Die Live-Distributionen Grml, SystemRescue und Finnix helfen bei der Datenrettung und ermöglichen die Reparatur beschädigter Desktop-Installationen.
Die große Zeit der Rettungssysteme für Linux- und andere Computer ist vorbei: Früher beliebte Lösungen wie Rescatux sind mittlerweile verwaist oder ihre Entwicklung pausiert zumindest seit mehreren Jahren. Auch bei Knoppix tut sich derzeit nicht mehr allzu viel, da dessen Entwickler Klaus Knopper mittlerweile als Dozent und Vizepräsident für Digitalisierung an der Hochschule Kaiserslautern stark eingespannt ist.
Immerhin gibt es noch drei waschechte Rettungssysteme, die sich einer aktiven Entwicklung erfreuen: Grml, SystemRescue und Finnix. Wir fühlen dem Trio und auch dem Urgestein Knoppix im Folgenden näher auf den Zahn.
Knoppix
Wer in der IT schon ein paar Lenze hinter sich gebracht hat, bei dem klingelt garantiert etwas, wenn der Name Knoppix [1] fällt: Die Distribution galt über viele Jahre als mit Abstand bestes Linux-Derivat zum Ausprobieren des freien Betriebssystems. Das maßgeblich von Klaus Knopper entwickelte und gepflegte Knoppix genoss auch wegen seines Erfinders insbesondere innerhalb der deutschsprachigen Linux-Gemeinde großen Ruhm. Knopper ist längst gern gesehener Redner bei Konferenzen und Messen.
Obendrein nutzten zahlreiche Anwender Knoppix, um beispielsweise im Rahmen von Updates beschädigte Systeme zu reparieren. Insofern galt die Distribution stets auch als leistungsstarkes Rescue-System. Mittlerweile ist der einstige Ruhm allerdings etwas verblasst. Die letzte Version 9.3 von 2022 (Abbildung 1) war eine exklusive Beilage von LinuxUser [2] und steht auf der offiziellen Knoppix-Website nicht zum Herunterladen zur Verfügung.

Abbildung 1: Knoppix gilt als Pionier des Live-Linux auf CD und entwickelte sich später auch in Richtung Rescue-System weiter. Mittlerweile gilt seine Entwicklung aber als weitgehend eingestellt.
Dass die Relevanz von Knoppix und ganz grundsätzlich des Prinzips Rescue-System nachgelassen hat, hat aber noch einen anderen Grund: Gerade im Profi-Bereich griffen Administratoren im Rechenzentrum früher durchaus zu Knoppix oder dem weiter verbreiteten Grml, um einem System wieder auf die Beine zu helfen. Heute geben dort Lifecycle-Management-Lösungen und Automation den Ton an. Der Drang zur Containerisierung bei den großen Herstellern wie Red Hat oder Canonical hat obendrein dazu geführt, dass Systeme heute deutlich seltener Hilfe benötigen. Gerade im Rechenzentrum ist der Bedarf an Rettungslösungen, die man etwa auf einem USB-Stick bei sich haben kann, deshalb in den vergangenen Jahren massiv gesunken. Zudem gibt es Live-Images jeder gängigen Desktop-Distribution, die den Startvorgang und die Modifikation bestehender Systeme ermöglichen.
Vor allem auf Desktops benötigt man Rettungssysteme jedoch nach wie vor. Hier gelten andere Spielregeln: Privatanwender haben keine Lust, bei Problemen das Arbeitsgerät für den Alltag vollständig zu löschen, neu aufzusetzen und die wertvollen Daten hinterher per Backup wieder einzuspielen. Aber auch auf Desktops kommen schwere Systemhavarien heute viel seltener vor als früher. Das liegt einerseits an deutlich robuster gewordenen Komponenten und andererseits daran, dass die Entwickler typischer Desktop-Komponenten heute Rollback-Optionen für den Fehlerfall in ihre Werkzeuge integrieren.
Trotzdem ist die Gefahr, dass nach dem Neustart der eigenen Linux-Installation statt des gewohnten Splashscreens nur noch eine Fehlermeldung erscheint, auf Desktops heute noch immer gegeben und viel größer als auf Servern. Das liegt schon allein daran, dass Desktop-PCs meist viel häufiger Updates erhalten und dadurch implizit die Gefahr steigt, dass etwas kaputtgeht.
Gerade wer Linux auf dem Desktop nutzt, hat immer noch Bedarf an einer Lösung wie Knoppix. Da das aber nur noch in einer veralteten Version zur Verfügung steht, stellt sich die Frage nach der passenden Alternative. Durchforstet man das Netz nach aktuellen Rescue-Systemen für Linux, stößt man auf die immer gleichen Vertreter der Zunft: Grml, SystemRescue (früher: SystemRescueCD) und Finnix.
Grml
Das bereits seit 2005 existierende Grml [3] ist so etwas wie der Veteran unter den Rettungssystemen. Als Haupt-Maintainer der Distribution fungiert bis heute der Österreicher Michael Prokop, ein Debian-Entwickler. Da verwundert es wenig, dass Grml Debian GNU/Linux als Unterbau verwendet. Das war jedoch nicht immer so. Anfangs basierte Grml noch auf Knoppix. Mittlerweile erfolgt die Grml-Entwicklung ein wenig geruhsamer. Die aktuelle Version datiert auf den Februar 2024, lässt sich aber dank Kernel 6.6 dennoch problemlos selbst auf neuesten Systemen nutzen.

Abbildung 2: Grml ist ein echtes Rescue-Linux, das zwar eine GUI bietet, den Benutzer aber nicht zwingt, sie auch zu verwenden. Es lässt sich ebenso gut via Kommandozeile nutzen. Quelle: Grml / Michael Prokop
Seinen Namen hat Grml übrigens von der lautmalerischen Umschreibung des Geräuschs, das Anwender von sich geben, wenn sie einem System mit der Lösung zu Leibe rücken müssen. Die Distribution ist dafür indes perfekt ausgerüstet: Desktop-Umgebungen wie KDE oder Gnome fehlen zwar, dafür bringt sie aber die deutlich schlankeren Alternativen Openbox und Fluxbox mit. Auf eine grafische Oberfläche müssen Sie bei Grml also nicht verzichten, obwohl diese im Regelfall vorrangig als Terminalmultiplexer zum Einsatz kommt, also um viele Terminals gleichzeitig anzuzeigen. Pflicht ist die grafische Oberfläche allerdings nicht. Falls Sie also lieber mit der puren Konsole (Abbildung 2) arbeiten möchten, können Sie das problemlos tun.
Die Distribution enthält eine Vielzahl von Konfigurations- und Reparaturwerkzeugen. So bringt Grml die volle Palette an Werkzeugen mit, um alle gängigen Linux-Dateisysteme zu inspizieren und Fehler zu beheben. Dasselbe gilt für die Reparatur des Logical Volume Managers (LVM). Auch Software-RAID-Konfigurationen lassen sich mit Grml leicht untersuchen und wiederherstellen, sofern das technisch möglich ist.
Besonders verbessert haben sich in den letzten Jahren die für den eigenen Betrieb und dessen Vorbereitung verfügbaren Modi. Dazu muss man wissen: Ursprünglich war die Auswahl der Software, die Grml mitbrachte, vor allem vom Wunsch getragen, Platz zu sparen. Das galt sowohl für den Datenträger, auf dem die Distribution kam, als auch für die Menge an Daten, die Grml im Live-Betrieb laden sollte. Ursprünglich sollte alles auf eine CD passen und auch auf älterer Hardware mit wenig RAM problemlos funktionieren.
Beide Beschränkungen sind inzwischen aber weggefallen. Rechner mit optischen Laufwerken finden sich immer seltener, und viele Anwender haben ohnehin keinen Brenner mehr, mit dem sie entsprechende Medien herstellen könnten. Obendrein hat selbst ein recht spartanisch ausgestattetes Notebook heute selten weniger als 8 GByte Arbeitsspeicher, und die genügen selbst für den Betrieb eines großen Grml-Abbilds. Trotzdem geht die Distribution mit dem RAM in Zielsystemen nicht verschwenderisch um und weist noch immer einen ausgesprochen schlanken Fußabdruck auf.
Mit CD-ROMs müssen sich Interessierte auch nicht mehr herumschlagen: Das seit Jahren verfügbare Werkzeug Grml2usb spielt im Handumdrehen eine lauffähige Grml-Installation auf einen handelsüblichen USB-Stick auf. Am besten greifen Sie dabei zu einem Exemplar mit USB 3.x. Die sollten eigentlich längst Standard sein, noch immer trifft man im Handel aber regelmäßig auf Sticks mit dem langsamen USB 2.0.
Quasi als Sahnehäubchen winkt Grml obendrein mit der Möglichkeit, ein vollständiges Debian auf einem Zielsystem zu installieren. Dazu nutzt es Debootstrap, also die vom Debian-Installer selbst verwendete Komponente.
Alles in allem bietet Grml erfahrenen Desktop-Nutzern eine recht komfortable Möglichkeit, ein System nach einem Problem wiederherzustellen. Alle dafür nötigen Werkzeuge liegen der Distribution bei. Obendrein glänzt Grml mit aktueller Software und einem modernen Kernel, was die Erkennung neuerer Hardware deutlich erleichtert.
SystemRescue
Ebenfalls als echter Veteran im Geschäft der Rettungsdistributionen gilt SystemRescue [4]. Das erkennt man schon am ursprünglichen Namen SystemRescueCD, den die Entwickler erst 2020 auf SystemRescue verkürzten. Er deutet darauf hin, für welche Art von Zielmedium die Distribution eigentlich konzipiert war: Ebenso wie Grml positionierte sich SystemRescueCD als handliches Medium für Notfallarbeiten.
Aber auch hier haben sich die Uhren weitergedreht, und längst ist von CD-Laufwerken keine Rede mehr. Stattdessen kommt SystemRescue heute in Form eines ISO-Abbilds, das sich auf USB-Sticks schreiben lässt, und wie bei Grml gibt es dafür ein distributionseigenes Werkzeug. Eine CD würde für die mittlerweile mehr als 800 MByte ohnehin nicht mehr ausreichen.
Auch sonst gibt es zwischen SystemRescue und Grml einige Parallelen. Beide offerieren eine grafische Oberfläche, die bei SystemRescue allerdings auf dem etwas komfortableren XFCE fußt (Abbildung 3). Die aktuelle Version 11.02 der Distribution vom August 2024 hat außerdem den Kernel 6.6.47 an Bord, der aktuell für alle gängigen Hardwarespielereien gut sein dürfte. Unter der Haube fußt SystemRescue auf Arch Linux und nutzt daher Pacman als Paketmanager. Die Distribution bietet einen Modus zur dauerhaften Installation an. Dabei landet auch wirklich SystemRescue auf der Platte und nicht wie bei Grml ein echtes Debian.

Abbildung 3: SystemRescue kommt mit einer grafischen Oberfläche in Form von XFCE daher. Die Distribution bietet allerlei praktische Rettungswerkzeuge wie Ddrescue. Quelle: SystemRescue
Bei der Auswahl der verfügbaren Werkzeuge zeigt sich die Rettungsdistribution vielseitig. Für schnelle Recherchen im Netz liegt Firefox 128.1.0 bei, Chromium fehlt hingegen. Klein aber fein lautet das Motto also, und trotzdem hat SystemRescue ein paar Highlights im Gepäck. Dazu gehören zweifelsohne die komplette Toolchain für alle gängigen Linux-Dateisysteme sowie alle nötigen Werkzeuge, um MDRAID-Laufwerke oder LVM-Volumes zu reparieren. Als Texteditor liegt Vim in der aktuellen Version 9.1 bei.
Über ebenfalls enthaltene gängige Programmiersprachen wie Python oder Perl lassen sich bei Bedarf eigene Reparaturwerkzeuge ausrollen. Für die Arbeit in Windows-Netzen gibt es einen Samba-Dienst. Zum Partitionieren von Datenträgern enthält SystemRescue GNU Parted samt dem grafischen Frontend GParted. Backup-Werkzeuge gehören ebenso zum Lieferumfang wie Ddrescue, mit dem sich Blockgeräte auch dann noch zumindest zum Teil auslesen lassen, wenn manche Bereiche defekt sind.
Als Highlight darf der NTFS-Treiber Ntfs-3g gelten, mit dessen Hilfe sich bei Bedarf und mit entsprechendem Know-how auch Windows-Installationen flicken lassen. Falls es ad hoc jedoch nicht klappt, kann SystemRescue zumindest die Daten so sichern, dass sie sich im Nachgang auf einem anderen Windows-Rechner wiederherstellen lassen. Gängige Debugging-Werkzeuge wie Ping und Traceroute sowie der Speichertester Memtest runden das Angebot ab.
Ob Sie sich für Grml oder SystemRescue entscheiden, ist vorrangig eine Frage der eigenen Präferenz. Haben Sie eine Debian- oder Ubuntu-Historie, dürften Sie Grml leichter zu bedienen finden. Sind Sie eher in der Arch-Welt zu Hause, finden Sie in SystemRescue eine überzeugende Alternative.
Finnix
Finnix [5] ist in sich so etwas wie ein Paradoxon: Die Distribution datiert zurück ins Jahr 1999, und trotzdem haben selbst viele eingefleischte Linuxer bis dato noch nichts von ihr gehört. Wer Finnix intuitiv in Finnland verortet, liegt ebenfalls daneben: Es ist nach seinem Hauptentwickler Ryan Finnie benannt, der wie die Väter von Knoppix, Grml und SystemRescue ein Rettungssystem für defekte Linux-Installationen schaffen wollte.
Inwiefern man diese Abstammungsgeschichte stimmig findet, liegt im Auge des Betrachters, denn ursprünglich basierte Finnix auf Red Hat Linux 6.0. Später diente Knoppix als Grundlage, bis Finnie schließlich den Schwenk hin zu Debian GNU/Linux vollzog und seither vorrangig Pakete aus dem Testing-Zweig der Debian-Distribution verbaut.
Dabei hat Finnix seine Ursprünge nie vergessen und will auch heute noch so schlank wie möglich sein. Entsprechend bringt es ein installiertes Grundsystem auf gerade einmal 400 MByte Umfang. Es ist damit die einzige Distribution in diesem Vergleich, die auch heute noch völlig mühelos auf eine normale CD passen würde. Freilich gibt es inzwischen ebenfalls die Möglichkeit, es auf einen USB-Stick zu packen und von dort aus zu verwenden.
In Bezug auf Hardware gibt sich Finnix entsprechend genügsam. Weniger als 1 GByte RAM genügt, sodass sich selbst uralte Computer damit wiederbeleben lassen. Das Projekt selbst gibt als Mindestvoraussetzung sogar nur 32 MByte an, merkt dazu allerdings an, dass die Distro durchaus mehr RAM vertragen kann, falls verfügbar. Von den Probanden im Vergleich ist Finnix am aktuellsten, auch wenn das letzte Release etwas länger zurückliegt als bei SystemRescue. Weil es sich aber aus Debians Testing-Zweig bedient, stehen ein aktueller Kernel 6.8 sowie eine modernere Toolchain für das Grundsystem zur Verfügung.
Finnix unterstützt zudem eine Vielzahl von Zielplattformen, von 32-Bit-Intel-Systemen bis hin zu PowerPCs, Letzteres allerdings nur bis einschließlich Finnix 111. Obendrein stellen die Entwickler das Werkzeug finnix-live-build bereit, das ISO-Abbilder für nahezu beliebige Architekturen bauen kann, inklusive ARM- und ARM64-Architekturen. Finnix für ARM64 im Eigenbau kann durchaus eine attraktive Option für Mac-Systeme mit Apples M-Prozessor sein. Von Versprechen im Hinblick auf irgendeine Form der Nutzbarkeit sehen die Macher hier aber wohlweislich ab.
Der Purismus in Sachen Distributionsgröße oder unterstützter Plattform fordert auf der praktischen Seite durchaus seinen Tribut: Anders als Grml oder SystemRescue kommt Finnix beispielsweise ohne grafische Oberfläche daher. Das erleichtert einerseits den Entwicklern die Wartung der Distribution, weil es sämtliche potenziellen Probleme mit X.org, Wayland und anderen Lösungen beseitigt. Andererseits eignet sich die Rescue-Distribution dadurch nur für erfahrene Linux-Anwender, die beispielsweise wissen, wie sie die gern auch mehrfach vorhandenen Terminals (Abbildung 4) eines Finnix-Systems aufrufen und nutzen.

Abbildung 4: Anders als Grml und SystemRescue geht Finnix das Thema puristisch an und verzichtet komplett auf eine GUI. Der Mühe Lohn: Schlanke 480 MByte für das gesamte Betriebssystemabbild. Quelle: Finnix / Ryan Finnie
Im Hinblick auf die nötigen Werkzeuge zur Systemrettung und Wiederherstellung lässt Finnix hingegen nichts zu wünschen übrig. Es prüft und repariert die meisten Dateisysteme ebenso wie mittels Cryptsetup verschlüsselte Laufwerke, MDRAIDs und LVM-Volumes. Auch ein Backup-Werkzeug liegt bei, um Daten von einem lokalen Datenträger für eine Neuinstallation auf ein Sicherungsmedium zu transferieren.
Live-Umgebungen
Auch wenn Knoppix mittlerweile im Dornröschenschlaf liegt, leben diverse Ideen von Klaus Knopper doch in der gesamten Community fort. Die Live-CD-Abbilder, die alle modernen Desktop-Distributionen heute im Portfolio führen, legen davon Zeugnis ab. Mit seiner Idee, ein ganzes Linux-System auf eine CD zu pressen und davon zu starten, gelang Knopper ein großer Wurf. Die Idee zu bootbaren Live-Systemen hatten findige Köpfe zwar schon vor ihm, aber erst er machte die Idee so populär, dass sie in der gesamten Linux-Welt Fuß fasste.
Mancher altgediente Linux-Jünger dürfte sich an die regelmäßig aufkeimenden Diskussionen erinnern, die sich darum drehten, Knoppix wegen seiner einfachen Nutzbarkeit auf Festplatte zu installieren. Ursprünglich war es ja gar nicht als reines Rettungssystem konzipiert, sondern sollte vor allem ermöglichen, Linux ohne Installation auszuprobieren. Als andere sahen, dass das Konzept funktioniert, folgten sie dem Beispiel. Canonical etwa bot Ubuntu relativ früh in Form von Live-ISO-Abbildern an, aus denen heraus sich dann die eigentliche Installation des Betriebssystems anstoßen ließ. Wer sich hier an den Grml-Ansatz erinnert fühlt, liegt durchaus richtig, auch Grml zählte in dieser Hinsicht zu den Pionieren.
Mittlerweile erscheint die Welt der Live-Umgebungen fast schon unübersichtlich – jede Distribution, die etwas auf sich hält, bietet eine an. Die aktuellen ISOs von Ubuntu 24.04 beispielsweise lassen sich zur Verwendung wahlweise auf eine DVD oder auf einen USB-Stick schreiben. UnionFS und Konsorten machen es möglich: Das vom Stick gestartete Linux verhält sich so wie eine fest installierte Instanz. Ein wichtiger Faktor dabei: Die heutigen Live-Linux müssen nicht mehr read-only sein und alle Inhalte im RAM behalten. Anders als optische Medien lassen sich USB-Sticks schließlich beschreiben, und gerade dabei kommen UnionFS und seine diversen Ableger und Nachfolger ins Spiel.

Abbildung 5: Zwischen der Live-Version von Kubuntu 24.04 und der installierten Version auf der Platte sind keine großen Unterschiede auszumachen. Auf Rettung spezialisiert ist Kubuntu aber freilich nicht. Quelle: Canonical
Wie beschrieben, legten erst spätere Knoppix-Versionen den Fokus stärker auf Systemwerkzeuge für Reparaturversuche. Auch die Live-Systeme der gängigen Distributionen sind nicht sonderlich gut auf das Thema Havarie-Korrektur vorbereitet. Immerhin umfassen die aktuellen Live-Abbilder etwa von Kubuntu (Abbildung 5) und OpenSuse im Rahmen der ohnehin meist installierten Standardpakete auch diverse Werkzeuge zur Rettung eines lokalen Systems. Zum Teil bieten die Distributoren sogar im Bootloader-Menü des Images einen Menüpunkt Recovery an, der ein anderes oder anders konfiguriertes System vom Stick startet.
In Summe liegt der Fokus der Live-Versionen aber nicht auf der Korrektur von Fehlern und dem Retten bestehender Systeme. Werkzeuge wie Ddrescue kann man immerhin nachinstallieren. Wer aber weiß, was er tut und wonach er suchen muss, greift für echte Rettungsmissionen besser zu einer der hier vorgestellten spezialisierten Distributionen.
Fazit
Sieht man sich heute auf Distrowatch um, merkt man schnell, dass die große Zeit der Rettungssysteme für Linux- und andere Computer vorbei ist. Selbst bei extrem beliebten Lösungen wie Rescatux und Knoppix tut sich nicht mehr allzu viel. Immerhin drei waschechte Rettungssysteme existieren noch und erfreuen sich einer aktiven Entwicklung: Grml, SystemRescue und Finnix. Für welche davon Sie sich entscheiden, können Sie getrost von Ihren individuellen Vorlieben abhängig machen: Eine schlechte Wahl treffen Sie in keinem der drei Fälle. (jcb)
Infos
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Knoppix: https://www.knopper.net/knoppix/
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Knoppix 9.3: Prof. Dipl.-Ing. Klaus Knopper, “Modularer Mix”, LU 06/2022, S. 32, https://www.linux-community.de/48020
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Grml: https://grml.org
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SystemRescue: https://www.system-rescue.org
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Finnix: https://www.finnix.org





