Übersetzungswerkzeug LibreTranslate selbst hosten

Aus LinuxUser 07/2023

Übersetzungswerkzeug LibreTranslate selbst hosten

© Maksym Yemelyanov / 123RF.com

Vielsprachig

Mit LibreTranslate übersetzen Sie Texte und Dokumente lokal auf Ihrem Rechner.

Im Internet stehen Informationen zu allen denkbaren Themenbereichen bereit – viele davon allerdings nicht in Deutsch. Auch die Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern oder die Teilnahme in vielen Online-Foren setzen nicht selten profunde Fremdsprachenkenntnisse voraus.

Es gibt zwar diverse Übersetzungsdienste, doch die meisten davon arbeiten im Hinblick auf die erhobenen Nutzerdaten intransparent. So lässt sich weder einsehen, welche Informationen genau der jeweilige Dienst beim Nutzen des Angebots sammelt, noch, wie lange er sie speichert. Oft aggregieren die Dienste Daten zum Anlegen von Nutzerprofilen. Legen Sie Wert auf Datenschutz und die Souveränität über Ihre eigenen Daten, bleibt nur der Ausweg über eine lokal installierte Lösung.

Technologie

Die Open-Source-API LibreTranslate [1] erlaubt es, Ihren eigenen Übersetzungsdienst zu betreiben. Da die Engine nicht auf Google oder Microsoft Azure basiert, greift sie nicht auf diese Daten zurück. Die LibreTranslate-Bibliotheken stehen unter freien Lizenzen und werden aktiv gepflegt. Als Grundlage dient die freie Argos Translate Library [2]. Auch bei den erhältlichen Linux-Frontends handelt es sich um freie Software. Bei Bedarf lässt sich der Übersetzungsdienst aber auch webbasiert via Browser verwenden.

LibreTranslate erfordert lediglich ausreichend freien Speicherplatz auf der Festplatte. Die mithilfe künstlicher Intelligenz entstandenen und vortrainierten Modelle von 60 Sprachen müssen Sie einmalig aus dem Netz herunterladen.

Installation

Die Übersetzungslösung basiert auf der Programmiersprache Python, die alle gängigen Distributionen mitbringen. Um die installierte Version abzufragen, tippen Sie am Prompt python3 -V. Sollte Python 3 fehlen, installieren Sie es auf Debian-basierten Systemen mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1. Durch Eingabe von pip3 -V stellen Sie fest, ob Pythons Paketmanager Pip bereits an Bord ist. Wenn nicht, holen Sie ihn mit dem Kommando aus der zweiten Zeile an Bord. In einem nächsten Schritt installieren Sie die externe Programmbibliothek NumPy (Zeile 3).

Der Befehl aus der vierten Zeile von Listing 1 richtet LibreTranslate ein. Da die Software größere Datenmengen aus dem Internet bezieht und installiert, dauert die Installation eine Weile. Mithilfe von Pip lassen sich später jederzeit einzelne Sprachmodelle nachziehen oder die Infrastruktur der Software aktualisieren. Durch die permanente Weiterentwicklung erzielt das Programm damit kontinuierlich bessere Übersetzungsergebnisse. Um LibreTranslate auf den aktuellen Stand zu bringen, nutzen Sie das Kommando aus der letzten Zeile des Listings.

Listing 1

Einrichtung

$ sudo apt install python3
$ sudo apt install python3-pip
$ pip3 install numpy
$ pip3 install libretranslate
$ pip3 install --upgrade libretranslate

Start

Nach der Installation aller Pakete wechseln Sie in das Verzeichnis $HOME/.local/bin/ und starten den Übersetzungsdienst mit dem Befehl ./libretranslate. Der erste Start dauert rund eine halbe Stunde, da die Software zunächst alle vorgefertigten Sprachmodelle aus dem Internet bezieht. Die einzelnen Sprachpaare zeigt die App im Terminal untereinander an (Abbildung 1). Anschließend rufen Sie unter http://127.0.0.1:5000 die integrierte Weboberfläche im Browser auf. Sie gelangen nun in die Oberfläche des Diensts, die stark an die gängiger Online-Lösungen erinnert.

Abbildung 1: LibreTranslate lädt beim ersten Start 60 Sprachmodelle herunter, weswegen er mitunter eine halbe Stunde dauert.

Abbildung 1: LibreTranslate lädt beim ersten Start 60 Sprachmodelle herunter, weswegen er mitunter eine halbe Stunde dauert.

Bedienung

Im Eingabefenster geben Sie links einzelne Begriffe oder einen Text in der Ausgangssprache ein. Um Textdateien zu übersetzen, klicken Sie auf Translate Files und danach auf File. Über den Dateibrowser öffnen Sie danach die zu übersetzende Datei. Zu den von der Software unterstützten Dateiformaten gehört neben dem einfachen Textformat auch ODT und ODP, sodass sich Libre- und OpenOffice-Dokumente ohne Konvertierung nutzen lassen.

Die Sprache des Ausgangstexts steht in der Grundeinstellung auf Auto-Erkennung. Sollte diese fehlschlagen, geben Sie die Ausgangssprache manuell an, indem Sie neben Translate from im Auswahlfeld auf das kleine offene Dreieck klicken und die Quellsprache auswählen. Auf die gleiche Weise wählen Sie die Zielsprache rechts daneben im Feld Translate into aus.

Die Software übersetzt danach automatisch den Text (Abbildung 2). Möchten Sie das Ergebnis weiterverarbeiten, befördern Sie es mit einem Klick auf Copy text in die Zwischenablage.

Abbildung 2: Die webbasierte Oberfläche von LibreTranslate funktioniert prinzipiell wie die anderer Übersetzer, etwa DeepL Translator oder Google Translate.

Abbildung 2: Die webbasierte Oberfläche von LibreTranslate funktioniert prinzipiell wie die anderer Übersetzer, etwa DeepL Translator oder Google Translate.

Im Intranet

Da sich die neue LibreTranslate-Instanz zunächst nur auf Ihrem lokalen Rechner nutzen lässt, empfiehlt es sich, die Software mithilfe einer fest vorgegebenen Host-Adresse aufzurufen. Dabei ermitteln Sie zunächst die IP-Adresse Ihres Rechners und rufen die Software dann mit dem Befehl ./libretranslate --host IP-Adresse auf. Jetzt lässt sich der Übersetzungsdienst von jedem Computer über die IP-Adresse auf Port 5000 ansprechen. Es empfiehlt sich außerdem, den Host-Computer mit einer statischen IP-Adresse zu versehen.

Der Startbefehl lässt sich mit zahlreichen weiteren Parametern kombinieren. So ersetzen Sie beispielsweise mit --port Nummer den voreingestellten Port 5000 durch einen anderen. Um die maximale Textlänge zu beschränken, verwenden Sie den Parameter --char-limit Anzahl. Welche Parameter die Software noch unterstützt, erfahren Sie auf der Github-Seite des Projekts [3].

Qualität

Das vom Kölner Unternehmen DeepL entwickelte gleichnamige Übersetzungswerkzeug gilt als die bislang akkurateste Lösung zum Übersetzen von Texten [4]. Wir haben daher DeepL Translator und eine selbst gehostete Instanz von LibreTranslate mit mehreren englisch- und deutschsprachigen Texten getestet und miteinander verglichen. Dabei stachen im direkten Vergleich teils erhebliche Unterschiede ins Auge. So zeigten sich bei der Übersetzung eines IT-Fachtexts von Deutsch nach Englisch nur relativ geringe Unterschiede. Auch in umgekehrter Richtung liegen beide Lösungen auf nahezu identischem Niveau (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Unterschiede zwischen der DeepL-Übersetzung (links) und LibreTranslate (rechts) fallen bei IT-Fachtexten nur marginal aus.

Abbildung 3: Die Unterschiede zwischen der DeepL-Übersetzung (links) und LibreTranslate (rechts) fallen bei IT-Fachtexten nur marginal aus.

Demgegenüber fielen beim Übersetzen allgemeiner und belletristischer Texte deutlichere Unterschiede auf. Insbesondere bei idiomatischen Ausdrücken, aber auch bei zweideutigen Begriffen musste sich LibreTranslate den Übersetzungskünsten von DeepL geschlagen geben. Zwar sind die übersetzten Texte auch hier in der Zielsprache noch verständlich, aber für grammatikalisch vollständig korrekte und stilistisch anspruchsvollere Textausgaben kommen Sie nicht um ein manuelles Nachbearbeiten herum. DeepL liefert hier häufiger nahezu druckreife Ergebnisse (Abbildung 4).

Abbildung 4: Bei allgemeinen Texten fällt LibreTranslate (rechts) gegenüber DeepL (links) zurück, ist aber nach wie vor verständlich.

Abbildung 4: Bei allgemeinen Texten fällt LibreTranslate (rechts) gegenüber DeepL (links) zurück, ist aber nach wie vor verständlich.

Möchten Sie sich von den Qualitäten der freien Übersetzungssoftware vorab ein Bild machen, empfehlen wir den Online-Übersetzer des Projekts [5].

Fazit

Mit einer selbst gehosteten Instanz von LibreTranslate übersetzen Sie Texte jeder Länge, ohne dass Dritte dabei Daten sammeln. Die Installation gestaltet sich zwar zeitaufwendig, ist jedoch einfach und in wenigen Schritten erledigt.

Das Tool unterstützt zahlreiche Sprachen und ist dank KI-gestützter Sprachmodelle in der Lage, in den gängigen Weltsprachen ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Die Resultate liegen kaum hinter denen von Anbietern wie Google Translate oder dem Microsoft Translator zurück. Dem Technologieführer DeepL muss sich die freie Übersetzungsmaschine jedoch geschlagen geben.

Trotzdem empfehlen wir LibreTranslate, da es auch umfangreiche Texte schnell und verständlich übersetzt, während kommerzielle Dienste ihre webbasierten Leistungen auf zumeist wenige Tausend Zeichen begrenzen. (tle)

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