Olé – Andalusiens Schulen nutzen Linux

Olé – Andalusiens Schulen nutzen Linux

Im männlich dominierten Computer-Sektor bildet Ana Echarri eine Ausnahme: Die Lehrerin arbeitet als TIC-Koordinatorin (TIC steht für Informationstechnologie) an der IES Azahar, einer Art Gesamtschule in Sevilla und verwaltet das gesamte Rechnernetzwerk. Was diese Schule von den meisten deutschen Schulen unterscheidet: Das dort eingesetzte Betriebssystem heißt Guadalinex. Das auf Unterrichtszwecke optimierte und auf Ubuntu basierende Linux-Derivat läuft auf den Rechnern in zahlreichen Klassenräumen. Das ziemlich einmalige Projekt der Regierung von Andalusien dient damit auch als Vorzeigeprojekt für die großangelegte Migration zu Open Source. Grund genug, dem Projekt einen Besuch abzustatten.

Andalusiens neue Wege

Ein wenig zu den Hintergründen: Die spanische Provinz Andalusien stellt seit einigen Jahren ihre Computer auf Guadalinex um. In Andalusien gibt es etwa 4000 Schulen, 1100 bis 1200 Schulen nutzen laut Aussage der Guadalinex-Initiatoren bereits das freie Betriebssystem. Die Idee, Linux einzusetzen, stammt von Rafael García Rivas und Antonio José Sáenz. Die beiden begleiteten auch die Besichtigung der Schule. Sie verknüpfen mit der offenen Plattform neue Lernerwartungen: Die Software lässt sich auch frei zu Hause einsetzen. Im Idealfall arbeiten die Schüler also dort und in der Schule mit demselben System. Zentrale Server sammeln und verwalten die von den Schülern erstellten Inhalte. Im Idealfall ergibt sich nicht nur ein nationaler, sondern sogar ein internationaler Austausch von Lernmaterial.

Probleme mit den Rechnern bearbeitet die CGA (Centro de Gestión Avanzado de Centros TIC y Digitales), die aus 43 staatlich bezahlten Angestellten besteht. Diese Schar kümmert sich um Probleme mit der Software. Sie erfahren von den Problemen durch die TIC-Koordinatoren an den Schulen, Frau Echarri übernimmt diesen Job an der IES Azahar. Da Frau Echarri nicht überall zugleich sein kann, gibt es in jeder Klasse einen Schüler oder eine Schülerin, die sie über Fehler und Probleme informieren.

Linux in Aktion

Die Schule, an der Frau Echarri arbeitet, befindet sich in einer sozial eher problematischen Gegend von Sevilla. Da die Eltern arbeiten, bleiben viele Kinder lange allein zu Hause, es gibt eine Reihe von schulischen Problemen. Um das zu ändern, machte die Schule beim TIC-Programm mit. Die Idee dahinter lautet: Technologie hilft den Schülern, bessere Jobs zu finden und effizienter zu lernen. Ob diese Rechnung aufgeht, sei dahingestellt: In der Schule gibt es jedenfalls seit einiger Zeit in zahlreichen Klassenräumen an jedem Tisch einen Rechner, den sich je zwei Schüler teilen. So ein Equipment gibt es auch an deutschen Schulen nur selten. Die Rechner selbst stecken in abschließbaren Metallboxen und sind durch Passworte geschützt. Wie üblich bei solchen System überwacht der Lehrer von einem zentralen Rechner aus die Clients. Er kann nicht nur sehen, was die Schüler gerade auf ihren Rechnern tun, sondern er schaltet auch einfach den Bildschirm ab, wenn es den Kleinen an Aufmerksamkeit mangelt. Weil der Desktop in Schulen zum Einsatz kommt, bringt er auch zahlreiche astronomische, mathematisch und geografische Programme mit. Die mitgelieferten Spiele sehen potenziell nach wenig Spaß und viel Mathematik aus.

Wie die Koordinatoren die Rechner einsetzen, bleibt ihnen überlassen. In der IES Azahar gibt es ein fünfköpfiges Team, das sich um die Migration kümmert. Das begleitende Training bei der Umstellung gehört zu den wichtigsten Punkten einer Migration. Die Lehrer bringen den anderen Lehrern bei, wie Linux funktioniert, welche Software es gibt und sie melden auftretende Fehler im System an die CGA weiter, die sie selbst nicht reparieren können.

Eindrücke

Was wir sehen, ist ein funktionierendes Computersystem in den Klassen. Über die Probleme lässt sich nach einem kurzen Besuch an der Schule wenig sagen. Wir fragen Kinder und Lehrer, welche neuen Features Sie sich für den Computer wünschen und was Sie vermissen. Lautsprecher, lautet die Antwort der Kinder. Die gibt es zwar, die Sprachlehrer rücken sie allerdings nur während des Unterrichts heraus. Nicht wirklich ein Software-Problem. Dass man Sachen schwer findet, lautet eine zweite Antwort. Mehr kommt nicht.

Noch ist das System nicht perfekt. Doch auch die proprietäre Konkurrenz arbeitet nicht fehlerfrei, das weiß man von deutschen Schulen. So gibt es kein automatisches Bugtracking. Wenn Probleme auftreten, läuft der in der Klasse verantwortliche Schüler zur Koordinatorin und die meldet den Bug dann weiter. Zwar landen die von den Kindern erstellten Beiträge auf zentralen Servern, allerdings fehlt noch ein Indexing-System. Das kommt im Dezember und stellt sicher, dass man die Dokumente später besser wiederfindet und noch einmal einsetzen kann. Als Pilotprojekt, gibt Rivas, einer der Leiter, zu bedenken, sind wir unsere eigenen Versuchskaninchen. Soweit sich das beurteilen lässt, läuft das Experiment ziemlich gut.

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben