Wichtige Kriterien bei der Auswahl der optimalen Digitalkamera

Aus LinuxUser 09/2008

Wichtige Kriterien bei der Auswahl der optimalen Digitalkamera

Entscheidungshilfe

Verkäufer versprechen viel, Werbetexte erst recht. Wir zeigen, worauf es beim Kauf von Digitalkameras wirklich ankommt.

Jeder Kunde wünscht sich, möglichst viel Kamera für möglichst wenig Geld zu bekommen. Diesem Begehren kommen die meisten Hersteller in mehrfacher Hinsicht nach: Zum einen pumpen sie immer mehr Megapixel auf immer kleinere Sensoren, zum anderen überfrachten sie die Kameras mit einer Flut oft überflüssiger, aber dafür umso werbewirksamerer Gimmicks. Aber welche Qualitäten zählen tatsächlich?

Bedarfsanalyse

Vor dem Gang zum Fotogeschäft gilt es zunächst zu klären, welchen Anspruch Sie an die Aufnahmen stellen und für welchen Zweck Sie die Kamera einsetzen möchten. Gelegenheitsknipser, die meist bei gutem Wetter fotografieren und Abzüge im Format bis 13 x 18 cm aus den Bildern erstellen, sind mit einer Kompakten gut bedient. Stellen Sie höhere Ansprüchen, sollten eine Bridge-Kamera ins Auge fassen – wie etwa die die Canon A720 IS oder Kodak Z812 IS aus dem Vergleichstest auf den nächsten Seiten. Die mit Abstand beste Bildqualität liefern digitale Spiegelreflexkameras, die dafür aber vergleichsweise unhandlich und teuer ausfallen.

Extrawurst?

Um das eigene Zubehör unters Volk zu bringen, setzen viele Hersteller auf proprietäre Techniken. Das betrifft sowohl die Akkus als auch die Verbindung zum Computer, die nicht selten ein spezielles USB-Kabel erfordert. Hersteller wie Sony gehen sogar so weit, eigene Speicherkarten [1] zu verwenden, die nicht in normale Lesegeräte passen. Achten Sie deshalb darauf, dass die Kamera möglichst den allgemein gängigen Standards entspricht (Mignon-Batterien, SD-Speicherkarten, Mini-USB-Anschluss etc.).

Megapixelmania

Das Credo “viel hilft viel” gilt nicht für die Anzahl der Megapixel digitaler Kompakt- und Bridge-Kameras. Ab einem Schwellwert von etwa sechs Megapixel [2] reduziert sich die Größe der einzelnen Fotodioden derart, dass ihre Lichtempfindlichkeit dramatisch abnimmt und die Beugungsunschärfe steigt. Das Resultat sind vergleichsweise unscharfe und verrauschte Aufnahmen. Lassen Sie sich deshalb nicht vom Pixelwahn anstecken, sondern greifen Sie ruhig zum günstigeren Modell mit etwas weniger Megapixeln: Es liefert nicht selten die besseren Bilder.

Vom Regen in die Traufe

Viele Kompaktkameras verfügen über einen elektronischen Bildstabilisator, der das Verwackeln von Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen verhindern soll. Die Kamera erhöht dazu die Lichtempfindlichkeit (ISO-Wert) des Sensors, um die Belichtungszeit zu verkürzen.

Die dann zwar verwacklungsfreien Bilder weisen jedoch oft ein deutlich erhöhtes Bildrauschen auf [3], denn die meisten Kompaktkameras liefern bereits ab einer Empfindlichkeit von etwa 400 ISO Aufnahmen mit unakzeptablen Störungen. Marketingsprüche wie “Empfindlichkeit bis 6400 ISO” können Sie in diesem Segment getrost ignorieren. Wenn schon Bildstabilisator, dann nur ein optischer: Er gleicht mit einer beweglichen Linse Verwacklungen aus und arbeitet nahezu verlustfrei.

Viele Kompaktkameras verzichten zugunsten eines großen Displays auf herkömmliche Sucher. Helle Lichteinstrahlung sorgt jedoch oft dafür, dass Sie auf dem kleinen Bioldschirm kaum mehr etwas erkennen. Prüfen Sie deshalb zunächst beim Händler, wie sich das Display bei starker Lichteinstrahlung verhält.

Erweiterte Funktionen

Das Aufnehmen von Videofilmen gehört inzwischen zum Standardrepertoire jeder Digicam. Allerdings besitzen nur wenige einen integrierten Kompressionsalgorithmus, sodass die Filme als unkomprimierte MJPEGs auf der Speicherkarte landen und je Filmminute etwa 100 MByte Platz benötigen. Vielfilmer sollten deswegen entweder entsprechend dimensionierte Karten verwenden oder Kameras mit Filmkompression wählen.

Bei Makroaufnahmen zählt der maximale Abbildungsmaßstab, nicht der Abstand der Kamera zum Objekt. So bedeutet die Angabe “1:2”, dass das Motiv auf dem Bild mit seiner halben tatsächlichen Größe dargestellt wird.

Infos

[1] Sony Memory Stick: http://de.wikipedia.org/wiki/Memory_Stick

[2] 6 Megapixel: http://6mpixel.org

[3] Bildstabilisator: http://tinyurl.com/6fqzzn

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