Multimedia-Box 1 TB von Digittrade

Aus LinuxUser 01/2009

Multimedia-Box 1 TB von Digittrade

Volksempfänger

Die Multimedia-Box 1TB von Digittrade kombiert Videorekorder, Mediaplayer und Gigabyte-Festplatte zu einem kompakten Media-Center fürs Heimnetz.

Multimedia-Center liegen schwer im Trend – nicht zuletzt deswegen, weil sie die Funktionen einer Vielzahl von Geräten in sich vereinen. So spielen sie Filme und Musik ab oder sorgen mit einer Diaschau für einen geruhsamen Abend. Die Multimedia-Box 1TB von Digittrade [1] bringt eine 1-TByte-Festplatte mit und stellt neben diversen USB-Anschlüssen auch einen Fast-Ethernet-Port bereit, über den sie das Gerät ins heimische LAN einbinden. Auch der Preis von 219 Euro kann sich angesichts der Funktionsvielfalt sehen lassen.

Hardware

Digittrade liefert das Gerät (Abbildung 1) mit einem USB-Anschlusskabel, einem Netzteil, einer Fernbedienung samt Batterien sowie den benötigten Videokabeln aus. Schon beim Auspacken stellt sich die erste Ernüchterung ein: Die Festplatte wackelt im wenig wertigen Plastikgehäuse spürbar herum. Als Ursache entpuppt sich eine gebrochene Festplattenhalterung – ob ein Materialfehler oder ein Transportschaden vorliegt, ließ sich nicht abschließend klären. Zu dem Schaden mag aber beigetragen haben, dass die Platte an nur zwei der vorhandenen vier Befestigungspunkte angeschraubt war. Einen nachträglichen Austausch des Massenspeichers hat der Hersteller übrigens offenbar nicht vorgesehen – der Deckel des Gehäuses lässt sich nicht ohne Beschädigungen abnehmen.

Beim ersten Einschalten folgt sogleich die zweite Enttäuschung: Die Mediabox surrt in einer auf die Dauer ziemlich nervtötenden Tonlage vor sich hin. Als Ursache dafür stellt sich schnell der kleine Lüfter auf der Gehäuserückseite heraus.

Abbildung 1: Die Multimediabox von Digittrade besitzt eine 1 TByte große Festplatte und diverse Anschlussmöglichkeiten für externe Datenspeicher.

Abbildung 1: Die Multimediabox von Digittrade besitzt eine 1 TByte große Festplatte und diverse Anschlussmöglichkeiten für externe Datenspeicher.

Als Festplatte kommt laut Digittrade eine 1-TByte-SATA-Festplatte von je nach Anbieterlage wechselnden Herstellern zum Einsatz. In unserem Testgerät steckte eine Disk von Western Digital aus der Caviar-Green-Serie (WD10EACS). Der mit einer SATA-II-Schnittstelle versehene Datenträger arbeitet mit 7200 Umdrehungen pro Minute und besitzt einen 16 MByte großen Pufferspeicher. Die durchschnittliche Zugriffszeit liegt bei 8,9 ms, der Verkaufspreis zwischen 90 und 100 Euro. Der Hersteller hat die Platte in zwei Partitionen mit je 465 GByte aufgeteilt und die erste davon mit FAT32, die zweite mit NTFS formatiert.

Anschlüsse

Die Box besitzt zwei USB-Anschlüsse. Einer davon dient zum Einstecken portabler Massenspeicher, wie etwa USB-Sticks oder Wechselfestplatten. Die dürfen bis zu 750 GByte Kapazität aufweisen, müssen aber entweder mit NTFS oder FAT32 formatiert sein. Der zweite Anschluss ermöglicht die Verbindung mit PCs und erlaubt es damit, das Gerät als externe Festplatte zu betreiben. Um Bilder direkt von einer Kamera auf die Box zu übertragen, nutzen Sie den SD-Karten-Slot, der SSD- und MMS-Karten bis zu einer Größe von 4 GByte verwaltet. Darüber hinaus verfügt das Gerät über einen 10/100-Mbit/s-LAN-Anschluss sowie drei Video-Ein- und Ausgänge in Form von 3,5mm-Klinkenbuchsen. Eine davon gibt das Signal im High-Definition-Format (wahlweise 720p oder 1080i) an den Fernseher weiter. Ein HDMI-Ausgang fehlt jedoch ebenso wie eine Verbindungsmöglichkeit via WLAN oder Bluetooth – beides lässt sich auch nicht nachrüsten.

Datenübertragung

Zwar bewirbt der Hersteller die Möglichkeit, die Mediabox ins heimische Netz zu integrieren, doch die Box agiert lediglich als SMB-Client, nicht jedoch als Server. Um auf Medien auf einem Linux-PC zuzugreifen, müssen Sie dort zunächst den Samba-Server installieren und danach eine Freigabe definieren. Die einfachste Variante, ein für alle Benutzer les- und schreibbares Share, richten Sie mit folgender Ergänzung in der Datei /etc/smb/smb.conf ein:

[Freigabename]
path = /Pfad/zur/Freigabe/
read only = No
guest ok = yes

Bei den meisten aktuellen Distributionen müssen Sie diese Datei aber gar nicht mehr von Hand editieren. Unter OpenSuse etwa klicken Sie einfach mit der rechten Maustaste auf das gewünschte Verzeichnis und wählen aus dem Kontextmenü Eigenschaften. Danach richten Sie unter Freigabe das Share ein.

Beim Kopieren fiel die langsame Transferrate von gerade einmal 10 Mbit/s auf. Angesichts der Größe mitgeschnittener Filme (ja nach Qualität bis zu 4 GByte je Spielstunde) gerät die Übertragung auf den eigenen Rechner damit zum Geduldsspiel. Deutlich schneller geht das Kopieren über die USB-Schnittstelle: Hier kommt die Box auf eine Transferrate von 26 MByte/s, was etwa zwei Drittel der möglichen Geschwindigkeit von USB 2.0 entspricht.

Die Mediabox erlaubt das Abspielen von Mediendateien direkt von der Quelle, etwa einer Netzwerkfreigabe, auf ein TV-Gerät. Alternativ kopieren Sie die Inhalte auch auf die integrierte Festplatte. Allerdings zeigte sich im Test, dass ein rekursives Kopieren von Verzeichnissen vom Netz auf die lokale Platte nicht möglich ist: Sie müssen jede einzelne Datei von Hand zum Kopieren markieren.

Betrieb

Beim ersten Einschalten blieb die Box zunächst ohne Funktion. Das erwies sich als reproduzierbarer Systemabsturz, der immer dann auftritt, wenn Sie das Gerät das erste Mal nach dem Anstecken über den über den Taster an der Front anschalten. Bis das System betriebsbereit ist, vergehen etwa 20 bis 30 Sekunden.

Sowohl die On-Screen-Benutzeroberfläche als auch die Fernbedienung erwiesen sich als sehr benutzerfreundlich und ermöglichten ein intuitives Bedienen der Box. Allerdings reagierte sie auf Anweisungen recht träge, und ließ schon mal die eine oder andere Sekunde verstreichen, bis sie die gewünschten Aktionen ausführte.

Die Video-Ein- und Ausgänge erlauben es, das Gerät beispielsweise zwischen Fernseher und DVB-T-Empfänger zu schalten. Es agiert dann als Festplattenrekorder mit Timeshift-Funktion. Allerdings schleift das Gerät die Signale weder in ausgeschaltetem noch im Ruhezustand durch. Um fernzusehen, muss die Multimedia-Box in dieser Konstellation also ständig in Betrieb bleiben.

Das Timeshift ermöglicht, Sendungen bis zu 47 Minuten zu unterbrechen und danach aus dem Cache abzuspielen. In diesem Modus umgehen Sie beispielsweise Werbeeinblendungen durch schnelles Vorspielen. Ein Aufnahmetimer erlaubt, wie mit einem Videorekorder zu festgelegten Zeiten Sendungen aufzunehmen. Mangels internem DVB-Empfänger muss der externe dann allerdings auf dem richtigen Kanal angeschaltet sein.

Als Aufnahmemodus wählen Sie zwischen fünf verschiedenen Qualitätsstufen, von Long Play bis High Quality. In der besten Qualitätsstufe (HQ) fallen etwa 4 GByte pro Stunde Aufnahme an. Die Box speichert die Mitschnitte in der ersten, FAT-formatierten Partition und teilt sie selbständig in 4 GByte große Stücke auf, der größten von FAT32 verwaltbaren Einheit. Als Speicherformat kommt PS-MPEG (MPEG 2) zum Einsatz, das sich mit VLC oder Mplayer problemlos abspielen lässt.

Bei der Wiedergabe von Mediendaten zeigt sich die Box von ihrer besten Seite. Beinahe alle getesteten Filme spielte sie klaglos ab, lediglich bei Dateien im Format wmv, rm und mov verweigerte sie den Dienst. Beim Abspielen von Musikdateien (mp3, wma, aac und ogg) erscheinen auf dem Bildschirm die Meta-Informationen zu den jeweiligen Titeln. Auch Bilder im JPEG- und BMP-Format zeigt das Gerät an, auf Wunsch sogar als Diashow mit musikalischer Untermalung. Der Empfang gestreamter Mediadaten, etwa von Shoutcast [2], ist nicht möglich.

Fazit

Die Multimedia-Box 1TB von Digittrade bietet eine Fülle sinnvoller Features, die aber angesichts ihrer größten Schwäche an Wert verlieren: der nicht unerheblichen Geräuschentwicklung, die gerade beim fernsehen schnell nervt. Hier hätte Digittrade gut daran getan, etwas mehr Geld für einen lautlosen Gehäuselüfter auszugeben. Warum die Entwickler der Box keinerlei Serverfunktionen bescherten und damit ihr Potenzial beschnitten, bleibt unklar.

Digittrade Multimedia-Box 1TB

Hersteller Digittrade (http://www.digittrade.de)
Modell Multimedia-Box LAN DIVX AVI DVD HDTV 1TB
Technische Daten
Speicherkapazität 1 TByte
Anschlüsse 10/100-MBit/s-Ethernet, USB 2.0 Host, USB 2.0 Device, AV In, AV Out, Y Pb Pr Out, SD/MMC-Card
Funktionen PVR mit Timeshift, Videoplayer, Audioplayer, Diashow, externe Festplatte, SMB-Client
Unterstützte Medienformate
Audio AAC, MP3, OGG, WMA
Video AVI, DAT, DIVX, MPG, TS, VOB, XVID (MPEG 1/2/4)
Bild BMP, JPEG
Allgemeines
Zubehör Fernbedienung (inkl. Batterien), Netzteil, USB-Kabel, 2 x AV-Kabel, deutsches Handbuch
Maße 165 x 165 x 64 mm
Preis 219,90 Euro

Infos

[1] Digittrade: http://www.digittrade.de

[2] Shoutcast: http://www.shoutcast.com

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