Über das GTK-4-Frontend Conjure bedienen Sie ImageMagick bequem per grafischer Oberfläche. Der größte Vorteil allerdings liegt in der Vorschau im A/B-Vergleich.
Im Grunde ist Conjure ein Befehl von ImageMagick, mit dem man Skripte in der nativen, XML-basierten Skriptsprache Magick Scripting Language (MSL) ausführt. Übersetzt heißt der Begriff so viel wie “zaubern” oder “hexen”. Im Vergleich zu ImageMagick im Terminal wirkt das Desktop-Programm Conjure [1] tatsächlich wie Zauberei, denn Befehle und Attribute tippen Sie nicht als Text ein, sondern bedienen das grafische Frontend per Maus.
Der Maintainer nate-xyz empfiehlt die Installation als Flatpak (Listing 1, erste Zeile). Anschließend starten Sie das Programm über die Programmbibliothek oder den Terminal-Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 1.
Listing 1
Installation und Aufruf
$ flatpak install flathub io.github.nate_xyz.Conjure $ flatpak run io.github.nate_xyz.Conjure
Das zu bearbeitende Bild laden Sie entweder über einen Knopf in der Kopfzeile oder holen es einfach per Drag & Drop aus dem Dateimanager. Anschließend suchen Sie sich eines der verschiedenen ImageMagick-Kommandos aus einem Ausklappmenü aus. Je nach Befehl öffnet sich daneben eine Reihe von Feldern zur Eingabe der erforderlichen Parameter, die Sie im Terminal nur über die Online-Hilfe (--help) oder die Manpage herausgefunden hätten. Auf diese Weise gehen kleine und große Veränderungen am Bild schnell von der Hand, ohne gleich Gimp nutzen zu müssen.
Vorteile
Die große Stärke von Conjure offenbart sich in der direkten Vorschau (Abbildung 1), die das Resultat des ausgewählten Befehls Seite an Seite mit dem Originalbild zeigt.
Die Parameter der jeweiligen Magick-Programme müssen Sie nach wie vor als Zahlen per Hand eintragen oder nutzen dazu die zugehörigen Plus-Minus-Knöpfe. Nachdem Sie den Fokus aus einem Eingabefeld herausgenommen haben, aktualisiert sich die Vorschau. Damit ist der größte Nachteil des terminalbasierten ImageMagick Geschichte: Einen Zwischenexport braucht es nicht mehr.
Die verschiedenen Arbeitsschritte lassen sich über Apply in einer Art History ablegen und später mit einem Klick wieder abrufen (Abbildung 2). Auch das erleichtert die Arbeit deutlich. Entspricht das Ergebnis der Modifikationen Ihren Vorstellungen, exportieren Sie es zu guter Letzt über einen Mausklick auf Save.

Abbildung 2: Arbeitsschritte speichern Sie via Apply und rufen sie bei Bedarf später mittels Mausklick wieder ab.
Nachteile
Einige fortgeschritten Effekte aus ImageMagick funktionieren mit Conjure nicht, etwa der in LU 01/2023 im Workshop “Bildmagie” beschriebene Watermark-Effekt [2]. Das liegt daran, dass Sie in Conjure nur einzelne Bilder bearbeiten können. Zudem gibt es aktuell keine Batch-Funktion. Damit fallen zwei der großen Vorteile von ImageMagick weg.
Die Entwicklung von Conjure ist erst im Februar 2023 gestartet, weshalb das Programm noch als Alpha-Version gilt. Im Test traten bei einzelnen Parametereinstellungen Fehler bei der Vorschau auf, die sich auch beim Export fortsetzten. Dank der Vorschaufunktion ließen sie sich jedoch immerhin schnell beseitigen. Abstürze gab es auf dem Testsystem unter Debian “Sid” nicht.
Fazit
Das in Python geschriebene Conjure basiert auf den GTK-4- beziehungsweise Libadwaita-Bibliotheken und unterliegt der GPLv3-Lizenz. Damit fügt sich die freie Software hervorragend in den Gnome-Desktop ein. Sie erleichtert die Bedienung der ImageMagick-Suite deutlich. Sobald das Programm die nötige Reife erreicht hat, sollte das Gnome-Projekt in Erwägung ziehen, Conjure als Gnome-Grundprogramm und Grafikzusatz für die integrierte Bildvorschau fest in den Desktop einzubinden. (csi)
Der Autor
Claudius Grieger (https://cgrieger.org) ist freier Autor und Content Creator. Er liebt es, wenn Programme leichter zugänglich werden.
Infos
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Conjure: https://github.com/nate-xyz/conjure
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ImageMagick: Claudius Grieger, “Bildmagie”, LU 01/2023, S. 74, https://www.linux-community.de/48609






