Vier kommerzielle Hoster für Nextcloud im Vergleich

Aus LinuxUser 09/2021

Vier kommerzielle Hoster für Nextcloud im Vergleich

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Dienstleistung

Es gibt Hoster, die Nextcloud als Komplettpaket anbieten. Ein Vergleich lohnt sich, denn die Angebote sind oft nicht teurer als ein eigener Raspberry Pi.

Der eigene File-Server, der Angebote wie Dropbox, Microsoft OneDrive oder Google Drive überflüssig macht, ist nicht nur deshalb für viele sehr interessant, weil man auf praktisch unbegrenzte Speicherkapazitäten zurückgreifen kann. In der heutigen Zeit stehen besonders der Datenschutz und die Hoheit über die eigenen Daten im Vordergrund.

Die Open-Source-Lösung Nextcloud hat sich dabei als ein leistungsfähiger Standard etabliert. Sie bringt nicht nur Fileserver-Funktionen mit, sondern bietet mittlerweile eine vollständige Collaboration- und Groupware-Platform mit Video-Chat, Gruppenkalendern, Kontaktverwaltung und vielem mehr (Abbildung 1).

Der Funktionsumfang lässt sich durch Apps mit wenigen Klicks erweitern, sodass Sie mit Nextcloud bei Bedarf auch Bilderdatenbanken, OCR-Funktionen oder Wikis realisieren. Vorhandene E-Mail-Postfächer lassen sich per IMAP einbinden und direkt in der Nextcloud-Oberfläche nutzen.

Abbildung 1: Bei intensiver Nutzung sammeln sich auf dem Nextcloud-Server viele wichtige Daten an. Diese sollten nicht ungesichert und ungeschützt über das Internet zu erreichen sein.

Abbildung 1: Bei intensiver Nutzung sammeln sich auf dem Nextcloud-Server viele wichtige Daten an. Diese sollten nicht ungesichert und ungeschützt über das Internet zu erreichen sein.

OnlyOffice erweitert den Nextcloud-Server sogar um eine vollständige Bürosuite, die man komplett im Webbrowser nutzen kann und die das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten erlaubt. Über kostenlose Apps für iOS und Android lassen sich Daten vom und zum Smartphone synchronisieren, sodass Sie auf Angebote wie Google Photos oder Dropbox verzichten können.

Eigener Nextcloud-Server

Für niedrige Anforderungen und wenige Anwender genügt oft schon ein Raspberry Pi (etwa das Modell 4 mit 4 GByte) mit USB-3-Festplatten als Datenspeicher. Diese Variante ist günstig, kompakt und benötigt wenig Strom. Hat man dann noch einen Internet-Zugang mit genügend Bandbreite, wobei hier für den externen Zugriff vor allem die Upload-Geschwindigkeit zählt, hat man seine Groupware-Plattform daheim unter den eigenen Fittichen.

Allerdings ist es damit noch nicht ganz getan: Für den externen Zugriff empfiehlt sich eine feste IP-Adresse, die lange noch nicht alle Internet-Provider zur Verfügung stellen. Der Zugriff über einen DynDNS-Service ist bei privater Nutzung noch akzeptabel. Sobald man Nextcloud professionell einsetzen möchte, kann man diese Variante aber als nicht sehr stabil ansehen.

Der sichere Zugriff auf die Daten von außerhalb setzt eine gesicherte SSL-Verbindung voraus. Daher benötigen Sie noch ein SSL-Zertifikat, das Let’s Encrypt [1] erfreulicherweise kostenlos zur Verfügung stellt. Für die Adressierung braucht es zudem eine (Sub-)Domain, unter der Sie den Nextcloud-Server erreichen können.

Nun hängt der Nextcloud-Server am heimischen DSL-Anschluss, und ein Blick in dessen Logs lässt einen staunen, wie viele fremde Anfragen nach einigen Wochen Betrieb auf einmal auf die Maschine einprasseln. Darunter finden sich auch jede Menge Versuche, sich unberechtigten Zugang zu verschaffen.

Zur Absicherung implementiert Nextcloud Mechanismen von Fail2ban und Ransomware-Protection bis hin zur Zwei-Faktor-Authentifizierung, von denen Sie auch Gebrauch machen sollten (Abbildung 2). Darüber hinaus lässt sich Nginx als Reverse-Proxy vor Nextcloud einsetzen, der die Anwendung nach außen verschleiert und absichert.

Abbildung 2: Nextcloud bietet zahlreiche Funktionen an, um den Zugang zum Dienst zu sichern. Fail2ban (hier <span class="ui-element">Suspicious Login</span>) blockt Angreifer fr&uuml;hzeitig, die Zwei-Faktor-Authentifizierung sorgt f&uuml;r Sicherheit.

Abbildung 2: Nextcloud bietet zahlreiche Funktionen an, um den Zugang zum Dienst zu sichern. Fail2ban (hier Suspicious Login) blockt Angreifer frühzeitig, die Zwei-Faktor-Authentifizierung sorgt für Sicherheit.

Bewährt hat sich die Installation der einzelnen Anwendungen als Docker-Container. Zur Verwaltung und Aktualisierung der einzelnen Container greifen Sie auf die quelloffene Container-Management-Lösung Portainer zurück [2]. Damit lassen sich fertige Docker-Images schnell und einfach installieren, konfigurieren und warten. Auch werden die Anwendungen besser vom Betriebssystem entkoppelt.

Ohne regelmäßige Updates von Nextcloud und des darunterliegenden Betriebssystems wird es aber immer potenzielle Schwachstellen geben, die Angreifer ausnutzen könnten. Gerade bei Raspberry Pi OS, findet man häufig den Standard-User pi mit Root-Rechten und unsicheren Passwörtern. Überhaupt ist die relativ einfache Installation von exponierten Anwendungen wie Nextcloud gepaart mit unzureichenden Kenntnissen hinsichtlich Linux und Server-Sicherheit der wohl häufigste Grund für Angriffe.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Daher ist die anfängliche Rechnung aus günstigem Mini-Server mit externen Festplatten über den eigenen Internet-Zugang nur die halbe Wahrheit. Neben den Kosten für die Hardware (externe Festplatten), fallen rund um die Uhr Stromkosten an (Abbildung 3). Bei einem kleinen Setup mit einem Raspberry Pi 4 und einer externen mechanischen USB-3-Festplatte kann man durchschnittlich von 7 bis 10 Watt Leistungsaufnahme ausgehen, was etwa 26 Euro Stromkosten pro Jahr bedeutet (bei angenommenen 0,30 Euro/kWh).

Abbildung 3: Nextcloud auf dem Raspberry&nbsp;Pi sorgt f&uuml;r Unabh&auml;ngigkeit, doch der selbst gestrickte Cloud-Server verursacht auch Kosten &ndash; im Dauerlauf zusammen mit der Festplatte in etwa 25 bis 40&nbsp;Euro im Jahr.

Abbildung 3: Nextcloud auf dem Raspberry Pi sorgt für Unabhängigkeit, doch der selbst gestrickte Cloud-Server verursacht auch Kosten – im Dauerlauf zusammen mit der Festplatte in etwa 25 bis 40 Euro im Jahr.

Laufen die Festplatten längere Zeit ohne Spindown durch, erhöhen sich die Stromkosten zusätzlich. Aktuelle mechanische Festplatten haben eine Leistungsaufnahme von bis zu 11 Watt im laufenden Betrieb. Zusammen mit einem RasPi 4 muss man dann schon mit 15 bis 17 Watt Verbrauch rechnen, was die Jahresrechnung auf gut 40 Euro nach oben treibt.

Nicht eingerechnet ist der Zeitaufwand für die Systemwartung. Zudem fehlt noch eine zuverlässige Datensicherung der wertvollen Nextcloud-Daten und Einstellungen, was noch einmal Kosten für mindestens eine weitere Festplatte und Aufwand für das Einrichten und die Kontrolle der Datensicherung verursacht.

Für den privaten Einsatz ist ein solches System sicher brauchbar. Im professionellen und geschäftlichen Bereich kommt es hingegen vor allem auf Verfügbarkeit an. Fällt der Nextcloud-Server aus, können unter Umständen viele Mitarbeiter nicht auf ihre Daten, Kommunikationsmittel und Kalender zugreifen, was erhebliche Kosten verursachen kann. Noch schlimmer wäre es jedoch, wenn Angreifer das System außer Betrieb setzen oder – noch schlimmer – Daten entwenden.

Sichere Alternativen

Wollen Sie sich nicht mit der Administration und dem Betrieb eines eigenen Nextcloud-Servers beschäftigen und möchten auch hinsichtlich der Daten- und Betriebssicherheit auf der sicheren Seite bleiben, greifen Sie auf externe Hosting-Anbieter zurück.

Diese bieten sicheres Nextcloud-Hosting an, wobei sich die monatlichen Kosten meist nach dem zur Verfügung stehenden Speicherplatz und der Leistung des Servers richten. Das gewählte Paket entscheidet in der Regel auch darüber, wie viele Nutzer gleichzeitig einen schnellen Zugriff auf Nextcloud erhalten.

Um die Anforderungen der DSGVO zu erfüllen, sollte das Nextcloud-Hosting auf deutschen Servern erfolgen. Wir haben Nextcloud-Hosting-Angebote der Anbieter Hosting.de [3], Ionos (1&1) [4], PixelX [5] und Keyweb [6] mit vergleichbarem Leistungsumfang und dem Server-Standort Deutschland ausgewählt (siehe Tabelle “Nextcloud-Hoster im Vergleich”). Alle Angebote erfüllen (nach eigenen Angaben) die Vorgaben der DSGVO.

 

Hosting.de

Ionos (1&1)

PixelX

Keyweb

Paketname

100 GByte

500 GByte

Pro

Keycloud 100

Kostenloses Angebot

1 GByte, 1 User

3 Monate (danach 9 Euro)

nein

nein

Speicherplatz

100 GByte

500 GByte

50 GByte

100 GByte

Nextcloud Benutzer

10

unbegrenzt (max. 5 gleichzeitig empfohlen)

5 (empfohlen)

unbegrenzt (max. 10 gleichzeitig empfohlen)

Support

E-Mail, Telefon

24/7-Kundenservice

Premium-Support

E-Mail, Live-Chat (24/7)

Eigene Domain möglich

ja

ja

ja

ja

SSL-Zertifikat

ja

ja

ja

ja

Backup

optional (zzgl. 2 Euro)

inklusive

ja (7 Tage)

optional

Traffic enthalten

1 TByte

unbegrenzt

unbegrenzt

unbegrenzt

Talk/Chat enthalten

optional

ja

k.A.

Videotelefonie

Upload-Limit (einzelne Datei)

nein

k.A.

1 GByte

k.A.

Laufzeit

1 Monat

1 Monat

1 Monat

1 Monat

Preis pro Monat

2,90 Euro

6,00 Euro

5,98 Euro

5,90 Euro

Die Vorteile beim externen Hosting einer Nextcloud liegen klar auf der Hand: Die spezialisierten Anbieter kümmern sich nicht nur um die Verfügbarkeit des Angebots, sondern insbesondere auch um die Datensicherheit. Gleichzeitig läuft Nextcloud auf sehr viel leistungsfähigeren Servern, bei denen eine automatische Datensicherung meist schon in den kleinsten Tarifen enthalten ist.

Durch die hohe Bandbreite der Hosting-Provider stellt auch der Up- und Download großer Dateien und Datenmengen kein Problem dar. Der heimische Internet-Anschluss dagegen ist oft schon durch andere Anwendungen ausgelastet und kann obendrein ausfallen. Die Server der Hosting-Anbieter hingegen sind redundant angebunden und damit jederzeit verfügbar.

Bei Bedarf lassen sich Speicherplatz und Server-Leistung flexibel anpassen, wenn mehr Nutzer hinzukommen. Alleine für die Stromkosten der oben als Beispiel beschriebenen Raspi-Konfiguration bekommen Sie bei einigen Anbietern bereits Nextcloud-Pakete mit mehr als 100 GByte Speicherplatz.

Fazit

Sie sollten genau überlegen, ob es nicht mehr Sinn ergibt, die eigene Nextcloud-Instanz in die Hände von Profis zu geben, die sich um Betrieb, Verfügbarkeit und Sicherheit des Systems kümmern. Das spart Zeit, Geld und Ärger. Trotzdem behalten Sie die die Freiheit, weitere Funktionen zu installieren. (cla)

Der Autor

Der gelernte Elektrotechniker Markus Dollinger war lange als Webentwickler tätig. Auf http://nachbelichtet.com schreibt er unter anderem über die Themen IoT, DIY und Smart Home. Zudem unterstützt er als Dozent den neuen Makerspace der Fachhochschule Hof/Saale.

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4 Kommentare
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Sabiha Kaye
4 Jahre her

Mein unternehmen benutzt Nextcoud mit ocloud.de, da es sehr schnell ist und nextfiles.de der perfekte cloudhosting Anbieter ist, da es sehr günstig ist und dafür sehr gut funktioniert. Außerdem ist Datenschutz sehr hochgeschrieben und ist DSGVO konform.

Arno Behnen
3 Jahre her

Als Kunde von ocloud.de kann ich den Anbieter sehr empfehlen, insbesondere für die Nutzung von Nextcloud. Die Bereitstellung von Nextcloud durch ocloud.de bietet eine hohe Benutzerfreundlichkeit und eine zuverlässige Infrastruktur. Im Vergleich zu anderen kommerziellen Hostern konnte ich bei ocloud.de eine hohe Verfügbarkeit und schnelle Leistung feststellen. Zudem bietet ocloud.de einen hervorragenden Support und eine einfache Einrichtung, was für uns als Unternehmen sehr wichtig ist. Daher empfehle ich ocloud.de gerne weiter für die Nutzung von Nextcloud.

Hans Meiser
2 Jahre her

Finger Weg von hosting.de. Nachdem das Geld der Vorkasse aufgebraucht war, hat man meine Daten gelöscht! Account sperren sehe ich ein, aber Daten löschen? So stelle ich mir “managed” nicht vor.

Claudio Hader
2 Jahre her

Wenn man die absolute Kontrolle über die Daten braucht, hilft halt nur ein eigener physikalischer Server. Ganz ehrlich, den Aufwand machen wir uns nicht mehr mit Updates und extra Absichern und dann sind trotzdem irgendwo Dateien weg (gerade in Shared Ordnern). Wir machen jetzt bei cloudfire.de cfbox seit zwei jahren. Anrufen, wenn was nicht geht oder passiert ist, bisher immer einen Lösungsvorschlag bekommen. Haben 10GB sogar gratis – wir nutzen PAket X1.

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