Sich auf einem Linux-System zurechtfinden

Aus LinuxUser 07/2025

Sich auf einem Linux-System zurechtfinden

© famveldman / 123rf.com

Schwimmhilfe

Wie geht denn das bloß wieder? Das fragen sich Linux-Nutzer oft. Ein guter Moment für ein bisschen Selbsthilfe, um sich die Antworten und Hilfe zu auftretenden Problemchen eigenständig zu organisieren. Wir zeigen, wo Sie am besten nachschauen und verlässliche Informationen finden.

Mit heller Freude beobachten wir, dass immer mehr Menschen privat oder auch beruflich in Kontakt mit freier Software kommen und sie auf eigenen oder den ihnen anvertrauten Geräten benutzen. Auf deren Plan steht, sich Stück für Stück, aber stets mit großer Neugierde dem mitunter komplexen Betriebssystem Linux, seinen Konzepten und Ideen sowie den vielfältigen, unterschiedlichen Werkzeugen vertraut zu machen und die Programme im Alltag zu verwenden.

Sowohl freie Software, als auch deren Nutzer entwickeln sich immer weiter weg von der Nische, in der sich bislang überwiegend Spezialisten mit einem ausgeprägten Faible für Computer tummeln. Die Tendenz geht immer mehr zu Anwendern, bei denen die Linux-Nutzung im Alltag im Vordergrund steht.

Um diese Veränderung und diesen Lernprozess zu begleiten, werden wir als “alte Hasen” stets gebraucht. Unser Erfahrungsschatz hilft vielfach dabei, Neulingen den Weg zur eigenständigen Nutzung zu ebnen. Nicht immer gelingt es einer bereits bestehenden Dokumentation, die gebräuchliche Terminologie verständlich zu vermitteln, die für uns vertrauter Alltag ist.

Sich einzuarbeiten, bedarf zielgerechter und verlässlicher Informationsquellen. Deswegen klären wir im ersten Schritt, welche überhaupt dazu zählen und für wen und vor allem auch in welcher Situation wir sie für passend halten. Wünschenswert wäre, wenn diese Erklärungen oder Materialien verbessert würden, sodass sie vollständiger und noch verständlicher werden.

Der zunächst unverfälschte Blick eines Einsteigers ist dabei äußerst wertvoll und unterstützt häufig darin, Lücken in den Beschreibungen zu entdecken und sie auf der Basis der erhaltenen Rückmeldungen zu schließen. Das können auch Querverweise auf andere Dokumente oder Werkzeuge sein, die dabei helfen, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Vorgehen und Blickwinkel

Grundsätzlich gilt, dass beide Seiten aufeinander zugehen sollten. Einsteiger müssen akzeptieren, dass das Erlernen eines für sie neuen und ungewohnten Betriebssystems etwas Aufwand, Umlernen und vor allem Offenheit, Neugierde und Experimentierfreude voraussetzt. Obwohl zahlreiche Dinge (mittlerweile) betriebssystemübergreifend gleich oder zumindest ähnlich sind und sich passend einstellen lassen, funktioniert das Übertragen gewohnter Konzepte 1:1 von einem Betriebssystem auf ein anderes nicht unbedingt reibungslos.

Im Gegenzug sollten sich Entwickler stärker in Einsteiger hineinversetzen. Deren Perspektive einzunehmen, trägt dazu bei, Abläufe zu vereinfachen oder zumindest besser aufzubereiten. Das fällt mitunter schwer, weil “alte Hasen” über viel unbewusstes Vorwissen verfügen. Nicht immer lässt sich ausdrücken, was davon es konkret braucht und was zur Nutzung einer Software vorauszusetzen ist. Die vorhandene Erfahrung in verschiedenen Welten spielt hier eine große Rolle.

Trainer stehen in der Mitte – ihre Funktion besteht darin, zwischen beiden Welten Brücken zu bauen. Sie müssen sich in beide Seiten einfühlen und zwischen den Parteien übersetzen: von der Sprache der Einsteiger in die Sprache der Entwickler (oder langjährigen Nutzer) und umgekehrt. Dabei ist detailreiches Wissen bezüglich der Konzepte und genutzten Begriffe auf beiden Seiten essentiell.

Nicht zu vergessen sind außerdem Arbeitgeber, Arbeitsvermittler, Schulungsunternehmen und Zertifizierer. Sie kümmern sich um den Rahmen, damit Sie den Wissenserwerb meistern können. Während Arbeitgeber einen Impuls zur beruflichen Weiterbildung geben und unterstützend agieren, bringen Arbeitsvermittler in der Regel Schulungsunternehmen und Teilnehmer zusammen. Schulungsunternehmen stellen häufig die Plattform oder den ausgestatteten Schulungsraum zum Austausch und verbinden Teilnehmer und Dozenten miteinander. Eine Kooperation mit Zertifizierern wie dem Linux Professional Institute (LPI), CompTIA und der Linux Foundation ergänzt den Lernprozess [1] um Prüfungen [2] zu freier Software.

Materialien und Werkzeuge

Das umfasst bereits auf dem System befindliche oder auch nachträglich installierbare Werkzeuge sowie externe Quellen – online und offline. Wozu Sie initial greifen, variiert je nach Situation und Gewohnheit.

Zunächst betrachten wir die mitgelieferten Hilfsmittel, wobei wir mit den Man- und Infopages beginnen. Während Erstere programmbezogene Informationsblätter und für gewöhnlich direkt Bestandteil des jeweiligen Softwarepakets aus Ihrer Linux-Distribution sind, entsprechen Infopages einem zusammenhängenden Handbuch zu den Dienstprogrammen. Letzteres müssen Sie meist zusätzlich integrieren.

Manpages

Manpages [3] sind mit Gzip komprimierte Textdaten im Format Troff/ASCII [4]. Sie besitzen allesamt einen in etwa ähnlichen Aufbau [5] mit wiederkehrenden Abschnitten. Dazu gehören eine Kurzbeschreibung, eine ausführliche Beschreibung zur Benutzung, ein Programmaufruf, die Parametern/Optionen, die Rückgabewerte des Programms und die Angaben zur Softwarelizenz sowie zu ähnlichen, artverwandten Werkzeugen. Der konkrete Inhalt hängt allerdings von den Autoren ab, die die Abschnitte auswählen und letztendlich als Textdokument anordnen.

Manpages unterteilen sich in unterschiedliche Bereiche (1 bis 9). Die jeweilige Nummer bezieht sich auf den entsprechenden Abschnitt im Unix-Handbuch (siehe Tabelle “Abschnitte für Manpages”). Die Manpages liegen im Dateisystem unter dem Pfad

/usr/share/man/<I>Sprache<I>/man<I>Bereich<i>/<I>Programm<I>,

Unter /usr/share/man/de/man1/ls.1.gz finden Sie beispielsweise die Manpage für das Programm Ls in der deutschen Übersetzung.

Ergebnis des Aufrufs im Terminal ist eine (seitenweise) Darstellung in einem Pager, üblicherweise mithilfe von More oder Less. Sofern installiert, erfolgt die Ausgabe der Manpages in der von Ihnen eingestellten Lokalisierung (Systemsprache). Falls das nicht gelingt oder ein Abschnitt noch nicht in Ihrer gewünschten Sprache vorliegt, greifen Sie stattdessen auf das Original in englischer Sprache zurück. Abbildung 1 zeigt das Ergebnis des Aufrufs man 1 info mit dem Informationsblatt zum Programm Info.

Nr.

Bereich (DE)

Bereich (EN)

1

Programme oder Werkzeuge

User Commands

2

Systemaufrufe

System Calls

3

Bibliotheksaufrufe

Library Calls

4

Besondere Dateien

Special Files

5

Dateiformate

File Formats

6

Spiele

Games

7

Verschiedenes

Miscellaneous

8

Systemadministration

System Administration

9

Routinen des Linux-Kernels

Kernel Routines

Abbildung 1: Die Manpage zum Programm <code>info</code> liegt auf Deutsch vor.

Abbildung 1: Die Manpage zum Programm info liegt auf Deutsch vor.

Infopages

Initiiert vom GNU-Projekt [6], entstanden Infopages [7] in den 1990ern als Alternative zu den Manpages. Genutzt werden sie insbesondere für die Dokumentation innerhalb des GNU-Projekts.

Das Basisformat für die Handbuchseiten ist Texinfo [8], das heißt eine Sammlung von Makros für das Textsatzprogramm TeX [9]. Damit sind die Voraussetzungen für eine automatisierte Umwandlung der Rohdaten in unterschiedliche Ausgabeformate für die Bildschirmdarstellung und den Druck gegeben.

Infopages rufen Sie traditionell mit dem Werkzeug Info auf, gefolgt von dem gewünschten Ober- und Unterabschnitt als Parameter. Inzwischen gibt es außerdem ein Klon namens Pinfo [10], der unter anderem mehr Farbe ins Terminal bringt. Abbildung 2 ist das Ergebnis des Aufrufs info man ohne zusätzliche Angaben.

Abbildung 2: Infopage zum Programm <code>man</code>.

Abbildung 2: Infopage zum Programm man.

Hilfeseiten der Programme

Häufig, aber eben nicht immer, verfügen die Programme über einen Aufrufparameter zum Anzeigen eines Hilfetexts – üblich sind -h, --help und -?. Je nach Programm ist das unterschiedlich implementiert, mal nur einer davon und mal alle drei Schalter. Die Ausgabe ist genauso wenig standardisiert (Listing 1) und variiert erheblich. Aber das Feature ist dank der Entwickler vorhanden und Sie dürfen es ohne Scheu benutzen.

Listing 1

Integrierte Hilfe zu Df (Ausschnitt)

$ df --help
Aufruf: df [OPTION]... [DATEI]...
Anzeige von Informationen über die Dateisysteme, auf dem sich jede
DATEI befindet, oder alle Dateisysteme, welches der Normalfall ist.
Erforderliche Argumente für lange Optionen sind auch für kurze
erforderlich.
  -a, --all               unechte, doppelte und nicht zugreifbare
                          Dateisysteme mit einschließen
  -B, --block-size=GRÖßE  Größen in Einheiten von GRÖßE ausgeben, z. B.
                          werden bei "-BM" die Größen in Einheiten von
                          1.048.576 Bytes ausgegeben. Siehe auch GRÖßE
                          weiter unten
  -h, --human-readable    Größen in menschenlesbarem Format
                          (z.B. 1K 234M 2G)
  -H, --si                genauso, aber mit 1000 statt 1024 als Teiler
                          (z.B 1.1G)
  -i, --inodes            INode-Information statt der Block-Benutzung
                          auflisten
[...]

Bitte beachten Sie, dass der Schalter -h auch als Abkürzung für human readable dient, beispielsweise um große Zahlen menschenlesbar(er) abzubilden. Darauf greifen unter anderem die Programme Df, Du und Free zurück.

Tools für weitere Hilfe

Manchmal ist unklar, welches Werkzeug bereitsteht, um Sie bei einer Aufgabe zu unterstützen. Da hilft nur Wissen, Fragen zu stellen oder eine clevere Recherche. Um anhand von Begriffen und Fragmenten andere Programme zu finden, enthält der Linux-Werkzeugkasten eine Reihe nützlicher Helfer [11]. Dabei lassen sich andere Unix/Linux-Konzepte einspannen, beispielsweise Aliase [12].

Die Tabelle “Werkzeuge zur Hilfe und Recherche” zeigt Ihnen eine Übersicht der Tools sowie ihren Einsatzzweck. Mit Ausnahme von info gehören alle darin aufgelisteten Werkzeuge zur Standardinstallation beziehungsweise sind in ihrer Shell als Funktion implementiert.

Werkzeug

Einsatzzweck

alias

Zeige hinterlegte Abkürzungen für Programme oder Programmaufrufe an

apropos

Suche Werkzeuge, die auf das oder zu dem Stichwort passen

help

Zeige eine Hilfe für Shell-Funktionen an

info

Stöbere in den GNU-Infopages zu dem Programm

man

Zeige erweiterte Hilfe zu dem Programm über die Manual Pages an

type

Ermittle den Typ eines Programms

whatis

Zeige die Kurzbeschreibung zu dem Programm an

whereis

Liste Angaben zu den Komponenten eines Programms auf

which

Zeige an, welches Programm bei einem Aufruf von der Shell ausgeführt werden würde

Listing 2 veranschaulicht beispielhaft den Aufruf von apropos mit der Suchangabe compression. Darüber finden Sie Programme, in deren Beschreibung dieses Wort vorkommt. Mit dem Parameter -s 1 (Langform --section=1) grenzen Sie die Suche ein – die Nummer verweist dabei wieder auf den passenden Abschnitt im Unix-Handbuch.

Mehrere Bereiche geben Sie als Liste an, deren Werte Sie mittels Komma voneinander trennen. Die Angabe -s 1,6 sucht in den beiden Bereichen Werkzeuge und Spiele. Bevorzugen Sie hingegen die Langform der Parameter, nutzen Sie stattdessen die Schreibweise --sections=1,6.

Ihre Suchangabe interpretiert apropos als regulären Ausdruck (Regex) [13] und gestattet somit komplexere Suchbegriffe mit Regex-typischen Sonderzeichen. Die Suche selbst erfolgt über die Manpages und listet als Ergebnis auf, was es an Treffern über die lokal installierten Programme gibt. Die Ausgabe ist zweispaltig und enthält den Namen des Programms gefolgt von der Nummer des Abschnitts im Unix-Handbuch (linke Spalte) und einer Kurzbeschreibung (rechte Spalte).

Letztere läuft nur so breit wie Ihr Terminal und wird entsprechend abgeschnitten. Mithilfe des Parameters -l (Langform --long) unterbinden Sie das Zurechtstutzen der Ausgabe und sehen den gesamten Kurztext, jedoch dann auf die kommende(n) Zeile(n) umgebrochen.

Listing 2

Recherche via Apropos nach Programmen zum Stichwort <I>compression<I>

$ apropos -s 1 compression
7z (1)           - A file archiver with high compression ratio format
7za (1)          - A file archiver with high compression ratio format
7zr (1)          - A file archiver with high compression ratio format
mk-origtargz (1) - rename upstream tarball, optionally changing the ...
p7zip (1)        - Wrapper on 7-Zip file archiver with high compress...
pbmtopsg3 (1)    - convert PBM images to Postscript with G3 fax comp...
pzstd (1)        - parallelized Zstandard compression, a la pigz

/usr/share/doc

Die Programme bringen eigene Zusatzinformationen wie FAQs, Beispielkonfigurationen, READMEs, Lizenzinformationen und auch Handbücher mit. Zur Ablage solcher Daten ist das Verzeichnis /usr/share/doc/Programmname vorgesehen. Die Zusammenstellung der Zusatzinformationen hängt vom Programm und der Linux-Distribution ab. Listing 3 zeigt das für den Midnight Commander (mc) auf einem Debian GNU/Linux.

Listing 3

Zusatzinformationen zu Mc

$ ls /usr/share/doc/mc
ABOUT-NLS.gz           changelog.gz    HACKING.gz        README.gz
AUTHORS                copyright       NEWS.Debian.gz    TODO.gz
changelog.Debian.gz    FAQ.gz          README.Debian

Externe Hilfe (online)

Genügen die lokalen Hilfsmittel und die mitgelieferten Dokumente nicht, müssen Sie notgedrungen zu externen Quellen greifen. In Betracht kommen dabei Webseiten mit Wikis, Blogs, Tutorials, Videos und Podcasts. Was davon konkret für Sie passt und schließlich zum Lernerfolg führt, hängt von Ihrem bevorzugten Lernstil ab.

Für uns hat sich bewährt, für eine Recherche ein gut gepflegtes Wiki als Ausgangspunkt zu nehmen. Innerhalb der vergangenen Jahre handelt es sich konkret verstärkt um das Wiki der Ubuntuusers [14]. Vollständig in deutscher Sprache verfasst, kombiniert es in konsistenter Form fachlich gut aufbereitete, technische Inhalte mit Beispielen aus der Praxis und Querverweisen zu anderen, ähnlichen Werkzeugen. Obwohl es in Bezug auf die besprochenen Tools vorrangig Ubuntu-bezogen ist, kommen allgemeine Linux-Konzepte ebenfalls nicht zu kurz. Abbildung 3 demonstriert beispielhaft einen Ausschnitt zur Informationsseite des Werkzeugs Touch.

Abbildung 3: Die Beschreibung zum Programm Touch aus dem Wiki der Ubuntuusers wirkt sauber strukturiert und verst&auml;ndlich aufbereitet.

Abbildung 3: Die Beschreibung zum Programm Touch aus dem Wiki der Ubuntuusers wirkt sauber strukturiert und verständlich aufbereitet.

Nach unserer Recherche kann bei der Vervollständigung der Inhalte jeder mitwirken – lediglich eine vorherige Registrierung ist im Wiki nötig. Ebenfalls interessant: Zur Suche in den Inhalten des Wikis setzt man auf die freie Suchmaschine DuckDuckgo [15]. Dementsprechend entstehen keine unnötigen Datenspuren beim Nutzen des Wikis.

Ähnlich offen für jedermann zeigt sich das LinuxWiki [16]. Die Inhalte basieren vollständig auf den Erfahrungen der Nutzer. Eine Festlegung auf eine bestimmte Linux-Distribution gibt es nicht, die Inhalte stehen zudem überwiegend in deutscher Sprache zur Verfügung. Alle können mitwirken. Ein vorheriges Login ist nur erforderlich, wenn Sie eigene Inhalte hinterlegen oder anpassen möchten.

Da die Webseite seit inzwischen mehr zwei Jahrzehnten existiert, finden Sie darin auch ältere Inhalte – praktisch, wenn Sie betagtere Komponenten zum Leben erwecken möchten. Abbildung 4 enthält die Einstiegsseite für die Wissensdatenbank (KnowledgeBase).

Abbildung 4: Die <span class="ui-element">KnowledgeBase</span> im LinuxWiki fungiert als Einstiegsseite.

Abbildung 4: Die KnowledgeBase im LinuxWiki fungiert als Einstiegsseite.

Im LinuxWiki gibt es keine redaktionelle Überarbeitung der Inhalte oder eine Instanz zur Freischaltung. Sämtliche Inhalte sind ungeschliffen und frei zugänglich. Mit Poesie und textueller Schönheit sollten Sie nicht unbedingt rechnen – kurze, knackige Informationsbröckchen überwiegen.

Ebenfalls erwähnenswert sind die zahlreichen Blogs und Tutorials, die häufig zusätzlich ihre eigenen Kanäle auf Videostreaming-Plattformen besitzen. Hier eine Empfehlung zu geben, fällt schwer. Wir nutzen bislang LinuxHint [17]. Die Qualität der redaktionell geprüften Inhalte ist durchgängig sehr hoch, obwohl die Schlagzeilen mitunter etwas reißerisch wirken.

Eine interaktive Hilfe namens ExplainShell [18] steht ebenfalls bereit. Im Eingabefeld auf der Webseite tippen Sie zunächst Ihr Linux-Kommando ein. Daraufhin interpretiert das Tool den Befehl. Als Basis dafür dienen die Manpages, aus der die jeweilige Erklärung stammt.

Die Ausgabe umfasst eine Auflistung pro Komponente. Bewegen Sie den Mauszeiger über die jeweilige Komponente, kommt das in der Webseite hinterlegte JavaScript zum Tragen. Die Software hebt nun exakt diese Komponente hervor und Sie sehen genau, wie sie sich auswirkt. Abbildung 5 zeigt das beispielhaft für einen einfachen Find-Aufruf zur Suche nach Dateien mit der Erweiterung .png im Dateinamen. ExplainShell kann aber deutlich mehr analysieren, zum Beispiel auch mittels Pipe verbundene, komplexere Einzeiler.

Abbildung 5: Mit ExplainShell verstehen Sie, wie Kommandos sich auswirken.

Abbildung 5: Mit ExplainShell verstehen Sie, wie Kommandos sich auswirken.

Lernmaterialien (offline)

Neben der digitalen Welt besteht (glücklicherweise) auch noch die analoge Welt aus Büchern und Übersichten – obgleich jüngere Menschen eindeutig zu digitalen Inhalten tendieren. Verlage sind mittlerweile eher rar gesät. Im deutschsprachigen Raum halten derzeit im Segment IT/Linux die Verlage Rheinwerk [19], O’Reilly [20], dpunkt- [21] und Wiley [22] die Fahne hoch. Regelmäßig erscheinende Zeitschriften erlauben Momentaufnahmen und spezialisierte Blickwinkel zu ausgewählten Themen (wie dieser Beitrag hier).

Für eine kompakte Übersicht der Linux-Werkzeuge gibt es eine Vielzahl themenbezogener Cheatsheets. Sie liegen als PDFs, Broschüre, Mauspads und bedruckte Tassen vor. Damit steht einem schnellen Blick nichts mehr im Weg. Abbildung 6 zeigt einen Ausschnitt des Cheatsheets zu den grundlegenden Linux-Kommandos für das Netzwerk [23].

Abbildung 6: Cheatsheets gibt es in unterschiedlicher Auspr&auml;gung: als PDF, auf Mauspads oder Tassen. Alle eignen sich hervorragend als Spickzettel.

Abbildung 6: Cheatsheets gibt es in unterschiedlicher Ausprägung: als PDF, auf Mauspads oder Tassen. Alle eignen sich hervorragend als Spickzettel.

Betriebssysteme imitieren

Auch wenn wir eingangs den Mut angesprochen haben, Neues auszuprobieren, heißt es nicht, die Schritte dahin unnötig schwerfallen müssen. Linux ist nicht nur ein “Kohlenkasten”, sondern kann deutlich mehr. Den Einstieg erleichtern von anderen Betriebssystemen entlehnte Stile. Dadurch lässt sich der Linux-Desktop passend umgestalten. Oft gibt er sich dann erst nach einem geschulten Blick als solcher zu erkennen.

Um das Look-and-Feel von Windows zu erreichen, bieten sich zum Beispiel die beiden Linux-Distributionen XPQ4 [24] und Kali Linux [25] an. Sie basieren auf Debian GNU/Linux. XPQ4 kommt mit dem Look-and-Feel von Windows 95, XP oder 2000 daher (Abbildung 7).

Kali Linux verfügt seit der Veröffentlichung 2019.4 über einen sogenannten Undercover-Modus [26], der dem Aussehen von Microsoft Windows 10 entspricht (Abbildung 8) und grundsätzlich dafür gedacht ist, sich in der Öffentlichkeit unsichtbar zu machen. Mithilfe des Kali-eigenen Kommandos kali-undercover legen Sie die Tarnung an und später wieder ab.

Abbildung 7: XPQ4 im WinXP-Kleid erinnert an die fr&uuml;hen 2000er.

Abbildung 7: XPQ4 im WinXP-Kleid erinnert an die frühen 2000er.


Abbildung 8: Was aussieht wie Microsoft Windows&nbsp;10, ist tats&auml;chlich Kali Linux mit Tarnkappe.

Abbildung 8: Was aussieht wie Microsoft Windows 10, ist tatsächlich Kali Linux mit Tarnkappe.

Für OS X steigen das MacOS Mojave GTK Theme [27] (für GTK 2 und 3 sowie die Gnome Shell) und die französische Linux-Distribution Emmabuntüs [28] in den Ring. Letzteres liefert eine Art Lupe bei der Navigation über die Bildleiste am unteren Bildschirmrand (Abbildung 9), die beim darüber Bewegen mit dem Mauszeiger das Icon für das gerade ausgewählte Programm vergrößert.

Abbildung 9: Der Desktop von Emmabunt&uuml;s lehnt sich eindeutig an fr&uuml;here macOS-Versionen an.

Abbildung 9: Der Desktop von Emmabuntüs lehnt sich eindeutig an frühere macOS-Versionen an.

Der Stil von BeOS/Haiku [29] ist und bleibt einzigartig, ebenso das Common Desktop Environment (CDE) [30]. Letztgenanntes ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit von Sun Microsystems, HP, IBM, DEC, SCO, Fujitsu und Hitachi und schmückte für längere Zeit unter anderem die grafische Oberfläche der Unix-Betriebssysteme Solaris [31] und HP-UX [32] – sicher dürften das nur noch die älteren Semester kennen.

Der blaue Rahmen und die eckigen Knöpfe bei den beiden Fenstern der Abbildung 3 und Abbildung 4 gehören dazu und vermitteln Ihnen einen ersten Eindruck dazu. Möchten Sie Ihren Desktop entsprechend anpassen, finden Sie passende Stildateien [33] online [34] sowie auch eine freie CDE-Implementierung [35].

Fazit

Sämtliche notwendigen Hilfsmittel stehen allen zur Verfügung und sind ihrem Zweck entsprechend zusammengestellt. Linux-typisch sind die Informationen individuell aufbereitet. Die Dokumentation gilt als ausgereift, Manpages [36] lassen sich online abrufen.

Die Linux-Werkzeuge befinden sich jedoch in einem stetigen Wandel. Bei Weiterentwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben, gelingt wenigen. Im Lesen, Ausprobieren, Testen, Dokumentieren und Korrekturlesen steckt eine immense, zeitaufwendige, aber kaum angemessen anerkannte Aufgabe. Deswegen kommt es nicht selten vor, dass sich Materialien als unvollständig und fehlerbehaftet erweisen. Mit der Zeit durchlaufen sie dank Lektorat einen Reifeprozess, sodass sie als annähernd vollständig und fehlerfrei gelten können – sofern das überhaupt möglich ist.

Themen anwenderfreundlich aufzubereiten, zählt nicht zu den verbreiteten Stärken unter Entwicklern und erfreut sich deswegen kaum allzu großer Beliebtheit. Allerdings wissen Entwickler am besten, wie das jeweilige Programm funktioniert und wofür die Komponenten und Parameter gedacht sind – ohne sie gelingt keine Dokumentation. Hier müssen eben doch alle mit ran.

Mangelware sind derzeit Fachlektoren, die bestehendes Material inhaltlich verstehen, überprüfen und korrigieren können. Während es beispielsweise für die drei Prüfungen Linux Essentials sowie LPIC-1-101 und LPIC-1-102 mehr als genug Lernmaterial samt Sammlungen zu Testfragen gibt, wird es für die Teilprüfungen von LPIC 2 und 3 sehr dünn. Übersetzungen in seltenere, weniger gebräuchliche Sprachen – auch Deutsch – existieren kaum, sodass in vielen Fällen nur ein Rückgriff auf Englisch bleibt.

Das fehlende Material ließe sich einfacher vervollständigen, wenn Dokumentation sein Stiefkind-Image loswürde. Es mangelt vielfach an Akzeptanz dafür, dass Schulungsunterlagen und Dokumentation qualifizierte Autoren erstellen und pflegen müssen. Dokumentation benötigt Zeit, Fachwissen zum Thema und die Fähigkeit, die Inhalte verständlich für die Zielgruppe zu formulieren.

Ein Versionskontrollsystem wie Git [37] schafft die Basis dafür, dass mehrere Autoren unterschiedliche Zweige der Dokumentation parallel pflegen. Obendrein kann jeder Beteiligte den Verlauf der Bearbeitung durch alle anderen Mitwirkenden nachvollziehen.

Eine automatische Prüfung auf Fehler ist dank Git-Hooks kein Hexenwerk, etwa um das Übersetzen in mehrere Ausgabeformate anzustoßen, sobald sich der Inhalt geändert hat. Das kann zwar nicht jeder, aber die Methode ist ausgereift und entspricht dem aktuellen Stand der Technik. Eine angemessene Bezahlung für diese hochqualifizierte Arbeit würde ihrer Popularität ebenso nicht entgegenstehen. (csi)

Danksagung

Der Autor bedankt sich bei Werner Heuser für seine Hilfe und kritischen Kommentare bei der Erstellung des Artikels.

Der Autor

Frank Hofmann arbeitet zumeist von unterwegs aus als Entwickler, Trainer und Autor. Bevorzugte Arbeitsorte sind Berlin, Genf und Kapstadt. Er gehört zu den Verfassern des Debian-Paketmanagement-Buchs [38].

Infos

  1. Dieter Thalmayr und Frank Hofmann: Kein Jodeldiplom. Formate, Inhalte und Hintergründe zu Linux-Zertifizierungen, LinuxUser 08/2017: https://www.linux-community.de/ausgaben/linuxuser/2017/08/kein-jodeldiplom/

  2. Dieter Thalmayr und Frank Hofmann: Mit Brief und Siegel. Formate, Inhalte und Hintergründe zu Linux-Zertifizierungen, LinuxUser 09/2017: https://www.linux-community.de/ausgaben/linuxuser/2017/09/mit-brief-und-siegel/

  3. Jayson Broughton: Getting Help from Linux – Part 1 Man Pages, Linux Journal, 2011: https://www.linuxjournal.com/content/getting-help-linux-part-1-man-pages

  4. Troff: https://www.troff.org/

  5. Paul E. Dunne: A Brief Introduction to Text-Formatting using troff, University of Liverpool: https://cgi.csc.liv.ac.uk/~ped/teachadmin/troff_intro.html

  6. GNU Projekt: https://www.gnu.org/

  7. Jayson Broughton: Getting Help from Linux – Part 2 Info, Linux Journal, 2011: https://www.linuxjournal.com/content/getting-help-linux-part-2-info

  8. GNU Texinfo: https://www.gnu.org/software/texinfo/

  9. TeX, LaTeX und Co., DANTE e.V.: https://www.dante.de/tex-latex-co/

  10. pinfo: https://github.com/baszoetekouw/pinfo

  11. Ezzeddin Abdullah: Apropos: https://ezzeddinabdullah.com/post/linux-getting-help/

  12. Karsten Günther: Die Bash, das unbekannte Wesen, LinuxUser 01/2001: https://www.linux-community.de/ausgaben/linuxuser/2001/01/die-bash-das-unbekannte-wesen/

  13. Marc André Selig: Reguläre Ausdrücke. Nadel im Heuhaufen, LinuxUser 08/2002: https://www.linux-community.de/ausgaben/linuxuser/2002/08/regulaere-ausdruecke/

  14. Wiki Ubuntuusers: http://

  15. DuckDuckGo: https://duckduckgo.com/

  16. LinuxWiki: https://www.linuxwiki.de/

  17. LinuxHint: https://linuxhint.com/

  18. ExplainShell: https://explainshell.com/

  19. Rheinwerk-Verlag: https://www.rheinwerk-verlag.de/

  20. O’Reilly-Verlag: https://www.oreilly.com/publisher/oreilly-verlag/

  21. dpunkt-Verlag: https://dpunkt.de/

  22. Wiley-Verlag: https://www.wiley-vch.de/

  23. Linux-Cheatsheets: https://github.com/hofmannedv/cheatsheets

  24. XPQ4: https://xpq4.sourceforge.io/

  25. Kali Linux: https://www.kali.org/

  26. Kali Undercover: https://www.kali.org/docs/introduction/kali-undercover/

  27. MacOS Mojave GTK Theme: https://github.com/vinceliuice/Mojave-gtk-theme

  28. Emmabuntüs: https://emmabuntus.org/

  29. BeOS/Haiku: https://www.haiku-os.org/

  30. Common Desktop Environment (CDE), Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Common_Desktop-_Environment

  31. Solaris, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Solaris_(Betriebssystem)

  32. HP-UX, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/HP-UX

  33. XFCE-Look: https://www.xfce-look.org/browse/

  34. CDE-Theme für XFCE: https://www.xfce-look.org/p/1231025/

  35. Common Desktop Environment (CDE) auf Sourceforge: https://sourceforge.net/projects/cdesktopenv/

  36. Linux man pages online: https://man7.org/linux/man-pages/index.html

  37. Git: https://git-scm.com/

  38. Axel Beckert, Frank Hofmann: Debian-Paketmanagement-Buch: https://dpmb.org/

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Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

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