Mozillas Firefox kommt trotz ständiger Auffrischungen allmählich in die Jahre. Mit einer schicken Aufmachung und mehr bringt der Firefox-Fork Floorp nun frischen Wind in den Browser-Markt.
Der Browser-Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Der ehemals führende freie Webbrowser Mozilla Firefox hat massiv Anteile an den von Google entwickelten Chrome-Browser verloren. Ausgehend von dessen freiem Derivat Chromium haben sich zusätzlich zahlreiche Chrome-Ableger entwickelt, und auch bekanntere Browser wie Opera und Vivaldi setzen auf die von Chromium genutzte Rendering Engine Blink und die ebenso in Chromium umgesetzte Implementierung von V8-Javascript.
Mit dem in Japan seit 2022 entwickelten Webbrowser Floorp (https://floorp.app) gewinnt derzeit ein relativ junges Projekt zunehmend an Aufmerksamkeit. Floorp basiert zwar auf Firefox, wirkt aber optisch aufgewertet und bringt außerdem nützliche, teilweise von Chromium her bekannte Funktionen mit.
Schwerpunkte
Während Firefox einem einheitlichen Design folgt und sich optisch lediglich durch einige Erweiterungen verändern lässt, setzt Floorp von Haus aus auf ein Design, das sich an Chromium und Vivaldi orientiert. Voreingestellt findet sich rechts eine vertikale Steuerleiste, die mehrere Elemente zum Anzeigen von Verläufen enthält. Per Mausklick blenden Sie die Download- und Verlaufshistorie sowie eine Lesezeichenleiste ein. Beides erscheint direkt links neben der Steuerleiste. Ein erneuter Mausklick auf das jeweilige Steuerelement klappt es wieder ein.
Als Besonderheit erlaubt die Steuerleiste zudem, Webadressen zu integrieren. Das Plusssymbol führt in einen Dialog, in dem Sie nicht nur die URL der zu verlinkenden Webseite eingeben, sondern sie bei Bedarf daneben einer Gruppe zuordnen. Anschließend können Sie die Webseite über das entsprechende Icon in der Steuerleiste aufrufen. Bitte beachten Sie jedoch, dass die Webseite dann nicht im Vollfenstermodus erscheint, sondern lediglich im Bereich der aufgeklappten Steuerleiste. Dadurch sehen vor allem multimediale Webseiten ungewöhnlich aus, bei textlastigen Inhalten hingegen fällt das weniger ins Gewicht. Die als Web-App bezeichnete Technologie gewährt primär den schnellen Zugriff auf häufig besuchte Webseiten, ohne dazu stets einen neuen Tab öffnen zu müssen.
In die vertikale Steuerleiste haben die Entwickler von Floorp ein kleines Notizbuch integriert. Über das Bleistiftsymbol öffnen Sie in der Seitenleiste einen Eingabebereich, in den Sie wahlfreie Notizen inklusive Kurztitel einfügen und abspeichern können. Daraufhin übernimmt die Software den Titel in die Übersicht der Notizseite im oberen Bereich des Fensters. Durch einen Klick auf die Schaltfläche Ansicht | Bearbeiten-Modus umschalten schützen Sie die Notizen bei Bedarf vor versehentlichen Änderungen.
Für Anwender mit hochauflösenden Bildschirmen bietet Floorp die Möglichkeit, links im Fenster eine zweite vertikale Steuerleiste einzublenden (Abbildung 1). Damit nutzen Sie den vorhandenen Raum auf dem Bildschirm wesentlich besser aus, da viele Webseiten nicht auf 4K- oder noch höhere Auflösungen hin optimiert sind. Um die linke Seitenleiste einzublenden, klicken Sie links in der Adressleiste auf das aufgeschlagene Buch und schaffen so Platz für das Lesezeichenmenü, die Chronik oder synchronisierte Tabs.
Dagegen entspricht die horizontale Steuerleiste weitgehend jener von Firefox. Standardmäßig erscheint darunter zusätzlich eine Lesezeichenleiste. Im Anzeigebereich für Webinhalte erscheinen voreingestellt eine Suchzeile sowie eine Kachelansicht mit mehreren vordefinierten Links (Abbildung 2).

Abbildung 2: Floorp kommt voreingestellt mit einer konventionellen, aber ansprechend gestalteten Ansicht.
Den Konfigurationsdialog erreichen Sie analog zu Firefox über das oben rechts neben der Adressleiste angeordnete Hamburger-Menü. Allerdings fällt er verglichen mit dem Pendant des Vorbilds ungewohnt umfangreich aus. Schon die in der Gruppe Allgemein vorhandenen Einstellmöglichkeiten gehen weit über die in Firefox integrierten Optionen hinaus. Beispielsweise finden sich zum Steuern der einzelnen Reiter in der Untergruppe Tabs zahlreiche per Schieberegler einstellbare Aktionen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Untergruppe Surfen.
Zusätzlich können Sie im japanischen Firefox-Abkömmling mehrere Reiterleisten simultan nutzen, wobei er obendrein eine – bislang noch als experimentell gekennzeichnete – Funktion zum Anzeigen vertikaler Tab-Leisten integriert. Floorp enthält darüber hinaus bereits das neue Werkzeug Firefox Translations, mit dessen Hilfe sich dank verschiedener Sprachmodelle Übersetzungen von Webseiten und Texten offline vornehmen lassen. Schließlich modifizieren Sie auch den User-Agent in dieser Gruppe detaillierter als beim Original von Mozilla.
Ein weiterer Schwerpunkt des Browsers liegt eindeutig auf dem Erscheinungsbild. Die Untergruppe Design im Konfigurationsdialog erlaubt mannigfaltige Einstellungen zum Aussehen des Webbrowsers. Drei bereits eingepflegte Designs lassen sich per Setzen eines Optionsschalters auswählen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Konfigurationsdialoge bei Floorp erweisen sich als wesentlich umfangreicher als bei Firefox.
Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, die Reiterleiste und andere Bedienelemente wie die Lesezeichenleiste und die Navigationsleiste sehr detailliert zu modifizieren. Teilweise müssen Sie dazu Addons aus dem Internet herunterladen; Informationen dazu liefern jeweils besonders markierte Hinweiskästen. Darin finden sich zudem entsprechende Links zur Addon-Seite von Mozilla, sodass Sie die Erweiterungen bequem mit wenigen Mausklicks in den Browser integrieren.
Arbeitsbereiche
Floorp gestattet das Einrichten individueller, eigenständig konfigurierbarer Arbeitsbereiche. In ihnen behält das Programm die geöffneten Tabs automatisch bei und öffnet sie nach Auswahl des jeweiligen Arbeitsbereichs ebenso automatisch wieder. Um zwischen Arbeitsbereichen zu wechseln, neue Bereiche anzulegen oder bestehende zu verwalten, klicken Sie links in der Reiterleiste auf Standard. Dadurch erscheint das Menü für Arbeitsbereiche, in dem Sie die nötigen Verwaltungsoptionen finden.
Die einzelnen Arbeitsbereiche speichert die Software dabei intern in Containern, die sich mit eigenen Symbolen versehen lassen. Bestimmte browserweite Optionen bleiben jedoch unabhängig vom eingestellten Arbeitsbereich erhalten: So stehen alle in der rechten vertikalen Steuerleiste eingepflegten Modifikationen in allen Arbeitsbereichen zur Verfügung.
Zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen wechseln Sie hin und her, indem Sie ganz links in der Reiterleiste auf den Schalter mit dem Namen des jeweiligen Bereichs klicken. Voreingestellt sehen Sie nur den Bereich Standard. Neu angelegte Arbeitsbereiche listet Floorp darunter auf.
Aktivitätenverfolgung
Daneben haben die Entwickler des Firefox-Abkömmlings besonderen Wert auf Datenschutz gelegt. Beispielsweise hat der von Firefox her bekannte Schutz vor der Aktivitätenverfolgung im Internet Einzug in die Software gehalten. Im Einstellungsdialog empfehlen die Entwickler in der Gruppe Datenschutz**&**Sicherheit mit Ublock Origin und Facebook Container zwei Addons, die Werbung und Tracking verhindern.
Floorp bietet außerdem einen detaillierten Konfigurationsdialog für Zugangsdaten und Passwörter sowie zusätzlich Schutzmechanismen gegen Fingerprinting, bei dem Einstellungsdaten des Browsers ausgelesen und später zur Identifikation von Nutzern verwendet werden. Selbstverständlich bleibt der Browser trotzdem zu allen gängigen Addons von Firefox kompatibel, sodass Sie Erweiterungen zum Schutz Ihrer Privatsphäre wahlfrei integrieren können. Weitere Mechanismen zum Anwenderschutz wie der DNS-Aufruf über HTTPS und der Nur-HTTPS-Modus integriert der japanischen Browser auf dieselbe Weise wie das Mozilla-Original.
Installation
Die gängigen Linux-Distributionen führen Floorp bislang nicht in ihren Repositories. Dementsprechend müssen Sie die Anwendung entweder als Tarball oder als Flatpak- respektive Appimage-Paket beziehen. Alternativ integrieren Sie Floorp auch durch das Einbinden eines eigenen Repositorys in Ihr Linux-System. Dabei entsteht in der Menühierarchie der Arbeitsumgebung ein passender Starter.
Im direkten Vergleich zwischen Firefox und Floorp fällt das außerordentlich agile Reaktionsverhalten des japanischen Browsers auf. Wie ein Blick in die einschlägigen Systemmonitorwerkzeuge verrät, beansprucht Floorp nicht nur deutlich weniger Arbeitsspeicher als das Mozilla-Original, sondern öffnet weniger Prozessinstanzen. Der deutlich sparsamere Umgang mit vorhandenen Ressourcen prädestiniert den Firefox-Abkömmling geradezu für leistungsschwächere und ältere Computersysteme, auf denen der Mozilla-Browser oftmals aufgrund seines hohen Ressourcenbedarfs einen behäbigen Eindruck vermittelt.
Fazit
Der Firefox-Fork Floorp vermag nahezu auf der ganzen Linie zu überzeugen. Der Webbrowser bietet verglichen mit dem Original erheblich bessere Möglichkeiten zur optischen Anpassung.
Daneben erleichtert die Anwendung das Wahren der Privatsphäre durch zahlreiche zusätzliche Konfigurationsoptionen zum Tracking. Telemetrie- und sonstige Anwenderdaten erheben die Entwickler ebenfalls nicht. Darüber hinaus erfreut der Browser durch einen deutlich verminderten Ressourcenbedarf, sodass er sich zusätzlich bestens für schwächere Hardware eignet.
Sägt die gelegentliche Schwerfälligkeit von Firefox an Ihren Nerven und bevorzugen Sie ein etwas peppigeres Aussehen ihres Browsers, sollten Sie daher unbedingt einen Blick auf Floorp werfen. (csi)






