Mithilfe von Tvheadend und dem Sat-over-IP-Standard werden Sie im Nu Ihr eigener Streaming-Dienstleister. Im ersten Teil unseres Mini-Workshops geht es primär um die Hardware.
Glaubt man den einschlägigen Berichten diverser Onlineforen, sieht praktisch niemand mehr das klassische lineare Fernsehen. Stattdessen stehen Netflix, Disney+, Amazons Prime Video und zahllose andere Streaming-Anbieter hoch in der Gunst der Zuschauer. So ganz kann das aber nicht stimmen: Es gibt mittlerweile zahlreiche Dienstleister, die lineares Fernsehen streamen und sich so als Alternative zu Kabel- oder Satelliten-TV etablieren. Das legt nahe, dass sich die Kunden durchaus für das klassische Fernsehen interessieren.
Wer beim Empfang auf einen Kabelanschluss oder noch besser auf eine Satellitenschüssel setzt, ist gegenüber Streaming-Nutzern zudem klar im Vorteil, wie sich etwa während der Fußball-EM 2024 zeigte: Die klassischen Wege des TV-Empfangs fallen nicht aus, wenn viele Leute gleichzeitig zuschauen wollen – anders als etwa Magenta (Abbildung 1), das bei manchen Spielen kurzerhand auf Youtube setzen musste, um die Übertragung zu gewährleisten. Zudem empfängt man Fernsehen über die konventionellen Wege praktisch ohne Latenz. Während Ihr Nachbar also noch die Szenen von vor 30 Sekunden sieht, jubeln Sie im Zweifelsfall schon über ein Tor der deutschen Nationalmannschaft.

Abbildung 1: Wenn der Streaming-Anbieter wie hier Magenta zu Hochlastzeiten nicht hinterherkommt, guckt der Zuschauer in die buchstäbliche Röhre. Quelle: Twitter / xTheSolutionNOT
Zugegeben, linearer Fernsehempfang hat auch Nachteile. Digitaler Kabelempfang per DVB-C funktioniert nur, wenn das Haus ans Kabelnetz angeschlossen ist. Analog dazu kommt ein DVB-S-Signal ausschließlich an, wenn die entsprechende Schüssel auf dem Dach steht. Obendrein braucht es in beiden Fällen eine entsprechende Verkabelung im Haus, was zahlreiche potenzielle Anwender abschreckt. Wer einen Fernseher im Schlafzimmer haben möchte, kommt dort nicht ohne ein passendes Koaxialkabel aus, und das lässt sich gerade in älteren Gebäuden nicht unbedingt einfach verlegen.
Genau deswegen sind Waipu, Zattoo und Konsorten so beliebt: Hier genügt es, den Fernseher im Schlafzimmer aufzubauen und den Client des Streaming-Dienstleisters zu konfigurieren. Viele Hersteller installieren ihn sogar schon auf ihren Smart-TVs vor. Hinsichtlich des Installationskomforts können da weder Satelliten- noch Kabelanschlüsse mithalten.
Selbst streamen
Um mehrere Räume im Haus mit TV-Empfang auszustatten, müssen Sie heute die eigenen vier Wände nicht mehr zwangsläufig in einen Schweizer Käse verwandeln. Dafür gibt es den Sat-over-IP-Standard: Er definiert, wie sich die ohnehin in Form digitaler Pakete vorliegenden Signale einer Satellitenschüssel weiterleiten lassen, sodass beliebige Endgeräte mit passendem Client sie empfangen können. Mit der richtigen Hardware und ein wenig Planung werden Sie so quasi zu Ihrem eigenen Streaming-Dienstleister.
Von der Satellitenschüssel geht das Signal dafür zunächst in einen Verteiler, der es per Sat-over-IP weitergibt. Anschließend gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste: Sie fangen das Sat-over-IP-Signal direkt mit einem geeigneten Gerät ab, beispielsweise einer Set-Top-Box. Einige Fernseher haben ebenfalls einen Client für Sat-over-IP an Bord. Die zweite und bessere Möglichkeit: Sie lassen sich beim Empfang von Linux unter die Arme greifen.
Hier kommt das Programm Tvheadend [1] ins Spiel. Die Software nimmt das Sat-over-IP-Signal entgegen und übersetzt es so, dass es sich von praktisch jedem Videostreaming-Client empfangen lässt. Das verlängert die Liste der möglichen Endgeräte erheblich: Tvheadend generiert passende Ausgaben sowohl für Apples TV-Appliance als auch für Android oder iOS. Dem Fernsehempfang mit dem Smartphone oder Tablet steht also nichts mehr im Weg.
Das Ganze funktioniert bei brauchbarer Anbindung sogar durch ein VPN hindurch. Richten Sie etwa Apple TV so ein, dass es sich per IPsec oder Tailscale [2] mit dem heimischen Setup verbindet, sehen Sie so aus weiter Ferne im Urlaub deutsche Nachrichtensendungen mittels der heimischen Satellitenschüssel. Dieser Artikel verrät, welche Vorbereitungen Sie in Sachen Hardware und Software treffen müssen und wie Sie das Setup einrichten, um Ihr eigener Streaming-Anbieter zu werden.
Einkaufsliste
Die passende Hardware zu beschaffen und aufzubauen ist die halbe Miete für das beschriebene Setup. Sat-over-IP heißt so, weil der Standard grundsätzlich den Empfang der Fernsehdaten per Satellit vorsieht. Zwar gibt es mittlerweile auch kabelgestützte Implementierungen des Prinzips, diese Artikelserie konzentriert sich jedoch auf den Empfang per Satellit. Dabei sollten Sie es finanziell gut überlegt angehen lassen: Sat-Anlagen kann man bis zum Gehtnichtmehr ausbauen, sie produzieren dann aber entsprechende Kosten.
Der Autor dieses Artikels wohnt in der Grenzregion von Deutschland und den Niederlanden, tief im Westen Deutschlands. Während man mit erträglich großen Satellitenschüsseln in den meisten Regionen Deutschlands lediglich den Standardsatelliten Astra 19.2 Grad Ost sowie Hotbird auf 13 Grad Ost empfangen kann, gibt es so weit westlich mehr Möglichkeiten. Dort liegt zum Beispiel Astra 23.5 Grad Ost in Reichweite, auf dem besonders viele niederländische Sender vertreten sind, aber auch einige osteuropäische. Obendrein erwischt man gerade so den UK-Beam von Astra 28.2 Grad Ost, bekommt also bei nicht ganz katastrophalem Wetter die BBC-Sender und etliche andere englische Kanäle.
Dafür benötigen Sie allerdings entsprechendes Equipment: Die Skytenne [3] von Technisat (Abbildung 2) zum Beispiel bietet vier Empfangsteile (LNCs) samt einer passenden Halterung zur optimalen Ausrichtung. Der Parabolspiegel kommt jedoch ohne Verteilerschalter (Multiswitch) daher. Bauen Sie ein solches Setup neu, entscheiden Sie sich idealerweise gleich für eine Lösung auf Grundlage von Unicable 2 [4]. Geräte von Jultec nehmen die insgesamt 16 abgehenden Kabel der LNCs auf und verteilen sie beispielsweise beim Jultec JPS1704-4M [5] auf vier Ausgänge mit jeweils vier möglichen Clients pro Kabel. Dabei führen Unicable-Verteiler eine Art Frequenzverschiebung durch: Auf der Grundfrequenz 1280 MHz liegt das Signal für den ersten Receiver, auf 1382 MHz das Signal für den zweiten und so weiter.

Abbildung 2: Die Skytenne von Technisat bietet bei erträglicher Größe Zugriff auf die Sender von vier Satelliten: Astra 19,2 Grad Ost, Hotbird 13,0 Grad Ost, Astra 23.5 Grad Ost und Astra 28.2 Grad Ost.
Lösungen auf Unicable-Basis erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie dabei helfen, den von einer Schüssel üblicherweise ausgehenden Kabelwust zu reduzieren. In einer passenden Box lässt sich ein Multischalter von Jultec problemlos im Außenbereich betreiben, sodass Sie nur genügend Kabel für die benötigte Anzahl der Clients ins Haus führen müssen. Benötigen Sie in Summe acht Empfänger, genügt dafür beim Jultec JPS1704-8M [6] sogar ein einzelnes Kabel, das sich (wie früher oft üblich) in einer Kreisverkabelung installieren lässt.
Allerdings handelt es sich beim hier beschriebenen Setup des Autors um eine nicht ganz billige High-End-Ausführung. Möchten Sie wie hierzulande üblich lediglich einen Satelliten durchschleifen, greifen Sie besser zu einer Standardschüssel aus dem Baumarkt mit im LNC integriertem Multiswitch. Das ermöglicht neben dem Sat-over-IP-Setup auch normalen DVB-S2-Empfang. Dann müssen sich etwaige Receiver und der Sat-over-IP-Verteiler die von der Schüssel abgehenden Kabel jedoch teilen. Entsprechend reduziert sich die Anzahl der Streams, die der Umwandler gleichzeitig ins Netz zu schicken vermag.
Können Sie auf den konventionellen DVB-S2-Empfang verzichten, besorgen Sie sich lieber eine klassische Satellitenschüssel mit normalem LNC ohne integrierten Multiswitch. Deren vier ausgehende Kabel (Hi- und Low-Band für vertikal und horizontal) verbinden Sie direkt mit dem Sat-over-IP-Konverter. So stehen vier parallele Streams zur Verfügung, sie haben aber keine freie Buchse mehr für den Anschluss eines konventionellen Empfängers wie einer Set-Top-Box.
DVB-S zu IP
In jedem Fall benötigen Sie zusätzlich zur eigentlichen Sat-Anlage einen Übersetzer von DVB-S2 auf IP. Praktisch sind in Deutschland dafür lediglich zwei erhältlich: der Geniatech EyeTV Netstream 4Sat [7] für knapp 200 Euro sowie der Kathrein EXIP 418 [8] für knapp 300 Euro (Abbildung 3). Die Marke EyeTV mag manchem bekannt vorkommen – sie gehörte zu Elgato, bevor dieses Unternehmen sich auf Produkte für Videostreamer fokussierte. Heute vertreibt Geniatech seine Produkte unter dieser Marke.

Abbildung 3: Der Kathrein EXIP 418 wandelt DVB-S2-Signale in Sat-over-IP-Pakete um. Er unterstützt Signale nach Unicable-II-Standard, lässt das Multischalter-Protokoll DiSEqC jedoch aus.
Als robuster und vielseitiger erwies sich im Test des Autors jedenfalls das Gerät von Kathrein. So bietet der Netstream 4Sat keine Unterstützung für Unicable 2 alias JESS. Unicable 1 ist jedoch auf zwei Satelliten beschränkt und mithin für das Setup des Autors ungeeignet. Der EXIP 418 hingegen zeigt, dass Kathrein in Sachen Satellitenempfang Bescheid weiß: Das Gerät offeriert nicht nur vier gleichzeitige Streams mehr als die Konkurrenz, sondern implementiert auch nahtlos Unicable 2. Im Gegenzug fällt beim EXIP 418 die Unterstützung für das Multischalterprotokoll DiSEqC weg.
Darüber hinaus lässt sich das Kathrein-Gerät komfortabel per Web-UI und Browser konfigurieren, während die Konfiguration des Geniatech-Modells das Programm EyeTV erfordert, das es lediglich für Windows und MacOS gibt. Immerhin liegt dem Geniatech-Gerät eine Vollversion mit Lizenz für Windows bei.
Zu guter Letzt fehlt noch eine Heimat für die künftige Tvheadend-Instanz. Dafür eignet sich ein Raspberry Pi ganz hervorragend. Tvheadend liegt mittlerweile in Containerform vor, und zwar explizit auch für Systeme mit 64-Bit-ARM-CPU wie den RasPi 5. Als Grundlage dient wie üblich Raspberry Pi OS. Beim Einkauf des RasPi müssen Sie nicht allzu viel beachten: Es genügt eines der gängigen Kits mit Speicherkarte, Netzteil und idealerweise einem Gehäuse mit aktiver oder passiver Kühlung.
Der Raspberry Pi dekodiert die Signale in einem Setup mit Tvheadend nicht selbst; das übernimmt der abspielende Client. Das Durchleiten von Streams erfordert allerdings durchaus Rechenleistung. Möchten Sie es etwas komfortabler, greifen Sie statt zu einem RasPi besser zu einem Intel NUC oder einem vergleichbaren Mini-PC. Die schlagen zwar deutlich teuer zu Buche, liefern aber dafür ein Vielfaches der Rechenleistung und ermöglichen das problemlose Durchschleifen etlicher Streams gleichzeitig.
In Sachen Software dürfen Sie in diesem Fall nicht mit sonderlich viel Komfort rechnen: Es steht dann eher ein reguläres Ubuntu oder Debian zur Debatte, das zumindest in der Lage sein muss, Container abzuspielen. Im Folgenden dient das Setup des Autors als Referenz. Es setzt auf einen UM790 Pro von Minisforum [9] und betreibt darauf Proxmox VE zur Virtualisierung. Tvheadend läuft in einer eigens für diesen Zweck angelegten Instanz mit vier CPU-Kernen und 16 GByte RAM. Als Distribution findet Debian 12 “Bookworm” mit einigen installierten Paketen aus dem Backports-Verzeichnis Verwendung.
Erste Schritte
An dieser Stelle setzen wir einige Dinge voraus, um bei der Beschreibung des Setups nicht ins Uferlose zu geraten. Im Folgenden setzen wir also voraus, dass Sie eine Sat-Schüssel für den Empfang von Astra 19.2 Grad Ost und Hotbird 13 Grad Ost installiert und ordnungsgemäß ausgerichtet haben. Ferner lautet die Annahme, dass ein Multischalter von Jultec für den Einsatz mit Unicable 2 bereitsteht, sodass neben TV per Stream ein konventioneller Empfang via DVB-S2 gelingt.
Der verwendete Jultec JPS0904-4M [10] als Multischalter bietet bis zu vier parallele Streams pro Ausgang an, was implizit auch der maximalen Anzahl verfügbarer Tuner beim verwendeten Sat-over-IP-Konverter entspricht. Wenig überraschend fällt hinsichtlich dieses Geräts die Wahl auf einen Kathrein EXIP 418. Der könnte zwar acht parallele Streams bereitstellen, verfügt aber nur über einen Eingang für Unicable-Empfang und bleibt mithin auf vier parallele Signale beschränkt.
Der EXIP 418 ist im Fachhandel gut zu bekommen, Onlinehändler führen das Gerät mit sehr kurzen Lieferzeiten im Sortiment. Seine Inbetriebnahme gestaltet sich grundsätzlich einfach: Das Paket enthält neben dem Gerät lediglich ein Netzteil und ein Netzwerkkabel. Zunächst verbinden Sie den Netzwerkanschluss des Geräts mit Ihrem Router oder einem Switch, der im selben Netz hängt. Dann erfolgt die Verbindung mit der Satellitenschüssel: Der einzige Port des EXIP 418, der Unicable 2 bietet, ist Anschluss 1. Mit ihm verbinden Sie deshalb das vom Jultec-Verteiler kommende Kabel. Zu guter Letzt versorgen Sie das Gerät über das beiliegende Netzteil mit Strom.
Schalten Sie den EXIP 418 danach am rückwärtigen Kippschalter ein. Nun müssen Sie seine IP-Adresse herauszufinden. Ab Werk fragt der Kathrein per DHCP nach einer IP. Die Liste der zugewiesenen IP-Adressen in Ihrem Router gibt entsprechend Aufschluss. Öffnen Sie im Webbrowser die IP-Adresse des Geräts auf Port 9527 und melden Sie sich mit dem Passwort exip an. Die folgende Konfiguration hängt stark von den Gegebenheiten vor Ort ab. In unserem Beispiel wählen Sie den Punkt LNB Settings aus und klicken dort auf Multiswitch/LNB (EN50607).
Unicable 1 unterstützt die automatische Erkennung der genutzten Frequenzen; sie sollten kurz nach der Auswahl der Option in der Tabelle weiter unten auf der geöffneten Seite erscheinen. Übernehmen Sie die Einstellungen mittels Apply. Je nach den Umständen vergeben Sie für das Kathrein-Gerät entweder über seine Network Settings eine fixe IP-Adresse oder weisen ihm über den DHCP-Server Ihres Routers eine feste IP zu. Tvheadend benötigt die IP-Adresse später, um mit dem Konverter über das Netz zu kommunizieren und die DVB-S2-Pakete zu übermitteln.
Praktischerweise unterstützt das Kathrein-Gerät UPnP und offeriert kurz nach Erkennen der Unicable-2-Parameter seine Dienste im lokalen Netz. Wenn Sie einen DVB-S2-Receiver mit Unterstützung für Sat-over-IP besitzen, zeigt er die mögliche Empfangsquelle jetzt nach einer Suche im lokalen Netzwerk bereits an. Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer: Der Empfang soll schließlich nicht mit recht hochpreisigen Set-Top-Boxen wie einer VU+ Duo 4k SE [11] erfolgen, sondern mit Software auf Streaming-Clients, Tablets oder Smartphones. Ebendiese Konvertierung erfordert den Einsatz von Tvheadend. Dessen Installation und Konfiguration bilden entsprechend den nächsten Schritt.
Tvheadend aufsetzen
Für Tvheadend benötigen Sie eine virtuelle Maschine auf hinreichend leistungsfähiger Hardware mit einem frischen Debian 12. Im Beispiel kommt eine x86_64-CPU der Ryzen-Serie von AMD zum Einsatz. Das ist die komfortabelste Art und Weise, Tvheadend in Containerform zu betreiben: Entsprechende Container finden sich auf der zugehörigen Webseite.
Damit das klappt, benötigen Sie auf dem System die Laufzeitumgebung für Docker-Container. Sie bringt Docker-compose mit, das den Start des Containers für Tvheadend leicht von der Hand gehen lässt. Die Befehle aus Listing 1 aktivieren im System zunächst das Paketverzeichnis für Docker und holen danach die benötigten Pakete auf das System. Der Aufruf docker ps sollte im Anschluss eine leere Ausgabe liefern, noch laufen ja keine Container. Erhalten Sie keine Fehlermeldung, beweist das, dass Docker nun funktioniert.
Listing 1
Docker installieren
### Docker-GPG-Key importieren $ sudo apt-get update $ sudo apt-get install ca-certificates curl $ sudo install -m 0755 -d /etc/apt/keyrings $ sudo curl -fsSL https://download.docker.com/linux/debian/gpg -o /etc/apt/keyrings/docker.asc $ sudo chmod a+r /etc/apt/keyrings/docker.asc ### Repository hinzufügen $ echo "deb [arch=$(dpkg --print-architecture) signed-by=/etc/apt/keyrings/docker.asc] https://download.docker.com/linux/debian $(. /etc/os-release && echo "$VERSION_CODENAME") stable" | sudo tee /etc/apt/sources.list.d/docker.list > /dev/null $ sudo apt-get update ### Pakete installieren $ sudo apt-get install docker-ce docker-ce-cli containerd.io docker-buildx-plugin docker-compose-plugin
Wie erwähnt bietet die Linux-TV-Community seit einiger Zeit ein Docker-Abbild für Tvheadend an. Dieser Ansatz ist der sinnvollste, sonst müssten Sie die Software lokal zu kompilieren: Pakete der aktuellsten Version des Werkzeugs liegen für die gängigen Distributionen noch nicht vor. Daran ist die Existenz der Docker-Container wohl nicht ganz unschuldig. Listing 2 enthält ein Beispiel für eine Datei docker-compose.yaml, die Sie im nächsten Schritt auf Ihrem Debian-System im Ordner /root/tvheadend/ anlegen.
Beim Parameter volumes müssen Sie einen tatsächlich auf Ihrem System existierenden Pfad angeben. Falls Sie LVM für die Einrichtung der Massenspeicher nutzen oder ein separates, besonders flottes Laufwerk für Tvheadend-Aufnahmen verwenden, hängen Sie den entsprechenden Speicher an einer geeigneten Stelle im Dateisystem ein. Dann ändern Sie die Einträge unter volumes so ab, dass sie zu den Mountpoints passen.
Listing 2
docker-compose.yaml
---
version: "2.1"
services:
tvheadend:
image: lscr.io/linuxserver/tvheadend:latest
container_name: tvheadend
environment:
- PUID=1000
- PGID=1000
- TZ=Europe/Berlin
- RUN_OPTS= # optional
volumes:
- /data:/config
- /data/recordings:/recordings
restart: unless-stopped
network_mode: host
Im Anschluss rufen Sie im Ordner /root/tvheadend/ den Befehl docker compose up auf. Docker lädt daraufhin das Containerabbild herunter und startet Tvheadend aus dem Container heraus mit der hinterlegten Konfiguration. Ob das Ausrollen von Tvheadend funktioniert hat, finden Sie heraus, indem Sie in einem Webbrowser per HTTP (ohne TLS) die IP-Adresse der Tvheadend-Instanz auf Port 9981 aufrufen. Im Idealfall sehen Sie dann bereits die Startseite von Tvheadend (Abbildung 4), auch wenn sich dort noch nicht viel tut.

Abbildung 4: Der Konfigurationsdialog von Tvheadend sieht recht komplex aus. Für Sat-over-IP müssen Sie aber gar nicht viel ändern.
Erhalten Sie die Fehlermeldung, dass der Server die Verbindung zurückgesetzt hat, rührt das möglicherweise daher, dass der Webbrowser doch eine gesicherte Verbindung aufbauen wollte. Tvheadend kommuniziert im vorgeschlagenen Ausrollmodell jedoch unverschlüsselt mit der Außenwelt, Passwörter werden also im Klartext übertragen. Sie tun also gut daran, dafür zu sorgen, dass sich die Tvheadend-Instanz ausschließlich aus dem lokalen Netz oder per VPN erreichen lässt.
Hier können insbesondere allzu freizügig konfigurierte Router zum Problem werden, die per UPnP identifizierte Dienste von sich aus ins Internet durchreichen. Vor diesem Hintergrund ist es vermutlich keine schlechte Idee, die Konfiguration des Routers vorab zu prüfen.
Fazit und Ausblick
Der erste Part dieses Zweiteilers gelangt damit an sein Ende. Am Ziel sind Sie mit dem Setup allerdings noch lange nicht: Tvheadend ist nämlich nicht gerade das, was man als benutzerfreundliche Lösung bezeichnen würde. Im gesamten Werkzeug wimmelt es vor Hebeln und Schaltern. Wer sich nicht sehr ausführlich mit der Dokumentation befasst, greift an dieser Stelle schnell daneben.
Immerhin sind die nächsten nötigen Schritte klar. Tvheadend erkennt die Sat-over-IP-Tuner des Kathrein EXIP 418 zwar automatisch (Abbildung 5), weiß dann aber von sich aus nicht, was es damit empfangen kann. Das korrekte Einrichten und Aktivieren der verfügbaren Kathrein-Tuner steht also ebenso an wie deren Konfiguration auf die beiden Satelliten Astra 19.2 Grad Ost und Hotbird 13 Grad Ost. Hinzu kommt die nötige Unicable-Konfiguration.

Abbildung 5: Der EXIP 418 exportiert per UPnP die angebotenen Dienste ins heimische LAN. Tvheadend erkennt die Tuner, weiß ohne Konfiguration aber nichts mit ihnen anzufangen.
Sobald Tvheadend die Sat-Konfiguration kennt, beginnt es automatisch auf den ihm bekannten Transpondern mit der Suche nach Sendern. Nach dieser Suche, die in größeren Umgebungen einige Zeit in Anspruch nimmt, erfolgt das Bestücken der Senderliste. Gerade das gestaltet sich in Tvheadend wenig intuitiv und kompliziert. Schließlich stellt sich noch die Frage, wie man ein laufendes Tvheadend sinnvoll nutzt. Dazu stellt der zweite Teil dieser Artikelserie die Software TvhClient [12] vor. Sie lässt sich unter iOS und tvOS nutzen und steht daneben auch für Android zur Verfügung.
Eine gewisse Herausforderung geht mit verschlüsselten Sendern ein. Wer sich bereits mit klassischen Set-Top-Boxen beschäftigt hat, weiß, dass es auf dem freien Markt praktisch keine Kartenleser für Linux gibt, die gängige Pakete wie HD+ [13] entschlüsseln können. Lediglich in speziell zertifizierten Geräten wie denen von VU+ lassen sich etwaige CI+-Devices betreiben. Dieses Problem betrifft grundsätzlich auch Sat-over-IP: Hier gibt der Konverter ja lediglich die Pakete des DVB-S-Streams weiter, die er von der Satellitenschüssel geliefert bekommt.
Das wirft die Frage auf, welche Möglichkeiten es gibt, beispielsweise HD+ auf Geräten zu entschlüsseln, die das Fernsehsignal via Tvheadend empfangen. Dabei spielen zudem rechtliche Aspekte eine Rolle: Nicht alles, was technisch geht, ist erlaubt. Es bleibt also auch im zweiten Teil der Serie weiter spannend. (jcb/jlu)
Glossar
- LNC
- Low Noise Converter, rauscharmer Signalumsetzer. Die erste im Brennpunkt einer Parabolantenne befindliche elektronische Baugruppe einer Satellitenempfangsanlage.
- Unicable
- Verfahren zur Verteilung von Satellitenfernsehsignalen in einer Sat-Anlage, erlaubt bis zu 32 Receiver an einer einzigen Ableitung.
- JESS
- Jultec Enhanced Stacking System, DIN EN 50607. Einkabelsystem für bidirektionale DiSEqC-Kommunikation.
- DiSEqC
- Digital Satellite Equipment Control. Eine digitale Steuersignaltechnik für die Gebäudeverkabelung von Satellitenempfangsanlagen.
Infos
- Tvheadend: https://tvheadend.org
- Tailscale: https://tailscale.com
- Technisat Skytenne: https://www.technisat.com/de_DE/SKYTENNE/352-10007-1846/
- Unicable: https://de.wikipedia.org/wiki/Unicable
- Jultec JPS1704-4M: https://jultec.de/JPS1704-4.html
- Jultec JPS1704-8M: https://jultec.de/JPS1704-8.html
- Geniatech EyeTV Netstream 4Sat: https://www.geniatech.eu/de/produkt/eyetv-netstream-4sat/
- Kathrein EXIP 418: https://www.kathrein-ds.com/produkte/tv-empfang-verteilung/sat-zf-verteiltechnik/satip/exip-418
- Minisforum: https://store.minisforum.de
- Jultec JPS0904-4M: https://jultec.de/JPS0904-4.html
- VU+ Duo 4K SE: https://www.vuplus.de/duo-4k-se
- TvhClient: http://tvhclient.com
- HD+: https://www.hd-plus.de





