Den Erstellungsprozess für die Druckvorstufe automatisieren

Aus LinuxUser 12/2023

Den Erstellungsprozess für die Druckvorstufe automatisieren

© Przemyslaw Koch / 123RF.com

Schwarze Kunst

Geschafft: Der Inhalt und Umschlag Ihres Buchs liegen fertig da. Jetzt gilt es, daraus ein druckfähiges Werk zu machen. Wir zeigen, in welcher Reihenfolge Sie dazu welche Werkzeuge einsetzen.

Meine Leidenschaft für das Themengebiet Druckvorstufe lässt sich kaum übersehen. Seit 2009 erschienen in LinuxUser in loser Abfolge Beiträge, die sich mehrheitlich mit Kommandozeilenwerkzeugen für Postscript und PDF sowie den Vorgängen zum Bereitstellen von druckfähigen Vorlagen befassen. Dabei ging es um Themen wie das Sortieren der Seiten als Broschüre oder Buch (Psbook), die Ausgabe mehrerer Seiten pro Blatt (Psnup), das Zerlegen und Zusammenfügen von Dokumenten (Pdfjam, Pdftk), das Vergrößern und Verkleinern des Ausgabeformats (Pdfjam), das Drehen von Seiten (Pdfjam, Pdf90, Pdf270), das Entfernen von unnützem Weißraum (Pdfcrop), das Einfügen von Anmerkungen (Pdfannotate), um Wasserzeichen und Barcodes sowie Barrierefreiheit, die Suche in Dokumenten mittels Pdfgrep sowie die Berücksichtigung von PDF/A zur Archivierung von PDF-Dokumenten.

Viele der Werkzeuge beleuchtete ich nur einzeln, um deren Funktion und konkreten Anwendungsbereich genauer zu besprechen. Für einen kompletten Verarbeitungsvorgang braucht es jedoch zwingend das Verständnis um das Zusammenspiel der Tools. Bereits 2013 thematisierte ein Artikel das Erzeugen von Namensschildern mit Schnittmarken für eine Veranstaltung [1]. Die Inhalte dafür stammten aus einer PostgreSQL-Datenbank. Nun geht es um das Vorgehen und die Umsetzung im Fall eines Buchs. Die gezeigten Schritte gelten sowohl für den Print-Bereich als auch für die digitale Version eines Werks.

Farbprofile

Sofern Sie nicht explizit etwas anderes einstellen, sind alle digital erzeugten Dokumente für eine Wiedergabe auf dem Bildschirm vorbereitet. Sprich: Sämtliche Farben entstammen dem RGB-Farbraum. Spannend wird es, sobald Sie ein Dokument ausdrucken: Dann erfolgt eine Umwandlung der Farben in Graustufen oder in den CMYK-Farbraum. Die bisherigen Beiträge klammerten diesen Aspekt aus und setzen voraus, dass die zu verarbeitenden Postscript- oder PDF-Dateien bereits entsprechend angepasst waren.

Falls das nicht zutrifft, hängt das im Allgemeinen mit dem Erstellungsprozess der Dokumente und im Detail von der dafür genutzten Software ab. Kommt eine kommerzielle Software wie Book Bolt Studio [2] oder Adobe Acrobat Pro [3] ins Spiel, erzeugen Sie darüber zunächst beide Varianten zur Ausgabe und benutzen dann die für Ihr Ausgabemedium jeweils passende.

Der von uns favorisierte und kontinuierlich genutzte Ablauf basiert auf LaTeX beziehungsweise TeX Live [4]. Damit steht ein freies, ausgefeiltes und erprobtes Textsatzsystem für alle Lebenslagen bereit. Für CMYK-Farbangaben hilft das Paket xcolor [5] weiter. Nachdem Sie es wie in Zeile 4 von Listing 1 eingebunden haben, definieren Sie die entsprechende Farbe. In Zeile 6 ist es orange über die Bestandteile des CMYK-Farbmodells. In Zeile 8 sehen Sie, wie Sie einen Text damit einfärben.

Listing 1

CMYK-Farbprofil

% article als Dokumentenklasse
\documentclass{article}
% Paket xcolor einbinden
\usepackage{xcolor}
% orange als Farbe anlegen
\definecolor{orange}{cmyk}{0,0.5,1,0}
\begin{document}
  {\textcolor{orange} Dieser Text erscheint in orange} und dieser in
schwarz.
\end{document}

Zu den Farben und zum konkreten Einsatz empfehle ich Ihnen die Lektüre des entsprechenden Beitrags bei Wikibooks [6]. Er erklärt ausführlich, welche Farben von Haus aus bereitstehen und wie Sie eigene Farben festlegen, dabei die verschiedenen Farbmodelle verwenden und die Farben in Ihrem Dokument einsetzen.

In der Kategorie Office-Suiten sieht es jedoch anders aus. Nach aktuellem Wissens- und Recherchestand können weder Abiword aus Gnome Office noch Open-, Libre- oder OnlyOffice mit CMYK umgehen. Die damit erzeugten Dokumente liegen immer im RGB-Farbraum [7]. Die Brücke zu CMYK schlagen hier Scribus [8], Inkscape [9] und Krita [10].

Automatisieren

Umfasst Ihr Werk Bestandteile aus unterschiedlichen Quellen oder fallen vielfältigere Einzelschritte an, sollten Sie über einen automatisierten Erstellungsprozess nachdenken. Automatisieren bedeutet hier, die zuvor erforderlichen, bereits dokumentierten Einzelschritte in einem Programm oder Skript zusammenzufassen. Eine Abwägung zwischen dem Aufwand für das Erstellen des Automatisierungsprogramms und dem tatsächlichen Nutzen hilft beim Abschätzen des Optimierungspotenzials. Wiederholt sich die Prozedur, beispielsweise weil Sie wegen Änderungen des Inhalts das Werk häufig neu erzeugen, amortisiert sich der Aufwand relativ schnell.

In einem anderen Artikel hatte ich dazu das Werkzeug Pdfrecycle [11] vorgestellt. Es basiert auf einer Liste von Aktionen in einer Textdatei, die Pdfrecycle dokumentweise anwendet. Die einzelnen Aktionen umfassen zum Beispiel das Drehen, Skalieren, Zerlegen und Zusammenfügen von Seiten eines PDF-Dokuments. Allerdings fand seitdem keine Weiterentwicklung des nützlichen Werkzeugs mehr statt. Daher ist Eigeninitiative angesagt.

Den Ausgangspunkt, mit dem das Thema Automatisierung wieder in den Fokus rutschte, bildete das Erstellen eines Buchs mit Lern- und Lehrmaterialien. Dabei kamen die verschiedenen Bestandteile für das Buch aus unterschiedlichen Quellen. Zum Gestalten des Einbands kam zunächst das bereits zuvor genannte Book Bolt Studio zum Einsatz. Für den Inhalt fanden Vorlagen von Book Bolt Studio sowie LaTeX mithilfe des webbasierten Editors Overleaf [12] Verwendung. Bei beiden Werkzeugen erhalten Sie am Ende jeweils ein PDF-Dokument, bei Overleaf zusätzlich den dazugehörigen LaTeX-Quellcode des Dokuments als ZIP-Archiv.

Zusammenbauen

Der Inhalt des Buchs bestand aus unterschiedlichen Seiten im Hoch- und Querformat: Da waren zunächst 16 individuelle Seiten im Querformat als US-Letter, als separate Dateien, erzeugt via Overleaf. Hinzu kam ein als einzelne DIN-A4-Seite angelegter Notizzettel, erzeugt über eine Vorlage von Book Bolt Studio. Insgesamt zählte das Buch 50 Seiten – 16 individuelle Seiten, gefolgt von 34 Mal dem Notizzettel. Sofern Sie nichts daran ändern, nutzt Overleaf US-Letter als Standardformat. Bei Book Bolt Studio legen Sie die Größe einer Seite zu Projektbeginn fest, was sich im Nachhinein nicht mehr zurücknehmen lässt.

Nun galt es sicherzustellen, die Seiten in der richtigen Reihenfolge für das Buch im Hochformat zusammenzufügen. Zeit für ein Skript und den Griff in die wohlsortierte Werkzeugkiste: Zum Einsatz kamen das Trio Pdftk [13], Pdfjam und Pdf90. Hinter Letzterem steckt ein spezialisierter Aufruf von Pdfjam, das wiederum aus dem Debian-Paket texlive-extra-utils [14] stammt.

Nachfolgend gehen wir schrittweise durch das Bash-Skript in Listing 2. Zunächst hinterlegen Sie die Shebang-Zeile (Zeile 1) und somit eine Kennzeichnung, dass dieses Skript von dem Programm /bin/bash interpretiert werden soll. Danach schließen sich die Informationen zum Autor und zur Lizenz an, unter der das Skript steht.

Nun geht es an die Definition und Vorbelegung der internen Variablen für das Ausgabeverzeichnis, für die Datei zur Einzelseite für Notizen, für die verarbeiteten Dateien für den Inhalt und für das Papierformat der Ausgabedatei (Zeile 4 bis 12). Danach definieren Sie ein Array namens fileList (Zeile 14 bis 22), das alle Dateien aufzählt, aus denen das Buch bestehen soll. Die Aufzählung bestimmt die Reihenfolge.

Der nächste Schritt umfasst das Anlegen und Aufräumen eines gegebenenfalls noch bestehenden Ausgabeverzeichnisses (Zeile 24 bis 35). Dann erfolgt die Verarbeitung der zuvor festgelegten Dateiliste in einer For-Schleife über das gesamte Array (Zeile 36 bis 41). Das Werkzeug Pdf90 dreht die jeweilige Datei um 90 Grad vom Quer- ins Hochformat und speichert sie im Ausgabeverzeichnis ab, das Sie mithilfe des Schalters --outfile angeben. Zusätzlich merken Sie sich jede verarbeitete Eingabedatei (Zeile 40).

Danach erzeugen Sie jede der 34 einzelnen Notizzettelseiten als separate Datei (Zeile 42 bis 46). In einer For-Schleife rufen Sie Cp auf, um die Vorlage ins Ausgabeverzeichnis zu kopieren. Der Name der Zieldatei entspricht dem Muster page-17.pdf bis page-50.pdf. Die Seitennummer ist in der Variablen pgNr hinterlegt und ergibt sich aus dem Aufruf des Kommandos seq. Das generiert in Zeile 43 eine Zahlensequenz von 17 bis 50, über die die For-Schleife iteriert. Der Schalter -w sorgt für eine führende Null, sofern erforderlich. Zusätzlich merkt sich das Skript wieder jede erzeugte Notizzettelseite (Zeile 45).

Im vorletzten Schritt verarbeitet Pdftk die erstellte Ausgabeliste und fügt alle darin aufgeführten Dateien zur Ausgabedatei content.pdf zusammen (Zeile 48). Den Feinschliff zum Abschluss übernimmt Pdfjam (Zeile 50 und 51) und passt jede Seite noch auf das Ausgabeformat DIN A4 an. Als Ausgabedatei dient wieder die Datei content.pdf im Ausgabeverzeichnis.

Listing 2

Bash-Skript

#!/bin/bash
# (C) 2023 Frank Hofmann <info@efho.de>
# Lizenz: GNU Public License (GPL) 3.0
# -------- INTERNE VARIABLEN --------
# Ausgabeverzeichnis
outDir="druckversion"
# Einzelseite für die Notizen
notesPage="notizen.pdf"
# bereits verarbeitete Dateien
procFiles=""
# Papiergröße
paperSize="a4paper"
# -------- INHALT -------------------
# lege die Dateien und deren Abfolge
# für den Buchinhalt fest
fileList=(
  "./vim/vim-german.pdf"
  "./bash/shortcuts-german.pdf"
  "./debian-package-management/debian-package-management-german.pdf"
  "./linux-commands/linux-commands-german.pdf"
  "./nano/nano-cheatsheet-german.pdf"
)
# -------- VERARBEITUNG -------------
# prüfe das Ausgabeverzeichnis;
# lege es an, falls noch nicht da
if [ ! -e $outDir ]
then
  echo "lege Ausgabeverzeichnis $outDir an ..."
  mkdir -v $outDir
fi
# leere das Ausgabeverzeichnis
echo "leere Ausgabeverzeichnis $outDir ..."
for inputFile in $(ls $outDir); do
  rm -v "$outDir/$inputFile"
done
# Dateien um 90 Grad rotieren
for currPath in ${fileList[@]}; do
  currFile=$(basename "$currPath")
  pdf90 "$currPath" --outfile "$outDir/$currFile"
  procFiles="$procFiles $outDir/$currFile"
done
# Notizseiten erstellen
for pgNr in $(seq -w 17 50); do
  cp -v "$notesPage" "$outDir/page-$pgNr.pdf"
  procFiles="$procFiles $outDir/page-$pgNr.pdf"
done
# erstelle den Buchinhalt
pdftk $procFiles cat output "$outDir/content.pdf"
# passe die Papiergröße an
pdfjam --outfile "$outDir/content.pdf" \
       --paper "$paperSize" "$outDir/content.pdf"

Nach dem Durchlauf des Skripts liegt eine Druckvorlage vor. Abbildung 1 zeigt einen Ausschnitt davon. Links sehen Sie eine individuelle Seite, rechts eine für Notizen. Mithilfe dieser Ansicht überprüfen Sie, ob die Randstege groß genug ausfallen. Sind sie zu klein, lassen sich die Seiten eventuell nicht sauber drucken. Zudem rutscht dann mitunter etwas vom Text in die Bindung und lässt sich nur noch schwer lesen.

Abbildung 1: Ein Ausschnitt aus dem fertigen Buch mit einer individuellen Seite links und einer Notizzettelseite rechts.

Abbildung 1: Ein Ausschnitt aus dem fertigen Buch mit einer individuellen Seite links und einer Notizzettelseite rechts.

In Abbildung 1 sieht die rechte Seite in Ordnung aus, bei der linken Seite benötigen die Ränder hingegen noch etwas Luft. Da hierfür die Quelldaten vorlagen, passten wir sie entsprechend an.

Bucheinband

Zum Gestalten eines Bucheinbands braucht es ein geschicktes Händchen und ein bisschen Wissen, wie er entsteht [15]. Einfach etwas herumklicken geht hier allzu leicht schief.

Zu den Bestandteilen eines Bucheinbands gehören eine Vorder- und Rückseite sowie der Buchrücken. Das bereits oben kurz genannte Book Bolt Studio vereinfacht viele Schritte. Die darüber bereitgestellten Vorlagen enthalten bereits die notwendigen Ränder für den Beschnitt. Das spielt vor allem dann eine wichtige Rolle, wenn der (farbige) Druck bis zum Seitenrand gehen soll. Ohne Beschnitt fehlen sonst eventuell Teile vom Bild auf dem gedruckten Umschlag.

Als Beschnittzugabe werden häufig 3 bis 4 Millimeter (etwa 0,125 Zoll) empfohlen. Der konkrete Wert variiert allerdings je nach Druckerei. Zu einer Seite kommen somit oben und unten sowie rechts und links jeweils 3 bis 4 Millimeter hinzu. Eine Doppelseite wird in der Höhe und der Breite jeweils um 6 bis 8 Millimeter größer als das Endformat des Buchs. Mehr Beschnitt geht immer, steigert jedoch die Papiermenge, die im Abfall landet. Weniger Beschnittzugabe führt zu einem kleineren Endformat des Umschlags, sprich: Der Bucheinband wird eventuell zu klein für den Buchinhalt (Buchblock).

Die Stärke des Buchrückens richtet sich nach der Anzahl der Blätter im Buchblock, deren Papierstärke und der Art und Weise der Bindung. Als Faustregel gilt: Blattanzahl mal Papiergewicht geteilt durch 1000. Für unseren Buchblock mit 50 Seiten bei doppelseitigem Druck benötigen Sie 25 Blatt. Bei einer Papierstärke von 115 Gramm pro Quadratmeter ist der Buchrücken dann 2,8 Millimeter stark, bei einseitigem Druck hingegen knapp 6 Millimeter.

Damit liegen die Größen für ein Softcover vor. Kommt hier noch Fadenheftung hinzu oder entscheiden Sie sich stattdessen für ein Hardcover, erhöht sich die Breite des Buchrückens bei 25 Blatt um 2 bis 3 Millimeter. Ab einer Breite von 3 Millimetern gilt ein Buchrücken als sauber bedruckbar, sodass Sie Ihr Werk im Regal über die Beschriftung des Buchrückens wiederfinden.

Bei Book Bolt Studio wählen Sie aus Ihrer Vorlage über Download | Download Current Page CMYK (Printed Books) das Buchcover in CMYK aus und speichern es als separate PDF-Datei (Abbildung 2).

Abbildung 2: Den Bucheinband w&auml;hlen Sie aus unterschiedlichen Vorlagen in Book Bolt Studio.

Abbildung 2: Den Bucheinband wählen Sie aus unterschiedlichen Vorlagen in Book Bolt Studio.

Für LaTeX-Anwender gestaltet sich der Ablauf etwas anders. Hier greifen Sie auf ein fertiges Paket namens bookcover [16] zurück. Bei Overleaf gehört dieses Paket zum bereitgestellten, sofort nutzbaren Umfang. Verwenden Sie LaTeX respektive TeX Live lokal, finden Sie das LaTeX-Paket bei Debian im Paket texlive-latex-extra [17]. Farben definieren Sie mithilfe des LaTeX-Pakets xcolor [18], das ebenfalls bei beiden Installationswegen zum Standardumfang zählt.

Das Paket bookcover liefert eine gleichnamige Klasse und Umgebung. Listing 3 zeigt die Präambel des LaTeX-Dokuments für ein Buch mit dem Endformat DIN A4 und einem Buchblock aus 50 Seiten (25 Blatt). Die Zeilen 2 bis 5 legen zunächst die Höhe und Breite des Umschlags fest, danach die Breite des Buchrückens (Zeile 4) und abschließend die Farbe der Schnittmarken, hier Schwarz. Zeile 7 bindet das Paket xcolor ein, Zeile 8 bestimmt die Farbe Rot aus den vier CMYK-Bestandteilen. Die Zeilen 12 bis 14 deklarieren den Inhalt des Umschlags innerhalb der Umgebung bookcover.

Listing 3

Bucheinband

\documentclass[
  coverheight=297mm,
  coverwidth=210mm,
  spinewidth=3mm,
  markcolor=black
]{bookcover}
\usepackage{xcolor}
\definecolor{red}{cmyk}{0,1,1,0}
\begin{document}
  \begin{bookcover}
    % Inhalt des Umschlags
  \end{bookcover}
\end{document}

Die einzelnen Elemente des Umschlags beschreiben Sie über die Umgebung bookcoverelement. Sie entscheiden, ob ein Element beispielsweise nur auf der Vorder- oder Rückseite erscheint. Den roten Streifen aus Abbildung 2 erzeugen Sie über die Befehle aus Listing 4. Der Parameter color beschreibt die Festlegung einer Farbe, bg whole definiert die Ausdehnung über den gesamten Hintergrund. Die Angaben in eckigen Klammern bestimmen die x- und y-Koordinate beginnend von unten links sowie die Breite und die Höhe des Streifens (3,6 Zentimeter). Geben Sie keinen Wert an, gilt die Seitenbreite beziehungsweise -höhe. Innerhalb der Umgebung folgt die Farbe, hier red für Rot.

Listing 4

Roter Streifen

\begin{bookcoverelement}{color}{bg whole}[,23.5cm,,3.6cm]
  red
\end{bookcoverelement}

Auf den roten Streifen stapeln Sie dann eine Textebene. In Listing 5 begrenzt die erste Zeile die Ebene auf die Vorderseite des Umschlags (front) und legt die Textposition auf dem Blatt fest. Der Text “Notizbuch für Programmierer” ist rechtsbündig in zwei Boxen angeordnet (Zeile 4 und Zeile 7), die ihrerseits in einer kleinen Seite stecken (Zeile 3). Der Text wird zudem fett und riesig in weißer Farbe gedruckt (Zeile 5 und Zeile 8), sodass er deutlich als Buchtitel erscheint. Zusätzlich vergrößern Sie den Buchtitel noch mithilfe von scalebox um das 1,5-fache (Zeile 2).

Listing 5

Buchtitel

\begin{bookcoverelement}{normal}{front}[1cm,1cm,4cm,3.5cm]
  \scalebox{1.5}{
    \begin{minipage}[t]{13cm}
      \makebox[12cm][r]{
        {\textbf {\Huge \textcolor{white}{Notizbuch für}}}
      } \par
      \makebox[12cm][r]{
        {\textbf {\Huge \textcolor{white}{\rule{0mm}{10mm} Programmierer}}}
      }
    \end{minipage}
  }
\end{bookcoverelement}

Weitere Elemente und deren Anordnung entnehmen Sie der Dokumentation zum LaTeX-Paket bookcover. Ihr LaTeX-Dokument übersetzen Sie schließlich wie gewohnt in das gewünschte Ausgabeformat, beispielsweise via Pdflatex nach PDF.

Barcode

Veröffentlichen Sie Ihr Werk bei Amazon Kindle Direct Publishing (KDP [19]), dann vergibt der Anbieter eine Amazon Standard Identification Number (ASIN [20]) für das veröffentlichte Druckerzeugnis, sofern Sie das möchten und noch keine ISBN vorliegt. Amazon ergänzt die Druckvorlage um den passenden Barcode auf der Rückseite Ihres Werks unten rechts.

Beim Selbstdruck beantragen Sie zunächst selbst eine ISBN [21] und erstellen danach dazu den passenden Barcode. Dabei hilft Ihnen das LaTeX-Paket pst-barcode [22], das ein früherer Artikel [23] bereits beschrieb.

Qualitätskontrolle

Ohne einen letzten Überprüfungsschritt geht es nicht. Dazu gehören das Anbringen von Schnittmarken und ein Probedruck, um zu sehen, ob alles korrekt angeordnet wurde und sich sauber drucken lässt.

Für Schnittmarken gilt, dass Book Bolt Studio dieses Feature nicht unterstützt. Auf Nachfrage dazu gab Book Bolt an, dass ihre Software von Amazon stamme und schlicht keine Schnittmarken vorsehe. Deshalb bleibt hier nur, die Marken manuell als schwarze Linien zu ergänzen.

Mit dem LaTeX-Paket bookcover bleiben Sie dagegen auf der sicheren Seite. Hier kommen Schnittmarken automatisch mit (Listing 3. Zeile 5). Bei Bedarf passen Sie die Farbe, Länge und Dicke der Linien an. Abbildung 3 zeigt den Umschlag mit den Schnittmarken.

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Abbildung 3: Einen fertigen Umschlag mit Schnittmarken erstellen Sie am einfachsten über das LaTeX-Paket bookcover.

Veröffentlichen und Druck

Beim Drucken und Publizieren habe ich sehr zwiespältige Erfahrungen gesammelt. Der Platzhirsch Amazon KDP für Print-on-Demand (Druck bei Bestellung) akzeptiert nach eigenen Angaben bislang keine Schnittmarken und Farbbalken in den Druckvorlagen. Finden sich solche, weist KDP die Vorlage zurück.

Aus meiner Sicht lässt sich eine Druckmaschine für den Umschlag ohne Schnittmarken manuell oder automatisch nicht sauber ausrichten. Dementsprechend liefert sie nicht zentrierte Buchumschläge oder falsch geschnittene Druckerzeugnisse. Bei Einzelexemplaren mag das nicht auffallen, bei unserem Test mit zehn identischen Büchern stach das dagegen schon ins Auge (Abbildung 4). KDP lieferte 90 Prozent Ausschuss mit zu kleinen Büchern (bis zu 4 Millimeter kleiner als das Zielformat) und teilweise falsch zentrierten Umschlägen. Lediglich eines von zehn Büchern entsprach dem gewünschten Zielformat. Der Dialog mit KDP zur gelieferten Druckqualität war zu Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen.

Abbildung 4: Wenn sich die Druckmaschine mangels Schnittmarken nur unzureichend ausrichten l&auml;sst, f&auml;llt viel Ausschuss an.

Abbildung 4: Wenn sich die Druckmaschine mangels Schnittmarken nur unzureichend ausrichten lässt, fällt viel Ausschuss an.

Alternativ steht Ihnen der Gang zu lokalen und überregionalen Druckereien frei, die Print-on-Demand anbieten und mitunter direkt versenden. Falls nicht, planen Sie stattdessen eine Abholung und den Eigenversand mit ein. Diese Variante setzt häufig eine gewisse Abnahmemenge voraus, um die Stückkosten zu begrenzen. Die Herstellung von Einzelexemplaren funktioniert zwar, schreckt aber preissensible Kunden ab. Dieser Schritt eignet sich somit nicht für jedes Druckerzeugnis gleichermaßen gut.

Fazit

Etliche Werkzeuge spielen zusammen, wenn es um die Endfertigung eines Druckwerks geht. Die einzelnen Schritte lassen sich automatisieren, was jedoch entsprechendes Wissen voraussetzt. Bezüglich der Bereitstellung Ihres Werks handelt es sich um eine Abwägungssache zwischen Ihrer Beteiligung und der gelieferten Qualität, die wiederum auf Sie als Autor rückwirkt.

Große Online-Warenhäuser wie Amazon KDP punkten, wenn es lediglich darum geht, die Druckvorlage anonym bereitzustellen und alle anderen Schritte wie Bestellannahme, Zahlungsverkehr, Druck und internationaler, zeitnaher Versand auch für Einzelexemplare sowie den Umgang mit Reklamationen und Entsorgung auszulagern.

Legen Sie hingegen mehr Wert auf Druckqualität, direkten Kundenkontakt und Feedback, gestaltet sich der Aufbau und die Pflege einer Kooperation mit regionalen Vertriebspartnern oder einem Verlag aufwendiger. Aus meiner Sicht liegt darin allerdings langfristig ein besserer Weg zum Erhalt Ihres Rufs als Autor. (csi/jlu)

Danksagung

Der Autor bedankt sich bei Hartmut Noack und Gerold Rupprecht für ihre Anregungen während der Erstellung des Artikels.

Der Autor

Frank Hofmann arbeitet mobil als Entwickler, Trainer und Autor. Seine bevorzugten Arbeitsorte sind Berlin, Genf und Kapstadt. Er gehört zu den Verfassern des Debian-Paketmanagement-Buchs [24].

Glossar

RGB

Zusammensetzung einer Farbmischung aus den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau mit der Ausgangsbasis Schwarz als dunkelste Farbmischung und Weiß als hellste Farbmischung (additives Farbmodell).

CMYK

Zusammensetzung einer Farbmischung aus den vier Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb (yellow) und Schwarz (black) mit der Ausgangsbasis Weiß als hellste Farbmischung und Schwarz als dunkelste Farbmischung (subtraktives Farbmodell).

Infos

  1. Externe Daten in LaTeX einbinden (Teil 2): Frank Hofmann, “Am laufenden Band”, LU 06/2013, S. 42: https://www.linux-community.de/29106

  2. Book Bolt Studio: https://bookbolt.io

  3. Adobe Acrobat Pro: https://www.adobe.com/de/acrobat.html

  4. TeX Live: https://tug.org/texlive/

  5. TeX-Paket xcolor: https://www.ctan.org/pkg/xcolor

  6. LaTeX-Farben: https://en.wikibooks.org/wiki/LaTeX/Colors

  7. Farben in LibreOffice: https://wiki.documentfoundation.org/Videos/Use_Colors_in_LibreOffice/de

  8. “Scribus Color Management Setup”: https://wiki.scribus.net/canvas/Color_Management_setup

  9. “Export PDF CMYK”: https://wiki.inkscape.org/wiki/ExportPDFCMYK

  10. “RGB vs. CMYK: Understanding the Differences”: https://blog.thenounproject.com/rgb-vs-cmyk-understanding-the-differences/

  11. Pdfrecycle: Frank Hofmann, “Solide verarbeitet”, LU 11/2010, S. 70, https://www.linux-community.de/21328

  12. Overleaf: https://www.overleaf.com

  13. The PDF Toolkit: https://www.pdflabs.com/tools/pdftk-the-pdf-toolkit/

  14. Pdfjam: https://packages.debian.org/bookworm/texlive-extra-utils

  15. “Book binding basics”: https://www.bookdesignmadesimple.com/book-binding-basics/

  16. TeX-Paket bookcover: https://ctan.org/pkg/bookcover

  17. Debian-Paket texlive-latex-extra: https://packages.debian.org/bookworm/texlive-latex-extra

  18. LaTeX-Paket xcolor: https://ctan.org/pkg/xcolor

  19. Amazon Kindle Direct Publishing: https://kdp.amazon.com

  20. Amazon Standard Identification Number: https://en.wikipedia.org/wiki/Amazon_Standard_Identification_Number

  21. ISBN beantragen: http://isbn-suche.net/isbn-beantragen/

  22. LaTeX-Paket pst-barcode: http://ctan.org/pkg/pst-barcode

  23. Strichcodes mit LaTeX: Daniel Tibi, “Auserlesen”, LU 01/2016, S. 84, https://www.linux-community.de/36072

  24. Debian-Paketmanagement-Buch: https://dpmb.org

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