Aufruf zu Sitzstreik: Streit um FOSDEM-Vortrag von Jack Dorsey [Update]

Aufruf zu Sitzstreik: Streit um FOSDEM-Vortrag von Jack Dorsey [Update]

FOSDEM-Vortrag spaltet Community

Am Sonntag, den 2. Februar wollen Manik Surtani, Brad Axen und Jack Dorsey auf der Konferenz FOSDEM einen Vortrag halten. Zu verhindern versuchen dies der Entwickler Drew DeVault und ein paar Freiwillige aus der Community. Mit einer Sitzblockade.

Zu der hat Drew DeVault offen in einem Blog-Beitrag aufgerufen, wobei er den friedlichen Charakter betont: Er wolle sich zusammen mit Freiwilligen auf die Bühne des Saals setzen und so den Veranstaltungsbeginn maximal möglich hinauszögern. Auf den ersten Blick erstaunt diese radikale Maßnahme: Eigentlich sollen die drei Sprecher die Open-Source-Strategie ihres Unternehmens Block und ihr „neues Open Source AI Agentic Framework“ vorstellen.

Stein des Anstoßes ist allerdings weniger der Inhalt des Vortrags, als eine ganz bestimmte Person: Jack Dorsey. Hinter dem Namen verbirgt sich der Gründer von Twitter, der im Laufe seiner Karriere ein stattliches Vermögen angehäuft hat. Nach Ansicht von Drew DeVault hätten jedoch Milliardäre nichts auf der FOSDEM verloren. Zumal Dorsey auch noch die große Bühne für Keynotes spendiert bekommt und somit potenziell vor rund 1.500 Person spricht. Leicht ironisch lässt DeVault in seinem Blog-Beitrag durchblicken, dass Dorsey in der Vergangenheit nicht besonders durch Open-Source-Engagement, sondern eher durch ein Interesse am Profit aufgefallen ist.

Aus Sicht von Drew DeVault sollte man daher Jack Dorsey die große Werbebühne auf der FOSDEM nicht gewähren. Wenn Milliardäre an der Open-Source-Welt teilhaben möchten, sollten sie lieber Geld an Projekte wie NLNet oder den Sovereign Tech Fund spenden. Um den Auftritt zu verhindern, greift DeVault daher kurzerhand zur Selbsthilfe und organisiert ein „Sit-in“. Alle die mitmachen möchten, treffen sich 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn vor dem Saal. Sobald die noch laufende Veranstaltung beendet ist, will man sich bis zum Ende des Vortrags um 12:30 Uhr auf die Bühne setzen. DeVault empfiehlt allen interessierten Teilnehmern noch, sich ein gutes Buch mitzubringen. Damit ist die Geschichte allerdings noch nicht ganz zu Ende.

Nach dem Aufruf von Drew DeVault starteten die Diskussionen im Internet, auch verschiedene Nachrichtenseiten und Blogger griffen das Thema bereits auf. Unter anderem der Blogger Fefe weist auf den Humor-Charakter des Vortrags hin: Jack Dorsey, ohne Bezug zu Open Source, hält darüber einen Vortrag auf einer großen Open-Source-Konferenz. Während einige Community-Mitglieder der Protestaktion zustimmen, lehnen andere das Sit-in ab. Sie verweisen darauf, dass auch DeVault in der Vergangenheit immer wieder polarisiert hat, dass er überreagieren würde und dass die Inhalte des Vortrags im Mittelpunkt stehen würden. Ein Punkt in DeVaults Blog-Beitrag erregt dabei besondere Aufmerksamkeit: Er vermutet, dass Dorsey nur deshalb die große Bühne auf der FOSDEM erhalten würde, weil sein Unternehmen zu den diesjährigen Sponsoren gehören würde. Belege dafür liefert DeVaults jedoch nicht.

Die Reaktionen und der geplante Protest veranlassten schließlich das FOSDEM-Team zu einer Stellungnahme. Demnach würde die seit 25 Jahre geltende Regel, dass Sponsoren keine bevorzugte Behandlung bei der Auswahl der Vorträge erhalten, auch hier gelten. Sämtliche anderslautende Behauptungen seien falsch. Darüber hinaus erlaube man immer friedlichen Protest. Sofern dieser friedlich bleibe und die Veranstaltung nicht stört, würde man zudem nicht eingreifen. Die FOSDEM-Veranstalter bitten sogar die Organisatoren des Protests, sich bei ihnen zu melden, damit man die Sicherheit aller Beteiligten wahren und Brandschutzauflagen erfüllen könne.

[Update, 23.01.2025] Die beanstandete Veranstaltung mit Jack Dorsey ist mittlerweile aus dem Terminplan verschwunden, der oben im Text hinterlegte Link führt nur noch zu einer Fehlerseite. Einen Kommentar dazu hat das FOSDEM-Team noch nicht veröffentlicht.

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