Mit einem aufgeräumten Desktop, aktueller Software-Ausstattung und guter Multimedia-Unterstützung will das auf Gentoo basierende Live-Linux Toorox vor allem Einsteigern den Weg zum freien Betriebssystem ebnen.
Entwickler Jörn Lindau plaudert aus dem Nähkästchen über die Erstellung der Gentoo-Live-DVD Toorox, deren Zielsetzung und Fähigkeiten.
Toorox 10.2008
| Basis | |
|---|---|
| Kernel | 2.6.26-gentoo-r2 |
| X.org-Server | 1.4.2 |
| Compiz | 0.7.8 |
| KDE | 4.1.2 |
| Produktivität | |
| OpenOffice | 3.0 |
| Firefox | 3.0.3 |
| Thunderbird | 2.0.0.17 |
| Werkzeuge | |
| Gimp | 2.6 |
| K3b | 1.0.5 |
| Wine | 1.1.6 |
| Multimedia | |
| Audacious | 1.5.1 |
| Ardour | 2.5 |
| Kino | 1.3.1 |
| Cinelerra | 20080717 |
Die Live-DVD Toorox [1] basiert auf Gentoo Linux [2], ich habe sie aber von Grund auf manuell erstellt – kombiniert mit Skripten von Klaus Knopper aus Knoppix [3] (linuxrc, rebuildfstab u.a.) und z4ziggy vom Archie-Projekt [4] (mkxcfg, lshwd, …).
Toorox ist für i686 32-Bit Architekturen konzipiert (Intel Pentium II aufwärts) und beinhaltet den unstable-Zweig (~x86) von Gentoo. Kurz und knapp lässt sich Toorox so beschreiben:
- Gentoo als Basis, KDE als Arbeitsumgebung,
- aufgeräumter Desktop. keine überladenen Menüs,
- einfaches Kontrollzentrum,
- 3D-Treiber, Multimedia, Java und Flash per Klick einfach nachinstallierbar,
- Installation auf Festplatte möglich.

3D-Treiber, Multimedia-Plugins, Java und Flash lassen sich unter Toorox per Mausklick jederzeit nachinstallieren.
Die Idee zur Entwicklung von Toorox entstand, weil es zum einen fast kein Live-System gibt, das auf Gentoo basiert. Zum anderen wollte ich keine aktive Live-Distribution einfach remastern. Die erste Version der Live-DVD erschien im Oktober 2006, der Release-Zyklus liegt in etwa bei drei Monaten. Nach dem Start von KDE 4 habe ich Toorox in KDE-3- und KDE-4-Varianten gesplittet – ein absehbarer Zeit fällt wohl die KDE-3-Version weg, aber noch ist es nicht soweit.
Kernkomponenten und Pakete
Toorox kann nicht immer Bleeding Edge sein: So müssen etwa die proprietären Grafiktreiber, die sich per Mausklick nachinstallieren lassen, auch mit dem eingesetzten Kernel und dem X.org-Server zusammenarbeiten. Deswegen kommen bei der aktuellen Toorox 10.2008-KDE4 weder der neueste Kernel 2.6.27 noch der aktuelle X.org-Server 1.5 zum Einsatz. Näheres zur Ausstattung finden Sie in der Tabelle “Toorox 10.2008”.
Die Software lädt Toorox nicht, wie bei fast allen anderen Distributionen üblich – in Binärform von der Entwickler-Website herunter. Stattdessen holt es die Quelldateien der Programms und übersetzt und installiert diese anschließend auf dem Rechner. Das kostet zwar Zeit, aber die mittlerweile üblichen Mehrkern-CPUs beschleunigen den Kompiliervorgang natürlich gewaltig.

Um die Verwaltung der Software kümmert sich bei Toorox der komfortable grafische Paketmanager Porthole. Er dient als Frontend zu Gentoos Paketmanagementsystem Portage.
Look and Feel
Nachdem Sie die DVD gebootet haben, stehen Ihnen eine Vielzahl von Programmen zur Verfügung, mit denen Sie arbeiten können. Alles lässt sich live von der DVD testen, ohne dass ein auf Festplatte vorhandenes Betriebssystem angetastet würde.
Insbesondere Linux-Anfänger bzw. Windows-Umsteiger bekommen so gefahrlos einen Einblick, wie es sich mit Linux arbeiten lässt und wie KDE als Desktop aussieht. Meiner Meinung nach stellen die Verzeichnisstruktur und die Programmnamen anfangs größte Hindernis für Umsteiger dar. K3b, Kopete, Audacious, Kscd – was ist das? Nero, ICQ, Explorer und das Startmenü kennt hingegen fast jeder.

Hilfreich gerade für Einsteiger: Beim Bedienen von Toorox muss man nicht jedes Programm mit Vornamen kennen – es reicht, zu wissen, was man gern tun möchte.
Das ist auch der Grund, warum bei Toorox sowohl in der Leiste als auch im K-Menü jeweils ein Fragezeichen-Symbol zum Aufruf von Hilfetexten liegt. Es soll einfach als zusätzliche Unterstützung für Umsteiger dienen. Ähnliches gilt für die Systemkonfiguration – sie sitzt direkt daneben. Alles Nötige lässt sich so von einem Fenster aus konfigurieren. Das gilt auch für den 3D-Desktop, den Sie per Mausklick aktivieren, sofern bereits den 3D-Treiber für die Grafikkarte installiert ist.
Toorox auf der Festplatte
Gefällt Ihnen Toorox und möchten Sie häufiger damit arbeiten, werfen Sie den Installer an: Er kopiert das ganze Live-System auf die von Ihnen zugewiesene Zielpartition. Dieser Vorgang dauert etwa eine Viertelstunde. Danach steht auf der Festplatte ein komplettes Gentoo Linux zur Verfügung, das natürlich um Einiges schneller ist, als das live von der DVD gestartete.

Sagt Ihnen das Live-System in Sachen Bedienung und Ausstattung zu, bringt der Installer es in Minutenschnelle unkompliziert auf die Festplatte.
Konfigurationen und Berechtigungen übernimmt der Installer direkt vom Live-System, sodass Sie von der Platte genauso einfach arbeiten können, wie von der DVD gewohnt. Der Extra-Vorteil von Toorox: Machen Sie das installierte System – etwa durch eine Fehlkonfiguration – einmal unbrauchbar, booten Sie einfach wieder die DVD, und in zehn Minuten ist das System frisch installiert.
Fazit
Letztlich will Toorox aber eigentlich nur einen einfacheren Einstieg in Linux bieten – jedem, der mehr über Linux und Gentoo wissen möchte, sei eine richtige Gentoo-Installation ans Herz gelegt: Der Lernfaktor ist hier sehr hoch. Zwar braucht man für diese Installation ein Handbuch, aber der Einsatz lohnt sich.
[1] Toorox: http://toorox.de
[2] Gentoo: http://www.gentoo.org
[3] Knoppix: http://www.knoppix.net
[4] Archie: http://archie.dotsrc.org






