Wenn einst die Maschinen die Weltherrschaft übernehmen, werden Drucker ihre Anführer sein, heißt es.
Ich erinnere mich gut an meinen allerersten Drucker. Es handelte sich um einen Panasonic 24-Nadel-Drucker, schwarz-weiß versteht sich, höchstwahrscheinlich war es ein KX-P2023. Hundertprozentig sicher bin ich mir nicht, da das inzwischen gut 30 Jahre zurückliegt. Dagegen weiß ich noch sehr genau, welche Kämpfe ich seinerzeit ausfechten musste, um unter MS DOS 5.0 oder Windows 3.1 einen Nadeldrucker zur Arbeit zu bewegen. Von Plug & Play konnte damals keine Rede sein. Mäuse und Tastaturen schloss man per PS/2 an, Drucker via Centronics, und selbst nach erfolgreicher Verkabelung gab es noch viel Handarbeit zu erledigen. Hatte man das Gerät endlich korrekt eingerichtet, entsprach die Sache jedoch einer Art Bund für die Ewigkeit.
Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen, dass mich andere Gründe als Papierstaus, ein defektes Dateisystem oder ein Festplatten-Headcrash von einem Ausdruck getrennt hätten. Tatsächlich druckte der Panasonic und druckte und druckte und druckte. Das Farbband tauschte ich ein einziges Mal aus, und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich es sogar mit Stempelkissenfarbe aus dem Fundus meiner Eltern neu eingefärbt. Mehr Mühe investierte ich nicht.
Irgendwann kamen erste erschwingliche Farbdrucker auf den Markt. Während die meisten meiner Schulfreunde sich auf einen Hewlett-Packard Deskjet 500C stürzten, landeten mein Bruder und ich irgendwie beim Epson Stylus Color 440 (Abbildung 1). Ein grundsolides Gerät, obgleich in der Anschaffung nicht ganz billig. Erstaunlicherweise finde ich sogar heute noch passende Patronen dafür.

Abbildung 1: Nachdem die Hersteller ihre Originalpatronen mit Ländercodes versehen hatten, funktionierte der Drucker mit günstigen No-Name-Patronen schlicht nicht mehr. Quelle: Piyaphun Juntraverot / 123RF.com
Dass Tintenstrahldrucker von Beginn an im Vergleich mit Laserdruckern als unterlegen galten, mag ich nicht groß thematisieren. Selbstverständlich sahen sich die stolzen Eigentümer eines HP Laserjet II oder III als weit überlegen an. Allerdings konnten deren Geräte keine Farben zu Papier bringen. Dass die Tinte wasserlöslich war, störte ob der Farbvielfalt kaum, dass sie relativ teuer zu Buche schlug ebenso wenig. Dank Fotopapier und Inkjet-Folien befanden wir uns sogar in der Lage, für die damalige Zeit ziemlich ansprechendes Material für die Schule zu gestalten. Ausgetrocknete Patronen kamen seinerzeit selten vor, geschweige denn halb volle Patronen, die dennoch gewechselt werden wollten – aus heutiger Sicht der Inkjet-Mafia ein absolutes Unding.
Etwa um die Jahrtausendwende begann die Firma Lexmark, ein Modell nach dem anderen für geradezu lächerlich wenig Geld auf den Markt zu bringen. In Windeseile purzelten die Preise für die Geräte. Ich erinnere mich an Drucker für unter 40 DM. Zu verschenken hatten die Hersteller freilich nichts, und konsequenterweise schnellten nun die Preise für die Patronen in vergleichsweise astronomische Höhen. Manch einer meiner Kommilitonen rechnete fleißig, bis zu wie vielen Patronen sich der alte Drucker rentierte und ab wann man besser ein neues Gerät mit spärlich gefüllten fabrikneuen Tanks anschaffte. Schon damals war mir das ein Graus.
Langstreckenläufer
Ich beschloss, lieber Nägel mit Köpfen zu machen und einen soliden Laserdrucker zu beschaffen. Den fand ich im Kyocera Mita FS-720. Aus heutiger Sicht handelte sich dabei um ein geradezu skandalös preiswertes Modell. Den Laserdrucker quälte ich weit über meine Studienzeit hinaus, das Gerät verarbeitete kaum zu beziffernde Papiermengen. Allerdings fehlte ihm eine Duplex-Einheit, wodurch zweiseitiger Druck zu einem echten Wagnis geriet. Doch daran gewöhnte ich mich mit der Zeit.
Nach gefühlten 12 000 Seiten war die erste Tonerkartusche leer – dachte ich, bis mir ein Kumpel riet, sachte seitlich an den Behälter zu klopfen. Ich vermute, es waren am Ende ungefähr 20 000 Seiten, die ich mit dieser einen Kartusche druckte. Im Laufe des Studiums sollten noch zwei weitere Toner dazukommen, bis sich merkwürdige Farbmuster über jede Seite zu ziehen begannen. Eine kurze Recherche förderte die Erkenntnis zutage, dass wohl die Trommel das Ende ihrer Lebenszeit erreicht hatte. Eine neue wäre verglichen mit dem Restwert des Geräts so absurd teuer gewesen, dass mir eine Neuanschaffung als einzig logische Konsequenz erschien.
Die Wahl fiel auf einen erschwinglichen Farblaserdrucker, den HP Laserjet Pro MFP 281fdw. Doch inzwischen glich die Preisentwicklung der Tonerkartuschen der ihrer Tintenpendants. Der Drucker kostete etwa 300 Euro, die Tonerkartuschen zusammen etwa 150 Euro. Finde den Fehler! Selbstverständlich griff ich zu günstigen Ersatzprodukten, die jedoch allzu oft nach kurzer Zeit anfingen zu klecksen. Dabei hatte ich Glück, denn schon vor 2010 wurde bekannt, dass die Hersteller sowohl Tintenpatronen als auch Kartuschen regionalisiert mit Ländercodes versahen. Der Druckerindustrie war noch immer jedes Mittel recht, das letzte Tröpfchen Rendite aus dem Markt zu pressen.
Eigentum oder Besitz?
Sind Sie Eigentümer eines einigermaßen zeitgemäßen Druckers, möglicherweise eines netzwerkfähigen Geräts? Mit Kopierfunktion und gar mit Fax? Vielleicht sind Sie ja de facto gar nicht der Eigentümer des Druckers, sondern lediglich der Besitzer, denn solch ein Gerät mag hinsichtlich Begrifflichkeiten wie Eigentum und Besitz ganz eigene Vorstellungen haben.
Genau das fand ich über die Weihnachtsfeiertage heraus. Mein Leidensweg nahm seinen Anfang damit, dass ich eine Kopiervorlage für ein Brettspiel zweckgemäß vervielfältigen wollte. Doch es kam anders! Besagter Drucker wurde bis vor wenigen Monaten von seiner Eigentümerin mit dem Service HP Instant Ink verwöhnt – nur das Beste fürs Gerät! Zuletzt kam der Wechsel auf Refill-Patronen, der sich nicht nur preislich aufdrängte, sondern auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Das klappte sogar, bis sich ein Firmware-Update auf dem Gerät breitmachte, das bei sämtlichen alternativen Patronen den Dienst versagte.
Diverse Versuche, den Drucker zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit zu überreden, scheiterten, angefangen beim Versuch, von Linux-Computern aus auf dem Gerät zu drucken, direkt per Kabel oder über Apples AirPrint. Genauso wenig half es, den Drucker in ein Quarantänenetz komplett ohne Internetzugang zu verbannen. Dahinter stand die Hoffnung, ein Treiberentwickler hätte eventuell Gnade walten lassen und die Exceptions im Sinne des Verbrauchers gestaltet. Fehlanzeige. Offensichtlich spielt das Thema für die Druckerindustrie eine viel zu wichtige Rolle, als dass man in irgendeiner Weise verbraucherfreundlich agieren wollte. Das Gerät war und ist ohne die kostspieligen Originalpatronen schlicht nicht zu gebrauchen.
Der Elefant im Raum
Der hauseigene Drucker ist ein Paradebeispiel für geplante Obsoleszenz – ein Fakt, der weder ins Reich der Verschwörungstheorien gehört, noch sich unter Bauchgefühl einsortieren lässt. Mehr noch, es gibt sogar handfeste Belege für die Umtriebe der Druckerindustrie. Zu sämtlichen namhaften Herstellern finden sich im Internet schon nach kurzer Recherche mehr als genügend Beispiele. Besonders Epson erlangte zweifelhaften Ruhm, indem Drucker aufgrund voller Schwämme den Dienst quittierten [1].
Bis vor wenigen Monaten habe ich in solchen Fällen gern das Beispiel Auto angeführt. Freunde, Verwandte und so weiter reagierten empört auf die Frage, ob sie sich vom Hersteller ihres Fahrzeugs vorschreiben lassen wollten, bei welcher Tankstelle sie zu tanken hätten. Niemals würden sie sich so gängeln lassen! Ausgenommen selbstverständlich bei Druckertinte: Die schützen die Hersteller per Ländercode, sodass Bürger zahlungskräftiger Industrienationen nicht billige Patronen aus der Dritten Welt einsetzen können.
Druckertinte, die entweder bei kleinen Gebinden zu schnell verbraucht ist oder bei großen Gebinden austrocknet. Druckertinte, die moderne, smarte, cloudfähige Geräte automatisch wiederbeschaffen. Wie sich das Thema künftig bei den Autos entwickelt, bleibt offen. Ich hege sehr finstere Vorstellungen darüber, was man sich in der Führungsetage etwa in Wolfsburg angesichts der eigenen Verfehlungen so alles ausdenkt.
Recht auf Reparatur
Zudem stellt sich die Frage, wie die geplante Obsoleszenz kostengünstiger Tintenstrahler und die Anfang Juli 2024 in Kraft getretene EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur zusammenpassen. Den Herstellern dürfte das neue Gesetz zumindest ein Dorn im Auge sein, immerhin fiele dadurch eine gut ausgetüftelte Einkommensquelle weg: Plötzlich müssten sie billigst verkaufte Drucker reparieren. Wie bitte soll der Markt das richten? Hier wären neue Geschäftsmodelle erforderlich, bei denen die teure Tinte quasi frei Haus kommt, also Abo-Modelle. Das ist es, was man von Microsoft Office 365 (oder war es doch Office 348?) kennt und zu schätzen gelernt hat.
Ad Astra
Als stetig sprudelnde Quelle von Druckertinte präsentieren sich Cloud-Services, konkret das erwähnte HP Instant Ink, ein weiteres Mal als Heilsbringer. Oder eher als Unheilsbringer? Nicht erst im Mittelalter, schon in der Antike galten bestimmte Himmelskörper als Boten des Unheils. HP Instant Ink möchte mit Standleitung in die Wolken, auf dass zu Instant-Ink-Preisen gedruckt werde. Dank allzu menschlicher Bequemlichkeit funktioniert das Geschäftsmodell.
Wer den Kampf mit alternativen Patronen oder mit alternativem Toner mitgemacht hat, weiß, wovon ich rede. Es gibt keinen Königsweg: Entweder man lernt, mit den Nachteilen der Ersatzprodukte zu leben, oder zahlt Lehrgeld. Für Grundsätze wie “Wehret den Anfängen!” ist es zu spät. Heutzutage finden Sie als Verbraucher praktisch kaum noch ein Gerät, das Sie guten Gewissens kaufen könnten, weil es auch in Zukunft nicht nach Hause telefonieren will, um sich die Erlaubnis zur eigenen Daseinsberechtigung zu holen.
Als ich im Frühjahr 2024 auf Fefes Blog seinen Kommentar [3] vom 4. April 2024 zu Druckern las, musste ich laut lachen. Das lag nicht zuletzt daran, dass The Verge [4] einmal mehr ein Laser-Modell von Brother zum brauchbarsten Drucker kürte. Der Grund ist simpel: Das Gerät gängelt Nutzer nicht mit Abo-Modellen, es funktioniert quasi rein On-Premises. Wer jetzt denkt, Brother wolle vor allem vermeiden, Kunden zu entmündigen, liegt weit daneben. Der Konzern war wohl nur viel langsamer als die Konkurrenz, was dazu führte, dass The Verge denselben Artikel erneut veröffentlichte. Inzwischen hat Brother jedoch offensichtlich aufgeholt und kann seine Kunden in Abos nötigen.
Fazit
Mich bringen derlei Machenschaften in eine Zwickmühle. Als jemand, der inzwischen selten druckt, bin ich keinesfalls gewillt, mich auf Abo-Modelle einzulassen. Wozu auch? Vieles funktioniert heute papierfrei, Fotos lasse ich online entwickeln.
Kaufe ich mir nun für einen gelegentlichen Brief einen Tintenstrahler mit Ausfallgarantie – also einen Drucker, der garantiert dann nicht druckt, wenn ich ihn brauche? Da kommen mir unvermittelt Parallelen zur Deutschen Bahn in den Sinn. Die ist ebenfalls genau dann ausgefallen, wenn ich sie einmal gebraucht hätte.
Vielleicht mache ich mich lieber auf die Suche nach einem gut erhaltenen, dummen, also nicht netzwerkfähigen Kyocera, wie damals im Studium. Oder ich schwatze einer Arztpraxis einen ausgedienten Nadeldrucker ab. Zumindest über USB sollte das Gerät (Abbildung 2) schon verfügen, um es per Raspberry Pi netzwerkfähig machen zu können. (csi)

Abbildung 2: Mein künftiger Drucker darf gern etwas älter sein, solange er USB mitbringt. Quelle: Sergei Tolmachev / 123RF.com
Infos
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“Epson schaltet Drucker wegen voller Schwämme ab”: https://www.golem.de/news/geplante-obsoleszenz-epson-schaltet-drucker-wegen-voller-schwaemme-ab-2208-167439.html
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“Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt”: https://www.umweltbundesamt.de/presse/presseinformationen/elektrogeraete-werden-immer-kuerzer-genutzt
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“Welchen Drucker soll man kaufen”: https://blog.fefe.de/?ts=98f079e5
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“Best printer 2024”: https://www.theverge.com/2024/4/2/24117976/best-printer-2024-home-use-office-use-labels-school-homework
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“Recht auf Reparatur: Reparieren einfacher und attraktiver machen”: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20240419IPR20590/recht-auf-reparatur-reparieren-einfacher-und-attraktiver-machen





