Viele Kommunikationswege verschwinden im schnellen Wandel der IT. Newsgroups, ICQ und Skype geraten in Vergessenheit oder sind längst Geschichte, doch das Fax hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig.
Auf dem Kalender steht das Jahr 2025. Zum Festnetztelefon greift kaum noch jemand. SMS schreiben ebenso wenige, Skype wurde Mitte dieses Jahres eingestellt und auch das Versenden von E-Mails gilt bei jüngeren Menschen als etwas, das eher die ältere Generation nutzt. Selbst Zoom hat seinen Aufstieg und Fall in rasanter Geschwindigkeit erlebt. Heute dominieren Google und Apple den Smartphone-Markt, während Microsoft mit Teams und Meta mit WhatsApp die direkte Kommunikation bestimmen.
Da erscheint es fast anachronistisch, über Faxe zu schreiben. Besonders in Deutschland ist es ein gängiger Witz, über die Fax-Begeisterung der Behörden zu sprechen. Doch man muss der Realität ins Auge sehen: Das Fax ist auch heute noch oft essentiell, wenn es darum geht, rechtsverbindlich Dokumente schnell zu versenden. Dem Autor dieses Artikels erging es kürzlich so: Ein Einspruch gegen einen Steuerbescheid musste innerhalb von 24 Stunden beim Amt sein. Ein Brief wäre zu langsam, und eine E-Mail mit einem gescannten PDF akzeptierte die Behörde nicht.
Bleibt also nur das Fax. Noch heute und sicherlich noch eine ganze Weile. Für den Notfall, wenn es wirklich darauf ankommt. Doch wie lässt sich heute noch ein Fax verschicken? Copyshops, die gegen ein paar Cent ein Fax versenden, sind bereits rar gesät. Ein eigenes Faxgerät kaufen, nur um alle Jubeljahre ein Fax zu verschicken? Muss nicht sein. Viele werden jedoch eine Fritzbox als WLAN-Router in den eigenen vier Wänden haben. Mit der richtigen Software fungiert sie als Faxgerät und lässt sich wie ein Drucker ins System einbinden, auch unter Linux.
Roger Router
Roger Router [1] ist ein vielseitiges Werkzeug, wenn Sie eine Fritzbox nutzen und Ihre Telefoniefunktionen bequem vom Linux-Desktop (Abbildung 1) aus steuern möchten. Das Programm steht unter der GPLv2, der Quellcode findet sich auf Gitlab [2]. Für die Installation empfiehlt sich das distributionsunabhängige Flatpak [3], sodass Sie stets die aktuelle Version auf dem Rechner haben.

Abbildung 1: Mit Roger Router binden Sie Ihre Fritzbox direkt auf dem Linux-Desktop ein und behalten alle Telefoniefunktionen stets im Blick.
Die Anwendung verbindet sich direkt mit Ihrem Router und bringt zahlreiche praktische Funktionen auf den Rechner, die sonst nur über die Weboberfläche der Fritzbox zu erreichen wären und oft sogar darüber hinausgehen. Der Kasten “Konfiguration der Fritzbox” beschreibt die Einrichtung. Im Test kommt eine Fritzbox 5690 Pro zum Einsatz. Ein zentrales Feature, auf das wir im nächsten Abschnitt näher eingehen, ist der Versand von Faxen direkt über die Fritzbox.
Konfiguration der Fritzbox
Damit Roger Router vollständig arbeitet, müssen einige Funktionen auf Ihrer Fritzbox eingeschaltet sein. Zunächst ist die TR-064-Schnittstelle erforderlich, die in aktuellen Fritzbox-Modellen (ab FRITZ!OS 5.5) standardmäßig aktiviert ist. Bei älteren Geräten loggen Sie sich in die Weboberfläche der Fritzbox ein und überprüfen unter Heimnetz | Netzwerk | Netzwerkeinstellungen die Option Zugriff für Anwendungen zulassen und aktivieren sie gegebenenfalls. Nach Änderungen ist ein Neustart der Fritzbox notwendig.
Damit Sie von Roger Router aus Anrufe starten können, aktivieren Sie in den Einstellungen der Fritzbox unter Telefonie | Anrufe | Wählhilfe die Option Wählhilfe verwenden. Für die Fax-Unterstützung (CAPI over TCP) wählen Sie auf einem an die Fritzbox angeschlossenen Telefon die Kurzwahl #96*3* (zum Deaktivieren die #96*2*). Die Signalisierung von Anrufen lässt sich auf ähnliche Weise ein- und ausschalten, mit den Kurzwahlen #96*5* zum Aktivieren und #96*4* zum Deaktivieren.
Beim ersten Start öffnet Roger Router einen Einrichtungsassistent. Das Programm erkennt automatisch Fritzboxen im lokalen Netzwerk und bietet sie zur Konfiguration an (Abbildung 2). Sie müssen lediglich die Zugangsdaten eingeben und auf Weiter klicken. Danach sehen Sie umgehend die bereits mit der Fritzbox geführten Gespräche.

Abbildung 2: Die Konfiguration von Roger Router ist unkompliziert. Das Programm erkennt Ihre Fritzbox automatisch im Netzwerk.
Neben dem Faxversand zeigt Roger Router eingehende und ausgehende Anrufe in Echtzeit an und lässt sich bei Bedarf als Softphone (Abbildung 3) nutzen, inklusive Unterstützung für DTMF-Töne, wie es sie bei Telefonmenüs braucht. Sie können also direkt am Rechner wählen und sprechen, ohne zum Telefon greifen zu müssen. Stellen Sie dazu im Menü des Wähldialogs auf die Option CAPI Softphone um.

Abbildung 3: Mit Roger Router können Sie Anrufe direkt über die Wählhilfe starten oder als Softphone bequem am PC führen.
Als sehr hilfreich erweist sich zudem der Umgang mit den Anruflisten. Roger Router liest die Listen Ihrer Fritzbox aus, kann sie löschen, lokal sichern und nach und nach erweitern. So entsteht ein dauerhaftes Journal, das unabhängig vom Router besteht und sich flexibel weiterverarbeiten lässt. Auf Wunsch drucken Sie die Listen direkt aus. Über eine integrierte Rückwärtssuche (11880, Das Örtliche oder internationale Verzeichnisse) findet Roger Router Informationen zu Anrufern und gibt sie in der Benachrichtigung (Abbildung 4) aus.

Abbildung 4: Eingehende Anrufe erscheinen über die Desktop-Benachrichtigung und lassen sich direkt am PC entgegennehmen.
Für ausgehende Gespräche verspricht das Programm eine praktische Wahlhilfe. Ein Doppelklick im Journal genügt, um eine Nummer zu wählen. Sobald der Gesprächspartner abhebt, klingelt Ihr eigenes Telefon und Sie können das Gespräch beginnen. Auch Ihre Kontakte aus digitalen Adressbüchern binden Sie direkt in die Software ein – darunter Evolution, Google, Thunderbird, VCard-Dateien und das Fritzbox-Telefonbuch.
Darüber hinaus übernimmt Roger Router unterschiedliche Komfortfunktionen. Sie können den Router per Klick neu mit dem Internet verbinden oder Aktionen festlegen. Dazu gehört beispielsweise die Medienwiedergabe auf dem Desktop automatisch zu pausieren, sobald das Telefon klingelt.
Faxe verschicken
Faxen mit Roger Router gelingt unter Linux überraschend unkompliziert. Die Anwendung fügt sich reibungslos in den Desktop ein. Nach der Installation versenden Sie Ihre Faxe direkt vom Rechner, ohne die Weboberfläche der Fritzbox bemühen zu müssen. Gegenüber der integrierten Faxfunktion der Fritzbox profitieren Sie dabei von einer deutlich komfortableren Bedienung und mehr Flexibilität (siehe Kasten “Fax ist nicht gleich Fax”).
Fax ist nicht gleich Fax
Die Fritzbox stellt unter Telefonie | Fax eine eigene Faxfunktion [6] bereit. Allerdings fällt sie recht rudimentär aus: Sie geben lediglich Betreff und Text ein oder versenden eine einzelne Datei in einem Bildformat wie JPEG, PNG oder TIFF. Mehrseitige Dokumente lassen sich nicht anhängen, was die Funktion stark einschränkt. Für eingehende Faxe benötigen Sie hingegen keine zusätzliche Software. Mit der passenden Konfiguration nimmt die Fritzbox Faxanrufe an, leitet sie als PDF per E-Mail weiter oder speichert sie auf einem eingebundenen Datenträger.
Um die Faxfunktion einzurichten, öffnen Sie ein Terminal. Eine grafische Einrichtung gibt es nicht. Geben Sie den Befehl aus Listing 1 unverändert ein. Er richtet den Router als Faxdrucker ein und integriert ihn nahtlos in Ihr System. Danach können Sie Faxe direkt aus beliebigen Programmen vom Desktop aus versenden.
Listing 1
Einrichten des Faxdruckers
$ lpadmin -p Roger-Router-Fax -m drv:///sample.drv/generic.ppd -v socket://localhost:9100/ -E -o PageSize=A4..
Drucken Sie das gewünschte Dokument und wählen Sie Roger-Router-Fax als Drucker aus. Danach erscheint ein Wähldialog, in dem Sie die Faxnummer des Empfängers eintragen. Kurz darauf übernimmt Roger Router den Versand über die Fritzbox (Abbildung 5). Für reguläre Rufnummern entspricht der Preis dem eines normalen Telefonats – innerhalb einer Flatrate entstehen also keine zusätzlichen Kosten.

Abbildung 5: Nach der Einrichtung als Faxdrucker können Sie Faxe direkt aus Programmen wie LibreOffice versenden.
Ob der Faxversand der Fritzbox korrekt funktioniert, testen Sie mit kostenlosen Diensten wie Simple-Fax.de [4] oder fax-testen.de [5]. Sie schicken ein Testfax an die dort genannte Nummer und wenige Augenblicke später erscheint es auf der jeweiligen Homepage, ganz ohne Registrierung. Bedenken Sie jedoch, dass die eingehenden Testfaxe öffentlich zu sehen sind. Persönliche Daten aus den Kopf- und Fußzeilen werden zwar abgeschnitten, dennoch sollte der Test ausschließlich mit unverfänglichen Beispieltexten erfolgen.
Fazit
Roger Router ergänzt die Fritzbox um praktische Funktionen, die den Alltag spürbar erleichtern. Sie wählen Rufnummern direkt vom Desktop, nutzen Ihren Rechner als Softphone und versenden Dokumente über den eingerichteten Faxdrucker. Damit wird der PC zur vielseitigen Kommunikationszentrale. Das Projekt wird weiter aktiv gepflegt: Die letzten Änderungen am Quellcode stammen aus dem November 2025, alle Bestandteile arbeiten stabil.
Für Nutzer einer Fritzbox bietet die Anwendung einen deutlichen Mehrwert: Anrufe auf die Festnetztelefone werden bei entsprechender Konfiguration zuverlässig angezeigt, Gespräche lassen sich komfortabel führen und der Faxversand funktioniert ohne Umwege direkt aus beliebigen Programmen heraus. Die Einrichtung der Software gelingt mit wenigen Schritten, während die korrekte Konfiguration der Fritzbox meist den größten Teil des Aufwands ausmacht. (csi)
Der Autor
Christoph Langner erklärt für Tuxedo Computers die Distribution Tuxedo OS. Folgen Sie ihm auf Mastodon unter https://social.anoxinon.de oder besuchen Sie sein Blog auf http://linuxundich.de.
Infos
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Projektseite: https://www.tabos.org/projects/rogerrouter
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Kostenloser Fax-Test von Simple-fax.de: https://simple-fax.de/test-fax-empfangen
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Kostenloser Fax-Test von Fax-testen.de: https://fax-testen.de
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Fritz-Dokumentation zur Konfiguration der Faxfunktion: https://fritz.com/apps/knowledge-base/FRITZ-Box-7590/193_Integrierte-Faxfunktion-in-FRITZ-Box-einrichten





