Homematic-Geräte unter Linux mit FHEM oder OpenHAB steuern

Aus LinuxUser 12/2024

Homematic-Geräte unter Linux mit FHEM oder OpenHAB steuern

© Mykhailo Shorokhov / 123RF.com

Wohltemperiert

Bei der Steuerung des mühsam und teuer zusammengekauften Gerätezoos in den eigenen vier Wänden helfen Smart-Home-Zentralen wie FHEM oder OpenHAB.

Smart Home kommt zweifelsohne mit einem gewissen Showeffekt daher, vorrangig sollen schlaue Wohnungen und Häuser aber das Leben ihrer Bewohner erleichtern. Ein oft geäußerter Wunsch ist dabei, die Temperatur im Gebäude möglichst automatisch den Bedürfnissen derer anzupassen, die sich darin aufhalten. Gerade in den extrem kalten Wintermonaten oder in einem sehr heißen Sommer ist das praktisch: Ein per Wärmepumpe gekühlter Raum erleichtert im Sommer den Schlaf, ein etwas vorgewärmtes Schlafzimmer leistet dasselbe im Winter. Viele Menschen können bei eingeschalteter Heizung schlecht schlafen. Wer aber schon vor der eigenen Schlafenszeit für etwas Wärme sorgt, umgeht das Problem und braucht die Heizung dann nachts nicht. Wie der erste Teil [1] dieses Workshops gezeigt hat, ist eine solch umfassende automatische Klimatisierung durchaus möglich, aber auch recht umständlich.

Das liegt vor allem daran, dass ein durchgreifendes Klimatisierungskonzept mehrere Faktoren einbeziehen muss. Da ist zunächst die Heizung des Gebäudes. Eine normale Heizung kommt als aktiver Bestandteil einer Klimatisierungslösung nur im Winter in Betracht. Handelt es sich hingegen um eine Wärmepumpe, kann diese im Sommer auch für Kühlung sorgen, jedoch nur in begrenztem Umfang. Das gilt zumindest dann, wenn sie sich zentral steuern lässt.

Wie eine entsprechende Lösung aussehen kann, hat der erste Teil dieser Serie ebenfalls gezeigt: Aus einem Raspberry Pi 4, einem PiCAN-HAT und einem passenden Gehäuse lässt sich mit wenig Aufwand ein CAN-Bus-fähiger RasPi basteln, über den sich mittels der Open-Source-Bibliothek PyHPSU Rotex-Wärmepumpen steuern lassen. Für Geräte anderer Hersteller existieren vergleichbare Lösungen, fast alle mit Ursprung in der Open-Source-Community.

Gerade das Verbinden des Raspberry Pi mit dem Steuer-Board einer Wärmepumpe erfordert im Normalfall Lötfähigkeiten und Geschick. Wer diese Herausforderungen aber meistert oder sich vom Profi unter die Arme greifen lässt, bekommt eine vollständig aus der Ferne steuerbare Wärmepumpe und je nach Gerät die Option, sie pro Raum spezifisch zu konfigurieren.

Hier hören die smarten Möglichkeiten aber noch lange nicht auf. Die Kühlung eines Raums per Wärmepumpe bringt ja nichts, wenn tagsüber die Sonne stundenlang in den Raum strahlt und ihn massiv aufheizt. Hier kommen die bereits erwähnten steuerbaren Rollläden ins Spiel. Auch hierzu hat der erste Teil bereits eine Anleitung enthalten: Gerade Homematic hat ein umfassendes Sortiment von Rollladenaktoren, um dumme Schalter durch intelligente Steuerung zu ersetzen.

Besonders attraktiv sind an den Geräten von Homematic die Adapterplatten (Abbildung 1), mit denen sich die Schalterabdeckungen gängiger Hersteller nutzen lassen. Der Taster zum Steuern der Rollläden wird auf diese Weise schlau, ohne von außen gleich als smartes Bauteil aufzufallen. Nicht wenige Nutzer wollen ja heute Technologie, deren Komponenten idealerweise versteckt bleiben. Gerade bei Rollladentastern ist das aber gar nicht so einfach. Schließlich soll der Druckknopf auch unabhängig von der verfügbaren Fernsteuerung funktional bleiben. Ihn vollständig in einer Unterputzdose zu verstecken, ist meistens keine Option.

Abbildung 1: Für Rollladenaktoren von Homematic gibt es Adapter für die Schalterserien großer Hersteller. So verschwindet die komplexe Technik hinter schönen Blenden. Quelle: FHEM-Wiki

Abbildung 1: Für Rollladenaktoren von Homematic gibt es Adapter für die Schalterserien großer Hersteller. So verschwindet die komplexe Technik hinter schönen Blenden. Quelle: FHEM-Wiki

Ergänzt man das Konstrukt nun noch um schlaue Thermometer, die je nach Raumtemperatur Heizung oder Kühlung aktivieren, ist man dem Ziel schon nahe. Wer es ganz ordentlich bauen will, kann das Konzept freilich noch um eine steuerbare Klimaanlage erweitern, die nur bei Bedarf geschaltet wird. Auf diesen Sonderfall gehen wir später noch im Detail ein.

Steuerzentrale

Zuvor stellt sich die Frage, wie sich der mühsam und teuer zusammengekaufte Gerätezoo in den eigenen vier Wänden zentral steuern lässt. Müssen die Bewohner sich um Wärme und Beschattung händisch kümmern, etwa per App, ist das zwar noch etwas komfortabler als das klassische manuelle Bedienen von Rollläden und Thermostaten. Ohne Automation allerdings dürfte es im Trubel des Alltags vielen Bewohnern nicht gelingen, ein wirklich vollständiges Heiz- oder Kühlkonzept zu etablieren. Liegt man dann doch abends im kalten (oder viel zu warmen) Bett, steigt der Frust. Stattdessen muss eine Lösung her, die alle vorhandene Hardware im Haus sinnvoll digital in Verbindung setzt und je nach Situation so konfiguriert, dass das bestmögliche Ergebnis erreicht wird.

Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Im ersten Teil dieser Serie klang ja bereits an, dass es diverse Smart-Home-Protokolle und Standards gibt und dass potenzielle Smart-Home-Kunden gut daran tun, sich bereits am Anfang so weit wie möglich auf eines der Ökosysteme festzulegen. Perfekt funktioniert das nur selten, denn meist würde das bedeuten, dass alle Geräte vom selben Hersteller kommen. Rotex aber baut keine Smart-Home-Lösungen und Homematic keine Wärmepumpen. Schon im Haus des Autors scheitert dieser Ansatz also.

Das primäre Ziel besteht folglich eher darin, so wenige Schnittstellen wie möglich im Setup zu haben und für diese dann eine zentrale Software zu finden, die alle miteinander in Beziehung setzt. Genau an dieser Stelle kommt dann wieder Linux ins Spiel: Die möglichen Lösungen FHEM oder OpenHAB laufen auf Systemen, die der Pinguin antreibt.

Der Weg dorthin

Die gute Nachricht lautet: Die vorstehend beschriebene Lösung zum Steuern der Wärmepumpe auf Basis des Raspberry Pi lässt sich sowohl an FHEM und OpenHAB als auch an diverse andere Smart-Home-Lösungen anbinden. Das ist aber eher dem Ansinnen der PyHPSU-Entwickler zu verdanken, ihre quelloffene Software möglichst kompatibel mit anderen FOSS-Lösungen zu halten. Will man die ebenfalls zur Diskussion gestellten elektrischen Rollladenaktoren ebenfalls mit FHEM oder OpenHAB verbinden, gestaltet sich die Sache schon etwas schwieriger, und zwar vor allem wegen Homematic selbst.

Grundsätzlich lassen sich Homematic-Geräte nur mit einer vom Hersteller zur Verfügung gestellten Kommandozentrale steuern. Hiervon hat Homematic allerdings mindestens zwei Varianten im Portfolio, zwischen denen die Unterschiede kaum größer sein könnten. Ab Herbst 2024 kommt sogar noch eine dritte hinzu. Um die Unterschiede zwischen den Geräten genauer zu verstehen, lässt es sich nicht vermeiden, sich mit ihnen zu befassen.

Quasi die erste Generation von Homematic-Schaltzentralen stellen die CCUs dar, die Central Control Units. Die gibt es in mehreren Revisionen, die letzte von Homematic noch unterstützte ist die Version 3. Neu kann man die CCU v3 durchaus noch kaufen, seitens des Herstellers ist diese aber mit einem Ablaufdatum versehen. Homematic hat mittlerweile Homematic IP eingeführt, einen Cloud-basierten Dienst, den nach dem Willen des Herstellers alle künftigen Geräte von Homematic nutzen sollen. Homematic IP unterscheidet sich sowohl hinsichtlich des genutzten Protokolls als auch hinsichtlich der Ansteuerung der schlauen Geräte deutlich vom vorherigen Protokoll. Passend dazu gibt es den Homematic IP Access Point, den der Anbieter aggressiv bewirbt.

Die Krux: Homematic IP stellt keine offene API bereit, an die Dienste wie FHEM oder OpenHAB andocken könnten – alle verfügbaren Interfaces sind proprietär. Wer also seine Homematic-IP-Geräte darüber anbindet, dazu zählen auch die im ersten Teil erwähnten Rollladenaktoren, kann diese im Anschluss nur noch über von Homematic dafür freigegebene Wege steuern. Anfang Mai kündigte der Hersteller eine neue Home Control Unit (HCU) für Homematic IP an, die dann auch externe Schnittstellen wie EEBUS bieten soll. Bis man ein solches Gerät bekommen und testen kann, bleibt allerdings unklar, was es wirklich bringt. Zudem steht keineswegs fest, dass OpenHAB oder FHEM die HCU ab dem ersten Tag des Erscheinens voll unterstützen werden.

Die gute Nachricht: Zumindest sind alle bisher erschienen Homematic-IP-Produkte auch mit der alten Version der CCU kompatibel. Der Parallelbetrieb klappt jedoch nicht, ein Gerät kann also nicht mit der CCU und Homematic IP gleichzeitig verbunden sein. Das muss aber auch gar nicht sein, wenn man die Geräte über Homematic lediglich ansprechen möchte, jedoch ein anderer Dienst im lokalen Netz die zentrale Steuerung übernimmt. Selbst der Umstand, dass Homematic die CCU v3 bald nicht mehr als Neugerät anbietet, ficht die FOSS-Community nicht an. Tüftler haben bereits herausgefunden, dass die CCU ursprünglich eigentlich nur ein RasPi 3 mit vorinstallierter Software im schicken Gehäuse mit zusätzlichem Funkmodul ist. Die Software lässt sich aus diesem Gerät extrahieren und auf andere Geräte übertragen.

Es gibt tatsächlich bereits mehrere Distributionen für den Betrieb einer Homematic-CCU, darunter PiVCCU [2] (Abbildung 2), Debmatic [3] sowie RaspberryMatic [4]. Sie alle fußen auf der OCCU-Distribution, die der Homematic-Hersteller eQ-3 selbst auf Github als freie Software zur Verfügung stellt [5]. Praktischerweise können sowohl OpenHAB als auch FHEM die klassische Homematic-CCU ansteuern. Verbindet man also die zu Hause verbauten Homematic-IP-Geräte mit einer klassischen Homematic-CCU, lässt die sich im Anschluss auch an FHEM oder OpenHAB anflanschen.

Abbildung 2: PiVCCU, eine lokale, gut gewartete Alternative zur CCU v3 von Homematic, wird von der FOSS-Community gepflegt und entwickelt. Die Abbildung zeigt das Web-Interface der Lösung.

Abbildung 2: PiVCCU, eine lokale, gut gewartete Alternative zur CCU v3 von Homematic, wird von der FOSS-Community gepflegt und entwickelt. Die Abbildung zeigt das Web-Interface der Lösung.

Vorgehen

An dieser Stelle ist ein kurzer Exkurs in die Art und Weise hilfreich, wie Anbieter sich Smart Home vorstellen und welche Geschäftsmodelle sie um das Prinzip herum entwickeln.

Wie mehrfach erwähnt, haben die Anbieter ein großes Interesse daran, die Kunden im eigenen Universum einzusperren. Dafür eignet sich ein Protokoll wie das nun eingeführte Homematic IP ganz hervorragend. Was Anbieter wie Nutzer dabei allerdings häufig vergessen: Technologie hat viel kürzere Produktzyklen als Wohnraum. Wer jetzt ein neues Haus baut und umfassend mit schlauer Technologie ausstattet, will den ganzen Plunder nicht in fünf Jahren herausreißen, weil es neuere Geräte mit tollen neuen Funktionen gibt.

Am möglichst langen Funktionieren hat andererseits der Anbieter gar kein Interesse: Kunden, die nur alle 20 Jahre oder in noch größeren Abständen kaufen, bringen nicht viel Umsatz. Auch wenn man es bei ELV, der Firma hinter Homematic, nicht zugibt: Ein Angebot, das die Smart-Home-Geräte eines Nutzers an einen Cloud-basierten Dienst des Anbieters koppelt, stellt einen aus Anbietersicht willkommenen, jederzeit nutzbaren Abschaltknopf dar.

Ehemalige Kunden der Harmony-Geräte von Logitech wissen davon ein Liedchen zu singen. Harmony war eine Reihe schicker, gut funktionierender Universalfernbedienungen, die im Hintergrund einen Cloud-Dienst benötigten. Logitech entschied sich irgendwann dazu, das gesamte Harmony-Portfolio einzustampfen, und schaltete im Zuge dessen auch die Harmony-Server ab. Das machte die Fernbedienungen letztlich zu extravaganten Briefbeschwerern, ohne dass die Kunden irgendetwas dagegen hätten tun können. Bei einer Fernbedienung lässt sich ein solcher Totalschaden immerhin noch verkraften. Man stelle sich jedoch vor, der Cloud-Anbieter, über den die eigene Hausautomation läuft, zieht den Stecker, und die Geräte werden über Nacht nutzlos: Das wäre extrem ärgerlich und vermutlich auch sehr teuer, weil man die Komponenten ersetzen muss.

Alle zuvor genannten OCCU-Distributionen werben deshalb explizit damit, den Betrieb von Homematic-IP-Geräten ohne Anbindung an die Anbieter-Cloud zu ermöglichen. Das ist genau der richtige Ansatz, um möglichst lange Freude an den Smart-Home-Geräten zu haben, sogar über das Ende der offiziellen Unterstützung durch den Anbieter hinaus. So verlockend es also erscheinen mag, einfach Homematic IP zu nutzen und eine proprietäre Zentrale zur Steuerung des eigenen Smart Homes zu verwenden: Nachhaltig ist dieser Ansatz nicht. Wer stattdessen auf freie Software setzt, erhält eine zuverlässig langfristig nutzbare Lösung.

Homematic umsetzen

Letztlich stellt sich damit nur noch die Frage, welches Vorgehen aus Benutzersicht im Augenblick das sinnvollste ist. Der einfachste Weg besteht darin, im Handel noch eine originale CCU v3 von Homematic zu ergattern (und eben gerade keinen Homematic IP Access Point). Dann setzt man sich allerdings der Gefahr aus, dass es dafür seitens des Anbieters irgendwann keine Security-Updates mehr gibt. Das kann theoretisch wie praktisch später zu einem Sicherheitsproblem werden. Die wenigsten Haushalte dürften Geräte wie smarte Rollladenaktoren zu Hause in ein eigenes WLAN packen. Mutiert eine dauerhaft ungepatchte Homematic-CCU zum Einfallstor, etwa durch Road Warriors, also Angreifer, die sich in Nähe von Gebäuden postieren und dort spezifisch nach Fehlern in lokal verbauten Komponenten suchen, betrifft der Einbruch schlimmstenfalls auch die privaten Daten.

Sicherer fährt, wer sich einen Raspberry Pi 4 oder 5 organisiert und darauf PiVCCU oder Debmatic betreibt. Unter der Haube funktionieren die Distributionen weitgehend identisch: sie verpacken die eigentliche Steuersoftware von ELV in einen Container, den sie mit einigem Beiwerk ausliefern, um auch externe Zusatzgeräte zu unterstützen. Die erweisen sich bei der Selbstbaulösung auf Grundlage des Raspberry Pi als unverzichtbar, denn das Homematic-Protokoll nutzt ab Werk nicht das klassische Wi-Fi, sondern funkt auf eigenen Frequenzen. Ab Werk hat der Raspberry Pi dafür aber keine passende Hardware.

Man benötigt beispielsweise das Homematic-Funkmodul direkt von ELV sowie ein Adapter-Board, um das Funkmodul auch tatsächlich mit dem RasPi zu verbinden. Das ist in Summe nicht ganz günstig und beschert etwas Fummelei, stellt dafür aber eine langfristige und einigermaßen zukunftssichere Lösung dar, um Homematic-IP-Geräte mit FHEM oder OpenHAB zu verbinden. Wer es lieber per USB mag, erwirbt direkt von ELV den Homematic IP RF-USB-Stick (Abbildung 3). Auch der kommt jedoch als Bausatz daher, den man als Anwender zunächst zusammenlöten muss. Immerhin gibt es fertige Alternativen bei diversen Shops im Netz zu kaufen.

Abbildung 3: Der HmIP-RFUSB erweitert beliebige USB-Geräte um eine Funkmöglichkeit für die Frequenzen von Homematic und Homematic IP. Quelle: ELV

Abbildung 3: Der HmIP-RFUSB erweitert beliebige USB-Geräte um eine Funkmöglichkeit für die Frequenzen von Homematic und Homematic IP. Quelle: ELV

Weil die Community die ursprüngliche OCCU-Firmware mittlerweile selbst verpackt und in Teilen pflegt, würde sie aller Wahrscheinlichkeit sogar dann weiter existieren, ginge der Hersteller pleite oder gäbe ELV das Homematic-Portfolio vollständig auf. Mehr Planungssicherheit lässt sich in der schnelllebigen Welt der Hard- und Software kaum erreichen.

Im weiteren Verlauf geht dieser Artikel jedenfalls davon aus, dass Sie ein CCU-v3-kompatibles Gerät verwenden, an dem insbesondere die Rollladenaktoren nach Homematic-IP-Standard hängen. In diesem Fall geht der Rest des Setups vergleichsweise leicht von der Hand.

Start mit der Software

Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, auf die Installation von FHEM oder OpenHAB detailliert und von Anfang an einzugehen. Dazu finden sich obendrein im Netz etliche gute Anleitungen, die das Vorgehen ab dem ersten Schritt erläutern. Diese Anleitung geht deshalb im Folgenden davon aus, dass OpenHAB sowie FHEM schon aufgesetzt sind und sich grundsätzlich nutzen lassen. Dazu gehört, dass auch die Räume im System angelegt sind. Der nächste Schritt besteht darin, die Verbindung zwischen den einzelnen Diensten und FHEM respektive OpenHAB einzurichten.

Mit PyHPSU gelingt das relativ leicht: Die Python-Bibliothek bietet native Unterstützung sowohl für FHEM als auch für OpenHAB. In der Anleitung des Projekts [6] finden sich entsprechende Anweisungen. Die Integration mit FHEM klappt dabei noch etwas einfacher als bei OpenHAB: Hier genügt das Herstellen einer Telnet-Verbindung via /etc/pyHPSU/pyhpsu.conf. In OpenHAB hingegen gilt es, die einzelnen Parameter, die PyHPSU per CAN-Bus aus der Wärmepumpe ausliest, als eigene Items in OpenHAB anzulegen. Anschließend muss man noch die gewünschte Steuerung auf Basis dieser Items in OpenHAB hinterlegen.

Das Thema Wärmepumpe wäre damit erledigt, weiter geht es mit den Rollladenaktoren. Hier empfiehlt sich für FHEM die Nutzung des HMCCU-Moduls. Das bietet eine native Anbindung an eine Homematic-CCU, egal, ob es sich um das Original oder um einen Open-Source-Nachbau handelt. Die Verbindung selbst ist allerdings noch nicht alles: Komplementär muss man in FHEM ein eigenes Device anlegen und mit dem HMCCU-Modul koppeln. Nur so lassen sich die Rollläden exakt steuern. Das FHEM-Wiki erhält dazu und zur Art der Integration eine detaillierte Anleitung [7].

Wer lieber auf OpenHAB setzt, kann sich freuen: Marc Willmann hat sich dem Thema Homematic und OpenHAB ausführlich gewidmet und gibt zudem Tipps zur Einrichtung und Konfiguration [8]. Im Kern besteht die Aufgabe darin, über die Brücke Homegear (Abbildung 4) zunächst die Homematic-CCU mit der eigenen Steuerzentrale für das schlaue Eigenheim zu verbinden und diese im Anschluss per Homegear an OpenHAB anzuflanschen. Anschließend liegen in der OpenHAB-Installation alle aus Homematic übernommenen Geräte als steuerbare Devices vor, die bei Tastendruck Ereignisse aussenden oder sich aus der Ferne über Events bedienen lassen.

Abbildung 4: Die Integration von Homematic und OpenHAB geschieht zuverlässig mit Homegear, das die in einer Homematic-CCU gefundenen Geräte an OpenHAB durchreicht. Quelle: Marc Willmann

Abbildung 4: Die Integration von Homematic und OpenHAB geschieht zuverlässig mit Homegear, das die in einer Homematic-CCU gefundenen Geräte an OpenHAB durchreicht. Quelle: Marc Willmann

Wer etwas Erfahrung mit Smart Home hat, weiß allerdings auch, dass die erfolgreiche Verbindung von Wärmepumpe und Homematic-CCU mit FHEM oder OpenHAB nur die halbe Miete ist. Die Möglichkeit, die Geräte per Fernsteuerung anzusprechen oder auf Ereignisse zu reagieren, ist schön und gut. Allerdings will man eben auch in FHEM oder OpenHAB eine Automation auf Grundlage externer Ereignisse erstellen. Ein klassisches Beispiel wäre, die Rollläden eines Zimmers zu einer bestimmten Uhrzeit per FHEM oder OpenHAB zu schließen, damit die Sonne nicht den gesamten Nachmittag den Raum aufheizt.

Bis für das ganze Haus allerdings alle Automatismen definiert und die Ausgaben der Wärmepumpe und der Rollladenaktoren sinnvoll korreliert sind, kann schon einmal ein Nachmittag oder ein zweiter vergehen. Der geplagte Bewohner hat immerhin die Aussicht, dass die zu leistende Arbeit nur einmal ansteht und die Lösung im Anschluss dauerhaft funktioniert.

Ice Ice Baby

Der Vorteil der in dieser kleinen Artikelserie gezeigten Lösung besteht darin, dass sie sich über FHEM oder OpenHAB beinahe beliebig erweitern lässt. In vielen Regionen des deutschen Sprachraums erreichen die Temperaturen im Sommer mittlerweile regelmäßig schwindelerregende Höhen. Wien etwa knackt nicht selten die 35-Grad-Marke. Der Klimawandel lässt grüßen, und die Bewohner etwaiger Häuser ratlos zurück. Fakt ist: Gegen eine Außentemperatur von 40 Grad kommt die Kühlleistung einer Wärmepumpe nicht mehr an. Hier muss größeres Besteck her, und zwar in Form von Klimaanlagen und Kühlgeräten.

Klimageräte leisten einen erheblichen Beitrag zu kühlen Räumen, arbeiten allerdings alles andere als energieeffizient. Das gilt besonders für die Geräte, die denselben Schlauch für die Abfuhr warmer Luft und die Zufuhr kühler Luft verwenden. Viel leistungsstärker und effizienter operieren die auf Raumkühlung spezialisierten Zweikreissysteme oder Split-Geräte. Dafür ist ihre Installation viel aufwendiger, und sie sind deutlich teurer.

Wer über die Anschaffung von Klimageräten oder Klimaanlagen nachdenkt, sollte deren Smart-Home-Fähigkeiten jedenfalls in die Überlegungen einbeziehen. Smarte Geräte gibt es mittlerweile durchaus. Die Kühlgeräte von Midea etwa lassen sich grundsätzlich aus der Ferne steuern, und mehrere entsprechende Open-Source-Bibliotheken von Mac Zhou [9] und anderen Autoren ermöglichen die Anbindung. Ein Selbstläufer ist aber auch das nicht: Die Integration etwa von Midea MSmartHome in FHEM oder OpenHAB setzt einmal mehr Handarbeit voraus (Abbildung 5). Andere Geräte, wie jene des Branchenprimus Daikin, lassen sich ebenfalls aus der Ferne steuern, auch wenn der Hersteller sich das WLAN-Modul für fest installierte Klimaanlagen quasi vergolden lässt und mittlerweile eine Cloud-Lösung vorschreibt.

Die Open-Source-Szene wäre indes nicht sie selbst, hätten findige Tüftler nicht schon längst einen Weg gefunden, über modifizierte Hardware auch die lokale Steuerung von Daikin-Klimaanlagen (wieder) zu ermöglichen. Auch für Klimaanlagen gilt im Hinblick auf die Cloud freilich exakt dasselbe wie für alle anderen Smart-Home-Komponenten.

Abbildung 5: Klimaanlagen und Klimageräte lassen sich mittlerweile per Wi-Fi in Smart-Home-Umgebungen einbinden. Oft gilt hier jedoch eine lästige Cloud-Pflicht. Quelle: Szabolcs Markus

Abbildung 5: Klimaanlagen und Klimageräte lassen sich mittlerweile per Wi-Fi in Smart-Home-Umgebungen einbinden. Oft gilt hier jedoch eine lästige Cloud-Pflicht. Quelle: Szabolcs Markus

Fazit

Eine auf Linux basierende umfassende Smart-Home-Steuerung per FHEM oder OpenHAB ist möglich und lässt sich je nach genutzter Hardware gut realisieren. Wer die zu nutzende Hardware selbst aussuchen und sie seiner Lösung für das Smart Home sozusagen auf den Leib schneidern kann, hat Vorteile gegenüber jenen Szenarien, in denen die Auswahl andere treffen. So oder so gilt es, Komponenten zu vermeiden, die irgendwie an der Cloud hängen, denn die kann der Hersteller im Zweifelsfall jederzeit aus der Ferne abschalten.

In jedem Fall gilt, dass umfassendes Smart Home kein Schnäppchen ist. Die im Setup des Autors verbauten Komponenten kosteten letztlich inklusive der später nachgekauften Midea-Luftkühler über 2500 Euro, Installationsarbeiten exklusive. Dafür ist das Setup aber wasserdicht und zukunftssicher und hängt nicht von externen Faktoren ab. Wer ein Smart Home mit Open-Source-Komponenten will, muss einiges an Arbeit und Geld investieren, bekommt dafür aber eine universelle, herausragend zuverlässige Lösung. (jcb)

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 12/2024 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben