Noch ist der digitale Musikdatenträger Compact Disk nicht vollkommen aus der Mode gekommen. Bei schnellen Überspielen auf die Festplatte hilft das kleine fixe Programm Asunder.
Die Welt von GNU und Linux besteht aus zahllosen Anwendungen und Alternativen. Auch um Audio-CDs auf die eigene Festplatte zu bannen, gibt es unzählige Tools. Die Vielfalt startet bei Werkzeugen auf der Kommandozeile und endet bei Schwergewichten wie K3B und Amarok. Eine leichtgewichtige Möglichkeit, CDs in digitale Dateien umzuwandeln, heißt Asunder (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ursprünglich von Eric Lanthrop gestartet übernahm nach zwei Jahren Stagnation der Entwickler Andrew Smith das Projekt.
Multitasker
Das Programm [1] übernimmt die Aufgabe, Musikstücke von der silbernen Scheibe zu lösen. Das zumindest deutet schon der Name an. “To cut asunder” meint soviel, wie entzwei schneiden. Ganz so brutal geht das kleine GTK-Programm aber nicht zu Werke. Stattdessen rippt es so schnell der Rechner es erlaubt die Stücke von der CD und wandelt sie dabei in verschiedene Formate um, auf Wunsch auch gleichzeitig in verschiedene.
Genau das macht das Programm zu etwas besonderem: Während andere Programm zum Rippen nur ein Zielformat für alle Tracks erlauben, beherrscht Asunder die Ausgabe in bis zu vier Formate pro Track. Dabei unterstützt die Software unkomprimiertes WAV, das verlustbehaftete Formate MP3 in verschiedenen Variationen, den freien Codec Ogg Vorbis sowie verlustfrei komprimiertes FLAC. Die Informationen über Titel und Interpreten bezieht Asunder über die freie CDDB-Datenbank FreeDB bequem aus dem Internet. Alternativ geben Sie die Daten manuell ein.
Installation
Die Installation von Asunder geht erfreulich schnell. Die Abhängigkeiten beschränken sich auf die Encoder – also Lame für das MP3-Format [4], die Vorbis-Tools für Ogg Vorbis [5] und FLAC für die verlustfreie Kompression im FLAC-Format [6]. Hinzu kommen Cdparanoia [7] als Ripper und die Libcddb [8] für die Abfrage der Compact Disc Database.
Möchten Sie das Programm manuell übersetzen, reicht nach dem Entpacken ein ./configure && make, um den Quellcode zu kompilieren. Auf modernen Systemen dauert das nur wenige Sekunden. Anschließend befördert ein make install als Systemverwalter root das Tool an seinen Platz im System. Jedoch sollte das händische Übersetzen der Quellen nur in Ausnahmefällen und auf exotischen Systemen notwendig sein: Auf der Homepage findet sich ein große Auswahl an fertigen Paketen, darunter beispielsweise Debian-, Ubuntu-, OpenSuse- und Slackware-Pakete. Die Installation erfolgt über den Paketmanager der jeweiligen Distribution.
Übersicht ist Trumpf
Der Einstellungsdialog präsentiert sich sehr übersichtlich. Nur vier Reiter reichen um alle Optionen festzulegen. Unter Allgemein legen Sie das CD-Laufwerk fest, falls mehrere optische Laufwerke im PC stecken, sowie das Zielverzeichnis. Auf Wunsch bestimmen Sie hier, ob Asunder eine Playlist erzeugt und nach Abschluss des Kopiervorgangs die CD auswirft.
Der Name des zweiten Tabs Nomenklatur macht klar: Hier legen Sie die Bezeichnungen für Ordner und Dateien mittels Platzhaltern fest. Das dritte Tab schließlich dient als Dreh- und Angelpunkt für den Speichervorgang (Abbildung 2). Hier wählen Sie aus, in welche Formate und in welche Qualität Asunder die Tracks auf die Festplatte bannt. Der letzte Reiter enthält schlussendlich Möglichkeiten, den CDDB-Abruf über einen Proxy zu leiten oder ganz abzustellen.
Fazit
Die Attribute schnell und klein treffen exakt auf Asunder zu. In kürzerer Zeit eine CD zu rippen, dürfte nur noch echten Könnern auf der Konsole gelingen. Somit eignet sich das Tool für alle Anwender vom Linux-Einsteiger bis hin zum erfahrenen Profi.
Glossar
[1] Asunder: http://littlesvr.ca/asunder/
[2] FreeDB: http://www.freedb.org
[3] MusicBrainz: http://www.musicbrainz.org
[4] Lame: http://lame.sourceforge.net
[5] Vorbis-Tools: http://www.vorbis.com
[6] FLAC:http://flac.sourceforge.net
[7] Cdparanoia: http://www.xiph.org/paranoia/
[8] Libcddb: http://libcddb.sourceforge.net







Juni 2020:
Hallo, der Zugriff auf die Datenbank freedb.org funktioniert nun endgültig nicht mehr. Was sollte ich jetzt bei Asunder in den Einstellungen ändern, damnit ich wieder die CD-Daten erhalte? Danke! JP
Da hast du jetzt aber Glück, dass ich gerade zufällig auch über diesen uralten Artikel stolpere. ;-)
Mit dem Programm Asunder kenne ich mich nicht aus (gibt es das überhaupt noch?), aber du könntest versuchen, eine alternative Datenbank einzustellen. Davon gibt es ja noch einige, wie MusicBrainz, Discogs oder eben die originale CDDB. Wenn es gnudb.org noch gibt, könntest du die auch ausprobieren. :-)