Spezielle Fotodrucker versprechen brillante Bilder fürs heimische Album. Unter Linux erwarten den arglosen Anwender jedoch ungeahnte Hürden.
In nahezu jedem deutschen Haushalt findet sich inzwischen eine Digitalkamera. Wer seine digitalen Fotos nicht nur am Bildschirm betrachten möchte, nutzt entweder die Dienste eines klassischen Entwicklungslabors oder einen der zahlreichen Fotoautomaten in Drogerien und Supermärkten, die Papierbilder innerhalb weniger Minuten ausspucken. Eine bequemere und qualitativ hochwertige Alternative bieten Fotodrucker für den heimischen PC.
Im Test tritt neben Geräten der beiden Fotodruck-Marktführer Kodak und Canon auch ein Modell von Epson an, das mit einer Patronenlösung arbeitet. Als weitere Anbieter tummeln sich noch Agfa, Sagem sowie Sony in diesem Segment. Deren aktuelle Modelle bieten bislang aber keine Treiberunterstützung für Linux, weswegen wir sie nicht berücksichtigt haben.
Technische Grundlagen
Die meisten Druckerhersteller bewerben ihre herkömmlichen Tintenstrahler als auch für den Fotodruck bestens geeignet. Dabei verschweigen die Marketing-Fachleute geflissentlich, dass solche Geräte konstruktionsbedingt qualitative Schwächen beim Fotodruck zeigen und dabei hohe Kosten verursachen, weil man für hochwertige Ausdrucke spezielle Premium-Papiere benötigt. Die Tinte der meist hauptsächlich für den monochromen Textdruck ausgelegten Patronensysteme benötigt zudem eine gewisse Zeit zum Trocknen, die Farbechtheit lässt auf Dauer ebenfalls zu wünschen übrig.
Profis setzen deshalb auf Thermosublimationsdrucker. Die vor einigen Jahren noch sündhaft teure Technik ist inzwischen auch für Otto Normalverbraucher erschwinglich und die früher sperrigen Drucker auf portable Maße geschrumpft. Bei der Thermosublimation kommt eine Wachsfolie auf Tintenbasis als Farbträger zum Einsatz. Bei Temperaturen von etwa 300 bis 400 Grad lässt sich das Farbwachs von der Folie auf das Fotomedium aufdampfen. Dabei dringt die Farbe fest in die spezielle Papierbeschichtung ein, sodass weder ein spürbares Druckbild auf der Oberfläche entsteht nach das Papier sich wellt. Gute Thermosublimationssysteme tragen nach dem Druck in einem weiteren Durchgang noch eine Fixierschicht auf, die die Widerstandsfähigkeit des Bilds gegen mechanische Einflüsse sowie die dauerhafte Farbechtheit erhöht.
Kodak Easyshare Series 3
Der erster Testkandidat trägt den halsbrecherischen Namen “Kodak EasyShare Printer Dock Series 3”. Das primär für den Einsatz mit Easyshare-Digitalkameras konzipierte System arbeitet laut Kodak auch mit handelsüblichen PictBridge-Geräten und allen Kameras zusammen, die den Industriestandard ImageLink unterstützen. Damit lässt sich der Drucker sowohl am heimischen Rechner als auch direkt mit der Kamera zusammen einsetzen.
Die kompakt gebaute Printerstation im Schuhschachtel-Format weist auf der Oberseite einen Anschluss für die gängigen Kodak-Kameras auf. Nach dem Aufsetzen der Kamera auf den Fotodrucker stellt man über das Kameradisplay die Druckoptionen ein. Für ältere Kodak-Kameras, die einen anderen Anschluss verwenden, gibt es einen entsprechenden Adapter. Beim Betrieb des Drucker am PC deckt eine mitgelieferte Plexiglashaube die Oberseite der Station ab.
Bei den Bedienelementen beschränkt sich die Station auf eine Schalterwippe sowie zwei einzelne Druckknöpfe, die den Direktdruck von der Kamera regeln. Außer einem Stecker für das externe Netzteil sowie einer speziellen USB-Buchse für die Kommunikation mit dem PC gibt es lediglich noch einen zweiten USB-Anschluss für einen Kartenleser oder eine PictBridge-kompatible Digicam – ein Display fehlt ebenso wie ein interner Kartenleser.
An der rechten Seite des Geräts befindet sich ein Schacht für die Farbbandkassette, vorn am Gehäuse ein weiterer für die Papierkassette. Diese ragt etwa 15 Zentimeter aus dem Gehäuse heraus. Auch hinter dem Fotodrucker muss ausreichend Platz frei bleiben, denn er schiebt die Fotos nach hinten aus dem Gehäuse heraus.
Die Kodak-Stationen tauchen zwar beim Openprinting-Projekt in der Liste der bekannten Drucker auf, die EasyShare-Series-3-Station ist allerdings explizit als nicht unter Linux nutzbar gekennzeichnet [1]. Der CUPS-Druckerdämon erkennt jedoch unter Ubuntu 8.04 die Kodak-Station automatisch und bietet verschiedene Optionen zur Einrichtung des Treibers an (Abbildung 1). Beim Versuch, aus Gimp heraus ein Foto mit der Kodak-Station auszugeben, stellt sich heraus, dass der Kodak-Drucker nicht mit USB-1.1-Anschlüssen kooperiert – an USB-2.0-Ports arbeitet die Druckerstation dagegen einwandfrei.
Der Kodak-Fotodrucker geht recht aufwändig zur Sache: In drei Durchgängen trägt er die einzelnen Farben auf das Papier auf und legt nach dem Eindampfen der Farben abschließend noch eine Wachsschicht über das Foto. Diese verleiht dem Bild einen matten Glanz und steigert seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen. Tatsächlich lässt sich das fertige Foto weder durch Feuchtigkeit noch durch Erwärmung oder normale mechanische Einwirkung mit einer Münze aus der Fassung bringen. Für den Druck eines Fotos im Postkartenformat benötigt die Kodak-Station rund 90 Sekunden.
Der Linux-Druckertreiber des Openprinting-Projektes bietet sehr detaillierte Einstellmöglichkeiten. Bei hochauflösenden Fotos im 4:3-Format entsteht beim Druck jedoch ein Rand. Um ein Bild auf 10 x 15 Zentimeter großem Standardpapier randlos auszugeben, muss man es zuvor in das Bildverhältnis 3:2 konvertieren – etwa via Gimp. Alternativ eliminiert auch eine manuelle Definition der Papiergröße im Druckertreiber die sonst unvermeidlichen Ränder.
Canon Selphy CP740
Die Canon-Drucker der Baureihen CP740/750 kommen ähnlich kompakt daher wie die Kodak-EasyShare-Station. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass nicht nur die Abdeckklappen für die Farbbandkassette und den Papierschacht an der selben Stelle liegen wie bei der Kodak-Station, auch die Farbbandkassetten weisen nahezu identische Ausmaße auf. Es liegt somit der Verdacht nahe, dass die Druckwerke beider Geräte vom selben Hersteller stammen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Gleiches Druckwerk: Links Kodak EasyShare Printer Dock Series 3, rechts Canon Selphy CP740.
Der Canon Selphy CP740 wirkt jedoch nicht nur durch sein mattweißes Äußeres frischer, sondern ist auch besser ausgestattet: Neben einem farbigen, hintergrundbeleuchteten Display punktet der Sublimationsdrucker auch mit einem internen Kartenleser und einer größeren Funktionsvielfalt. Ein herstellerspezifischer Kameraschuh wie bei der Kodak-Station fehlt naturgemäß. Der im CP740/750 eingebaute Kartenleser unterstützt alle gängigen Formate einschließlich IBMs Microdrive-Festplatten und den von Olympus-Kameras verwendeten xD-Karten. Als Clou verfügt der CP740 über ein eingebautes USB-Kabel mit einer Aufrollautomatik, mit dem sich eine Canon-Kamera direkt an den Drucker ohne Umweg über den PC anschließen lässt. Andere PictBridge-kompatible Digicams lassen sich ebenfalls mithilfe dieses Kabels oder eines externen USB-Anschlusses mit dem Drucker verbinden.
Das laut Website des Openprinting-Projektes “teilweise unterstütze” Gerät enttäuscht im Praxistest: Der Drucker wird unter Linux zwar erkannt, zieht jedoch nach dem Absenden eines Druckauftrags lediglich ein Blatt Papier ein und hängt sich anschließend so final auf, dass er sich nur noch durch Ziehen des Netzsteckers ausschalten lässt.
Beim Test mit fünf verschiedenen Rechnern ließ sich der Canon Selphy CP740 an keinem der PCs zur Kooperation bewegen. Auch der versuchsweise Einsatz des Treibers für die mechanisch nahezu baugleiche Kodak-EasyShare-Printerstation vermochte den CP740 nicht Linux-freundlich zu stimmen.
Canon Selphy ES20
Der Canon Selphy ES20 fällt wesentlich größer und auch schwerer aus, als die beiden ersten Testgeräte. Die Ursache: Beim Selphy ES20 gibt es keine im Betrieb herausragende Papierkassette, sondern eine von der Geräteseite aus zu bedienende, hochkant liegende kombinierte Papier- und Druckkassette. Beim Druck führt der ES20 das Papier durch einen Schlitz zunächst zu etwa zwei Dritteln nach vorn aus dem Gerät heraus. Anschließend dreht er es um 90 Grad, bedruckte es und legt es schließlich in einem Papierausgabefach an der Oberseite des Geräts ab. Diese aufwendige und im Betrieb lautstark arbeitende Mechanik ist ein echter Hingucker.
Der Selphy ES20 verfügt wie der CP740 neben einem beleuchteten Display auch über einen internen Kartenleser für alle gängigen Formate. Die Kommunikation mit dem Rechner oder einer Digitalkamera erfolgt über einen Standard-USB-Anschluss. Ein umklappbarer Tragegriff erleichtert den Transport des Geräts, dessen externes Netzteil allerdings recht voluminös ausfällt. Wer einen portablen Fotodrucker mit Akkubetrieb benötigt, greift besser zum Schwestermodell ES2.
Während der Drucker bei direkter Ansteuerung über Speicherkarten und Kameras durch flottes Arbeitstempo und ansprechende Bildqualität gefällt, enttäuscht er im Betrieb am Rechner: Zwar lässt sich der Gutenprint-Treiber problemlos einrichten, der Drucker weigert sich jedoch standhaft, einen unter Linux abgeschickten Druckauftrag abzuarbeiten. Die auf einer CD mitgelieferte Windows-Software lässt sich zwar unter Wine installieren, bringt jedoch ebenfalls keinen Ausdruck zustande.
Dies verwundert umso mehr, als auch beim Selphy ES20 die Openprinting-Website behauptet, das Modell würde unter Linux teilweise unterstützt. Da auch der kommerzielle Druckertreiber-Spezialist Turboprint die Selphy-Modelle noch nicht unterstützt, wenden wir uns zwecks Support direkt an den Hersteller Canon. Hier teilt uns aber lediglich eine freundliche Dame mit, dass wegen Desinteresses der Anwender keine Linux-Treiber für diese Modelle entwickelt würden.
Epson PictureMate
Der vierte Testkandidat fällt gleich mehrfach aus dem Rahmen: Der PictureMate von Epson erinnert mit seinem klobig wirkenden Design an ein Kofferradio der frühen Beatles-Ära – selbst ein passender Tragegriff fehlt beim Epson-Drucker nicht. Allerdings schränkt das Gewicht des Geräts die Portabilität etwas ein. Der Epson PictureMate arbeitet im Gegensatz zu den anderen Testkandidaten nicht mit einer Farbbandkassette, sondern mit einem Sechsfarben-Düsensystem. Das Betriebsgeräusch des hin und her laufenden Düsenschlittens belegt denn auch eindeutig, dass es sich hier um Tintenstrahler handelt – allerdings speziell für den Fotodruck konstruiert.
In der Ausstattung steht der PictureMate den anderen Testkandidaten in nichts nach. Ein unbeleuchtetes Display informiert über den Status, die Bedienung mit wenigen Tasten und einer Kreuzwippe wirkt einfach und logisch durchdacht. Das Papier läuft durch einen oben an der Rückseite befindlichen Schacht in den Drucker, die fertigen Bilder rutschen vorn am Gerät aus einem Schlitz. Beide Schächte lassen sich im Ruhezustand mit Kunststoffklappen abdecken. Hinter einer Klappe an der Frontseite verbirgt sich ein Kartenleser für alle gängigen Standards. Über zwei USB-Buchsen lassen sich Kameras direkt anschließen oder eine Verbindung zum Computer herstellen.
Linux erkennt den PictureMate sofort und richtet den passenden Treiber mit korrekten Anpassungen für Papiergröße und Format ein. Der Epson-Drucker harmoniert besser mit Linux als die Canon-Printer, der Openprinting-Treiber steuert das Gerät zuverlässig an. Sowohl beim Betrieb an einer USB-1.1- als auch an einer USB-2.0-Schnittstelle stehen alle Funktionen zur Verfügung.
Die Unterstützung fällt allerdings nicht ganz so “exzellent” aus, wie das Openprinting-Projekt es behauptet: Zwar arbeitet der PictureMate mit Linux aus dem Stand ordentlich zusammen, doch verhindert ein Fehler im Druckertreiber eine korrekte Justierung des Papiers, sodass die Ausdrucke auf der rechten Seite einen deutlich breiteren unbedruckten Rand aufweisen als links. Komplett randlose Ausdrucke lassen sich auch mit dem PictureMate nicht ohne vorherige Formatanpassung der Bilder am Rechner erzeugen.
Die Bildqualität dagegen gibt keinen Anlass zur Kritik. Die Fotos weisen scharfe Konturen und kräftige Farben auf (Abbildung 3). Allerdings lässt sich beim PictureMate der Tintenauftrag auf dem Papier deutlich spüren, weil hier die beim Thermosublimationsdruck übliche Fixierschicht fehlt. Deshalb sind die fertigen Bilder auch weniger kratzfest.
Auch werkelt der Drucker konstruktionsbedingt recht gemächlich vor sich hin: Anstelle der bei den Sublimationsdruckern üblichen eineinhalb Minuten Druckzeit für ein Bild benötigt der Epson-Drucker nahezu drei Minuten für den Ausdruck eines Fotos. Die vom Hersteller angegebene enorme Auflösung von 5760 x 1440 dpi schlägt sich im direkten Vergleich mit den niedrig auflösenden Thermosublimationsdruckern (in der Regel 300 x 300 dpi) nicht nieder (Abbildung 4).
Eine für Tintenstrahler typische Schwachstelle konnte Epson auch beim PictureMate nicht abstellen: Bleibt der Drucker längere Zeit außer Betrieb, dann trocknen die Tintendüsen ein. Zwar bietet das Gerät eine menügesteuerte Düsenreinigung an, jedoch waren bei unserem Test schon nach rund zwei Wochen Standzeit unter normalen Temperaturen vier der sechs Düsen so verstopft, dass keine Ausdrucke aus dem Stand mehr gelangen. Erst nach sechsmaligem Reinigen der Düsen war der Drucker wieder einsatzbereit.
In Anbetracht des recht kostspieligen Spezialpapiers, das für den Fotodruck zwingend notwendig ist, erscheinen diese Schwächen der Tintenstrahltechnologie nicht tolerabel.
Fazit
Das heillose Treiber-Wirrwar kann unter Linux dem ambitionierten Anwender den Betrieb eines Fotodruckers schnell vergällen. Als extrem unzuverlässig erweisen sich sowohl die Angaben auf der Website des Openprinting-Projektes als auch die dort bereitgehaltenen Treiber für Thermosublimationsdrucker. Im Test überzeugt einzig der Thermosublimationsdrucker von Kodak, den die Openprinting-Datenbank als “nicht-kompatibel” listet. Umgekehrt ließ sich den laut Openprinting-Datenbank “teilweise unterstützten” Canon-Selphy-Printern nicht ein einziger Fotoausdruck entlocken.
Da die kommerzielle Druckertreiber-Alternative für Linux, Turboprint, nahezu ausschließlich den Massenmarkt der größeren Allround-Drucker bedient, sollte Sie sich vor dem Kauf eines Fotodruckers im Web umschauen: In vielen Foren machen (oft leidgeprüfte) Anwender detaillierte Angaben zur Kompatibilität bestimmter Modelle unter Linux gemacht. Auch ein Blick auf die Website des Herstellers schadet nicht: Insbesondere Epson unterstützt für viele seiner Fotodrucker eine Vielzahl von Distributionen durch speziell angepasste Treiber und Softwarelösungen [2]. Von Spontankäufen dagegen raten wir dringend ab.
Fotodrucker
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
| Hersteller | Canon | Canon | Kodak | Epson |
|---|---|---|---|---|
| Modell | Selphy CP740 | Selphy ES20 | EasyShare Series 3 | PictureMate |
| Druckprinzip | Thermosublimation | Thermosublimation | Thermosublimation | Tintenstrahl |
| Auflösung | 300 x 300 | 300 x 600 | 300 x 300 | 5760 x 1440 |
| Kartenleser | X | X | O | X |
| Display | X | X | O | X |
| Direktdruck | X | X | X(1) | X |
| Maße (B x H x T) | 17,9 x 12,7 x 6,3 cm | 21,3 x 19,0 x 13,1 cm | 33,0 x 19,0 x 8,0 cm | 25,6 x 16,3 x 15,4 cm |
| Gewicht | 0,94 kg | 2 kg | 1,1 kg | 2,7 kg |
| Preis (ca.) | 55 Euro | 119 Euro | 50 Euro | 195 Euro |
| (1) nur für PictBridge/ImageLink-Kameras | ||||
Glossar
-
PictBridge
-
Standard der Camera & Imaging Products Association (CPIA), um Digitalkameras und Fotohandys direkt mit kompatiblen Druckern zu verbinden.
-
ImageLink
-
Von Eastman Kodak, Konica Minolta, Nikon, Olympus, Pentax, Ricoh und Sanyo unterstützter Industriestandard, um Digitalkameras und Fotohandys direkt mit kompatiblen Druckern zu verbinden.
[1] Infos zu unterstützten Druckern: http://openprinting.org/printer_list.cgi
[2] Treiber und Software für Epson-Modelle unter http://avasys.jp/hp/menu000000900/hpg000000859.htm.












