1998 hat Bruce Perens die Open Source Definition veröffentlicht. Heute, ein Jahrzehnt später (am Ende der “Decade Zero”, wie Perens sie nennt) wird es Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Kurze Zeit nach der Open Source Definition hatte Richard Stallman die Free Software Definition formuliert. Perens bedauert es heute, dass es im Endeffekt zwei Definitionen gab. Für ihn liefen die beiden Begriffe nie wirklich auseinander, vielmehr ging es ihm um eine Business-taugliche Formulierung der ethischen Begriffe, auf denen Freie Software aufbaut. Seiner Meinung nach zeigt die signifikante Anzahl großer Firmen, die sich in den Prozessen um die Version 3 der GPL engagieren, dass er mit diesem Gedanken recht hatte. Und mit Blick auf die milliardenschweren Investitionen in quelloffene Software und in Großprojekte, die in den USA und anderswo auf deren Basis an den Start gebracht werden oder gebracht werden sollen, scheint sich dieser Eindruck zu bestätigen.
Eine andere Sache ist nicht wirklich neu: die Ansicht, dass Linux sich in den Bereichen der Business Server und der Embedded Systems hervorragend schlägt, aber auf dem Desktop noch einiges nachzuholen hat. Mit der Verlagerung von Desktop-Funktionalität ins Netzwerk scheint es ihm zufolge aber einen Trend zu geben, der sich positiv für Open Source auswirken könnte.
Open Source ist allerdings nicht unangreifbar. Obwohl SCO nach all seinen Machenschaften quasi am Ende ist, bleiben insbesondere Patente ein Problem. Perens weist jedoch darauf hin, dass dies nicht nur für Open Source gilt, sondern für alle SMEs, die zuweilen vor einer unsicheren Rechtslage stehen. Inzwischen nehmen aber Organisationen wie die Linux Foundation und die FSF selbst an den politischen Prozessen teil, in denen die Diskussionen über solche Themen geführt werden.
Mit anderen Worten, in den letzten zehn Jahren haben sich Open Source und Freie Software hervorragend geschlagen und scheinen in ausgezeichneten Positionen, um den Kampf für ihre Sache erfolgreich fortzuführen.




