Firefox Translations: Texte mit dem Mozilla-Browser offline übersetzen

Aus LinuxUser 06/2024

Firefox Translations: Texte mit dem Mozilla-Browser offline übersetzen

© ismagilov / 123RF.com

Fremdsprachenkenntnisse

Mit Firefox Translations bringt Mozilla endlich wieder ein neues Feature für den Webbrowser: Offline-Übersetzungen anhand lokaler Sprachmodelle.

Sich fremdsprachige Texte im Webbrowser automatisch per Mausklick übersetzen zu lassen, ist für viele Anwender eine alltägliche, unverzichtbare Funktion. Kaum jemand reflektiert dabei die Tatsache, dass die fremdsprachigen Inhalte dabei stets mithilfe eines Dienstanbieters in die gewünschte Zielsprache übersetzt werden. Das verursacht zwar keine direkten Kosten, hat aber trotzdem einen Preis: Die Dienstleister werten die so erhaltenen Daten aus und nutzen sie ohne jede Kontrolle des Anwenders für kommerzielle Zwecke und die Profilbildung. Native Übersetzungsprogramme unter Linux wie LibreTranslate arbeiten offline und spähen dementsprechend keinerlei persönliche Daten aus. Allerdings müssen Sie sie installieren und teilweise umständlich aus dem Quellcode kompilieren [1].

Der freie Webbrowser Firefox und seine Derivate bieten seit der Version 118 vom 26. September 2023 sukzessive eine ebenfalls offline nutzbare Übersetzungsfunktion, die Sie mit wenigen Mausklicks aktivieren. Die im Rahmen des von der Europäischen Union mit knapp 3 Millionen Euro geförderten Bergamot-Projekts entstandene Software basiert auf verschiedenen Sprachmodellen und wird permanent weiterentwickelt.

Die in Firefox implementierte Übersetzungsfunktion Firefox Translations haben die Entwickler ähnlich wie jene der gängigen Suchmaschinenbetreiber umgesetzt: Im Browser-Fenster erscheinen in einem eigenen Reiter zwei eingerahmte Textsegmente nebeneinander. Links fügen Sie den zu übersetzenden Text ein, anschließend taucht rechts der übersetzte Text auf. Mithilfe passenden Auswahlfelder stellen Sie Quell- und Zielsprache ein.

Bei den Übersetzungsdiensten von Google, Microsoft und Co. wandern die in das linke Segment eingegebenen Texte auf die Server des jeweiligen Dienstanbieters. Dort werden sie nicht nur übersetzt, sondern völlig intransparent zur weitergehenden Nutzung ausgewertet. Dagegen lädt der Mozilla-Translator bei der erstmaligen Übersetzung ein Sprachmodell in der Zielsprache herunter. Das dient fortan zum Übersetzen und funktioniert ganz ohne Verbindung ins Internet.

Das Projekt

Beim Bergamot-Projekt arbeiteten unter der Leitung der Universität Edinburgh die Universität Sheffield, die Charles-Universität in Prag, die Universität Tartu und Mozilla zusammen. Man hatte es sich zum Ziel gesetzt, mit neuronalen Netzen arbeitende Übersetzungswerkzeuge zu entwickeln. Sie sollten es Mozilla ermöglichen, eine ausschließlich lokal arbeitende Erweiterung zum Übersetzen von Webseiten für Firefox zu erstellen.

Die gesamte Infrastruktur, zu der neben den Sprachmodellen auch die Übersetzungsalgorithmen gehören, sollte sich dabei ohne Einschränkungen offline einsetzen lassen. Eine besondere Herausforderung lag bei den Entwicklungsarbeiten darin, die Software so effizient zu programmieren, dass sie auf handelsüblichen PC-CPUs zügig arbeitet und keine dedizierten Grafikprozessoren benötigt, wie es bei Deep-Learning-Lösungen häufig vorkommt [2]. Darüber hinaus lädt Mozilla die Nutzergemeinschaft zum Training der Sprachmodelle ein und hat dazu eine eigene Github-Seite eingerichtet. Daher verbessern sich nicht nur bestehende Sprachmodelle laufend, auch neue Sprachen halten regelmäßig in Firefox Translations Einzug [3].

Gut versteckt

Das Übersetzungsmodul für Firefox lässt sich unterschiedlich verwenden. Im Browser haben die Entwickler die Oberfläche gut versteckt: Sie müssen dazu den Konfigurationsdialog des Webbrowsers aufrufen, indem Sie in der Adresszeile http://about:config eingeben. Nach dem Bestätigen einer Warnmeldung gelangen Sie in eine Eingabezeile, in der Sie die gewünschte Konfigurationsoption translations eintragen. Bereits beim Eintippen listet das Interface die gefundenen Optionen auf. In der Zeile browser.translations.enable ändern Sie den mittig angezeigten Wert von false auf true, indem Sie rechts auf den kleinen Schalter mit den zwei Pfeilen klicken. Damit haben Sie die Oberfläche aktiviert (Abbildung 1).

Abbildung 1: In Firefox und seinen Derivaten müssen Sie in der manuellen Konfiguration lediglich eine Einstellung ändern, um die Übersetzungsfunktion zu aktivieren.

Abbildung 1: In Firefox und seinen Derivaten müssen Sie in der manuellen Konfiguration lediglich eine Einstellung ändern, um die Übersetzungsfunktion zu aktivieren.

Wenn Sie daraufhin einen neuen Reiter im Webbrowser öffnen und in die URL-Eingabezeile about:translations eingeben, öffnet die Anwendung die konventionelle Oberfläche zum Übersetzen von Texten. Über die beiden Auswahlfelder oberhalb der Eingabefelder für den Quell- und Zieltext wählen Sie die Sprachen aus. Voreingestellt erkennt Firefox die Quellsprache automatisch.

Sobald Sie links einen Text eingefügt haben, können Sie rechts im unter Select language eine der unterstützten Sprachen festlegen. Beim ersten Mal dauert es etwas, bis rechts der übersetzte Text erscheint. Firefox lädt dabei zunächst das für die Zielsprache verfügbare Sprachmodell herunter und übersetzt anschließend den Quelltext (Abbildung 2). Möchten Sie die Quellsprache manuell einstellen, legen Sie sie im entsprechenden Auswahlfeld oberhalb des linken Fenstersegments fest.

Abbildung 2: Auch in Derivate von Firefox wie Librewolf ist die Übersetzungsfunktion integriert.

Abbildung 2: Auch in Derivate von Firefox wie Librewolf ist die Übersetzungsfunktion integriert.

Manuelle Konfiguration

In Firefox und seinen Derivaten haben die Entwickler mit dem Implementieren der Übersetzungsfunktion auch den Einstellungsdialog angepasst. Sie können daher im Menü Einstellungen | Allgemein in der Gruppe Übersetzungen aus der eingeblendeten Liste einzelne oder alle Sprachmodelle manuell herunterladen und in den Browser integrieren, indem Sie auf den jeweiligen Schalter klicken (Abbildung 3). Installierte Sprachmodelle erkennen Sie am Text auf dem korrespondierenden Schalter: Dort steht dann Entfernen statt Installieren. Wenn Sie ohne Zugang ins Internet eine Zielsprache auswählen, für die noch kein Sprachmodell vorliegt, blendet die Anwendung im Segment für die Übersetzung einen entsprechenden Hinweis ein.

Abbildung 3: Die Sprachmodelle lassen sich einzeln oder in Bausch und Bogen herunterladen.

Abbildung 3: Die Sprachmodelle lassen sich einzeln oder in Bausch und Bogen herunterladen.

Automatisiert

Sobald Sie Firefox Translations aktiviert haben, erscheint ähnlich wie bei anderen Webbrowsern beim Aufrufen einer fremdsprachigen Webseite rechts in der Adresszeile ein Symbol zum Übersetzen. Ein Mausklick darauf öffnet einen Dialog mit den Auswahlfeldern für Quell- und Zielsprache. Übersetzen bringt anschließend die komplette Webseite in die gewünschte Sprache, was sich lokal abspielt. Bitte beachten Sie, dass nicht alle Firefox-Derivate die Funktion auf dieselbe Weise einbinden. In Librewolf öffnet sich beispielsweise automatisch das Übersetzungsfenster und weist auf den Beta-Status der Funktion hin. Dazu muss jedoch im Einstellungsdialog des Browsers die Funktion Prompt to translate pages that aren’t in the browser’s configured language durch Setzen eines Häkchens eingeschaltet sein (Abbildung 4).

Abbildung 4: Auch die Website des polnischen Linux-Magazins lässt sich bei Bedarf mit Firefox Translations automatisch übersetzen.

Abbildung 4: Auch die Website des polnischen Linux-Magazins lässt sich bei Bedarf mit Firefox Translations automatisch übersetzen.

Erweiterung

Auf der Addons-Seite von Mozilla finden Sie noch eine gesonderte Erweiterung namens Firefox Translations. Dabei handelt es sich um dieselbe Software wie bei dem inzwischen in den Webbrowser integrierten Übersetzungswerkzeug. Die Erweiterung wird mittlerweile nicht mehr gepflegt, aber Sie können sie bis dato weiterhin in Firefox oder dessen Derivaten wie Librewolf oder Waterfox installieren und nutzen. Firefox-Ableger wie Palemoon oder Seamonkey, die anders als das Original nicht die Web-Extensions-Programmierschnittstelle für Addons verwenden, enthalten dagegen weder das neue Übersetzungswerkzeug, noch können Sie dort die Erweiterung installieren.

Fazit

Nach Jahren der technologischen Stagnation, in denen es die Firefox-Entwickler lediglich tumb dem Zeitgeist Tribut zollten, kommt nun von Mozilla mit Firefox Translations endlich wieder etwas tatsächlich Neues. Die mit künstlicher Intelligenz lokal stattfindenden Übersetzungen bieten dabei nicht nur eine erstaunlich gute Qualität, sondern gewährleisten auch den Schutz der Anwenderdaten. Dadurch avancieren Firefox und seine Derivate besonders dann wieder zur ersten Wahl, wenn Sie vertrauliche Dokumente und Inhalte übersetzen wollen. Es bleibt zu hoffen, dass künftig wieder häufiger solche sinnvollen und pfiffigen Lösungen ihren Weg in den freien Webbrowser finden. (csi)

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