stück nach. Auch auf viele andere Stellen des Gehäuses kann man mit aller Kraft drücken ohne das das Notebook nachgibt. Lediglich an bestimmten Stellen wie zum Beispiel im Bereich der Festplatte oder des Akkus (Handballenauflage) gibt das Gehäuse geschätzte 0.3mm nach. Übrigens erhöht der Einsatz des Ultraybay Akkus (DVD-Brenner durch Akku ersetzen) die Stabilität in der hinteren rechte Ecke deutlich. Zusammenfassend kann man vielleicht sagen: Es ist kein T60 mehr. Es ist dennoch verdammt stabil und auf jeden Fall stabiler als Notebooks die man sich bei Saturn/MediaMarkt schon mal angucken kann (Acer, Asus und der ganze Rest) Und hier nochmal der Hinweis: Die T Serie und die X Serie sind zwei komplett verschiedene Modelle. Berücksichtigt man die Tatsache, dass das X301 ungefähr die Hälfte des T60 wiegt, ist die Robustheit durchaus erstaunlich. Absolut gesehen mag die Stabilität leicht abgenommen haben, relativ zum Gewicht gesehen hat sie jedoch stark zugenommen.
Das Display hat wie das T60 eine Auflösung von 1440px. Die LED Hintergrund Beleuchtung lässt sich in 16 Stufen regulieren und wirkt wesentlich heller und klarer als die des T60. Bei schwarzem Bildschirm und hellster Einstellung sieht man das die Beleuchtung nur von oben und unten kommt und deshalb leicht ungleichmäßig ist. Sobald das Display aber nicht mehr ganz Hell leuchtet oder das Bild farbig wird fällt dies nicht mehr auf.
Da die CPU nur mit 1.4GHz taktet ist sie der einzige Schwachpunkt am System. Allerdings bemerkt man diesen Schwachpunkt nur sehr sehr selten. Andere Tests berichten das man mit der CPU problemlos Office und Internet machen kann. Dieser Test kann noch zusätzlich berichten, dass das Kompilieren des gesamten Systems (Gentoo) problemlos möglich ist. Das Eclipse und Java Entwicklung möglich ist ohne die CPU nennenswert aus zu lasten, und das die Virtualisierung von Windows in kvm auch kein Problem darstellt. 720p h264 Filme werden ohne Probleme auf einem der zwei Kerne dekodiert. Bei 1080p kommt es zu Rucklern wenn nur einer der beiden Kerne benutzt wird. Auf zwei Kernen sollte das an sich kein Problem sein, allerdings hat mplayer Probleme mit Multithreading. Sonderlich überraschend sind die Ergebnisse jedoch nicht, wenn man sich vor Augen hält das auf den meisten Maschinen eher Festplatte und RAM das Bottleneck sind. Erstaunlicher wird dies jedoch wieder wenn man bedenkt das die SSD-Festplatte extrem schnell ist und so dieses Bottelneck ein gutes Stück weiter öffnet. Über zu wenig RAM brauch man sich bei 4GB auch erstmal keine Gedanken machen. Selbst Firefox, Eclipse und Windows in KVM ließen den Speicher nicht voll werden.
Trotz der hohen Leistung verbraucht das Notebook nur 9-10 Watt mit angeschaltetem Wlan, surfen im Internet und Display bei ausreichenden 4/16. Display auf voller Helligkeit erhöht den Verbrauch um 2 Watt. CPU auf voller Lasst erhöht den Verbrauch um 7 Watt. Der gesamt Verbrauch steigt also in der Regel nicht über 20 Watt. Das gibt dem Notebook selbst im Schlimmsten Fall noch eine Laufzeit von gut 3 Stunden. Bei Office/Internet mit Wlan liegt die Laufzeit bei guten 6 Stunden. Im Büro mit externem Display und kabelgebundenem Internet kann man dies noch einmal erhöhen. Allerdings kann man in diesem Fall auch gleich das Netzteil mit nehmen das im Vergleich zum T60 deutlich kleiner und leichter geworden ist.
Abgerundet wird der Positive Eindruck des X301 von Kleinigkeiten wie einer eingebauten Webcam, einer sehr geringen Hitzentwicklung (Die CPU wird selten wärmer als 40°C) und einem leisen Lüfter. Erstaunlicherweise dreht der winzige Lüfter extrem hochturig (5000rpm) und ist dennoch nur hörbar wenn man mit dem Ohr direkt zum Lüfter geht. Weitere winzige aber sehr nützliche Kleinigkeiten sind die großen Abstände der USB Ports die auch den Betrieb von dickeren USB Sticks zulassen. Wie von allen Thinkpads gewöhnt ist auch wieder der kleine Schalter vorhanden der alle Funkverbindungen per Hardware abschaltet. Und natürlich: Das Display wird mit einem richtigen Verschluss zugemacht und nicht einfach nur zugeklappt.
Fazit
Ein sehr teures Notebook mit sehr guter Leistung bei sehr geringem Gewicht und einer vernünftigen Display- und Tastaturgröße. Wem Netbooks zu klein zum ernsthaften arbeiten sind und 15″ Notebooks zu groß und zu schwer sind um sie überall mit hin zu nehmen der sollte einen Blick auf das X301 werfen. Der Akku macht zwar keinen ganzen Arbeits- oder Konferenz Tag mit aber kommt zumindest nahe an dieses Ziel heran.







Mein X301 ha eine Standardtemperatur von 41°C (mit tpfand gemessen). Und die CPUs laufen stets auf ~20% (Xorg, kubuntu 9.4).
Kannst du mir deinen Kontakt schicken? Ich tüftle an einem tpfand profil aber ich hab den Eindruck, mein Laptop ist viel zu heiss. Es gibt auf notebookreviews.com einen Artikel, der besagt 90°F, was etwa 32°C sind. Darauf komme ich NIEMALS. Bei keinem der Sensoren.
PS: Meine 5000RPM sind also hörbar ;)
Gruss
Patrick (patrick dot fehr at fbc dot ch)
Das Geraet als leise zu bezeichnen finde ich schon sehr waghalsig. Ohne angepasste Lueftersteuerung ist es eines der lautesten Notebooks (wenn nicht das lauteste) von Lenovo ueberhaupt.
Viele Gruesse
Marcus
Die Scharniere sind nicht wie hier ausgeführt aus Kunstoff, sonder Metall RAL 9010 gepulvert.