Das CMS Joomla

Aus LinuxUser 01/2009

Das CMS Joomla

© LNM AG

Buschtrommel

In nur drei Jahren mauserte sich Joomla zu einem der beliebtesten Content-Management-Systeme auf dem Markt. Dafür sorgen sowohl die extrem einfache Bedienung als auch der recht ordentliche Funktionsumfang, der sich über kostenlose Erweiterungen aufstocken lässt.

Wer den eigenen Internetauftritt nicht mehr in Handarbeit im Texteditor schreiben möchte, der greift heute zu einem Content-Management-System (kurz CMS). Es verwaltet auf dem Webserver alle Inhalte der Homepage, sorgt für ein einheitliches, schickes Aussehen und bietet komplexe Zusatzfunktionen an, wie etwa ein Diskussionsforum. So auch das noch recht junge Joomla [1]: Dessen Hauptentwickler hatten zuvor am Konkurrenten Mambo mitgestrickt [2], stiegen schließlich aus und bauten aus der letzten Mambo-Fassung die erste Joomla-Version. Deren Erfolg hält auch in der aktuellen Version 1.5.7 an, seine Mambo-Wurzeln hat das CMS mittlerweile größtenteils abgestreift.

Einspieler

Für den Betrieb von Joomla benötigen Sie einen Webserver mit PHP-Unterstützung und eine kleine MySQL-Datenbank – das wars. Solche Pakete bieten Webhoster für einige Euro im Monat an. Sie holen dann das aktuelle Paket von der Joomla-Homepage oder der Heft-DVD, entpacken es auf dem Server, rufen dessen Internetadresse auf und folgen den sieben Schritten des Installationsassistenten (Abbildung 1). Als Neueinsteiger sollten Sie auch die Beispiel-Homepage nutzen. Auf deren Basis bauen Sie nicht nur bequem den eigenen Auftritt auf, sie demonstriert auch alle Möglichkeiten des CMS. Der Umfang hat aber auch Schattenseiten: Bis Joomla eine Seite ausliefert, vergeht mehr Zeit, als bei so manchem Konkurrenten.

Abbildung 1: Der Installationsassistent prüft im ersten Schritt, ob alle Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb erfüllt sind, und führt anschließend komfortabel durch die eigentliche Installation.

Abbildung 1: Der Installationsassistent prüft im ersten Schritt, ob alle Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb erfüllt sind, und führt anschließend komfortabel durch die eigentliche Installation.

Bei einigen Webspace-Providern dürfen Sie über die Upload-Funktion des CMS einzelne Dateien nur bis zu einer bestimmten Größe hochladen. Um dennoch größere Bilder oder Dateien zum Download anzubieten, nutzen Sie den in Joomla vorhandenen FTP-Zugang. Da das CMS jedoch die Zugangsdaten im Klartext auf dem Webserver ablegt, sollten Sie bei Ihrem Webhoster einen zweiten FTP-Zugang anlegen und dessen Zugriff auf ein bestimmtes Verzeichnis begrenzen.

Hinterzimmer

Wie bei der Konkurrenz konfigurieren Sie auch Joomla über ein spezielles Backend. Wer diesem Deutsch beibringen möchte, muss ein deutsches Sprachpaket einspielen. Dieses übersetzt generell nur die Schaltflächen und Oberflächenelemente von Joomla, eine komplett mehrsprachige Homepage verlangt nach einer speziellen Erweiterung und eigenen Dolmetschern.

Wie Abbildung 2 zeigt, bedienen Sie das Backend wie normale Anwendungen: Am oberen Rand thront das vertraute Hauptmenü, im Bereich darunter zeigt Joomla Listen mit den vorhandenen Inhalten oder Konfigurationsmenüs. Diese nutzen Sie durchweg intuitiv – vorausgesetzt, Sie lassen sich auf die teilweise etwas merkwürdige Terminologie von Joomla ein.

Abbildung 2: Die Einstiegsseite des Backends, die Steuerzentrale von Joomla, bietet neben einem Schnellzugriff auf die wichtigsten Funktionen auch kleine Statistiken in den Registern am rechten Rand.

Abbildung 2: Die Einstiegsseite des Backends, die Steuerzentrale von Joomla, bietet neben einem Schnellzugriff auf die wichtigsten Funktionen auch kleine Statistiken in den Registern am rechten Rand.

Artikelflut

Joomla bezeichnet neue Inhalte stets als Beiträge. Die gleichen einem herkömmlichen Zeitungsartikel. Neue Beiträge speisen Sie über den komfortablen WYSIWYG-Editor TinyMCE aus Abbildung 3 ein, der auch in anderen Webanwendungen seinen Dienst verrichtet [3]. Längere Beiträge brechen Sie über Mausklicks auf mehrere Internetseiten um, eine Vorschau hilft beim Begutachten. Bilder laden Sie über die eingebaute Medienverwaltung hoch. Fertige Beiträge verbannen Sie vorübergehend von der Homepage oder verschieben sie in ein Archiv. Wer häufig seine Texte überarbeitet, vermisst schnell eine Versionsverwaltung – Joomla protokolliert lediglich das letzte Änderungsdatum.

Abbildung 3: Die Bearbeitungsbildschirme sehen auf den ersten Blick etwas überladen aus, lassen sich aber recht intuitiv bedienen.

Abbildung 3: Die Bearbeitungsbildschirme sehen auf den ersten Blick etwas überladen aus, lassen sich aber recht intuitiv bedienen.

Um bei vielen Beiträgen nicht den Überblick zu verlieren, gruppieren Sie diese thematisch in Kategorien, die Sie wiederum in Bereichen zusammenfassen. In einem Kinoportal richten Sie etwa einen Bereich für Filmkritiken ein, in den Sie Kategorien für Actionfilme, Komödien und so weiter stecken, die dann die Beiträge enthalten. Dummerweise nagelt Joomla seine Betreiber auf dieses dreistufige System fest, dem Sie nur über Tricks entrinnen.

Das Aussehen der Beiträge auf der Homepage regeln Designvorlagen, die so genannten Templates. Sie bestehen aus einer herkömmlichen HTML-Datei, angereichert mit CSS und speziellen Joomla-Befehlen. Ein Assistent, der beim Erstellen eines Templates helfen könnte, fehlt. Sprechen Sie kein HTML, ist es daher nur ein schwacher Trost, dass sich die Einarbeitungszeit in die Spezialbefehle in Grenzen hält. Mit etwas Glück finden Sie im Internet ein zum Auftritt passendes Template.

Du kommst hier net rein!

Welche Besucher der Homepage neue Artikel schreiben dürfen, regelt eine kleine Benutzerverwaltung. Nur wer sich mit Pseudonym und Passwort authentifiziert, erhält Zugriff auf eine Teilmenge der von Joomla angebotenen Funktionen. Jeder registrierte Benutzer ist Mitglied in einer von sieben Gruppen, die unterschiedlich weitreichende Befugnisse besitzen.

So erhalten lediglich Personen vom Rang eines Managers, Administrators oder Super-Administrators Zugang zum Backend. Alle anderen müssen ihre Arbeiten in einem extra dafür eingerichteten Bereich auf der Homepage erledigen. Damit erreichen Sie auch schon das Ende der Fahnenstange: Eine feinere Benutzerkontenverwaltung gibt es nur über Erweiterungen. Immerhin existiert ein Mini-Moderationssystem: Über die Homepage eingereichte Texte landen in einer Warteschlange, bis ein Moderator sie freischaltet.

Nachschub

Neue Funktionen lernt Joomla über Erweiterungen, von denen Sie unzählige im Internet finden, etwa unter [4]. Erstaunlich viele von ihnen wurden aber schlampig programmiert, reißen Sicherheitslücken auf oder legen gleich das gesamte CMS lahm. Eine weitere Falle lauert in dem mit Version 1.5 eingeführten Unterbau: Der Kompatibilitätsmodus für ältere Erweiterungen arbeitet eher schlecht als recht. Nicht zuletzt bestehen komplette Erweiterungen auch noch aus mehreren Einzelteilen – den Komponenten, Modulen und Plugins – die Sie einzeln einspielen und per Hand auf dem neuesten Stand halten. Dies führt zu dem Gefühl, einen Sack Flöhe zu hüten.

Fazit

Benutzer von Joomla schätzen dessen einfache Bedienung, die kurze Einarbeitungszeit, die lebendige Community, die etwa im Forum [5] schnell zu Hilfe eilt, und nicht zuletzt die endlose Zahl Erweiterungen.

Viele Erweiterungen wirken aber schlampig programmiert und haben Defizite in punkto Sicherheit und Stabilität – was nicht die Schuld der Joomla-Entwickler ist. Daher sollten Sie ins Auge gefasste Erweiterungen zunächst auf Herz und Nieren prüfen.

Unter dem Strich empfiehlt sich Joomla für kleinere und private Internetauftritte, größere Projekte stoßen sich schnell an den Limitierungen der Benutzerverwaltung und der eingeschränkten Performance.

Datenblatt Joomla

Aktuelle Version 1.5.x
Homepage www.joomla.org
Lizenz GPL
Umgebung/Voraussetzungen MySQL 3.23, Webserver (vorzugsweise Apache ab 1.3), PHP 4.3.10
Verwaltung mehrerer Auftritte/Homepages Nein (nur über mehrere Installationen)
Barrierefreiheit Nur mit entsprechendem Template
Enthaltene Zusatzfunktionen Umfrage, Kommentare, Kontaktformular, Werbebanner, RSS-Feeds, Suche
Erweiterung des Funktionsumfang möglich Ja (über Plugin-System)
Templates Ja, HTML-Kenntnisse erforderlich
Template-Editor Keiner
Benutzer-/Rechteverwaltung Ja (über feste Gruppen)
Authentifizierung über externe Dienste Ja (LDAP, OpenID, Gmail, weitere über Plugins)
Moderation der Inhalte Ja
Mehrsprachige Oberfläche/Homepage Ja/Ja (über Sprachpakete)
Medienmanager Ja (rudimentär)
WYSIWYG-Editor Ja (austauschbar)
Vorschau möglich Ja
Versionierung der Inhalte Nur Datum der letzten Änderung
Benutzerfreundlichkeit der Oberfläche Leicht, schnelle Einarbeitung
Drag and Drop-Unterstützung Nein
Bildmanipulation Thumbnail-Generierung
Assistent beim Anlegen neuer Inhalte Ja
Rechtschreibprüfung Nein
Zugriffs- und weitere Statistiken Ja
Geschwindigkeit Langsam bei Seitenaufbau und Auslieferung
Sicherheit Entwickler reagieren schnell
Sandbox Nein
Nutzt SSL-Komponenten Nein
Dokumentation Wiki, Online-Hilfe, Internetseiten Dritter, zahlreiche Bücher im Handel
Support Nur über Forum, zahlreiche Unternehmen bieten Leistungen an
Automatische Updates Nein (Nur Anzeige der letzten Version)
Suchmaschinenoptimierung (SEO) Ja (URL Rewrite)
Backup der verwalteten Inhalte Nein (Manuell)
Infos

[1] Joomla-Homepage: http://www.joomla.org

[2] Vorgänger Mambo: http://mambo-foundation.org/

[3] TinyMCE Editor: http://tinymce.moxiecode.com/

[4] Katalog mit Joomla-Erweiterungen http://extensions.joomla.org

[5] Joomla-Forum: http://forum.joomla.org

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