Wie wir vor einiger Zeit berichteten, bremst der amerikanische Provider Comcast die Bittorrent-Downloads seiner Benutzer aus. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern greifen Provider vereinzelt zu dieser Maßnahme, behauptet zumindest dieses Azureus-Wiki.
Wie wir vor einiger Zeit berichteten, bremst der amerikanische Provider Comcast die Bittorrent-Downloads seiner Benutzer aus. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern greifen Provider vereinzelt zu dieser Maßnahme, behauptet zumindest dieses Azureus-Wiki. Aufgedeckt hatte das damals die Electronic Frontier Foundation (EFF) mit Hilfe des Open-Source-Tools Wireshark.
Die EFF hatte dazu mehrere P2P-Verbindungen testweise bei beiden Partnern mitgeschnitten und die Ergebnisse beim Absender und Empfänger verglichen. Dabei stellte sie fest, dass Comcast RST-Pakete in den TCP-Datenstrom in beide Richtungen einspeist, die nicht von den Kommunikationspartnern stammen. Dazu benutzt Comcast dem Vernehmen nach eine Software von Sandvine.
Das Unternehmen wollte auf Nachfrage der EFF diese Maßnahmen nicht direkt bestätigen, verwies aber darauf, dass es “Network Managment” betreibt. Ob die Maßnahmen diesen Begriff rechtfertigen, ist jedoch umstritten: Immerhin gäbe es im Rahmen der Protokollspezifikation von TCP/IP hinreichend Möglichkeiten, um etwa die Netznutzung je nach Bedarf anzupassen (Quality of Service, Traffic Shaping). Dies, so die EFF, sei auch ohne das Einschleusen gefälschter Pakete möglich.
Open-Source-Methoden helfen nun, diese Beschränkung wieder aufzuheben. Laut Tux Training genügen unter Linux einige Änderungen an Iptables – dem Konfigurationsprogramm für Netfilter – um Sandvine auszutricksen. Die Netzwerk-Software der gleichnamigen Firma schießt Bittorrent-Verbindungen der Anwender mit Hilfe so genannter Reset-Pakete (TCP RST) ab.
Tux Training beschreibt, wie sich über ein DROP-Kommando in Iptables solche RST-Pakete am Port 6883 blocken lassen. Die Webseite beschreibt die dazu notwendigen Handgriffe für Ubuntu und Fedora. Einen Haken hat die Sache aber angeblich: Damit das richtig funktioniert, sollten beide Kommunikationspartner den Trick anwenden, da Comcast die RST-Pakete an beide Teilnehmer sendet.
Das Verfahren an sich ist auch nicht ganz unumstritten, da es nicht nur gefälschte, sondern auch legitime RST-Pakete verwirft. Letztere erzeugt das Betriebssystem etwa, wenn eine Anwendung (etwa der P2P-Client) abstürzt. Einige Kommentatoren bei Tux Training sehen auch eine theoretische Möglichkeit, dass Angreifer die P2P-Verbindung dadurch übernehmen könnten, andere raten von so allgemeinen Eingriffen in den TCP/IP-Protokollstack ab. Der vorgeschlagene Weg behebt somit letztlich nur ein Symptom, nicht die Ursache. Berichten zufolge nutzen sowohl Comcast wie auch andere ISPs zusätzlich eine Reihe weiterer Maßnahmen, um den missliebigen P2P-Verkehr zu stören.




