Nextcloud Hub 3 und seine neuen Funktionen im Test

Aus LinuxUser 01/2023

Nextcloud Hub 3 und seine neuen Funktionen im Test

© ndjohnston / 123RF.com

Komfortabel intelligent

Nextcloud Hub 3 rundet viele Ecken ab, und das nicht nur beim Design: Das Motto lautet digitales Wohlbefinden für die Nutzer.

Seit der Abspaltung von Owncloud im Jahr 2016 hat sich Nextcloud als freie Alternative zu proprietären Anwendungen wie Dropbox, Microsoft OneDrive, Google Drive und ähnlichen Diensten etabliert. Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Regierungsstellen und NGOs vor allem in Deutschland und den USA setzen die Software ein [1]. Laut Schätzung von Nextcloud lagen die Nutzerzahlen bereits 2018 bei über 20 Millionen, verteilt auf Hunderttausende Nextcloud-Server.

Das Vorhalten von Daten wie Dokumenten, Bilder und Videos, deren Austausch und das gemeinsame Bearbeiten bleibt bei Nextcloud unter der Kontrolle des Anwenders, ob für die private oder geschäftliche Nutzung bei einem kommerziellen Anbieter von Nextcloud oder auf einer selbst gehosteten Instanz. Dabei ist Nextcloud plattformübergreifend und bietet Clients für Linux, MacOS, Windows, Android und iOS. Der angegliederte App-Store mit offenem Protokoll enthält über 250 Apps, mit denen Sie die Grundfunktionen erweitern.

Die Software arbeitet nach dem Client-Server-Prinzip und lässt sich online im Browser, per Client oder im Dateimanager auf der jeweiligen Plattform bedienen. Seit Nextcloud 18 vom Februar 2020 nennt sich die Software Nextcloud Hub, was sich am treffendsten mit Drehscheibe oder Knotenpunkt übersetzen lässt. Mit diesem Schritt hat sich die Kollaborationssoftware von einer bloßen Werkzeugsammlung hin zu einer mehr integrierten Groupware-Lösung entwickelt, die Office-Features, Kalender, Webmailer und Videochat bereits im Kern mitbringt, statt sie wie bisher über teils aufwendig zu installierende Apps anbietet. Zudem bekommen Nutzer mit Nextcloud Flow ein Werkzeug an die Hand, das Arbeitsabläufe automatisieren kann.

Nextcloud Hub 3

Anfang Oktober wurde im Rahmen der Nextcloud Conference 2022 in Berlin der aktuelle Nextcloud Hub 3 (Nextcloud 25) vorgestellt. Die neue Version liefert ein längst überfälliges neues Design unter dem Motto “digital well-being”. Die Software will nicht nur funktional überzeugen, der Anwender soll sich bei der Arbeit in der Oberfläche auch wohlfühlen. Zu dieser Komfortanmutung tragen nicht nur die neuen abgerundeten Formen bei. Der bisher nur für das Dashboard verfügbare persönliche Hintergrund (Abbildung 1) dehnt sich ab sofort diskret auf alle Apps aus (Abbildung 2). In den Einstellungen wählen Sie dazu unter Erscheinungsbild**& Barrierefreiheit aus verschiedenen Hintergründen Ihren Favoriten aus.

Abbildung 1: Nextcloud Hub 3 bietet verschiedene Hintergründe nicht nur für das Dashboard, sondern auch für verschiedene Apps.

Abbildung 1: Nextcloud Hub 3 bietet verschiedene Hintergründe nicht nur für das Dashboard, sondern auch für verschiedene Apps.


Abbildung 2: Die farbigen Hintergründe halten sich in der Hauptansicht im Hintergrund, setzen aber einen freundlichen Akzent.

Abbildung 2: Die farbigen Hintergründe halten sich in der Hauptansicht im Hintergrund, setzen aber einen freundlichen Akzent.

Das Nextcloud-Team hat sich aber nicht mit der visuellen Überarbeitung begnügt, obwohl diese in weitere aktualisierte Komponenten wie Photos 2.0 oder Mail 2.0 hineinspielt. Hinzu kommen Leistungsverbesserungen, die sich beim Laden von Dokumenten und vor allem in der Foto-App beim Umgang mit großen Bildbeständen zeigen.

Darüber hinaus beschleunigte das Entwicklerteam eine bei Nextcloud im Hintergrund ständig aktive Funktion namens propfind. Dabei handelt es sich, verkürzt ausgedrückt, um die Synchronisation zwischen Client und Server. Hier sinkt die Zahl der Datenbankabfragen um rund ein Viertel, was die Last auf den Server mindert und die Geschwindigkeit erhöht. Insgesamt führen die Verbesserungen der Leistung außerdem zu einem spürbar schnelleren Wechsel zwischen einzelnen Komponenten innerhalb von Nextcloud.

Photos 2.0

Die Bildverwaltung hat mit dem Schritt zu Version 2 neben einer besseren Performance einige häufig gewünschte Funktionen hinzugewonnen. Zunächst fällt das neu gestaltete Kachellayout bei der Darstellung der Fotos auf. Die Seitenleiste der App zeigt ebenfalls neue Einträge. So organisieren Sie Ihre Fotos nun in Alben und teilen sie mit anderen. Bilder können in mehreren Alben auftauchen. Über einen öffentlichen Link nutzen Freunde und Verwandte die Fotos und fügen eigene hinzu (Abbildung 3).

Abbildung 3: Photos 2.0 markiert einen großen Fortschritt bei der Fotoverwaltung. Unter anderem lassen sich Bilder nun in Ordnern sortieren und mit anderen teilen.

Abbildung 3: Photos 2.0 markiert einen großen Fortschritt bei der Fotoverwaltung. Unter anderem lassen sich Bilder nun in Ordnern sortieren und mit anderen teilen.

Außerdem bringt Photos 2.0 einfache Bildbearbeitungsfunktionen und Filter mit, die in vielen Fällen den Einsatz einer eigenständigen Bildbearbeitung ersparen. Zu den integrierten Funktionen zählen oft verwendete Schritte wie das Ändern der Größe, das Zuschneiden, das Rotieren und das Spiegeln. Zusätzlich erlauben Filter, die Fotos zu manipulieren (Abbildung 4).

Abbildung 4: Bildbearbeitung fehlte bisher völlig im Repertoire der App Photos. Mit Version 2.0 hat sie dafür rudimentäre Funktionen erhalten.

Abbildung 4: Bildbearbeitung fehlte bisher völlig im Repertoire der App Photos. Mit Version 2.0 hat sie dafür rudimentäre Funktionen erhalten.

Als weiteres Highlight findet sich in der neu gestalteten Foto-App eine KI-gestützte Gesichts- und Objekterkennung. Das automatische Erkennen und Markieren von Gesichtern, Fahrzeugen, Bäumen, Nahrung und vielem mehr findet direkt auf dem Server statt, wobei ein neuronales Netzwerk auf der Basis von Tensorflow zum Einsatz kommt (Abbildung 5). Entsprechend fließen keine Daten an Dritte ab.

Abbildung 5: Die KI-gestützte Erkennung von Gesichtern und anderen Objekten müssen Nutzer in den Einstellungen aktivieren.

Abbildung 5: Die KI-gestützte Erkennung von Gesichtern und anderen Objekten müssen Nutzer in den Einstellungen aktivieren.

Dazu müssen Sie die App Recognize [2] herunterladen und anschließend in den Administratoreinstellungen unter dem gleichnamigen Menüpunkt aktivieren. Verwalten Sie mit Nextcloud Hub 3 eine Musiksammlung, erkennt die KI so auch die jeweiligen Musik-Genres. Die technischen Hintergründe dieser unter ethischen Gesichtspunkten kritisch zu hinterfragenden Erkennungsfunktion fasst der Entwickler auf der Nextcloud-Webseite zusammen [3].

Mail 2.0

Die App für den Versand und Empfang von E-Mails erfuhr in mehrerlei Hinsicht eine Aufwertung. Mail 2.0 glänzt laut seiner Entwickler mit verbesserter Leistung und profitiert daneben von einer aktualisierten Benutzeroberfläche mit leicht zugänglichen Schnellaktionen am oberen rechten Rand. Außerdem gibt es eine Vorschau der E-Mail-Inhalte in der Seitenleiste (Abbildung 6), einen auf drei Schritte optimierten Assistenten für das Einrichten von Konten und integrierte Unterstützung für das Beantworten von Kalendereinladungen. PDFs lesen Sie ab sofort direkt, ohne sie herunterzuladen. In diesem Zusammenhang hat Nextcloud zudem die Kalender-App angepasst, die nun eine verbesserte Terminbuchung sowie duplizierte Events bietet (Abbildung 7).

Abbildung 6: Die Benutzerschnittstelle von Mail 2.0 wirkt moderner und erhielt zusätzliche Funktionen beim Erstellen von E-Mails.

Abbildung 6: Die Benutzerschnittstelle von Mail 2.0 wirkt moderner und erhielt zusätzliche Funktionen beim Erstellen von E-Mails.


Abbildung 7: Der Kalender verfügt über eine übersichtlichere, an das verwendete Thema farblich angepasste Darstellung.

Abbildung 7: Der Kalender verfügt über eine übersichtlichere, an das verwendete Thema farblich angepasste Darstellung.

Nextcloud Talk

Eine für die Zusammenarbeit mehrerer Benutzer wesentliche Komponente ist Nextcloud Talk. Die Software für Chats und Audio- oder Videocalls ist nun auf Wunsch zurückhaltender bei Benachrichtigungen und bringt einen automatischen Nicht-stören-Modus mit. So können Sie Anrufe starten oder Nachrichten senden, die keine Benachrichtigungen generieren. Nachrichten lassen sich mit einem Verfallsdatum versehen. Zusätzlich können Sie mit Nextcloud Talk in der aktuellen Version Umfragen entwerfen und umsetzen.

Zu den Hauptanliegen von Nextcloud gehören der Schutz der Privatsphäre, die Unversehrtheit der Daten und die Compliance im Unternehmen, also das Einhalten der gesetzlichen Vorschriften. All das hängt von der Sicherheit der Software ab, und dabei spielt Verschlüsselung eine wichtige Rolle. Für Nextcloud Hub 3 hat das Team die server- und clientseitige Verschlüsselung optimiert. Serverseitig reduziert sich der Platzbedarf dabei um rund 30 Prozent. Bei der clientseitigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E) führt das Senken der Zahl notwendiger Datenbankabfragen zu einer spürbaren Beschleunigung. Zudem verbesserte Nextcloud das Schlüsselmanagement. Ein Administrator kann in der neuen Version festlegen, welche Clients und welche User E2E nutzen dürfen.

In Nextcloud Hub 3 findet sich eine Vielzahl weiterer Verbesserungen, die die neue Version zu einem innovativen Release machen. So haben die Entwickler etwa die Karten-App Maps dahingehend erweitert, dass sie Fotos auf den Karten lokalisieren kann (Abbildung 8). Weitere Einzelheiten zu den vielen kleinen Fortschritten hin zu mehr Komfort bei der Arbeit mit Nextcloud Hub sehen Sie in einem ausführlichen Vorstellungsvideo von der Nextcloud Konferenz [4].

Abbildung 8: Die Karten-App Maps ist in der überarbeiteten Version in der Lage, Bilder aus der App Photos Orten in der Karte zuzuordnen.

Abbildung 8: Die Karten-App Maps ist in der überarbeiteten Version in der Lage, Bilder aus der App Photos Orten in der Karte zuzuordnen.

Die Installation auf dem eigenen Server ist für viele Distributionen im Internet ausführlich beschrieben. Allerdings sollten Sie hier darauf achtgeben, eine möglichst aktuelle Anleitung zu verwenden. Downloads sowohl für Desktop- und Mobile-Clients als auch für Server finden Sie auf der Projekt-Webseite [5]. Zum Ausprobieren steht dort ein All-in-one-Paket (AIO) für virtuelle Maschinen zur Verfügung. Wer sich mit Docker anfreunden kann, stößt im Docker-AIO auf eine einfache Installationsmöglichkeit, bei der die meisten Funktionen nach dem Aufsetzen bereits vorhanden und aktiviert sind [6]. Falls Sie den Aufwand eines eigenen Servers scheuen, wählen Sie im Netz einfach einen passenden Nextcloud-Hoster aus.

Fazit

Nextcloud entwickelt sich mit Hub 3 weiter in Richtung einer integrierten Groupware-Lösung, die sich über das reichhaltige App-Angebot rundum ausbauen lässt. Die neue Version liefert nicht nur heiß ersehnte Funktionen, sondern verpackt alles in eine gefälligere Oberfläche mit mehr individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist, dass trotz der Erweiterung der durch künstliche Intelligenz und Machine Learning unterstützten Funktionen keine Daten den Server verlassen; alles bleibt weiterhin unter Ihrer Kontrolle.

Insgesamt präsentiert sich Nextcloud Hub 3 als großer Wurf, der viele lose Enden verbindet. Das Ergebnis wirkt besser integriert und insgesamt runder als bisher. Nextcloud nähert sich dem Ziel des digitalen Wohlbefindens mit Hub 3 zweifelsfrei ein gutes Stück an. (csi)

Glossar

Tensorflow

Ein Framework für maschinelles Lernen, mit dessen Hilfe sich verschiedene Machine-Learning-Modelle erstellen lassen.

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