ForumViren unter Linux-wie groß ist nun die Gefahr?
Andre Weselsky – Donnerstag, 03. März 2005 18:01 Uhr

Hallo an alle,

mich würde es mal brennend interessieren, wie groß die Gefahr ist, unter Linux mit einem Virus infiziert zu werden. Ich habe bei techchannel.de einen Artikel darüber gelesen, wie es zu diesem Thema bestellt sein soll. Meiner Meinung nach ist da einiges übertrieben worden, aber da ich ja noch kein Experte bin, wären ein paar unvoreingenommene Meinungen dazu ganz hilfreich. Hier mal der Link zum Nachlesen:

http://www.tecchannel.de/betriebssysteme/681/

Ich habe auch diesbezüglich ein wenig gegoogelt, bin jedoch meist auf Artikel gestoßen, die älter als 3 Jahre sind. Bei der Schnellebigkeit heutzutage nicht sonderlich der Bringer…

Mir ist schon klar, daß das Wichtigste überhaupt gesunder Menschenverstand ist. Aber perfekt ist nun mal nichts und niemand. In diesem Sinne- ich freue mich auf Eure Reaktionen.

6 Antworten
Matthias Bläsing – Donnerstag, 03. März 2005 19:01 Uhr

*Grusel* Da sind Sachen drin, bei denen ich mich frage, was der Autor für Bücher liest. Fangen wir vorne an.

Viren unter DOS

Hier sind gleich zwei Brocken drinn (zumindest sehe ich spontan 2). Der Autor hat in soweit recht, dass ELF-Binaries ähnlich wie EXE-Binaries zu manipulieren sind. Was aber schon komisch ist, ist der Absatz zu selbstmodifizierendem Code unter Linux. Das soll durch die NX-Extension oder Kernelpatches die das Emulieren doch erst verhindert werden. Zur Zeit hindert niemand ein Programm davon ab, Code in den Speicher zu schreiben und dann anzuspringen.

Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass das Infizieren unter DOS keine Herausforderung war, da hier jeder Prozess beliebig auf der Platte schreiben durfte – selbst Windows verhindert inzwischen sowas!

D.h. man braucht für einen “richtigen” Virus erstmal root Rechte.

Email Viren

Warum kann sich ein Virus schnell unter Windows verbreiten? Richtig! Er fällt in 90% der Fälle auf den gleichen Nährboden (OE). Unter Linux gibt es jedoch eine Fülle von Emailprogrammen (Evolution, Thunderbird, kmail, mutt, pine, Mozilla Mail, usw. usf.). Hier ist also schonmal eine Hürde für den Virenautor!

Vergleich StarBasic – VBA

Ähm – vielleicht habe ich nicht aufgepasst – aber zumindest mein OpenOffice fragt mich bei jedem Dokument, ob ich die Makros wirklich ausführen möchte – und wenn ich auf “ja” klicke bin ich selbst schuld! Da hilft mir selbstverständlich auch kein Linux. Wie auch? Nur OpenOffice existiert auch für Windows!

Angriff über Daemon-Prozesse

Es ist bezeichnend, dass der Autor ausgerechnet Sendmail für sein Beispiel heranzieht, auch wenn ich glaube, dass auch dieses seine root Rechte direkt nach dem Start abwirft und als eingeschränkter User weiter rennt und damit stark an Attraktivität verliert.

Fazit

Sein Fazit ist nicht falsch, aber gleichzeitig auch reißerisch. Natürlich muss man auch bei Linux aufpassen, aber Linux weisst (noch?) eine weit größere Heterogenität auf, als Windows.

PS: Wer Informationen zu Linux-Viren in the Wild hat, möge hier bitte Posten!

burnstone – Donnerstag, 03. März 2005 19:33 Uhr

[1] finde ich recht interessant. scnr

Gruss

burnstone

[1] http://os.newsforge.com/os/05/01/25/1430222.shtml?tid=152&tid=2&tid=78&tid=138

Xunil – Donnerstag, 03. März 2005 21:57 Uhr

> http://www.tecchannel.de/betriebssysteme/681/

‘Eine Menge Halbwahrheiten bis überhaupt keine Wahrheiten. Dieser Artikel ist ein BestOf des FUD aus allen Newstickern, die mit reisserischen Behauptungen Leser an sich ziehen wollen und keine seriöse Analyse. Nachdem ich ihn gelesen habe muss ich leider feststellen, dass er des Lesens nicht wert war und jedes weitere Wort darüber auch nicht.

E. Wälde – Freitag, 04. März 2005 09:08 Uhr

Hi,
zu dem Thema finde ich den Artikel von Rick Moen [1] einer der besseren (nur in Englisch).

Erich

[1] http://linuxmafia.com/~rick/faq/index.php?page=virus

Maik Danstedt – Freitag, 04. März 2005 10:10 Uhr

Hi Andre,

ein sicherer Computer, unabhängig vom verwendeten BS, steht ohne Netzwerkverbindung im Hochsicherheitstrakt von Fort Knox und der Schlüssel zur Stahltür ist im Mount Doom versenkt worden.

Linux ist sicherheitstechnisch nicht das Nonplusultra, aber die reale Gefahr von einem Virus oder Wurm infiziert zu werden ist momentan recht gering. Es gab letztens einen Artikel aus slashdot ([1] in welchem verschiedene OS (Win XP SP1, Win XP SP2, Fedora, RH Linux 9, Suse, MacOSX, AFAIK) out of the box installiert wurden und ans Internet angeschlossen wurden [2]. Danach wurden die Zahl der Angriffe (erfolgreich und nicht erfolgreich) gezählt. Win XP SP1 war nach 18 Minuten befallen und nach 1 Stunde als Bot benutzt. Win XP insgesamt wurde 4873 mal angegriffen, alle anderen zusammen vielleicht 19 mal. Von WinXP SP1 abgesehen überlebten alle Installationen diese Angriffe, RH 9 wurde sogar überhaupt nicht angegriffen.

Wenn man nur von Viren/Würmern ausgeht, die ohne Zutun eines Anwenders auf einen Rechnern gelangen können so fällt auf, daß Windows (zusammen mit Anwendungen wie IE, Outlook, etc.) auch in modernen Varianten eher anfällig ist für entfernte Angriffe, während Linux eher anfällig ist für lokale Angriffe. Und selbst dort verteilen sich die Schwachstellen auf eine viel größere Anzahl von Programmen und Versionen, so daß die meisten gefundenen Schwachstellen dein Linuxsystem überhaupt nicht betreffen werden.

Die Gefahr mit Viren/Würmern/Trojanern in Kontakt zu kommen ist mit jedem BS zu jeder Zeit gegeben. Meiner Meinung und Erfahrung nach ist die Gefahr bei Linux (allgemeingesprochen) wesentlich geringer als bei Windows (auch wieder: allgemeingesprochen).

Grüße,
MaDMaik

[1] http://it.slashdot.org/article.pl?sid=05/02/28/2228245&tid=172&tid=218
[2] http://www.denverpost.com/Stories/0,1413,36~33~2735094,00.html

Benjamin Quest – Freitag, 04. März 2005 14:15 Uhr

Du hast ja schon die erste Zeile des Artikels gesehen. Das Datum. Vom 11.04.2001

Welche Virenschwemmen sind seither über Linuxsysteme hereingebrochen? Keine? In bald vier Jahren? Eine Phishing-Attake gabs die es in die “Schlagzeilen” gebracht hat. Aber Phishing kann ich auch ohne Computer in einer Kneipe betreiben, oder per Postwurfsendung.

Es gibt einige zentrale Programme, die in der Regel auf Linux laufen, und die sogar die Marktherrschaft in ihrem Gebiet haben (Apache). Das Argument, eine große Verbreitung würde Attacken nach sich ziehen stimmt auch hier nicht, im Bereich Webserver werden die WintelSysteme am häufigsten kompromittiert, und eben nicht die weiter verbreiteten Apaches.

Kein System der Welt ist sicher, und wenn irgendjemand einen funktionierenden Linux-Virus in die Welt setzt, dann verdächtigte ich da eine bestimmte Firma, die das hochnotdringend für ihr Marketing gebrauchen könnte.

Der “Proof of Concept Virus” ist alle zwei Jahre am 1. April in den Linuxseiten zu bewundern.

Benjamin

Andre Weselsky – Freitag, 04. März 2005 16:39 Uhr

Ich sehe schon, es war kein Fehler, umzusteigen. Ich danke allen, die sich die Mühe gemacht haben, mich “aufzuklären”.

Murphy – Freitag, 04. März 2005 19:37 Uhr

Ein Fehler sicherlich nicht, manchmal aber vielleicht mit etwas Mehrarbeit verbunden – und mehr Freude am laufenden System.
Wichtig: Die gleichen Regeln zur Vermeidung von Virus- und Wurmbefall sowie Datenspionage wie unter Windows gelten in der Unix-Welt natürlich genauso, haben aber z. Zt. noch mehr allgemein prophylaktischen als akut notwendigen Charakter.

Christian Töpp – Dienstag, 15. März 2005 13:11 Uhr

Die Community hat sich darüber schon öfter Gedanken gemacht, und es den potentiellen Angreifern sogar recht einfach gemacht indem ein “Virus-Writing-HOWTO” [1] geschrieben wurde. Dieses Howto existiert nun schon lange genug, ohne das ernsthaft Viren aufgetreten sind.

[1] http://www.lwfug.org/~abartoli/virus-writing-HOWTO/_html/

Martin Zeller – Dienstag, 15. März 2005 17:22 Uhr

Hi,
warum “einfach gemacht”?
Wenn man weiß wie ein Virus oder andere Schädlinge funktioniert kann man sich
besser davor schützen.

Martin

Christian Töpp – Mittwoch, 16. März 2005 10:11 Uhr

Sicher, jedoch hab ich noch kein solches HOWTO für Windows oder Mac gefunden.