Datenbankprogramm Tellico 1.3 im Test

Aus LinuxUser 05/2008

Datenbankprogramm Tellico 1.3 im Test

Ordnung!

Tellico ist das Werkzeug der Wahl für Jäger und Sammler: Durch Ordnen und Katalogisieren hilft es, die Objekte der Leidenschaft im Blick zu behalten.

Optimalerweise verrichtet der Computer ohne Murren seine Dienste im Haushalt. Zu denen gehört traditionell auch das Archivieren und Verwalten der Video-DVDs oder zahllosen Briefmarken aus aller Welt. Nun gibt es Datenbankprogramme für alle möglichen vorgefertigten Einsätze zuhauf: für das heimische Bücherregal die Literaturverwaltung, für die Küche die Rezeptdatenbank – doch nie für die geliebte Modelleisenbahnhängersammlung oder die seltenen Schmetterlingsexponate. Auch möchte der sammelnde Computerfreund weder zu jedem Thema ein neues Programm studieren, noch mag er sich in die Komplexität echter Datenbankprogramme einarbeiten – was für seine bescheidenen, aber wichtigen Datensätze auch überdimensioniert wäre.

An dieser Stelle setzt die datenbankähnliche Verwaltungssoftware Tellico [1] an. Unseren Lesern kommt das Programm eventuell bekannt vor, denn wir berichteten bereits 2003 über die Vorgängerversion Bookcase und 2006 über die damalige Programmversion. Anfang 2008 ist nun die aktuelle Version 1.3 erschienen: Grund genug, die Fortschritte der sammelwütigen Software erneut zu begutachten.

Installation

Als Musterbeispiel einer erfreulich problemlosen Installation wartet Tellico nicht nur mit dem obligatorischen, aber gut gepflegten Quellcode auf, die Entwickler bieten zusätzlich fertige Binärpakete für alle wichtigen Distributionen. Mandriva, Debian und Gentoo haben das Programm bereits in die Repositories eingepflegt. Unter OpenSuse bemühen Sie den KDE-Backports-Ordner [2], um an ein Paket für die aktuellen Chamäleon-Derivate zu gelangen.

Tellico nutzt als reine KDE-Applikation Qt ab Version 3.3 und KDE 3.3.1 oder höher. Die benötigten Pakete libxml2, libxslt, sowie taglib, libkcddb, libkcal, yaz2 oder yaz3 (OpenSuse: libyaz) und python sind für gewöhnlich bereits auf dem Computer installiert. Falls nicht, fordert das Tellico-Paket sie an, sofern die Distribution das unterstützt. Selbstverständlich übersetzen Sie über ./configure && make && sudo make install die Quellen auch selbst. Achten Sie dabei auf die nötigen Devel-Pakete der genannten Abhängigkeiten.

Gut eingerichtet

Ein erster Start der Software präsentiert Ihnen ein klassisches dreigeteiltes Fenster (Abbildung 1). Die geladene Datenbankvorlage Meine Bücher erlaubt den sofortigen Start. Klicken Sie entweder auf das Buch-Icon, um über eine Eingabemaske selbst ein neues Werk der Datenbank hinzuzufügen, oder nutzen Sie die neu implementierte Internetabfrage. Die Suche über ISBN.com funktionierte zwar bei keinem der Bücher im Test, dafür war jedoch der Suchmodus mit Amazon.com sehr hilfreich. Tellico beherrscht aber das neue ISBN-Format noch nicht, bei dem allen Einträge Nummer mit 978 beginnen. Das System vermeidet ein X in der Prüfsumme. Geben Sie ISBN-Nummer daher nach der alten Schreibweise ein.

Abbildung 1: Tellico begrüßt Sie mit einem übersichtlichen Fenster, welches sofort zum Eingeben der persönlichen Bücher einlädt.

Abbildung 1: Tellico begrüßt Sie mit einem übersichtlichen Fenster, welches sofort zum Eingeben der persönlichen Bücher einlädt.

Um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit zuerst auf die Einstellungsdialoge, die Sie unter Einstellungen | Tellico einrichten finden. Im Abschnitt Datenquellen markieren Sie den Eintrag Amazon (USA) und klicken auf Ändern. Im darauf erscheinenden Dialog wählen Sie bei Land:Deutschland aus und entfernen der richtigkeithalber in Name der Quelle noch das (USA).

Kehren Sie nun zur Internetsuche zurück und wählen die Suchweise aus. Die Vorlage Meine Bücher erlaubt das Stöbern über ISBN-Nummern, Titeln, Autoren (hier als Person übersetzt) oder über Schlüsselbegriffe. Wählen Sie ISBN, setzt Tellico übrigens die Bindestriche selbstständig zwischen die Zahlen.

Suchergebnisse schicken Sie mit einem Mausklick (Eintrag hinzufügen) in Ihre Datenbank oder rufen diese direkt über einen Link auf Amazon.de auf (Abbildung 2). Informationen, wie Seitenzahl, Herausgeber, Verlag oder Einband, übernimmt die Software dabei genauso selbstverständlich wie eventuell bei Amazon hinterlegte Kommentare oder Bucheinführungen inklusive Coverbild. Einfacher und kompletter richten Sie keine Datenbank ein. Online-Datenbanken zum Befüllen der DVD- oder Schallplattensammlungen stehen in Form der Internationalen Filmdatenbank (IMDB) respektive von Yahoo Music ebenfalls bereit.

Abbildung 2: Die neue Internetsuche erleichtert das sonst sehr mühselige Befüllen der eigenen Datensätze.

Abbildung 2: Die neue Internetsuche erleichtert das sonst sehr mühselige Befüllen der eigenen Datensätze.

Die Borger

Eine nette Verleihfunktion bauten die Entwickler gleich mit ein. Über den Menüpunkt Sammlung | Ausleihen rufen Sie den entsprechenden Dialog auf, der auf das KDE-Adressbuch und die Kalender-Software zurückgreift (Abbildung 3). Damit wählen Sie bekannte Personen per Mausklick aus und tragen in den aktiven KDE-Kalender eine Erinnerungsnotiz an die Rückgabe des Buches oder der DVD ein.

Sobald ein Sie bei einem Datenbankeintrag das entsprechende Stück als entliehen markieren, erscheint der neue Gruppenreiter Verliehenes. Um das Buch zurückzuführen, wählen Sie Sammlung | Zurückgeben. Markieren Sie zuvor das betreffende Objekt in der Liste Verliehenes. Tellico trägt das Buch aus und entfernt das Häkchen sowie den Kalendereintrag wieder.

Abbildung 3: Auch an eine Ausleihfunktion haben die Entwickler gedacht und sie eng mit den Möglichkeiten von KDE verbunden.

Abbildung 3: Auch an eine Ausleihfunktion haben die Entwickler gedacht und sie eng mit den Möglichkeiten von KDE verbunden.

Am Beispiel der Verleihfunktion tritt eines der wenigen Mankos der Software zutage: Fenstergrößen und -bereiche passen oft nicht. Das macht es notwendig, manches Fenster aufzuziehen oder zu scrollen, um den Buchtitel anzuzeigen.

Tellico anpassen

Fehlt Ihnen trotzdem eine Option oder vermissen Sie eine Angabe, hilft Tellico weiter: Ein Doppelklick auf ein eingetragenes Werk öffnet dessen Bearbeitungsmaske. Vervollständigen Sie hier die gewünschten Daten. Fehlt Ihnen ein Feld komplett, klicken Sie auf das Icon Sammlungsfelder modifizieren in der Werkzeugleiste.

Der Schalter Neu erstellt ein neues Feld, welches Sie im rechten Dialogteil einrichten. Geben Sie dem Feld einen Namen und bestimmen Sie den Typ des Feldes. In unserem Beispiel (Abbildung 4) verlangt das Feld nach dem Typ Bewertung. Die Kategorie bezeichnet den Kartenreiter im Eingabedialog. Der passende Abschnitt wäre hier Privat. Unter Erweiterte Eigenschaften bestimmen Sie, wieviele Sterne am Ende die Bewertungsskala darstellen.

Abbildung 4: Problemlos erweitern Sie die Datenmasken und passen sie so Ihren Bedürfnissen an.

Abbildung 4: Problemlos erweitern Sie die Datenmasken und passen sie so Ihren Bedürfnissen an.

Wenn Sie ein Feld erstellen, das dem Typ Auswahl folgt, bestimmen Sie unter Erlaubte Werte die Auswahlmöglichkeiten, falls Sie diese begrenzen wollen. Die Einträge trennen Sie mit einem Semikolon und einem Leerzeichen. Um den Geruch eines Buches zu klassifizieren, geben Sie also klar; belegt; staubig; muffig oder andere Vorgaben im Feld Erlaubte Werte ein.

Es ist beispielsweise angebracht, das voreingestellte Feld Gattungen auf diese Weise zu modifizieren. Um zu vermeiden, dass später die Gattungen Romantisch, Romantisches und Romantik der Bücherliste die Übersichtlichkeit rauben, legen Sie einfach Ihre Vorstellungen von Gattungsbzeichnungen fest, sodass nur noch diese bereit stehen. Die Formatieroptionen bestimmen den Umgang mit Pronomen wie “Der”, “Die” oder “Das” als Namensbestandteil. Die Feldoptionen erlauben zum Beispiel, dass ein Feld im linken Programmfenster auch als Gruppe fungieren darf. So sortieren Sie die Buchbestände zum Beispiel nach Erscheinungsjahr oder Seitenzahl.

Das Einrichten einer Eingabemaske zeigt sich erfreulich übersichtlich und simpel. Die Programmierer verstecken die komplizierten Interna einer Datenbank und erlauben nur den Blick auf die Eingabe-Elemente. Auf diese Weise richten Sie komplett eigene Sammlungen ein, für die Tellico keine passende Vorlage mitliefert.

Wählen Sie hierfür den Menüeintrag Datei | Neu | Neue benutzerdefinierte Sammlung aus. Lediglich das Feld Titel finden Sie bereits in der Eingabemaske. Über die Tastenkombination [Strg]+[R] geben Sie der Sammlung einen Namen. [Strg]+[U] öffnet den bekannten Einrichtungsdialog für Datenbankfelder. Befüllen Sie zuerst den ersten Kartenreiter Allgemein mit den wichtigsten Eigenschaften, die Sie zusammentragen wollen. Für einen weiteren Kartenreiter, auf dem Sie zweitrangige Merkmale eintragen, ändern Sie den Namen der Kategorie.

Die verschiedenen Feldtypen ergänzten die Programmierer seit unserem letzten Blick auf Tellico [3] um eine Bewertungsmöglichkeit mit Sternchen. Eine Übersicht bietet die Tabelle “Feldfunktionen”. Die Datentypen Absatz und Tabelle erstellen selbständig einen neuen Reiter. Kommentarfelder in einen bestehenden Reiter zu implementieren erlaubt das Programm nicht. Ein Klick auf Anwenden übernimmt Ihre neuen Datenfelder (Abbildung 5).

Abbildung 5: Im Handumdrehen erstellen Sie sich mit Tellico eigene Eingabemasken zum Verwalten Ihrer Kanarienvögel.

Abbildung 5: Im Handumdrehen erstellen Sie sich mit Tellico eigene Eingabemasken zum Verwalten Ihrer Kanarienvögel.

Feldfunktionen

Datentyp Funktion Besonderheiten
Einfacher Text formatierbarer Text ohne Zeilenumbruch für Titel, Bezeichnungen etc.
Absatz formatierbarer Text mit möglichem Zeilenumbruch für Kommentare, Notizen etc.; erstellt einen neuen Reiter
Auswahl Dropdownmenü mit definierten Einträgen erfordert Einträge in Erlaubte Werte und Standardwerte
Checkbox Kasten mit auswählendem Häkchen für enthalten/nicht enthalten-Entscheidungen
Nummer Kasten für Zahlenwerte Eingabe von Anzahleigenschaften, Nummerierungen
URL erstellt Link auf Datei oder Internetadresse zum Verknüpfen auf Dateien; auch über Konqueror auszuwählen
Datum Eingabe im Datumsformat tt.mm.jjjj (KDE-Einstellung) erlaubt Datumsauswahl im KDE-Kalender
Tabelle Eingabe von Daten in Listenform erstellt neuen Reiter; weitere Funktionen im Kontextmenü der Tabelle
Bild Einfügen einer Grafikdatei benutzt Konqueror zur Dateisuche
Bewertung vordefinierte Anzahl an Sternen erfordert Minimum/Maximum-Einträge in Erweiterte Eigenschaften
Abhängig nicht veränderliche Daten anderer Felder benutzt Beschreibung, um Abhängigkeiten zu erstellen

Übersicht bewahren

Neben der Suchfunktion (Abbildung 6), die KDE-Anwender aus KMail und anderen Anwendungen kennen, hilft Tellico mit diversen Sammlungsberichten die Übersicht zu wahren. So erstellen Sie über das Icon Erzeuge Sammlungsberichte Übersichten in verschiedenen Formaten, wie Dreispaltig, Gruppenansicht und Spaltenansicht, oder generieren eine Übersichtsliste der verliehenen Sammelobjekte.

Abbildung 6: Die umfassende Suche erlaubt das Filtern eines jeden Datenfeldes mit Und/Oder-Verknüpfungen.

Abbildung 6: Die umfassende Suche erlaubt das Filtern eines jeden Datenfeldes mit Und/Oder-Verknüpfungen.

Möchten Sie die Listen beispielsweise im Internet veröffentlichen, speichern Sie die Daten einfach als HTML-Seite ab (Abbildung 7). Als besonderes Gimmick versieht Tellico die Listen noch mit einer Suchfunktion, die den gesuchten Eintrag extrahiert.

Abbildung 7: Tellico erstellt nach Ihren Vorgaben Listen und speichert diese in HTML ab.

Abbildung 7: Tellico erstellt nach Ihren Vorgaben Listen und speichert diese in HTML ab.

Beeindruckend wirken auch die umfangreichen Importmöglichkeiten von Datensätzen. Selbst Audio-CDs oder PDF-Dateien liest Tellico ein und archiviert diese in der passenden Sammlung. Füllte sich in den letzten Jahren die Festplatte mit PDF-Dateien aller Art? Tellico liest diese ein und erlaubt verschiedenste Zusatzangaben zum Dokument inklusive einer Ansicht der ersten Seite zwecks übersichtlichen Archivierens.

Auf der Exportseite schreibt das Programm seine Daten in CVS-Dateien, als HTML, in das Pilot-Datenbankformat PDB der beliebten Palm-Handhelds und Smartphones sowie etliche andere Formate wie Bibtex oder XML. Zu jeder Exportvariante bietet Tellico noch einen angepassten Dialog.

Fazit

Die Datenbankverwaltung Tellico präsentiert sich als solider Archivar für alle denkbaren Zwecke. Die durchdacht aufgebauten Vorlagen erleichtern den schnellen Einstieg in die Software erheblich. Das Erstellen eigener Datenmasken erweist sich als unkompliziert und darf sich zurecht äußerst benutzerfreundlich nennen. Ein deutsches Handbuch und mehr Professionalität im Layout der Programmfenster wären für Version 1.4 trotzdem wünschenswert.

Infos

[1] Tellico: http://www.periapsis.org/tellico/

[2] OpenSuse-Backports: http://download.opensuse.org/repositories/KDE:/Backports/

[3] Tellico-Rezension: Frank Wieduwilt “Sammelwut”, LinuxUser 06/2006, S. 57 http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/06/057-tellico/

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