ForumSuSE 9.3 Pro als Server
Geesus – Samstag, 29. Oktober 2005 21:52 Uhr

Schönen Abend erstmal.

Hab folgendes Problem: Habe mir vor kurzem die OpenSource-Version von SuSE 9.3 Pro runtergeladen und auf einem P4 installiert. Ich möchte das System als Server nutzen, und ihm eine feste IP-Addresse zuweisen.

Da die Internetanbindung über WLAN läuft, habe ich einen USB-WLAN-Stick gekauft. Leider ist der qualitativ eher minderwertig, aber er funktioniert. Nun habe ich bereits versucht ihn zum laufen zu bringen, aber da SuSE 9.3 anscheinend keine spezifischen Treiber dafür bereitstellt, wollte ich wissen, ob es allgemeine Standard-Treiber für solche Geräte gibt, oder ob ich da ohne spezifische Treiber nicht weiterkomme?

Das Gerät ist ein TrendNET USB WLAN Adapter, TEW-229UB mit 802.11g Standard, aber nur 11Mbps Übertragungsrate.

Also kurz gesagt: Ich suche eine Anleitung um einen solchen USB Adapter unter SuSE 9.3 zu installieren und eine Quelle für ein How-To zum Thema Server-Einrichtung (Apache-Server)

Danke im Vorraus, Gee.

1 Antwort
Frank Hellmuth – Sonntag, 30. Oktober 2005 11:56 Uhr

Hallo,

Dein USB WLAN Stick scheint unter Linux lauffähig zu sein. Ich besitze keinen
Trendnet TEW-229UB, aber eine kurze Suche bei google ergab mehrere Treffer, von
denen ich Dir mal ein paar anhänge [1,2]. Es scheint jedoch nicht ganz einfach
zu sein den Stick zum Laufen zu bekommen — es gibt, wie oft bei Herstellern
von WLAN Geräten verschiedene Versionen mit verschiedenen Chips, die unter der
gleichen Typenbezeichnung verkauft werden, vielleicht nicht die einfachste
Übung für einen Linux Neueinsteiger. Kuriosum am Rande: Trendnet gibt auf [3]
an der 229UB würde nicht von Linux unterstützt, bietet jedoch auf [4] einen
Linux Treiber an (das File heißt sogar “Linux.zip”). Wenn man diesen entpackt
enthält er offensichtlich den Mac OS X Treiber. Da hat wohl jemand schwer
gepennt.

Versuch’s mal mit den Anweisungen in den ersten beiden Links, insbesondere der
zweite sieht recht vielversprechend aus, wenn’s nicht klappt, so teuer ist ein
billiger WLAN Adapter mit vernünftiger Linux Unterstützung heute auch nicht
mehr.

Zum “Server-HOWTO”: Es gibt Server Dienste wie Sand am Meer. Ein einzelnes
HOWTO wirst Du daher kaum finden, und auch wenn Du nach speziellen HOWTOS
suchst, kann es sein, daß Du eine Anleitung für z.B. ein Debian System findest.
Mit etwas Linux Erfahrung kann man zwar daraus Informationen bekommen, aber für
Einsteiger hat SuSE ja gerade ein dickes Administrations Handbuch in die 9.3
Box dazugelegt. Gerade der Apache ist “sehr konfigurierbar”, der YaST nimmt Dir
allerdings einen Großteil der “Detailarbeit ab. Eine (sehr kurze) Eräuterung
zur Konfiguration des Apache mittels des Yast findest Du z.B. unter [5].

Trotzdem würde ich Dir al Einsteiger nahelegen zumindest für die
“Erstkonfiguration” den entsprechenden Abschnitt im SUSE Administrations
Handbuch zu lesen. Wenn Du Geld sparen willst: So sehr hat sich die
Administration eines SuSE Systems zwischen den Versionen nicht geändert und
9.1 und 9.2 werden für 10 Euro gerade in den Elektronik Märkten
verschleudert.

[1] http://www.netstumbler.org/showthread.php?t=16007
[2] http://www.pcwelt.de/forum/thread175399.html
[3] http://www.trendware.com/support/os_compatibility.htm
[4] http://www.trendnet.com/kb/kbp_downloads.asp?toDo=browse&catID=310#
[5] http://www-uxsup.csx.cam.ac.uk/pub/doc/suse/suse9.3/suselinux-adminguide_en/sec.apache.yast.html

Geesus – Montag, 31. Oktober 2005 00:18 Uhr

Wow! Vielen herzlichen Dank für die Mühe, die Du Dir da anscheinend gemacht hast. Wird noch ein paar Tage dauern, bis ich sagen kann, obs mit den Tipps funktioniert hat, oder nicht, weil der Rechner im Büro steht, aber ich denke, damit müsste es eigentlich klappen.

Aber noch eine Frage zum Server-Problem. Gibt es nicht irgendeine Seite, wo ich z.B. nachlesen könnte, welche Arten von Servern und -Diensten es gibt, und welche ich davon wie einsetzen kann, und entsprechend auch, wie man diese Server-Dienste installiert?

Grundsätzlich müsste das System folgende Funktionen erfüllen können:

1. Apache
2. MySQL
3. PHP4
4. Mail
5. Firewall
6. Feste IP, um Zugriff von außerhalb zu ermöglichen
7. FTP-Funktion, um Dateien auf den Server von außerhalb laden zu können
8. SSH

und vllt. noch einige andere, aber die fallen mir jetzt auf Anhieb nicht ein.

Der Punkt ist einfach, dass ich zwar mit all diesen Programmen und Diensten mehr oder weniger umgehen kann, aber bisher noch nie selbst einen Server aufgesetzt habe, weder unter Linux noch unter Windows.

Meine Linux Erfahrung beschränkt sich leider auch auf anderthalb Jahre Rumspielerei mit SuSE 6.4 – 7.2 und RedHat sowie einigen weiteren Distributionen. Aber wirklich ernsthaft habe ich mich bisher leider trotzdem noch nie mit Linux auseinandergesetzt.

Noch mal herzlichen Dank für die schnelle und kompetente Antwort, und vielen Dank im Vorraus für jede Weitere.

Gruß, Gee.

Frank Hellmuth – Dienstag, 01. November 2005 20:10 Uhr

Na gut, wenn Du nun partout die Informationen die in den SUSE Handbüchern
ordentlich gedruckt stehen online zusammensuchen willst ;) : Der Link den ich
Dir zum Apache gegeben habe ist Teil einer Seite die ein SUSE Handbuch Online
zur Verfügung stellt [1]. Teil III, Services, bespricht ein paar der unter
SuSE 9.3 verfügbaren Server und deren Konfiguration mit dem YaST. Zum Thema
EMail (und noch ein paar andere glaube ich, wie Cups, …) Server hatte die c’t
gerade eine Reihe die die Konfiguration und das Einrichten z.B. eines Spam
Filters recht ausführlich beschrieb. Des weiteren schreibst Du, daß Du eine
feste IP brauchst. Dies ist aber keine Konfigurationsmöglichkeit Deines
Systems, sondern wird Dir von Deinem Internet Provider vorgegeben, meistens
erhält man als Privatkunde eben keine feste IP, sondern bei jedem
Verbindungsaufbau eine neue aus dem Pool des Providers. Dieses Problem kannst
Du aber z.B. mit einem (kostenlosen) Account bei DynDNS [2] (oder einem anderen
Anbieter dynamischer DNS) lösen, dann muß dies allerdings Dein Router
unterstützen, sofern Du einen benutzt (was ich wegen des WLAN Sticks aber stark
vermute). Auch brauchst Du wenn Du einen ssh Server auf Deinem Rechner laufen
läßt eigentlich keinen FTP Server um Dateien auf Deinen Computer “von außen” zu
bringen, ssh behinhaltet scp und sftp die genau diesem Zweck dienen.

[1] http://www-uxsup.csx.cam.ac.uk/pub/doc/suse/suse9.3/suselinux-adminguide_en/index.html
[2] http://www.dyndns.com/

Geesus – Dienstag, 01. November 2005 23:37 Uhr

Danke erstmal für die schnelle Reaktion. Ich bin nicht sonderlich scharf drauf, mir die ganzen Informationen aus den SuSe Handbüchern einzeln zusammenzusuchen, aber der Punkt ist, dass ich das System runtergeladen habe, und mir dabei keine Handbücher gelauden habe. Somit liegen sie bei mir nicht in gedruckter Form vor.

Ich hatte bereits einen Blick in die Online verfügbaren Handbücher geworfen, die SuSE selbst zum Download anbietet, aber die waren leider wenig aufschlussreich.

Gibts für Linux nicht irgendein Paket, (wie z.B. BigApache für Windows) das ich nur einzuspielen und zu konfigurieren brauche?

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der Router die feste IP – Geschichte unterstützt, und werde demnächst das ganze ausprobieren.

Danke nochmals für die schnelle Hilfe,

Gruß, Gee.

Frank Hellmuth – Mittwoch, 02. November 2005 15:06 Uhr

Die Konfiguration und Installation von Paketen erledigst Du unter SuSE im
YaST2. Starte diesen doch einmal. Klicke dann links auf “Network
Services” (oder “Netzwerk Dienste” wenn Du Deutsch als Sprache eingestellt
hast). Dann im Feld rechts auf “HTTP Server”. Wenn Du den Apache noch nicht
installiert hast, leitet der YaST Dich nun durch die Installation der nötigen
Pakete (und deren Abhängigkeieten). Anschließend landest Du auf einer
grafischen Konfigurationsseite in der Du den Apache grundsätzlich konfigurieren
kannst (sieh die Links in den vorherigen beiden Postings).

Genau das ist der Sinn des zentralen SuSE Adminstrationstools YaST.
Andererseits kommt man damit zwar auch ohne weitere Kenntnisse zu einem
funktionierenden Web Server, es ist allerdings nicht so ratsam, ohne
grundlegende Netzwerkentnisse, einfach so drauflos zu konfigurieren,
insbesondere wenn Du Deinen Server nicht nur intern betreiben willst. Schnell
kann man sich eine Sicherheitslücke ins System reißen und spätestens bei den
ersten Problemen muß man sich doch etwas intensiver mit der Administration
eines Servers beschäftigen. Von daher, die alten SuSE Versionen mit dem
Handbuch gibt’s gerade für 10 Euro… ;)

Mit dem Router hast Du was falsch verstanden: DynDNS ist gerade dafür da, daß
Dein Rechner einen DNS Eintrag mit einer dynamischen IP bekommt, d.h. jedesmal
wenn Du online gehst wird die IP deines Domain Names aktualisiert, so daß Du
immer unter dem gleichen Namen (z.B. GeesComputer.dyndns.org), aber unter
unterschiedlichen IPs (da kannst Du nichts gegen machen, was anderes bekommst
Du von Deinem Provider nicht) erreichbar bist.

Geesus – Mittwoch, 02. November 2005 16:08 Uhr

Ok, werde das mit YaST durchprobieren. Am Samstag werd ich wissen, obs so funktioniert.

Mit dem Router hab ich mich vielleicht etwas falsch ausgedrückt, aber hatte das schon richtig verstanden, was du gemeint hast. Aber danke dennoch für die nochmalige Erläuterung.

Ich sag dann bescheid, wies alles gelaufen ist.

Geesus – Samstag, 05. November 2005 13:56 Uhr

So, da bin ich wieder, und sitze grade neben dem besagten Linux-Rechner.

Ich habe mir die Treiber des TRENDNet USB Sticks angesehen, und kann bestätigen, dass dort MacOS10 Treiber enthalten sind, aber keine explizit für Linux.

Allerdings baut ja MacOS X auf einem Linux/UNIX (whatever) Kernel auf. Daher ist es doch eigentlich gut möglich, dass die MacOS X Treiber auch unter SuSE 9.3 laufen, oder?

Meine Frage in diesem Zusammenhang wäre dann: Wie bewerkstelligt man überhaupt eine Treiberinstallation unter linux?

Werd gleich noch einen Blick in die Online-Dokumentation werfen, aber frage einfach mal schon im Vorraus.

Gruß, Gee.

Frank Hellmuth – Dienstag, 08. November 2005 09:16 Uhr

Hallo!

Die Mac OS X Treiber kannst Du in keinem Fall unter Linux verwenden, zunächst
mal setzt Mac OS X auf einem Mach Microkernel mit einer BSD Personality auf.
Das würde es für Programmierer vielleicht etwas einfacher machen den Quellcode
des Treibers zu portieren, aber der fertige Binäre Treiber läuft nicht unter
Linux, allen schon weil die Apple Macs (noch) nicht auf x86 Prozessoren
basieren, sondern auf der PowerPC Architektur. Allerdings gibt es für Windows
WLAN Devices ein Linux Projekt um diese zu nutzen: NDIS Wrapper.

Eine allegemeine Antwort auf “Wie installiere ich einen Treiber unter Linux”
gibt es nicht. Das liegt daran, daß die meisten Treiber bereits im Linux Kernel
integriert sind. In diesem Fall braucht man nichts zu installieren, sondern muß
schlimmstenfallsz den Kernel neu konfigurieren und compilieren (Keine Angst,
das klingt schlimmer als es in Wirklichkeit ist!)

Ist der Treiber allerdings noch nicht in den Kernel integriert liegen dem
Treiber meistens recht genaue Anweisungen zur Installation bei. Für gewöhnlich
bedeutet das, daß Du die Sourcen des Treibers herunterlädst, entpackst, dann
mit “./configure” an Dein System anpasst, mit “make” compilierst und mit “make
install” den fertigen Treiber installierst. Evtl. mußt Du noch ein Firmware
File herunterladen und an eine in der Dokumentation angegeben Stelle im
Filesystem kopieren.

Dann mußt Du noch evtl. Optionen in den Konfigurations Dateien einstellen und
den Treiber mittels “modprobe” ins System laden. Wenn das alles glatt gegangen
ist kannst Du dann Deinen WLAN USB Stick entweder im YaST oder auf der
Kommandozeile mit den nötigen Informationen wie ESSID und WEB/WPA Key, DHCP,
Gateway, … und das Netzwerk anschalten.

Klingst kompliziert und ist für einen Neuling auch nicht sehr angenehm. Das ist
einer der Gründe warum Linux als Einsteiger unfreundlich gilt, zumal Du die
Installation wiederholen mußt, sobald Du einen neuen Kernel verwenden willst.
Der Grund ist allerdings der, daß die Hersteller die Linux Treiber
Programmierer nicht mit Informationen versorgen wie ihre Geräte denn nun genau
funktionieren. Das müssen die Treiber Programmierer dann mühselig durch
Experimentieren selbst herausfinden. Wenn der Treiber dann fertig ist und
stabil läuft wird er in den Kernel aufgenommen und in der nächsten SUSE Version
wird alles automatisch installiert und konfiguriert.