Mozillas Firefox ist für viele Anwender immer noch der Browser des Vertrauens. Doch sein Bestand scheint in den nächsten Jahren in mehrerlei Hinsicht gefährdet.
Im vergangenen Jahr feierte der Open-Source-Browser Mozilla Firefox seinen 20. Geburtstag. Gleiche mehrere Umstände geben allerdings Anlass zur Sorge, ob der Firefox in fünf Jahren in der jetzigen Form noch existieren wird. Zum Einen sinkt der Marktanteil des Webbrowsers stetig – global liegt er derzeit bei ungefähr 2,5 Prozent. Zum Anderen könnten rund 80 Prozent der derzeitigen Finanzierung der Mozilla Foundation, die Firefox entwickelt, wegbrechen. Das hängt von einem Kartellverfahren in den USA ab, das die Zerschlagung von Google anstrebt. Welche Rolle das für Firefox spielt, erfahren Sie im Verlauf des Artikels. Zunächst braucht es zum Verständnis der Gesamtsituation jedoch einen Blick in die Entwicklungsgeschichte der Gattung Webbrowser.
Die im Jahr 2003 gegründete Mozilla Foundation hat sich die Entwicklung freier Software für das Internet unter Wahrung der Privatsphäre und des Datenschutzes auf die Fahnen geschrieben. Zudem will die gemeinnützige Stiftung das Internet offen, sicher und für alle zugänglich halten. Neben Firefox entwickelt Mozilla den E-Mail-Client Thunderbird und arbeitet an Projekten rund um ein unabhängiges Internet. In den vergangenen zwei Jahren zählt dazu unter anderem die Entwicklung einer Open-Source-KI, die lokal bei den Anwendern läuft und nicht Big-Tech in die Hände spielt.
Der Name Mozilla entstammt der Entwicklung des Webbrowsers Netscape Navigator. Die Älteren unter den Lesern dürften ihn vermutlich als den Mitte der 1990er-Jahre dominierenden Browser kennen. Er trug damals den Codenamen Mozilla [1]. Im sogenannten Browserkrieg kurz vor der Jahrtausendwende verdrängte Microsoft mit dem Internet Explorer den Netscape-Browser von der Spitze [2]. AOL kündigte dessen Entwicklung im Jahr 2008 auf, nachdem man mit Netscape Navigator 9 eine letzte Version auf der Basis von Firefox 2 als Vermächtnis veröffentlicht hatte. Auf der Grundlage des von Netscape freigegebenen Quellcodes des Netscape Communicators [3] entstand die Mozilla Application Suite [4]. Aus ihr gliederte man 2002 Firefox als Einzelkomponente aus und stellte den Webbrowser unter die Mozilla Public License (MPL) [5]. Beim Thunderbird wiederholte sich später die Geschichte.
Ein Blick auf die Marktanteile um das Jahr 2010 zeigt eine Browserlandschaft im Umbruch. Vor Mozilla Firefox schien der Internet Explorer kaum zu besiegen, aber die Geburt von Firefox erschütterte diesen Glauben. Firefox trug wesentlich zum Niedergang von Microsofts Internet Explorer bei und erreichte im November 2009 seinen höchsten globalen Marktanteil von 32 Prozent (Abbildung 1). Sein Open-Source-Charakter, seine Geschwindigkeit und seine benutzerfreundlichen Funktionen begünstigten den Aufstieg des Firefox. Damit hob er sich von den langsameren Updates und Sicherheitsproblemen des Internet Explorers positiv ab.
Doch bald darauf erhielt die Erfolgsgeschichte einen Dämpfer und ein unaufhaltsamer Abstieg auf heute weltweit unter 3 Prozent Marktanteil begann. Der globale Browsermarkt zum Jahresbeginn 2025 ist eine eindeutige Angelegenheit. Überflieger Chrome ist nahezu ohne Konkurrenz und beherrscht mit einem Anteil von fast 70 Prozent den Markt. Danach kommt lange nichts. An zweiter Stelle folgt mit 18 Prozent Apples Browser Safari. Microsoft Edge rangiert bei knapp über 5 Prozent, während sich Firefox mit derzeit 2,6 Prozent zufrieden geben muss (Abbildung 2). Das entspricht etwas mehr als 300 Millionen Anwendern.

Abbildung 1: Firefox hatte Ende 2009 seinen höchsten je erreichten Marktanteil mit 32 Prozent. Ein Jahr später überholte Chrome den Mozilla-Browser. (C) Statcounter

Abbildung 2: Im vergangenen Jahr gab der weltweite Browsermarkt ein eher trauriges Bild ab. Chrome liegt unangefochten und mit weitem Abstand vorn, während Firefox unter “ferner liefen” rangiert. (C) Statcounter
Chromes anhaltender Gewinnerkurs
Der Beginn des Abstiegs fiel zusammen mit der ersten Veröffentlichung von Googles hauseigenem Browser Chrome im Dezember 2008. Drei Jahre später kreuzten sich die Linien der Marktanteile der beiden Browser bei 23,5 Prozent. Für Chrome ging es weiter bergauf, Firefox befand sich auf Talfahrt. In Deutschland sah die Situation etwas anders aus: Seit jeher ist es ein gutes Pflaster für Open Source und somit auch für den Firefox – bis heute. Der Browser erreichte seinen höchsten Marktanteil in Deutschland mit 61,8 Prozent im Jahr 2011 (Abbildung 3). Chrome überholte Firefox erst Mitte 2012. Immerhin hat Firefox hierzulande im Januar 2025 noch einen Marktanteil von knapp über 10 Prozent (Abbildung 4).

Abbildung 3: Die in Deutschland erzielten Marktanteile konnte Firefox global nie erreichen. Im Jahr 2011 dominierte Firefox den Markt hierzulande mit 62 Prozent. (C) Statcounter

Abbildung 4: Firefox hielt in Deutschland im vergangenen Jahr einen stabilen Marktanteil von rund 10 Prozent und ist damit der drittstärkste Browser nach Chrome und Safari. (C) Statcounter
Googles Browser Chrome basiert auf Chromium [6], einem Projekt, das unter einer BSD-Lizenz steht und dementsprechend als Open Source gilt. Als Basis dienen die Rendering-Engine Blink und die V8-JavaScript-Implementierung der Skriptsprache ECMA-262, die Google ebenfalls als Open Source anbietet. Auf Chromium bauen weitere Browser auf, darunter Ungoogled-Chromium, Brave, Vivaldi, Opera, Yandex und Microsoft Edge. Chrome unterscheidet sich von Chromium durch proprietäre Anteile wie Googles Branding, Google Update, nicht frei verteilbare Media-Codecs, Widevine DRM und proprietäre Sicherheitsmechanismen.
Den unaufhaltsamen Aufstieg von Chrome bedingte eine Kombination aus technischer Exzellenz, starkem Branding, nahtloser Google-Integration und aggressiver Werbung. Bereits bei seiner Einführung im Jahr 2008 war Chrome schneller als Firefox. Seine V8-JavaScript-Engine sorgte für einen erheblichen Leistungsschub, vor allem bei Webanwendungen. Hinzu kam der im Vergleich zu Firefox minimalistische, ressourcenschonende Ansatz von Chrome. Das Design von Chrome wirkte moderner, die Integration der Suchleiste und der Adressleiste in die sogenannte Omnibox galt als benutzerfreundliche Neuerung.
Außerdem spielte der Web Store eine gewichtige Rolle beim Aufstieg von Chrome. Er bot schon früh eine große Bibliothek von Erweiterungen und Apps, die Entwickler und Nutzer gleichermaßen anzogen. Da konnte Firefox mit seiner bereits veralteten Addon-Struktur XUL (XML User Interface Language) nicht mithalten. Erst ab Firefox 57 “Quantum” zeigte sich der Browser generalüberholt. Dabei führten die Entwickler mit den WebExtensions eine neue Addon-Architektur ein, die eine weitgehende Kompatibilität [7] mit anderen Browsern verspricht. Die letzte große Runderneuerung mit “Quantum” im Jahr 2017 lehnten jedoch Teile der stets sehr kritischen Firefox-Community ab. Der Hauptkritikpunkt: Veränderungen beim Design störten stellenweise den gewohnten Arbeitsfluss.
Firefox findet nicht aus der Krise
Firefox hat einen schweren Stand in großen Teilen der Community. Viele Anwender wünschen sich einen schlanken und auf die Grundfunktionen reduzierten Browser und stehen Erweiterungen grundsätzlich kritisch gegenüber. Obendrein trifft Mozilla oft Entscheidungen in Bezug auf Firefox, die kaum jemand in der Community nachvollziehen kann. Ein nicht von der Hand zu weisender Kritikpunkt sind zudem die hohen Gehälter, die sich der Vorstand genehmigt. Mitchell Baker, Mitgründerin von Mozilla und dessen CEO von 2005 bis 2008 und erneut von 2020 bis 2024 bezog im Jahr 2020 ein fürstliches Gehalt von über 3 Millionen US-Dollar. Drei Jahre später kletterte es auf über 6 Millionen US-Dollar (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ein nur schwer zu entkräftender Kritikpunkt: die Gehälter, die trotzt sinkender Marktanteile und drei Entlassungswellen überproportional angestiegen sind. Im Jahr 2023 bezog die Vorstandsvorsitzende Mitchell Baker immer noch über 6 Millionen US-Dollar.
Dieser Anstieg der Managervergütung fand statt, obwohl die Einnahmen von Mozilla zwischen 2021 und 2022 von 527 Millionen US-Dollar auf 510 Millionen US-Dollar sanken. Der Jahresbericht 2023 weist wieder einen Anstieg auf 653 Millionen US-Dollar aus. Wie sich diese Einnahmen zusammensetzen, sehen Sie später. Gleichzeitig schrumpfte der Marktanteil von Mozilla unaufhörlich weiter und von 2020 bis 2024 mussten bei drei Entlassungswellen insgesamt rund 340 Mitarbeiter ihren Hut nehmen.
Derlei Fakten lassen sich in der Community eines Open-Source-Projekts nur schwer vermitteln. Zu Mozillas Gunsten muss allerdings gesagt werden, dass häufig Mozilla mit Firefox gleichgesetzt wird. Das ist aber nicht korrekt, weil Mozilla neben Firefox in zahlreiche weitere Projekte rund um die Privatsphäre im Internet involviert ist.
Zudem traf die Mozilla Foundation in letzter Zeit einige fragwürdige Entscheidungen oder verkaufte an sich gute Entscheidungen schlecht. Zu den jüngeren zählt beispielsweise die mit Firefox 128 vorgestellte Privacy Preserving Attribution (PPA) [8], womit Mozilla eine Alternative zum User-Tracking (Abbildung 6) etablieren möchte. Auch die Handhabung der Telemetrie (Abbildung 7) passt nicht zu einem Open-Source-Projekt. In unseren Augen spricht nichts gegen das anonymisierte Sammeln von Daten, mit deren Hilfe die Entwickler ihr Produkt gezielter voranbringen können. Doch sie haben die Funktion als Opt-out implementiert. Wenn Sie der Datensammlung nicht aktiv in den Einstellungen widersprechen, fließen die Daten automatisch ständig an Mozilla [9].

Abbildung 6: Datenschutzfreundliche Werbemessungen kamen nicht gut an bei den Nutzern. Schuld daran trug auch Mozilla, das die noch experimentelle Funktion schlecht verkaufte. In den Einstellungen lässt sich die standardmäßig aktive Konfiguration deaktivieren.

Abbildung 7: Entwickler benötigen Telemetriedaten, um ihre Software für die Nutzer optimieren zu können. Bei Open Source sollte die Funktion allerdings nie Opt-out sein.
Woher Mozillas Einnahmen stammen
Mozilla befindet sich seit Jahren in einem Finanzierungsdilemma. Google ist einerseits mit rund 85 Prozent die hauptsächliche Einnahmequelle, andererseits aber durch seinen unstillbaren Hunger nach Nutzerdaten das ideologische Feindbild. Die Einnahmen von 653 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 enthalten rund 495 Millionen US-Dollar von Google aus einem Suchmaschinen-Deal. Dabei liefert Mozilla die Google-Suche als Voreinstellung in Firefox aus. In den 158 Millionen US-Dollar, die nicht von Google kommen, sind 76 Millionen US-Dollar Einkünfte aus anderen Mozilla-Projekten, der Rest kam überwiegend durch Zinsen, Dividenden und Kapitalerträge zusammen.
Der ursprüngliche Suchmaschinen-Deal zwischen Google und Mozilla kam schon in den frühen 2000er Jahren zustande. Im Jahr 2007 zahlte Google 81 Millionen US-Dollar für die Voreinstellung der Google-Suche im Firefox. Sieben Jahre später lief die Partnerschaft mit Google zunächst aus. Mozilla schloss einen Vertrag mit Yahoo als Standard-Suchmaschine in den USA ab. Im Jahr 2020 kehrte Mozilla wieder zu Google zurück und schloss die Partnerschaft für vier Jahre bis Ende 2024 ab.
Mozilla sucht längst nach Wegen, um unabhängiger von Google zu werden. Neue Einnahmequellen wie Werbung in neu geöffneten Tabs (Abbildung 8), Mozilla VPN [10] und die Entwicklung einer lokalen Mozilla KI [11] [12] [13] sollen neben Tools wie dem Bookmarking-Dienst Pocket (ehemals Read It Later) oder dem Wegwerf-Adressen-Dienst Firefox Relay (Abbildung 9) neue Standbeine schaffen. Mozilla hat zudem eine Partnerschaft [14] mit dem Smartphone-Hersteller Vivo geschlossen, um Firefox auf Android- und iOS-Geräten vorzuinstallieren.

Abbildung 8: Werbung im Browser soll Geld in die Kassen von Mozilla spülen und mehr Unabhängigkeit von Google bringen. Die Werbekacheln in jedem neuen Browser-Tab lassen sich einfach entfernen, allerdings nur einzeln und nicht alle gemeinsam.

Abbildung 9: Der kostenlose Dienst Firefox Relay bietet E-Mail-Masken zum Schutz der echten E-Mail-Adresse. Mit dem kostenpflichtigen Firefox Relay Premium erweitert Mozilla das Angebot um eigene Domains und demnächst auch um Masken für Telefonnummern und den Mozilla VPN.
Bei den Anstrengungen zur Entwicklung von KI-Funktionen, bei denen der Datenschutz im Vordergrund steht, scheiden sich die Geister. Ein Teil der Firefox-Gemeinde hält derart ausgerichtete Entwicklungen für kontraproduktiv in einem Browser. Andere sehen die Vorteile von Entwicklungen wie dem kürzlich vorgestellten Summarizer. Er hört auf den Namen Orbit (Abbildung 10), liegt derzeit noch als Beta-Version vor und lässt sich deshalb ausschließlich als Erweiterung installieren. Orbit fasst lange Texte zum schnelleren Verständnis (derzeit nur auf Englisch) zusammen. Das kann Orbit auch bei E-Mails und YouTube-Videos, sofern letztere über ein Transkript verfügen.

Abbildung 10: KI im Browser ist bereits allgegenwärtig. Mozilla stellte zuletzt den Dienst Orbit vor, der Inhalte von Webseiten kurz und knapp zusammenfasst. Im Bild ist die Zusammenfassung der Wikipedia-Seite zu Linux zu sehen. Das Angebot ist noch experimentell und derzeit nur für englische Seiten verfügbar.
Wo dunkle Wolken heraufziehen
Für die nähere Zukunft droht Mozilla unter Umständen die Finanzierung durch Google wegzubrechen. In den USA läuft derzeit nämlich ein Kartellverfahren gegen Google, mit dem das US-Justizministerium das Monopol von Googles Suchmaschine zerschlagen möchte. Im August 2024 befand ein Richter, Google hielte bei Onlinesuchen und der damit verbundenen Werbung ein Monopol, das durch jährliche Zahlungen in Milliardenhöhe an Apple, Samsung und Mozilla aufrechterhalten werde. Im kommenden Sommer will der Kartellrichter verkünden, wie man das Monopol zu Fall bringen möchte. Die bisher von der US-Justiz bevorzugte Option besteht im Verkauf von Chrome.
Allerdings könnte sich die Ausrichtung des Kartellverfahrens mit der jetzigen Regierung in den USA durchaus ändern. Präsident Trump ließ bereits verlauten, dass die Zerschlagung Googles nicht im nationalen Interesse der USA liege. Es bleibt also abzuwarten, ob und womit Google künftig in der Gunst des Präsidenten steht.
Wird Google jedoch gezwungen, seine Vereinbarungen mit Browserherstellern wie Apple oder Mozilla zu ändern oder gar zu kündigen, führt das zu einer erheblichen Verringerung oder einem vollständigen Verlust dieser Einnahmequelle. Apple würde ein Wegfall der vermutlich um die 20 Milliarden US-Dollar zwar hart treffen, aber das Unternehmen ist diversifiziert genug, um einen solchen Aderlass zu überleben. Dasselbe gilt für Samsung. Bei Mozilla sieht die Lage anders aus: Dort fielen bis zu 80 Prozent der Einnahmen auf einen Schlag weg. Mozilla wäre dann vermutlich ohne eine massive Verkleinerung und die Aufgabe vieler Projekte nicht mehr überlebensfähig.
Ob in einem solchen Szenario genügend Kapazitäten übrig bleiben, um Firefox adäquat weiter zu entwickeln, ist sehr fraglich. Mozillas Geldreserven liegen zwar bei rund einer Milliarde US-Dollar, was den Betrieb auf dem jetzigen Niveau noch für wenige Jahre erlaubt. Doch eine Kompensation der ausfallenden Google-Zahlungen durch neue Projekte würde sich vermutlich schwierig gestalten.
Wohin des Wegs, lieber Fuchs?
Der Verlust von Firefox käme einem schweren Schlag für die Open-Source-Gemeinde gleich – immerhin ist Firefox der einzig maßgebliche Browser, der mit Gecko über eine Engine verfügt, die nicht Blink heißt. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die weitere Unterstützung für Manifest v2 [15], während die Konkurrenz unter Chromes Führung ausschließlich auf Manifest v3 setzt. Während mit KI-Übersetzern überall fleißig Daten gesammelt werden, hat Mozilla mit Firefox Translations (Abbildung 11) einen Übersetzer [16] geschaffen, bei dem keine Daten vom heimischen Rechner abfließen.

Abbildung 11: Translate ist ein Alleinstellungsmerkmal für Firefox – Webseiten oder Ausschnitte davon werden übersetzt, ohne dass Daten das eigene Heimnetz verlassen.
Sollte Firefox wirklich in einigen Jahren wegen eines stetig sinkenden Marktanteils obsolet werden oder finanzielle Gründe dessen Weiterentwicklung verhindern, besteht theoretisch dank Open Source die Chance eines Forks. Allerdings handelt es sich nicht gerade um ein kleines Unterfangen, einen Browser wie den Firefox zu unterhalten. Dem gewachsen wäre vermutlich nur ein Unternehmen oder eine größere Organisation. Der Wegfall des Mozilla-Browsers zöge außerdem schlagartig das Ableben einiger auf Firefox basierender Browser wie Waterfox, Librewolf, Pale Moon oder Floorp nach sich.
Mit dem Marienkäfer abheben
Doch auch ohne Fork gibt es Hoffnung auf einen unabhängigen Open-Source-Browser. Ladybird [17] entstand im Rahmen der Distribution SerenityOS von Andreas Kling. Im Juni 2024 daraus ausgegliedert, möchte man ihn fortan unabhängig weiterentwickeln. Er verfügt mit LibWeb über eine eigene Engine und die GUI des unter der 2-Klausel-BSD-Lizenz stehenden Browsers basiert auf dem Qt-Framework. Ladybird läuft derzeit unter Linux, macOS, Windows WSL und Android. Allerdings werden vermutlich noch mindestens zwei Jahre vergehen, bis an einen praktischen Einsatz zu denken ist. Eine erste Alpha-Version ist für das Jahr 2026 geplant.
Derzeit treiben vier Vollzeit-Entwickler Ladybird voran, drei weitere sollen bald folgen. Die Finanzierung ist vorerst gesichert. Chris Wanstrath, einer der Gründer von Github, hat eine Million US-Dollar in das Projekt investiert. Er erklärte sein Engagement mit den Worten “Die Welt braucht einen Browser, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und mit einer brandneuen Engine zu offenen Standards beiträgt und frei von Werbeeinflüssen ist”.
Wenn Sie einen ersten Eindruck von Ladybird (Abbildung 12) gewinnen möchten, können Sie den Browser relativ einfach aus den Quellen bauen [18]. Eine Anleitung finden Sie auf Github. Sobald die Abhängigkeiten installiert sind, erstellt ein Skript den Browser für Sie. Dazu genügt eine virtuelle Maschine mit Ubuntu 24.10, hier sind alle Abhängigkeiten erfüllt. Was Sie darüber hinaus benötigen ist Zeit, denn der Bauvorgang beansprucht je nach den verfügbaren Ressourcen des Hosts und der VM ein bis zwei Stunden.

Abbildung 12: Ladybird befindet sich in einem frühen Stadium und kann außer Webseiten anzeigen noch nicht viel. Er ist langsam, bei Videos stürzt er ab und auch die Einstellungen sind lückenhaft. Aber immerhin entsteht hier ein vom Anspruch her kongenialer Bruder von Firefox.
Fazit und Ausblick
Im vergangenen Jahr hat sich Mozilla strategisch neu aufgestellt und den Fokus erneut auf Firefox gelegt – allerdings einen Firefox mit KI-Komponenten. Ob sich damit der Weg in die Bedeutungslosigkeit wird umkehren lassen, bleibt abzuwarten. Wir sind zumindest nicht überzeugt, dass Mozilla den Gewinn für die Anwender durch die neue Ausrichtung bisher erfolgreich vermarkten konnte.
Der Großteil der Internetnutzer schert sich nicht um Open Source oder weiß schlicht nichts darüber. Deshalb bleibt zur bestmöglichen Erhaltung des Firefox nur seine Community, die aus meiner Sicht oft zu kritisch mit Mozilla umgeht. Diese Einstellung ist mittlerweile zum Prinzip geworden – eigentlich positive Entwicklungen erfahren ebenso Abwertung wie negative. Daran ist Mozilla selbst nicht ganz unschuldig, denn das Marketing versagt mitunter darin, neue Entwicklungen verständlich zu präsentieren. Wir wünschen dem Firefox jedenfalls, dass er die Unwägbarkeiten der nächsten Jahre überlebt. Eine Anfrage an die Pressestelle von Mozilla wegen einer Stellungnahme zur Problematik um Firefox blieb über mehrere Wochen unbeantwortet. (csi)
Infos
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Browserkrieg: https://de.wikipedia.org/wiki/Browserkrieg
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Netscape Communicator: https://de.wikipedia.org/wiki/Netscape_Communicator
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Mozilla Suite: https://de.wikipedia.org/wiki/Mozilla_Application_Suite
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Chromium: https://www.chromium.org/Home/
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WebExtensions: https://linuxnews.de/mozilla-firefox-57-quantum/
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PPA : https://linuxnews.de/firefox-128-uebersetzt-markierten-text/
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PPA : https://support.mozilla.org/de/kb/telemetriedaten-sammeln-und-loeschen
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VPN: https://linuxnews.de/mozilla-vpn-jetzt-auch-fuer-linux-und-macos/
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KI: https://linuxnews.de/mozilla-investiert-weiter-in-lokale-ki/
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Orbit: https://linuxnews.de/orbit-mozillas-ki-assistent-fuer-firefox/
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Neue KI-APIhttps://blog.mozilla.org/en/mozilla/ai/ai-tech/running-inference-in-web-extensions/
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Vivo: https://www.soeren-hentzschel.at/firefox-android/in-zukunft-auf-geraten-von-vivo-vorinstalliert/
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Manifest v2: https://linuxnews.de/mozilla-unterstuetzt-weiterhin-manifest-v2/
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Translator: https://linuxnews.de/firefox-117-integriert-firefox-translations/
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Ladybird: https://linuxnews.de/ladybird-als-unabhaengiger-browser/
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Bauanleitung: https://habr.com/en/articles/838636/





