Safe Eyes erinnert daran, regelmäßig Bildschirmpausen einzulegen

Aus LinuxUser 06/2021

Safe Eyes erinnert daran, regelmäßig Bildschirmpausen einzulegen

© Norasit Kaewsai / 123RF.com

Augenschonend

Wer im Homeoffice arbeitet oder lernt, der sitzt oft stundenlang ohne Unterbrechung am Rechner. Safe Eyes erinnert Bildschirmarbeiter daran, regelmäßig Pausen zu machen und die Augen zu schonen.

Das Arbeiten im Homeoffice erscheint auf den ersten Blick sehr komfortabel. Wer von zu Hause aus seinem Beruf oder dem Lernen nachkommt, gewinnt viel Zeit, da die Fahrt zum Arbeitsplatz oder Studienort ausfällt. Auch die Kosten für das Monatsticket für den ÖPNV oder das Nachtanken des Autos fallen weg; zudem bleibt es einem erspart, sich in überfüllte Busse oder Bahnen zu zwängen.

Auf der anderen Seite bleibt der Arbeitsschutz auf der Strecke. Wer am provisorisch zum Büroersatz umgerüsteten Küchentisch arbeitet, der dürfte sich über kurz oder lang mit Rückenschmerzen herumplagen. Nicht jeder Arbeitgeber versorgt seine ausgelagerten Mitarbeiter mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch und einem ergonomischen Bürostuhl, zudem findet sich nicht in jeder Wohnung Raum für einen Arbeitsplatz.

Ergonomie im Homeoffice

Neben den offensichtlichen Mängeln bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes fehlt es bei der Heimarbeit oft auch an sich sonst ganz natürlich ergebenden Pausen. Wer zu Hause arbeitet, der wechselt nicht für ein Gespräch mit Kollegen kurz die Sitzhaltung oder trabt für ein Meeting in ein anderes Stockwerk oder Nebengebäude. Stattdessen bleibt der Blick über Stunden starr auf den Bildschirm geheftet.

Die Verantwortung, Pausen zu machen und sich die Arbeit gleichmäßig einzuteilen, liegt im Homeoffice vollständig in den Händen des Arbeitnehmers. Vielen Computerarbeitern fällt es allerdings nicht leicht, die Arbeitszeit zu strukturieren. Ansätze wie Pomodoro-Timer [1] erinnern regelmäßig an Pausen, doch wer weiter auf den Bildschirm starrt und sich stattdessen ein wenig im Netz umschaut oder zur Zerstreuung ein Video ansieht, der verschafft zwar dem Kopf Ablenkung, doch die Augen erholen sich nicht.

Wirklich Pause machen

Wem es schwerfällt, in Pausen auch wirklich abzuschalten, der sollte sich das für den Gnome-Desktop entwickelte Safe Eyes ansehen. Die Open-Source-Anwendung zwingt den Nutzer, während einer Pause auch tatsächlich zu pausieren, indem das Programm für wenige Sekunden den Bildschirm schwärzt und sperrt (Abbildung 1). Entsprechend der Empfehlung von Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften haben mehrere kürzere Pausen einen höheren Erholungseffekt als wenige längere Erholzeiten mit gleicher Gesamtdauer [2]. Safe Eyes setzt also exakt diese Empfehlung um.

Abbildung 1: Safe Eyes erinnert daran, in regelmäßigen Abständen die Augen vom Bildschirm zu nehmen.

Abbildung 1: Safe Eyes erinnert daran, in regelmäßigen Abständen die Augen vom Bildschirm zu nehmen.

Das Projekt findet sich aktuell noch nicht in den Paketquellen der gängigen Distributionen. Die Entwickler geben allerdings auf der Projektseite [3] Installationshinweise für die gängigen Distributionen und stellen ein PPA für eine möglichst einfache Installation unter Ubuntu zur Verfügung (Listing 1). Unter Arch Linux lässt sich das Programm über das Paket safeeyes aus dem Arch User Repository einspielen.

Listing 1

Installation unter Ubuntu

$ sudo add-apt-repository ppa:slgobinath/safeeyes
$ sudo apt update
$ sudo apt install safeeyes

Safe Eyes startet bei der Anmeldung am Desktop automatisch im Hintergrund. Das Startverhalten lässt sich unter Gnome in den Gnome-Tweak-Tools (im Anwendungsmenü unter Optimierungen) im Reiter Startprogramme kontrollieren. Rufen Sie Safe Eyes selbst aus dem Anwendungsmenü auf, dann öffnet das Programm seine Einstellungen. Dort haben Sie die Möglichkeit, das Intervall zwischen den Pausen sowie deren Länge zu konfigurieren. Sie können auch festlegen, ob sich die Pausen aufschieben oder überspringen lassen (Abbildung 2).

Abbildung 2: In den Einstellungen von Safe Eyes konfigurieren Sie die einzelnen Pausenzeiten.

Abbildung 2: In den Einstellungen von Safe Eyes konfigurieren Sie die einzelnen Pausenzeiten.

Erholung für die Augen

Im Reiter Pausen definieren Sie die üblicherweise per Zufall ausgewählten Pausen. Das Programm unterscheidet dabei zwischen kurzen Unterbrechungen von 15 Sekunden (alle 15 Minuten) und längeren Pausen von 60 Sekunden (alle 75 Minuten). Die in der Standardkonfiguration eingetragenen Unterbrechungen können Sie nach den eigenen Vorstellungen anpassen oder löschen (Abbildung 3). Haben Sie sich beim Konfigurieren einmal vergaloppiert, reaktivieren Sie die Standardeinstellung der Anwendung mit einem Klick auf das Augen-Symbol links oben im Anwendungsfenster und die Auswahl des Menüpunkts Zurücksetzen.

Abbildung 3: Wie die Pause und die Ablenkung aussehen soll, legen Sie im Reiter <span class="ui-element">Pausen</span> fest.

Abbildung 3: Wie die Pause und die Ablenkung aussehen soll, legen Sie im Reiter Pausen fest.

Über die Plugins aktivieren Sie weiterführende Funktionen. So unterbricht das Plugin Nicht stören die Anzeige beispielsweise nicht, sobald ein Programm im Vollbildmodus läuft, etwa bei der Wiedergabe eines Videos (Abbildung 4). Dort lassen sich auch andere Programme definieren, die Safe Eyes auf keinen Fall unterbrechen soll. Die Fenstertitel ermitteln Sie durch das Kommando xprop | grep WM_CLASS und einen anschließenden Klick auf die fragliche Anwendung. Unter Wayland funktioniert das allerdings nicht.

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Abbildung 4: Durch Plugins lässt sich der Funktionsumfang erweitern. Für die Statistiken fehlte das Paket python-croniter.

Fazit

Kleine Helferlein wie Safe Eyes, Pomodoro-Timer oder die etwa in Gnome integrierte Funktion, abends die Farbtemperatur der Bildschirmanzeige in Richtung Wärme zu verschieben (Einstellungen | Bildschirme | Nachtmodus), helfen, die Augen zu schonen und ermöglichen konzentriertes Arbeiten über längere Zeit. Allerdings liegt es letztlich dann doch wieder am Einzelnen, in den regelmäßigen Pausen dann nicht aufs Handy-Display zu sehen, sondern die Augen wirklich einmal in die Ferne schweifen zu lassen. (cla)

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