Darktable-Fork Ansel von Aurélien Pierre im Test

Aus LinuxUser 03/2024

Darktable-Fork Ansel von Aurélien Pierre im Test

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Licht und Schatten

Im Streit hat sich Aurélien Pierre von Darktable verabschiedet und mit einem Paukenschlag den Fork Ansel der freien Fotobearbeitung und -verwaltung ins Leben gerufen. Wir schauen dem Tool unter die Haube.

2022 schied Aurélien Pierre, der seit etwa 2018 aktivste Darktable-Entwickler, aus dem Team aus und arbeitet seitdem an seinem eigenen Fork, dem er den Namen Ansel gab. Pierre programmierte zuvor mehrere Tools, die noch immer zum Standard-Workflow von Darktable zählen, darunter FarbbalanceRGB, Diffusion/Schärfen, Negadoctor, FilmicRGB und Tonwert-Equalizer. Die Gründe für den Konflikt im Darktable-Team, der zum Ausscheiden von Aurélien Pierre führte, bleiben rätselhaft. Gänzlich mysteriös ist, warum der Entwickler plötzlich anfing, seine früheren Kollegen und ihre Beiträge zu Darktable öffentlich, das heißt zum Teil in Medien wie Youtube, auf eine sehr aggressive, zynische Weise zu kritisieren und zu beschimpfen [1].

Vom Darktable-Held zum Geächteten?

Auf der fachlichen Ebene waren Pierres wichtigste Kritikpunkte einige kleine Änderungen am Fotobewertungssystem im Leuchttischmodul sowie das Tool Sigmoid. Letzteres existierte in einem Fork schon längere Zeit vor dem Merge in Darktable im Herbst 2022, doch Pierre blockierte die Aufnahme des Werkzeugs in die Hauptversion [2]. Es drängte sich dabei der Eindruck auf, dass der Entwickler nicht akzeptieren wollte, dass Sigmoid sein eigenes Tool FilmicRGB für die meisten Nutzer überflüssig machen würde, da es einfacher zu bedienen ist und oft deutlich bessere Ergebnisse liefert.

Sieht man den Fork Ansel jedoch genauer an, könnte man auch auf die Idee kommen, dass Pierre zahlreiche gute, teilweise recht radikale Ideen für Darktable verfolgte, denen die Aufnahme verweigert wurde. Er hätte also möglicherweise die Aufnahme von Sigmoid nicht blockiert, wenn mehrere seiner Ideen für Darktable aufgegriffen worden wären. Pierres Äußerungen lassen aber auch darauf schließen, dass er sich von seiner mehrjährigen Tätigkeit als einziger hauptberuflicher Darktable-Entwickler mehr Erfolg und eine größere Nutzerzahl erwartet hätte. Dass diese Hoffnung sich nicht erfüllte, kreidete er wohl seinen Kollegen an.

In den Jahren 2020 und 2022 führte Pierre Nutzerumfragen durch, aus denen hervorging, dass Darktable fast nur bei Hobbyfotografen zum Einsatz kommt, die zumeist einen technisch-informatischen beruflichen Hintergrund haben. Besonders große Sorgen schien ihm die Tatsache zu bereiten, dass sich unter den Nutzern sehr wenige (semi-)professionelle Fotografen und Frauen fanden, und er dürfte den Eindruck gewonnen haben, dass dies den anderen Entwicklern egal sei [3]. Die Gründe für den Konflikt zwischen Pierre und seinen Kollegen liegen aber möglicherweise nicht nur auf der fachlichen, sondern auch auf der persönlichen, ja sogar politischen Ebene. So gibt es zahlreiche politische Äußerungen von Pierre auf seinem Hubzilla-Profil. Auf Discuss.pixls.us, das er übrigens vor zirka zwei Jahren verließ, findet man einige kritische Gedanken zur Corona- [4] und Ukraine-Politik [5].

Ansel wie Ansel Adams

Um von der spekulativen Ebene zu den Tatsachen zurückzukehren, werfen wir einen genaueren Blick auf Aurélien Pierres Darktable-Fork Ansel. Der Name des Programms [6] zeugt nicht gerade von Bescheidenheit, denn – wie auf der Website des Projekts nachzulesen ist – leitet er sich vom großen amerikanischen Fotografen Ansel Adams her.

Verfügbar ist die Software für Linux (als Appimage) und für Windows, MacOS wird nicht unterstützt. Zwar gab es früher verschiedene Varianten in Form einer stabilen Version, einer Entwicklerversion und einer Version dazwischen, doch derzeit scheint Ansel dem Rolling-Release-Modell zu folgen: Das Appimage von der Website ist identisch mit dem neuesten Nightly Build auf Github. Tatsächlich bestätigte unser Test, dass es sich bei dem Programm um eine instabile Entwicklerversion handelt, mit der sich gerade noch arbeiten lässt, bei der es aber noch viele Bugs und Unvollständigkeiten gibt.

Erwähnenswert ist, dass es von Ansel früher eine Appimage-Version gab als von Darktable selbst. Darktable stellt derzeit ein Appimage der täglich neu erstellten Entwicklerversion zur Verfügung; Appimages hatten sich die User viele Jahre lang gewünscht.

Vereinfachter Leuchttisch

Wie bei Darktable landet der Nutzer bei Ansel nach dem Programmstart im Verwaltungsmodul Leuchttisch (Abbildung 1). Das Modul erinnert zwar entfernt an das Pendant in Darktable, doch ist es letztlich derjenige Teil des Programms, bei dem es die meisten ins Auge springenden Änderungen gibt.

Abbildung 1: Das Verwaltungsmodul <span class="ui-element">Leuchttisch</span> unterscheidet sich recht deutlich von Darktable und wirkt sehr aufger&auml;umt.

Abbildung 1: Das Verwaltungsmodul Leuchttisch unterscheidet sich recht deutlich von Darktable und wirkt sehr aufgeräumt.

Das Fenster ist nicht mehr dreigeteilt; es gibt nur zwei Spalten. Den weitaus größten Teil des Fensters nimmt die Spalte mit den Miniaturansichten ein. Das einzige verbliebene Panel befindet sich links davon. Das rechte Panel kann man mit [Strg]+[Umschalt]+[R] wieder einblenden, doch es ist leer. Die Anzahl der Verwaltungsmodule oder -werkzeuge hat sich drastisch reduziert. Übrig geblieben sind lediglich Library, Metadata, Tags, Datetime**&**GPS sowie EXIF-IPTC.

Neu ist jedoch eine Menüleiste, die sich am oberen Rand des Ansel-Fensters befindet. Von dort greift man auf einige Funktionen zu, die es als eigene Unterfenster in der Verwaltung nicht mehr gibt. So funktioniert das Importieren und Exportieren (Speichern) von Aufnahmen über File | Import/Export. Der Menüeintrag Edit führt zu den Batch-Funktionen: nach dem Auswählen von Fotos darf man den Bearbeitungsstapel etwa kopieren oder einfügen. Außerdem setzt hier ein delete development den Bearbeitungsverlauf zurück. Der Menüeintrag Edit | Preferences ruft die zentralen Einstellungsoptionen auf, da es das kleine Zahnradsymbol in der rechten oberen Ecke der Spalte für Miniaturansichten beziehungsweise des großen Vorschaufensters im Bearbeitungsmodul nicht mehr gibt.

Dass Ansel noch nicht wirklich ausgereift ist, merkt man auch daran, dass es im Programmmenü einen leeren Eintrag Styles gibt. Stile lassen sich derzeit in Ansel weder erstellen noch verwenden. Auch auf die Farbmanagementeinstellungen greift man über den Menüeintrag Display zu. Dort gibt es die Menüpunkte Monitor Color Profile und Monitor Color Intent. Der vorletzte Eintrag in der Menüleiste heißt Ateliers und bietet die Einträge Lighttable und Darkroom. Mit diesen wechselt man also offenbar zwischen den beiden wichtigsten Programmteilen.

Es scheint zunächst, dass es die Module Maps, Print, Diashow und Tethering nicht mehr gibt. Allerdings lassen sich in den zentralen Einstellungsoptionen von Ansel die Module Maps, Print und Diashow wieder aktivieren. Ein sehr auffälliger Unterschied zu Darktable ist, dass es am unteren Fensterrand keine Zeitleiste mehr gibt. Ebenso fehlt die Möglichkeit, Lua-Skripts zu installieren und zu nutzen. Etwas ärgerlich ist, dass keine Informationen zu den einzelnen Fotos angezeigt werden, wenn man auf eine der Miniaturansichten zeigt. Um etwa den Dateinamen herauszufinden, gilt es, im linken Panel das Modul EXIF**&**IPTC auszuklappen.

Sortierfunktionen

Unter den Verwaltungsfunktionen von Ansel findet sich ein sehr interessantes neues Feature: In der Registerkarte Queries des Moduls Library klappt eine Liste aus (Abbildung 2), mit der man Fotos anzeigen kann, die zahlreichen, zumeist technischen Kriterien entsprechen.

Abbildung 2: Eine der interessantesten Neuerungen im Verwaltungsmodul von Ansel ist, dass man Fotos nach vielen Kriterien wie Objektiv, Brennweite oder Tags filtern kann.

Abbildung 2: Eine der interessantesten Neuerungen im Verwaltungsmodul von Ansel ist, dass man Fotos nach vielen Kriterien wie Objektiv, Brennweite oder Tags filtern kann.

So gibt es etwa die Möglichkeit, die Aufnahmen nach verschiedenen Kameras oder Objektiven zu sortieren (Abbildung 3). Besonders praktisch fanden wir hier die Option, nach Fotos mit einer bestimmten Brennweite zu suchen beziehungsweise die vorhandenen Brennweiten und die Anzahl der Fotos mit bestimmten Brennweiten anzuzeigen (Abbildung 4). Bei Darktable gibt es eine ähnliche Suchfunktion, doch bietet diese nicht so viele Möglichkeiten wie Ansel.

Abbildung 3: Ansel kann Fotos nach Objektivnamen sortieren und die Anzahl der Fotos anzeigen, die man mit einem bestimmten Objektiv gemacht hat.

Abbildung 3: Ansel kann Fotos nach Objektivnamen sortieren und die Anzahl der Fotos anzeigen, die man mit einem bestimmten Objektiv gemacht hat.

Abbildung 4: Ansel kann auswerten, welche Brennweiten man am h&auml;ufigsten verwendet.

Abbildung 4: Ansel kann auswerten, welche Brennweiten man am häufigsten verwendet.

Erwähnenswert ist auch, dass Pierre den Importdialog verbessert hat. Es ist nicht mehr nötig, den Ordner, in dem sich die zu importierenden Fotos befinden, zur Liste der Speicherorte hinzuzufügen, denn gemountete SD-Karten erscheinen gleich in der linken Spalte des Importdialogs als disk. Links unten befindet sich die Importoption File handling, wo sich auswählen lässt, ob man Fotos nur importieren oder importieren und auf die Festplatte kopieren will.

Darkroom

Ebenso wie bei Darktable führt ein Doppelklick auf eine Miniatur in die Dunkelkammer (Abbildung 5). Der Shortcut, mit dem der Nutzer von der Dunkelkammer wieder zum Leuchttisch zurückgeht, hat sich jedoch auf [Esc] geändert. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Dunkelkammer nicht sehr vom Pendant in Darktable. Am auffälligsten ist wohl, dass sich das Histogramm nicht mehr in der rechten oberen Ecke befindet, sondern im linken Panel unter dem ersten ausklappbaren Modul Scopes. Auch die Modulsortierung wanderte von links nach rechts. Die Menüleiste am oberen Fensterrand ist hingegen auch in der Dunkelkammer präsent.

Abbildung 5: Das Modul <span class="ui-element">Dunkelkammer</span> unterscheidet sich nicht sonderlich vom Gegenst&uuml;ck in Darktable.

Abbildung 5: Das Modul Dunkelkammer unterscheidet sich nicht sonderlich vom Gegenstück in Darktable.

Ärgerlich ist, dass zahlreiche Tastaturkürzel fehlen oder nicht funktionieren. So gibt es etwa keine Möglichkeit, schnell zum nächsten oder vorigen Foto zu springen. Das funktioniert nur mit einem Doppelklick auf eine der Miniaturen im Filmstreifen am unteren Fensterrand. Auch die Tastaturkürzel zum Hinein- und Herauszoomen fehlen. Die Möglichkeit, eigene Tastaturkürzel zu erstellen, ist aus den Einstellungsoptionen auch verschwunden. Help | Table of key shortcuts blendet die Shortcut-Liste ein, doch viele der hier aufgelisteten Kürzel funktionieren anscheinend nicht.

Werkzeugkiste

Die Liste der Werkzeuge beziehungsweise Bearbeitungsmodule befindet sich wie bei Darktable im rechten Panel. Die Werkzeuge sind ebenfalls in Gruppen geordnet, doch nicht mittels kleiner Symbole repräsentiert, sondern mit ausgeschriebenen Namen. Vermutlich erleichtert das Einsteigern tatsächlich die Orientierung.

Auch am unteren Rand der einzelnen Bearbeitungsmodule sind die Maskensymbole verschwunden. Stattdessen gibt es eine Ausklappliste namens Blending. Die Modulgruppe Schnellzugriff hat Pierre entfernt. Standardmäßig eingeschaltet sind aber nicht nur die Werkzeuge Belichtung, Weißabgleich, Farbkalibrierung, FilmicRGB, Drehung und Spitzlicht-Rekonstruktion, sondern zusätzlich auch die Objektivkorrektur und FarbbalanceRGB. Letzteres Werkzeug fügt dem Foto automatisch ein wenig Sättigung hinzu, denn einige Regler bei Perzeptive Sättigung sind verändert. Das ist teilweise sinnvoll, jedoch sollte man dem Foto dann aus unserer Sicht mehr Sättigung spendieren, da im szenen- beziehungsweise kamerabezogenen Workflow mit FilmicRGB die Sättigung der Farben von Haus aus extrem gering ist.

Hingegen ist es nicht nützlich, die Objektivkorrektur standardmäßig einzuschalten. Einerseits funktioniert sie nicht, wenn es zu einem Objektiv kein Lensfun-Profil gibt, andererseits sind Objektivverzeichnungen in den meisten Fällen so gering, dass das Modul schlichtweg unnötig ist. Das stellt also oft eine unnötige zusätzliche Bearbeitung dar, die möglicherweise die Bildqualität mindert.

Streichkandidaten

Wer auf die Modulgruppe All klickt, sieht den wichtigsten Unterschied zwischen Darktable und Ansel: Die Liste der für neue Bearbeitungen verfügbaren Module ist zwar noch immer recht lang, doch Pierre hat zahlreiche, zum Großteil veraltete Werkzeuge entfernt. Darunter befinden sich die alte Basiskurve, die erste Version von Farbbalance, Lichter und Schatten oder auch das Werkzeug Schärfen. Diese Module sind für neue Bearbeitungen nicht verwendbar, doch im Code von Ansel wurden sie nicht gelöscht, sondern lediglich der Liste der veralteten Werkzeuge hinzugefügt. Dadurch können die veralteten Module beim Öffnen von alten Bearbeitungen wieder aktiviert werden.

Aus unserer Sicht hätte Pierre hier noch radikaler vorgehen und diese Module auch im Code löschen können. Anzumerken ist jedoch, dass der Entwickler auch einige wenige nützliche Module wie Raw chromatische Aberrationen entfernt hat. Dieses Modul hat in Darktable vor wenigen Jahren eine grundlegende Überarbeitung erhalten. Unter anderem haben die Entwickler Teile des Rawtherapee-Codes nach Darktable portiert, wodurch es in Darktable der mit Abstand beste Filter für chromatische Aberrationen ist. Somit gibt es in Ansel kein wirklich gutes Werkzeug zum Entfernen von chromatischen Aberrationen.

Auf der anderen Seite hat Pierre das tatsächlich kaputte Modul Verlaufsfilter nicht entfernt, obwohl es sich durch Belichtung in Kombination mit einer Verlaufsmaske ersetzen lässt.

Ungereimtheiten

Ein großer Nachteil von Ansel ist die Spitzlichtrekonstruktion. In Darktable stehen mehr Rekonstruktionsalgorithmen zur Verfügung, darunter einige neue, die bessere Ergebnisse liefern als die in Ansel vorhandenen.

Während der praktischen Arbeit mit Ansel fallen zudem weitere kleinere und größere Ärgernisse auf. Einige wenige Module, die bei der aktuellen und bei früheren Versionen von Darktable funktionierten, scheinen gänzlich kaputt zu sein, darunter das Modul Retusche. Wenn dort mehrere Bearbeitungsmodule eingeschaltet sind und man hinein- und herauszoomt, funktioniert die Vorschau nicht korrekt und zeigt Artefakte beziehungsweise in einigen Bereichen falsche Farben. In solchen Fällen hilft es nur, zum Leuchttisch zu wechseln und von dort mit einem Doppelklick auf die Miniatur wieder zurück in die Dunkelkammer, damit die Vorschau wieder korrekt erscheint.

Beim Konvertieren nach sRGB entstehen beim Exportieren von Fotos oft Artefakte, insbesondere wenn Blautöne im Spiel sind. Außerdem bemerkten wir bei einigen Modulen wie Horizon and Perspective oder Zuschneiden seltsame neue Schaltflächen namens Edit und Apply, deren Sinn sich nicht erschließt. Die Buttons führen aber dazu, dass man viel herumklicken und probieren muss, bis das Werkzeug das macht, was es soll. Bei solchen Bugs ist zu hoffen, dass der Entwickler sie in späteren Versionen behebt.

Last-minute-Equalizer

Kurz vor Redaktionsschluss erfuhren wir, dass Pierre für Ansel ein neues Tool namens Color Equalizer programmiert hat (Abbildung 6). Zu diesem Zeitpunkt war das Werkzeug nur im Quellcode vorhanden, nicht aber im kompilierten Appimage. Allerdings wurde es bereits nach kurzer Zeit zu Darktable portiert und taucht in dessen Entwickler-Appimage auf.

Abbildung 6: Pierre arbeitet derzeit an einem neuen Werkzeug, das es erm&ouml;glicht, Helligkeit, S&auml;ttigung und Ton einzelner Farben unabh&auml;ngig voneinander zu ver&auml;ndern.

Abbildung 6: Pierre arbeitet derzeit an einem neuen Werkzeug, das es ermöglicht, Helligkeit, Sättigung und Ton einzelner Farben unabhängig voneinander zu verändern.

Bei dem Modul handelt es sich im Prinzip um eine Überarbeitung von Color Zones/Farbbereiche, die nicht mehr im Lab-Farbraum arbeitet, sondern im szenen- oder kamerabezogenen linearen RGB-Farbraum. Das ermöglicht die unabhängige Manipulation von Farbton, Sättigung und Helligkeit nach Farbtönen. Es lassen sich also zum Beispiel Helligkeit, Sättigung und Ton der Farbe Blau ändern, ohne dass sich das auf die anderen Farben auswirkt. Interessant ist auch, dass die Darktable-Entwickler an dem neuen Tool anscheinend schon Änderungen vorgenommen haben.

Fazit

Während unseres etwa einwöchigen Tests mussten wir feststellen, dass es nicht wirklich Spaß macht, mit Ansel zu arbeiten. Für einigermaßen gute Bearbeitungen braucht es viel Zeit und die Ergebnisse sind am Ende dennoch etwas schlechter als bei Darktable (Abbildung 7). Der Grund dafür ist nicht so sehr das Fehlen von Sigmoid, sondern vor allem die Nachteile (Abbildung 8) bei der Spitzlichtrekonstruktion und bei der Korrektur von chromatischen Aberrationen. Der Anwender muss lange mit anderen Werkzeugen und teilweise auch mit Masken herumfummeln, um diese Schwächen zu kompensieren. Obwohl der Entwickler auf der Website seines Projektes meint, Ansel arbeite schneller als Darktable, gewannen wir den Eindruck, dass es tatsächlich etwas langsamer ist.

Abbildung 7: Bei einem nebeligen und unterbelichteten Foto (links) konnten wir in Darktable (rechts) mit zwei Instanzen von <span class="ui-element">Sigmoid</span>, <span class="ui-element">Tonwert-Equalizer</span> und <span class="ui-element">FarbbalanceRGB</span> sowie ein wenig lokalem Kontrast ein recht gutes Ergebnis erzielen.

Abbildung 7: Bei einem nebeligen und unterbelichteten Foto (links) konnten wir in Darktable (rechts) mit zwei Instanzen von Sigmoid, Tonwert-Equalizer und FarbbalanceRGB sowie ein wenig lokalem Kontrast ein recht gutes Ergebnis erzielen.

Abbildung 8: Bei derselben Aufnahme erzielte Ansel mit zwei Instanzen von <span class="ui-element">Lokaler Kontrast</span> und <span class="ui-element">FarbbalanceRGB</span> das beste Ergebnis, doch das Resultat blieb stark verrauscht.

Abbildung 8: Bei derselben Aufnahme erzielte Ansel mit zwei Instanzen von Lokaler Kontrast und FarbbalanceRGB das beste Ergebnis, doch das Resultat blieb stark verrauscht.

All diese Nachteile liegen im Prinzip darin begründet, dass Ansel auf eine mittlerweile veraltete Version von Darktable aufbaut. Seit Version 4.0 haben Entwickler wie Jens-Hanno Schwalm die Performance von Darktable deutlich verbessert. Viele der Änderungen Pierres sind aber dennoch gut und wichtig, insbesondere das Entfernen zahlreicher veralteter Tools und die Überarbeitung der Bedienoberfläche des Leuchttischmoduls. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Entwickler von Darktable Ansel genauer anschauen und es als eine Art Diskussionsanregung betrachten würden.

Ob eine Versöhnung zwischen Pierre und dem Darktable-Team realistisch ist, lässt sich nicht beurteilen. Es gibt jedoch sicher schon einige Nutzer, die auf Commits von Pierre in der Toolbox Vkdt warten, da er 2022 angekündigt hat, bei dem Projekt mitarbeiten zu wollen. (uba)

Infos

  1. “Geektable 4.0: the future is backwards”: http:////www.youtube.com/watch?v=56e5Yc-IQ84
  2. “New Sigmoid Scene to Display Mapping”: https://discuss.pixls.us/t/new-sigmoid-scene-to-display-mapping/22635
  3. “Who are the darktable users in 2020?”: https://eng.aurelienpierre.com/2023/01/who-are-the-darktable-users-in-2020/
  4. “#Covid-10 off-topic”: https://discuss.pixls.us/t/covid-19-off-topic/17024/20
  5. “Darktable-dev reist nach Österreich”: https://discuss.pixls.us/t/darktable-dev-reist-nach-osterreich/16837/12
  6. Offizielle Website von Ansel: https://ansel.photos
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