Forumlinux server verschwindet
vincent lucassen – Mittwoch, 19. Dezember 2007 15:40 Uhr

hab ein kleines netzwerk: linux server mit 4 windows2000 PCs
Software: samba

Problem: kühler des servers ist eingegangen. Server hat sich brav abgeschalten. Kühler erneuert. Jetzt verschwindet aber der Linuxserver kurz nach dem hochfahren aus dem netzt: er ist zwar kurz sichtbar (lässt sich anpingen) aber verschwindet nach ung. eine minute. Hab das jetzt mehrere malen wiederholt, immer das gleiche: Kurz im netzwerk sichtbar (ich schau via einen der PCs) aber dann ist er wieder weg. Der Server läuft aber an sich prima konstant weiter – und die PCs bleiben unter einander sichtbar.
Kann es etwas mit die Netzwerkkarte sein? Ich würde sagen nein, weil er ja zuerst sichtbar ist.
Oder ist etwas falsch mit die IP adresse-zuweisung? vielleicht meldet der server sich kurz an, ist sichtbar, bekommt dann irgendeine IP adresse zugewiesen und ist nicht länger auffindbar. Möglich?
Andere Ursachen?
Ich bin dankbar für jeder hilfe – der administrator ist nicht erreichbar und

2 Antworten
Manfred Knops – Mittwoch, 19. Dezember 2007 16:47 Uhr

Frage: Was verstehst Du unter verschwindet? Wodran merkst Du dass er verschwindet? Kannst Du den Rechner noch anpingen, wenn er “verschwunden” ist?

Moeglicherweise vermischst Du hier zweierlei Funktionen.
Einmal die Kommunikation der Rechner untereinander, die mittels TCP/IP funktioniert. Des weiteren den Browserdienst unter Windows. Dieser Dienst ist dafuer zustaendig, Rechner in Windows unter “Windows-Netzwerk” anzuzeigen. Dies funkioniert basierend auf der Netzwerkkommunikationsart Netbios.

Also, stelle fest ob der Linux Server mittels ping von den PC’s zu erreichen ist. Sollte das der Fall sein, ist der Rechner im Netz. Dann reagiert der Browserdienst unter Windows nicht richtig.
Ist der Server nicht mittels ping erreichbar. Dann hast Du ein TCP/IP Problem.

vincent lucassen – Mittwoch, 19. Dezember 2007 17:46 Uhr

danke für dein antwort. Server lässt sich nur kurz nach start pingen und dann nicht mehr (dann “verschwindet” er). ALso hab ich ein TCP/IP Problem. Wie ist es erklärbar dass er erst kurz zu pingen ist und dann nicht? Etwas mit auslesen der IPs?
Wie kann ich das TCP/IP problem angehen?

Manfred Knops – Donnerstag, 20. Dezember 2007 10:18 Uhr

Also ein TCP/IP Problem.
Um das Problem anzugehen, solltest Du Dich als root lokal an der Maschine anmelden. Dann erstmal einen Ueberblick ueber den Istzustand verschaffen.

Erst einmal eine kurze Erklaerung. Unter Linux werden kabelgebundene Netzwerkkarten ueblicherweise mit eth und einer fortlaufenden Nummer bezeichnet. Die erste Karte heisst z. B. eth0. Bei WLan Karten kann das abweichen. z. B. ath0.

1. Mit dem Programm ethtool kontrollierst Du die Einstellungen der Karte selber. Hierbei ist momentan die letzte Zeile (Link detected)interessant. Wenn dort Yes steht ist fuer das Betriebssystem schonmal hardwaretechnisch eine Verbindung vorhanden.
orion:~ # ethtool eth0
Settings for eth0:
Supported ports: [ TP ]
Supported link modes: 10baseT/Half 10baseT/Full
100baseT/Half 100baseT/Full
1000baseT/Full
Supports auto-negotiation: Yes
Advertised link modes: 10baseT/Half 10baseT/Full
100baseT/Half 100baseT/Full
1000baseT/Full
Advertised auto-negotiation: Yes
Speed: 1000Mb/s
Duplex: Full
Port: Twisted Pair
PHYAD: 0
Transceiver: internal
Auto-negotiation: on
Supports Wake-on: umbg
Wake-on: g
Current message level: 0x00000007 (7)
Link detected: yes

2. Mit dem Programm ifconfig kannst Du Dir die Konfiguration anzeigen lassen. Ohne Option (eth0) bekommst Du einen Gesamtueberblick. Mit der Option nur den Ausdruck fuer die ausgewaehlte Karte. Wichtig hierbei sind inet addr: (die eigentlich Ip-Adresse)und Mask: (die Subnetmask). Hier sieht das z. B. so aus.
orion:~ # ifconfig eth0
eth0 Link encap:Ethernet HWaddr 00:04:23:46:ED:25
inet addr:172.17.131.24 Bcast:172.17.131.255 Mask:255.255.255.0
inet6 addr: fe80::204:23ff:fe46:ed25/64 Scope:Link
UP BROADCAST RUNNING MULTICAST MTU:1500 Metric:1
RX packets:91115762 errors:0 dropped:0 overruns:0 frame:0
TX packets:71954125 errors:0 dropped:0 overruns:0 carrier:0
collisions:0 txqueuelen:1000
RX bytes:3758608568 (3584.4 Mb) TX bytes:4094047400 (3904.3 Mb)
Base address:0x7000 Memory:e2100000-e2120000

Das Aendern der Netzwerkkarteneinstellungen laesst sich einfach mittels der distributionseigenen Programme durchfuehren. Unter SuSE mit yast2 lan. Unter Fedora mit system-config-network.

2. Als naechste kontrollierst Du am besten das Routing. Das Routing ist sozusagen der “Routenplaner” fuer das Computernetzwerk. Hier sind dann auch wieder die Eintraege fuer ethX wichtig. Hier sieht das z. B. so aus.
orion:~ # route -n
Kernel IP routing table
Destination Gateway Genmask Flags Metric Ref Use Iface
127.0.0.0 0.0.0.0 255.0.0.0 U 0 0 0 lo
0.0.0.0 172.17.131.253 0.0.0.0 UG 0 0 0 eth0

Aenderungen hier lassen sich ebenfalls durch die Distrotools bewerkstelligen. Hier ist es yast2 routing oder system-config-network.

3. Als naechstes kontrollierst Du den eingetragenen DNS-Server. Der DNS-Server ist fuer die Namensaufloesung zustaendig. Wenn Du z. B. ping http://www.google.de aufrufst, sucht der DNS-Server zur Adresse http://www.google.de die passende Ip-Adresse. Das koennte z. B. so aussehen.
orion:~ # cat /etc/resolv.conf
nameserver 172.17.131.253
search domaine.org

Den DNS-Server aenderst Du am einfachsten durch editieren der Datei /etc/resolv.conf. Die Aenderung wirkt sich direkt aus!

4. Zu guter Letzt kontrollierst Du ob die Netzwerkkarte aktiviert wurde von Linux. In meinem Beispiel wirst Du beide Zustaende erkennen koennen.
orion:~ # ip link show
1: lo: mtu 16436 qdisc noqueue
link/loopback 00:00:00:00:00:00 brd 00:00:00:00:00:00
2: eth0: mtu 1500 qdisc pfifo_fast qlen 1000
link/ether 00:04:23:46:ed:25 brd ff:ff:ff:ff:ff:ff
3: eth1: mtu 1500 qdisc noop qlen 1000
link/ether 00:04:23:46:ec:e7 brd ff:ff:ff:ff:ff:ff
Listeneintrag 2, Karte eth0 ist eingeschaltet, erkennbar an dem Wort UP in den spitzen Klammern.
Listeneintrag 3, Karte eth1 ist nicht eingeschaltet. Hier fehlt das Wort UP.

Netzwerkkarten aktivierst Du mit dem Programm ifup, also ifup eth0.
Damit haettest Du alle Informationen ueber die Konfiguration des Netzwerks.

Zu guter Letzt und gern vergessen, die Firewall.
Bei dem von Dir beschriebenen Problem koennte ich mir vorstellen, dass die Firewall das Problem ist.
1. Zuerst einmal kontrollierst Du am besten ob ueberhaupt Regeln hinterlegt sind. In meinem Beispiel sind keine hinterlegt. Alles ist zugelassen, ersichtlich an dem ACCEPT unter keine Zeilen unter den target-Zeilen.
orion:~ # iptables -L
Chain INPUT (policy ACCEPT)
target prot opt source destination

Chain FORWARD (policy ACCEPT)
target prot opt source destination

Chain OUTPUT (policy ACCEPT)
target prot opt source destination

2. Jetzt kontrollierst Du noch, ob die Firewall eingeschaltet ist, oder nicht.
Eine nicht eingeschaltete firewall sieht unter Fedora 7 so aus:
[root@domino init.d]# /etc/init.d/iptables status
Firewall is stopped.
Und unter opensuse so:
orion:~ # /etc/init.d/SuSEfirewall2_init status
Checking the status of SuSEfirewall2 unused
orion:~ #

Sofern der Admin noch dokumentiert hat, welche IP-Adresse, welche Subnetmask, welchen DNS-Server und welche Route der Server haben soll, sollten Dir die gesammelten Infos helfen das Problem zu lokalisieren. Die Firewall laesst sich mit /etc/init.d/iptables stop, b. z. w. /etc/init.d/SuSEfirewall2_init stop abschalten. Das automatische Einschalten der Firewall verhinderst Du mit chkconfig iptables off, b. z. w. chkconfig SuSEfirewall2_init off. Die Aenderung kontrollieren kannst du indem Du das jeweilige off durch ein –list aenderst. Unter SuSE gibt es dann noch den Service SuSEfirewall2_setup. Den solltest Du sicherheitshalber auch kontrollieren.

Georg Schieche-Dirik – Donnerstag, 20. Dezember 2007 11:10 Uhr

Ich hatte mal eine ähnliche Symptomatik. Damals lags am Powermanagement, welches dazu führte, dass sich die Netzwerkkarten abschalteten (die hatten einen Fehler). Ich habe die Entsprechenden Programme deinstalliert, dann ging’s. Falls die o.g. Tipps nicht weiterhelfen, solltest Du dies mal versuchen.

Viel Erfolg