Online-Festplatten im Vergleich

Aus LinuxUser 08/2008

Online-Festplatten im Vergleich

Auslagerungszustand

Online-Storage bietet nicht nur eine höhere Ausfallsicherheit als der heimische Rechner sondern macht die Daten von jedem Ort aus erreichbar. Im Test zeigen vier kostenfreie Anbieter, was sie können.

Der Trend geht nicht nur bei den Anwendungen immer mehr in Richtung Online, auch das Speichern von Daten übernehmen immer öfter externe Dienstleister. Für den Anwender hat diese Strategie gleich mehrere Vorteile: Er kommt von jedem Rechner aus an seine Daten, kann sie gegebenenfalls problemlos mit anderen teilen, und hat darüber hinaus in aller Regel eine wesentlich höhere Ausfallsicherheit als auf dem eigenen System.

Neben dedizierten Storage-Anbietern bieten auch einige Freemailer Datenspeicher an. Im Test stehen GMX [1] und Google Mail [2] sowie die Storage Provider Mydrive [3] und Microsoft Skydrive [4] – letzterer steht derzeit noch in der Beta-Phase. Die Testumgebung verfügt über einen Internetanschluss mit einer bidirektionalen Kapazität von 1 MByte/s. Der ebenfalls zum Test vorgesehene Service von Wuala [5] befindet sich noch in der Alpha-Phase und wurde deshalb nicht berücksichtigt. (siehe Kasten “Wuala – die Zukunft?”).

Wuala – die Zukunft?

Wuala setzt beim Online-Storage auf Peer-to-peer-Technik und speichert die verschlüsselten Daten häppchenweise auf den Rechnern aller angeschlossenen Benutzer. Die Kapazität von einem GByte Speicherplatz erweitert jeder Anwender nach Gusto, indem er selbst mehr Platz auf seiner Festplatte für andere Sharer zur Verfügung stellt.

Die Vorteile dieser Technik liegen auf der Hand: Die redundante Datenhaltung erhöht zum einen die Ausfallsicherheit und beschleunigt darüber hinaus die Datentransfers. Da jeder Teilnehmer nur einen kleinen Teil der Daten in verschlüsselter Form auf seinem Rechner hat, verringert sich die Gefahr, dass die Inhalte in falsche Hände geraten. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Testphase, Interessenten können sich bislang nur für eine Einladung anmelden.

Google Mail

Google baut das Speicherkontingent für seinen kostenfreien Mailer kontinuierlich aus. Derzeit bietet er etwa 7 GByte Volumen. Findige Programmierer sehen darin mehr als nur eine Speichermöglichkeit für E-Mails und entwickelten Applikationen, um den Speicher als Online-Storage zu nutzen. So integriert etwa GMailFS [6] den Onlinespeicher mittels FUSE und eines Python-Skripts in das lokale Verzeichnis. Eine detaillierte Anleitung, wie Sie es verwenden, finden Sie unter [7].

Das Firefox-Plugin GSpace [8], das wir in diesem Test verwendeten, verfügt über eine Oberfläche, die der eines FTP-Clients ähnelt (Abbildung 1). Es bietet auch dessen Funktionen, wie etwa multiples Hoch- und Herunterladen von Dateien oder das Erstellen von Verzeichnissen. Google Mail behandelt eine hochgeladene Datei als E-Mail-Attachment. Um zu verhindern, dass Sie dieses postwendend mit Ihrem E-Mail-Client wieder herunterladen, empfiehlt es sich, ein eigenes Konto zum Speichern anzulegen.

Abbildung 1: Die Firefox-Erweiterung GSpace ermöglicht es, das Speichervolumen des Mail-Accounts als Online-Storage zu verwenden.

Abbildung 1: Die Firefox-Erweiterung GSpace ermöglicht es, das Speichervolumen des Mail-Accounts als Online-Storage zu verwenden.

Unter den Verzeichnisfenstern findet sich links die Transfer-Queue und rechts ein Informationsfenster, das Bilder als Thumbnails anzeigt und weiterführende Informationen zur markierten Datei liefert. Die mit GSpace angelegten virtuellen Verzeichnisse dienen ausschließlich zur internen Zuordnung und tauchen nicht im Mail-Konto selbst auf. Das Programm erlaubt auch den rekursiven Transfer ganzer Verzeichnisbäume und hält dabei die Ordnerstruktur bei. Die Oberfläche bietet neben der Standard-Ansicht File Transfer Mode unter anderem den Player Mode– und Photo Mode. Diese aktivieren in der linken Fensterhälfte entweder die Bildansicht oder einen Audioplayer.

Google beschränkt die maximale Größe einzelner Dateien auf 20 MByte, womit sich das System nur zum Sichern kleinerer Dateien eignet. Dass der Anbieter die Geschwindigkeit von Downloads auf 750 KByte/s und Uploads auf 300 KByte/s beschränkt, fällt bei den meisten Anwendern kaum ins Gewicht, da nur wenige ADSL-Anschlüsse über eine höhere Transferrate verfügen.

Einem Bericht des Wall Street Journals [9] zufolge startet Google in absehbarer Zeit einen eigenen Storage-Service namens GDrive. Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, wollte auf Nachfrage die Spekulationen weder dementieren noch bestätigen – Informationspolitik der Firma sei es, Produkte erst dann anzukündigen, wenn sie auch verfügbar sind.

Google: Plus/Minus

+ Schneller Up/Download

+ Keine Volumenbegrenzung

– Keine Freigabe/Benutzerverwaltung

– Maximale Dateigröße: 20 MByte

GMX

GMX, das Urgestein unter den Mail-Providern, bietet längst mehr als nur ein E-Mail-Konto. Zur Angebotspalette zählt unter anderem das so genannte Mediacenter, welches das Hochladen und Verwalten von Dateien ermöglicht. Die kostenfreie Variante verfügt über 1 GByte Speicherkapazität, das Download-Volumen limitiert der Anbieter auf 2 GByte im Monat.

Als einziger Teilnehmer im Testfeld bietet GMX dafür einen WebDAV-Zugriff an. Dieser ermöglicht zum einen das Öffnen des Online-Speichers in Dateimanagern wie Konqueror (Abbildung 2) und zum anderen das Einhängen in das lokale Dateisystem via Davfs2. Eine ausführliche Beschreibung dazu finden Sie unter [9]. Der Upload-Manager von GMX, der den Speicher in den lokalen Verzeichnisbaum integriert, steht derzeit nur für Windows zur Verfügung.

Abbildung 2: Als einziger Testteilnehmer bietet GMX den Zugriff via WebDAV auf den Onlinespeicher und ermöglicht damit das Einbinden ins lokale Dateisystem.

Abbildung 2: Als einziger Testteilnehmer bietet GMX den Zugriff via WebDAV auf den Onlinespeicher und ermöglicht damit das Einbinden ins lokale Dateisystem.

Neben WebDAV bietet GMX eine webbasierte Verwaltungsoberfläche (Abbildung 3) für das Mediacenter, die ähnlich wie ein Dateibrowser aufgebaut ist. Zu bekannten Dateitypen zeigt sie die entsprechenden Symbole an, zu den Bilder Thumbnails.

Abbildung 3: GMX gestaltet die Verwaltungsoberfläche des Mediacenters ähnlich der eines Dateimanagers.

Abbildung 3: GMX gestaltet die Verwaltungsoberfläche des Mediacenters ähnlich der eines Dateimanagers.

Markieren Sie Sie mehrere Dateien zum Download, so komprimiert der Dienst diese zunächst in einem ZIP-Paket und bietet sie danach am Stück zum Download an. Umständlich gestaltet GMX hingegen das Hochladen: Dazu muss man jede Datei einzeln anwählen .

Zwar bietet das Mediacenter eine Freigabe von Verzeichnissen für bestimmte Personen, diese müssen allerdings ebenfalls ein Konto bei GMX besitzen. Sehr positiv fallen die hohen Up- und Downloadraten auf, die sich bei jeweils etwa einem MByte/s am Limit der Testumgebung bewegten.

GMX: Plus/Minus

+ Sehr schneller Up/Download

+ Keine Dateigrößenbeschränkung

+ Unterstützt WebDAV

– Volumenbeschränkung

– Wenig Speicherplatz

Mydrive

Der schweizerische Anbieter Mydrive konzentriert sich ausschließlich auf den Storage-Bereich. Die kostenfreie Version verfügt über ein GByte Speicherplatz und eine Volumenbeschränkung von fünf GByte im Monat. Bei der Größe der Dateien schränkt der Hosting-Service den Anwender nicht ein. Eine Verzeichnisfreigabe bietet der Dienst jedoch nicht an. Auch dieser Anbieter bietet lediglich eine Weboberfläche (Abbildung 4) als Verwaltungsinstrument für den Online-Speicher. Als Protokoll kommt HTTPS zum Einsatz.

Abbildung 4: Der schweizerische Storage-Anbieter Mydrive überzeugt mit extrem hohen Transferraten, bietet aber nur ein GByte Speicherplatz.

Abbildung 4: Der schweizerische Storage-Anbieter Mydrive überzeugt mit extrem hohen Transferraten, bietet aber nur ein GByte Speicherplatz.

Der auf Flash basierende Uploader erlaubt in einem Dateibrowser das Markieren und Hochladen beliebig vieler Dateien gleichzeitig. Wählen Sie mehrere Dateien zum Download aus, packt Mydrive diese wie GMX zuvor in ein Zip-Archiv. Musikdateien spielt die Weboberfläche im integrierten Player ab, Thumbnails von Bildern zeigt sie interaktiv beim Überfahren der Einträge. Ein Klick auf den Pfeil neben der Beschreibung zeigt die Grafik im Vollbildmodus. Die integrierte Diaschau erreichen Sie über Play in der Funktionsleiste über dem Dateibrowser.

Sowohl die Upload- als auch die Downloadraten bewegten sich mit 1 MByte/s immer am Maximum dessen, was die Testumgebung an Bandbreite bereitstellte, und stellte damit neben GMX den Spitzenreiter im Vergleichstest.

Mydrive: Plus/Minus

+ Extrem Schneller Up/Download

+ Keine Dateigrößenbeschränkung

– Wenig Speicherplatz

– Volumenbeschränkung

Skydrive

Mit Skydrive – der Dienst hieß früher Windows Live Folders – bietet Microsoft einen Online-Speicher mit einer Kapazität von 5 GByte an. Die Web-Festplatte ermöglicht das Verwalten sowie das Hoch- und Herunterladen ausschließlich über das Webinterface (Abbildung 5). Wie auch bei den anderen Testteilnehmern dient HTTPS als verschlüsseltes Transportprotokoll. Da der Service keinerlei Möglichkeiten der Mehrfachauswahl von Dateien beim Up- oder Download bietet, gestaltet sich der Datentransfer entsprechend umständlich.

Microsoft schränkt zwar das monatlichen Datentransfervolumen nicht ein, limitiert aber die maximale Dateigröße auf 50 MByte. Zusätzlich sorgen die extrem schwankenden Transferraten für Unmut. Im Test pendelten Sie sich für Uploads bei noch erträglichen 200 bis 500 KByte/s ein, das Herunterladen von Dateien entwickelte sich bei einem Tempo von 20 bis 600 KByte/s jedoch zuweilen zum Geduldspiel. Ein Grund dafür könnte eine zu knapp bemessene Bandbreite des Dienstes sein: Laden zu viele Benutzer gleichzeitig herunter, bricht der Traffic ein.

Abbildung 5: Microsofts Online-Storage Skydrive bietet zwar 5 GByte Speichervolumen, aber mitunter sehr bescheidene Download-Raten.

Abbildung 5: Microsofts Online-Storage Skydrive bietet zwar 5 GByte Speichervolumen, aber mitunter sehr bescheidene Download-Raten.

Bilder zeigt der Service als als Thumbnails an, ein Klick darauf öffnet sie im angepassten Vollbild. Ein Audioplayer wie bei Mydrive fehlt jedoch. Anders als GMX bietet Skydrive eine Verzeichnisfreigabe, die auch Anwendern ohne Skydrive-Account einen Zugriff auf die Ordner ermöglicht. Sie entscheiden dabei, ob das Verzeichnis für alle oder nur eine bestimmte Benutzergruppe sichtbar ist. An letztere versendet Skydrive gegebenenfalls automatisch eine Benachrichtigungsmail mit den Login-Daten.

Skydrive: Plus/Minus

+ Verzeichnisfreigabe

+ Keine Volumenbeschränkung

– Keine Mehrfachauswahl von Up- und Downloads

– Teilweise sehr langsamer Download

Fazit

Keines der getesteten System erfüllte alle Wünsche. So knausert GMX mit einer monatlichen Traffic-Begrenzung von 2 GByte und 1 GByte Speichervolumen, bietet dafür aber WebDAV und damit die unkomplizierte Integration ins Dateisystem. Google Mail begrenzt den Upload auf eine Dateigröße von unter 20 MByte, stellt dafür aber beinahe 7 GByte Speicher bereit.

Microsofts Skydrive enttäuscht durch teils inakzeptable Downloadraten und Mydrive bietet ebenfalls nur 1 GByte Speicher, dafür aber dafür 5 GByte ungedrosseltes Transfervolumen und eine sehr gute Benutzerführung. Einen Umstand verbindet jedoch alle Anbieter: Sie geben keine Gewähr, dass die Daten vertraulich behandelt werden, weswegen Sie speziell sensible Daten vor dem Upload immer verschlüsseln sollten.

Vergleichstabelle Online-Storage

Anbieter Google GMX Mydrive Skydrive
URL http://mail.google.com http://www.gmx.de https://www.mydrive.ch http://skydrive.live.com/
Volumen
Speicherplatz (GByte) 6,6 1 1 5
Max. Dateigröße (MByte) 20 > 100 > 100 50
Bandbreite pro Monat k.A. 2 GByte 5 GByte k.A.
Geschwindigkeit
Upload (KByte/s) 300 1000 1000 200 bis 500
Download (KByte/s) ~750 1000 1000 20 bis 600
Verwaltung
Unterstützte Protokolle HTTPS HTTPS, WebDAV HTTPS HTTPS
Multiple Uploads/Downloads X/X O/X X/X O/O
Upload über Weboberfläche O X X X
Lokal einbindbar X X O O
Suche nach Dateien O X(2) X X
Freigaben
Öffentlich O O O X
Mit Passwort/für ausgewählte Benutzer O X(1) X X
Features
Bildvorschau X X X X
Audioplayer X O X O
(1) Ausschließlich für GMX-Mitglieder, (2) Nur über WebDAV

Glossar

WebDAV

Abkürzung für Web based Distributed Authoring and Versioning. Das Protokoll stellt eine Erweiterung von HTTP 1.1 dar und verwendet standardmäßig Port 80. Es ermöglicht das gemeinsame Benutzen von Dateien und enthält darüber hinaus eine Versionskontrolle.

Infos

[1] GMX: http://www.gmx.de

[2] Google Mail: http://mail.google.com

[3] Mydrive: http://www.mydrive.ch

[4] Microsoft Skydrive: http://skydrive.live.com

[5] Wuala: http://wua.la/de/home.html

[6] GMailFS: http://tinyurl.com/3ofk6

[7] GMailFS einrichten: “More than Mail”, Fabrizio Ciacchi, LinuxMagazine 55/2005, S. 52 http://linux-magazine.com/issues/2005/55/more_than_mail/(kategorie)/0

[8] Gspace: http://www.getgspace.com/de/index.html

[9] Gdrive: http://online.wsj.com/article/SB119612660573504716.html

[10] GMXFS: “Massig Speicher”, Thomas Leichtenstern, LinuxUser 02/2006, S. 78, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/02/078-gmxfs

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