Die besten Features von Rawtherapee und Darktable in einer Oberfläche

Aus LinuxUser 02/2021

Die besten Features von Rawtherapee und Darktable in einer Oberfläche

© Thomas Leichtenstern

Symbiose

RAW-Konverter stellen den ersten Schritt beim Bearbeiten von Fotos dar. Neue Konzepte und Programme erleichtern das Leben der Anwender, mit entsprechend großer Bedeutung.

Drei große RAW-Konverter stehen unter Linux bislang zur Verfügung. Darktable ist dabei das umfangreichste, und komplexeste der Programme. Rawtherapee fällt eine Nummer kleiner aus, punktet aber bei den Anwendern wegen seines “gutmütigen” Verhaltens und der einfacheren Handhabung. Das ehemals proprietäre Lightzone nimmt als Java-Anwendung eine gewisse Sonderrolle ein.

Während es von Darktable in regelmäßigen, kurzen Abständen neue Releases gibt, die seine derzeit gut 60 Werkzeuge recht oft erweitern oder gleich ganz ersetzen, geht die Entwicklung bei Rawtherapee langsamer voran. Bis heute enthält es zwar eine Reihe ausgezeichneter Belichtungswerkzeuge, aber beispielsweise kein Klon- beziehungsweise Stempelwerkzeug oder Ähnliches. Darüber verfügt sogar das viel ältere Lightzone. Auch Masken, wie sie Darktable schon seit Jahren mitbringt, sucht man bei Rawtherapee vergeblich; immerhin befinden diese sich in der Entwicklung.

Das Konzept

So verwundert es zunächst, dass ausgerechnet Rawtherapee die Basis für einen Fork bildet. Mit ART [1] (Another RawTherapee) entsteht momentan eine interessante Neuentwicklung. Die derzeit aktuelle Version 1.5.4 bietet bisher nur relativ wenige, dafür aber gut funktionierende Werkzeuge, auch wenn der Werkzeugkasten schon reichlich gefüllt erscheint (siehe Tabelle “Werkzeuge von ART 1.5.4”).

Werkzeug

Funktion

Exposure

Exposure

grobe Belichtungseinstellungen

Tone Equalizer

feine Belichtungseinstellungen

Tone Curve

Gradationskurven

Dynamic Range Compression

Dynamikkompression

Log Tone Mapping

Filmic-artige Belichtung

Details

Spot removal

Klon/Heilen-Werkzeug

Sharpening

Schärfen auf verschiedene Weisen

Noise Reduction

Rauschreduktion

Impulse Noise Reduction

Rauschreduktion

Defringe

Farbränder entfernen

Color

White Balance

Weißabgleich

Saturation & Vibrance

Sättigung

Channel Mixer

Kanalmischer

Color Equalizer

Farbanpassungen

RGB Curves

RGB-Kurven

L*a*b* Adjustment

L*A*B*-Anpassungen

Color Management

Farbprofile

Local Editing (neue Gruppe)

Color Correction

lokale Farbanpassungen

Smoothing

lokales Weichzeichnen

Local Contrast

lokaler Kontrast

Texture Boost

Texturen verstärken

Special Effects (neue Gruppe)

Black-and-White

Schwarz-Weiß-Effekte

Film Simulation

Filmbelichtung simulieren

Soft Light

“weiches Licht” (Ebenenmodus)

Vignette Filter

Randabschattungen

Graduatetd Filter

Grauverlaufsfilter

Haze Removal

Schleier entfernen

Film Grain

Filmkorn simulieren

Film Negative

Filmnegativ simulieren

Transform

Crop

zuschneiden

Resize

skalieren

Post Resize Sharpening

Schärfen nach Skalieren

Lens / Geometry

Objektiv- und Perspektivkorrektur

RAW

Sensor with Bayer Matrix

Demosaicing (Entrastern)

Raw Gain/White Point

Schwarz-Weiß-Punkt einstellen (RAW)

Preprocessing

Hot/Dead-Pixel filtern

Dark-Frame

Dunkelbild

Flat-Field

Korrrekturbild anwenden

Metadata

Exif

EXIF-Daten und Makernotes anzeigen und bearbeiten

IPTC

IPTC-Daten anzeigen und bearbeiten

Betrachtet man, was der Entwickler da macht, erschließt sich schnell der Grund für die Wahl von Rawtherapee als Grundlage: Er baut die bestehenden Werkzeuge um oder erweitert sie (Abbildung 1). Beispielsweise erweitert er die Einstellungen für die Belichtungswerkzeuge um zusätzliche Regler, was eine feinere Abstimmung erlaubt. Zusätzlich übernimmt ART Module (also Werkzeuge) wie die automatische Perspektivkorrektur und fügt auch einige ganz neue Werkzeuge hinzu, wie etwa Texture Boost.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick erscheint ART wie Rawtherapee.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick erscheint ART wie Rawtherapee.

Allerdings gestaltet sich die Dokumentation von ART sehr unübersichtlich. Teilweise gibt es zwar Verweise auf andere Quellen, oft lassen die sich aber kaum finden. Von Rawtherapee geerbte Werkzeuge dokumentiert Rawpedia [2], genauso wie vieles, was die Oberfläche betrifft. Das gilt auch für den Dateimanager-Modus, der sich bei der Auswahl von Bildern fast identisch mit dem von Rawtherapee verhält.

Links wählen Sie die Verzeichnisse aus, rechts filtern Sie deren Inhalt über Filter oder laden einzelne Bilder über Inspect. Neben der Projekt-Homepage bietet auch Pixls.us [3] eine gute Anlaufstelle. Auch fällt auf, dass nur die von Darktable übernommenen Werkzeuge über ausführliche Tooltips verfügen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter ART die Ausnahme: Ausführliche Hilfstexte gibt es nur bei von Darktable übernommenen Werkzeugen.

Abbildung 2: Unter ART die Ausnahme: Ausführliche Hilfstexte gibt es nur bei von Darktable übernommenen Werkzeugen.

ART kennt mehrere, sehr praxisorientierte Varianten, um Vorschaubilder anzuzeigen (Abbildung 3). Neben dem eingebetteten Bild, das manchmal viel zu dunkel ausfällt, lassen sich schnell Vorschaubilder mit linearer, filmartiger und in den Schatten angehobener Belichtung erzeugen.

Abbildung 3: ART bietet umfangreiche M&ouml;glichkeiten zur Vorschau problematischer Bilder an, die unter schwierigen Bedingungen entstanden. In diesem Beispiel hebt <span class="ui-element">Inspect</span> Pixel hervor, bei denen Clipping auftritt.

Abbildung 3: ART bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Vorschau problematischer Bilder an, die unter schwierigen Bedingungen entstanden. In diesem Beispiel hebt Inspect Pixel hervor, bei denen Clipping auftritt.

Das geht deutlich über das hinaus, was Rawtherapee 5.8 bereitstellt, und hilft bei der Suche nach Bildern sehr. Zwei andere Varianten der Vorschau (mit und ohne Fokus-Punkte) finden sich Rawtherapee-typisch immer noch nur im Editor-Modus und nicht, wie bei Darktable, auch im Dateimanager.

Die Standardwerkzeuge

Auch der Editor-Modus von ART sieht auf den ersten Blick aus wie der von Rawtherapee. Das grundlegende Belichtungswerkzeug von Rawtherapee heißt Exposure beziehungsweise Belichtung und gilt zu Recht als gut und im Grunde genommen einfach. Es bietet zwar durch entsprechend viele Regler weitreichende Funktionen, die sich aber recht schnell erschließen. Dennoch entschied sich der Entwickler von ART, das Werkzeug in drei Komponenten aufzuteilen, die dann als eigenständige Tools in der Belichtungsgruppe auftauchen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Belichtungswerkzeug von ART (links) und Rawtherapee (rechts).

Abbildung 4: Das Belichtungswerkzeug von ART (links) und Rawtherapee (rechts).

Für viele Anwender bietet das Aufsplitten des Werkzeugs wohl durchaus seine Vorteile, da sich nun drei Arbeitsschritte getrennt vornehmen lassen. Allerdings gingen dabei einige Features verloren. So fehlt bei ART die Lichterkompression, die bei ausgebranntem Himmel oft noch gute Ergebnisse liefert. Die anderen Einstellungen Lichter rekonstruieren und Belichtungskorrektur (Exposure compensation, entspricht dem Weißpunkt) übernahm ART, sie funktionieren analog zu Rawtherapee. Dass die Regler für Helligkeit, Kontrast und Sättigung fehlen, stört dabei vermutlich nur die wenigsten Anwender.

Im Bereich Tone Equalizer stellt ART sogar mehr Einstellungen zur Verfügung als Rawtherapee. Mit fünf Schiebereglern lassen sich unterschiedliche Tonwerte ziemlich schnell so einstellen, wie es sich der Fotograf wünscht. Die fünf Tonwertbereiche markieren unterschiedliche Farben, die sich in der Tonal Map wiederfinden (Abbildung 5). Das Werkzeug zeigt sie mit dem Aktivieren der Checkbox neben Show tonal map an.

Abbildung 5: Die <span class="ui-element">Tonal Map</span> zeigt an, zu welchem Tonwertbereich einzelne Bildbereiche beziehungsweise deren Pixel geh&ouml;ren. Links das Originalbild, rechts mit aktivierter <span class="ui-element">Tonal Map</span>.

Abbildung 5: Die Tonal Map zeigt an, zu welchem Tonwertbereich einzelne Bildbereiche beziehungsweise deren Pixel gehören. Links das Originalbild, rechts mit aktivierter Tonal Map.

Der dritte Bereich Tone Curves enthält nun neben den beiden Tonwertkurven noch eine explizite Steuerung der Sättigung. Das ist wichtig, weil sich die Sättigung subjektiv erhöht, wenn die Helligkeit abnimmt.

Die doppelten Tonwertkurven von Rawtherapee gibt es auch bei ART: Die erste kommt häufig zum Einsatz, um über die Modi Luminanz, Gewichteter Standard oder Sättigung und Überlagerung die Luminanz einzustellen. Die zweite dient dazu, die Sättigung zu steuern (Modus Filmähnlich oder Wahrnehmend beziehungsweise Buntheit) sowie die Feinsteuerung der Kontraste vorzunehmen. Als weitere Möglichkeit bietet sich an, über die Kurve 1 die Belichtungskorrektur grob einzustellen und sie über Kurve 2 feinzuregeln.

Wie dem auch sei: Immer koppelt sich die Belichtung implizit mit der Sättigung, dunkle Farben erscheinen gesättigter. Um das zu beeinflussen, ergänzte der Entwickler (aktuell nur als Alberto bekannt) seine Software um einen Saturation-Equalizer im Stil von Darktable. Wie in einem Histogramm befinden sich links die dunklen Tonwerte, rechts die hellen. Mit der Kurve senken Sie die Sättigung der Farben ab oder heben sie an (Abbildung 6).

Abbildung 6: Ein Highlight: Eine helligkeitsunabh&auml;ngige Steuerung der S&auml;ttigung erm&ouml;glicht <span class="ui-element">Saturation</span>. Das linke Bild zeigt normale S&auml;ttigung, das rechte ents&auml;ttigte Schatten und ges&auml;ttigte Lichter.

Abbildung 6: Ein Highlight: Eine helligkeitsunabhängige Steuerung der Sättigung ermöglicht Saturation. Das linke Bild zeigt normale Sättigung, das rechte entsättigte Schatten und gesättigte Lichter.

An vielen Stellen zeigt sich die praxisorientierte Entwicklung von ART. So starten die Tone Curves mit der speziellen Option Auto Matched Tone Curves, die Tonwerte anhand der eingebetteten Vorschaubilder voreinstellt, also die Vorgaben der Kamerahersteller berücksichtigt. Auch behalten die Tonwertkurven ihre Einstellungen, wenn Sie neue Bilder laden.

Bei Rawtherapee müssen Sie dafür jedes Mal das Profil des zuletzt bearbeiteten Bilds manuell laden. Dieser Schritt entfällt bei ART, was das Bearbeiten vieler, unter ähnlichen Bedingungen aufgenommenen Bilder ungemein beschleunigt und erleichtert. Die Werkzeuge behalten die einmal gemachten Einstellungen, Sie müssen sie gegebenenfalls manuell deaktivieren. Alle Werkzeuge von ART teilen dieses Verhalten.

Bei ART fehlt das recht praktische Werkzeug Schatten/Lichter von Rawtherapee. Es erlaubt eine schnelle und effektive Korrektur an den Histogrammrändern, die sich zwar auch mit den anderen Werkzeugen bewerkstelligen lässt, nur oft nicht so einfach. Noch schmerzlicher vermisst der Autor das Werkzeug Tonwertkorrektur, das ein lokales Ton-Mapping vornimmt und sich praktisch nicht durch andere Werkzeuge ersetzen lässt.

Dafür gibt es ein zusätzliches Werkzeug namens Log Tone Mapping. Es handelt sich dabei um eine abgemagerte Variante von Darktables Filmic-Modul, allerdings ohne dessen S-förmige Tonwertkurve und auf Luminanz-Korrekturen beschränkt [4].

Ebenfalls aus der Praxis – und von Darktable – stammt das Werkzeug zur Perspektivkorrektur. Während Rawtherapee nur einfache, manuell zu bedienende Korrekturen ermöglicht, bringt Darktable ein weitgehend automatisch arbeitendes Werkzeug mit. Das leistet auch bei ART gute Dienste (Abbildung 7). Neben den schon von Rawtherapee bekannten manuellen Einstellungen verfügt es über gut arbeitende, automatische Modi, die wahlweise horizontale, vertikale oder beide Korrekturen vornehmen.

Abbildung 7: Die automatischen Perspektivkorrekturen &uuml;bernimmt ART von Darktable. Automatische Korrekturen erm&ouml;glichen die drei Buttons unter den Schiebereglern.

Abbildung 7: Die automatischen Perspektivkorrekturen übernimmt ART von Darktable. Automatische Korrekturen ermöglichen die drei Buttons unter den Schiebereglern.

Ein weiteres, besonders erwähnenswertes Werkzeug heißt Flat Field. Es erlaubt sehr weitreichende automatische Korrekturen, beispielsweise für die Vignette, für Verzerrungen, aber auch, um Schmutz oder Fussel auf dem Objektiv herauszurechnen. Rawpedia erklärt das Werkzeug im Detail.

Die Kompatibilität von ART zu Rawtherapee ist bisher hoch. Zwar verwendet ART eigene Sidecar-Files mit der Erweiterung .arp anstelle von Rawtherapees .pp3, aber sie lassen sich wechselseitig importieren. Das jeweilige Programm ignoriert dann die Tags, für die es keine Werkzeuge mitbringt, berücksichtigt aber alle anderen.

Neue Werkzeuge und Gruppen

ART strukturiert die Werkzeuge neu. Die meisten der momentan vorhandenen stammen bisher von Rawtherapee. Einige neue Werkzeuge, die es bisher weder bei Rawtherapee noch bei Darktable gibt, fanden ebenfalls Einzug in ART.

Außerdem kommen im Vergleich zu Rawtherapee zwei neue Werkzeuggruppen hinzu. Local Editing (Funktionen mit lokaler Wirkung) umfasst die Werkzeuge Color Correction, Smoothing, Local Contrast und Texture Boost. Die Special Effects liefern Schwarz-Weiß-Effekte, Filmsimulationen, Grauverlaufsfilter und einiges mehr (Abbildung 8).

Abbildung 8: ART unterst&uuml;tzt eine Reihe von Effekten, beispielsweise einen Grauverlaufsfilter, der gezieltes Abdunkeln erlaubt.

Abbildung 8: ART unterstützt eine Reihe von Effekten, beispielsweise einen Grauverlaufsfilter, der gezieltes Abdunkeln erlaubt.

In der Gruppe Details fällt allen voran Darktables Spot Removal auf. Es dient zum Entfernen von kleinen Bildteilen bis maximal 200 Pixel Durchmesser. Von der Wirkung entspricht es Gimps Heilen, also einem Klonen mit gleichzeitiger Helligkeitskorrektur. Um einen Korrekturpunkt zu erzeugen, genügt es, bei gedrücktem [Strg] ins Bild zu klicken. Es erscheinen zunächst zwei Kreise (Abbildung 9), deren Mittelpunkt ein kleines Kreuz markiert. Das verschieben Sie mit der Maus, um die Quelle für das einzufügende Material zu bestimmen. Anschließend lässt sich über den kleinen, inneren Kreis die Größe der Einfügung einstellen. Über den äußeren legen Sie fest, wie weich der Übergang zum unveränderten Material ausfällt.

Abbildung 9: Schnell, einfach und oft ziemlich effektiv: das Werkzeug <span class="ui-element">Spot Removal</span>.

Abbildung 9: Schnell, einfach und oft ziemlich effektiv: das Werkzeug Spot Removal.

Rechts im Panel sehen Sie die dabei verwendeten Parameter, denen Sie normalerweise keine Beachtung zu schenken brauchen, da sich alle Aktionen direkt mit der Maus im Bildfenster ausführen lassen. Im Panel stellen Sie einige Parameter ein, beispielsweise die Größe der Einfügung, deren Deckkraft (Opacity) und die Detail protection.

Zwei Nachteile weist dieses Werkzeug gegenüber der Darktables-Variante allerdings auf: Inzwischen ersetzte Darktable es durch eine auf Basis von Wavelets arbeitende Version, die noch viel feinere Korrekturen auf unterschiedlichen Detailskalen erlaubt. Allerdings eignet sich das Werkzeug aufgrund seiner hohen Komplexität weniger für Anfänger. Schwerer wiegt aber die Tatsache, dass ART für das Werkzeug nur Kreise und keine freien Formen für die Einfügungen vorsieht. Das macht oft komplizierte Strukturen erforderlich, die dann doch eine ganze Menge zusätzlicher Arbeit verursachen.

Sehr gut funktioniert dagegen das Werkzeug Texture Boost, das eine Variante des Werkzeugs zum Erhöhen des lokalen Kontrasts darstellt und kleine Konturen verstärkt [5]. Beide Werkzeuge arbeiten bei ART gut zusammen.

Masken

Als eines der Highlights preist ART die Möglichkeit an, lokale Anpassungen über Masken vorzunehmen. Allerdings stimmt das nur zur Hälfte. In der aktuell vorliegenden Version 1.5.4 lassen sich Masken nur bei den Werkzeugen aus der Gruppe Local editing einsetzen – wenig sinnvoll, da sich Masken gerade bei der Belichtung oft als ausgesprochen nützlich erweisen. Auch gerät das Nutzen der Masken sehr umständlich, weil sie offensichtlich auf dem Masken-Code von Rawtherapee basieren. Letzteres koppelt Masken immer an Ebenen, genau genommen an spezielle Filterebenen.

Hier empfehlen wir dem Entwickler einen Blick über den Tellerrand: Bei Darktable wie auch bei Lightzone ist das Verwenden der Masken ausgesprochen leistungsfähig und einfach in der Anwendung. Das bei Lightzone vorhandene Modell der Maskenerstellung erstreckt sich zudem auf alle Werkzeuge mit Ausnahme des RAW-Tools.

Wie sieht es bei ART im Detail aus? Alle Ebenen agieren dort unabhängig und lassen sich mit jeweils einem unterschiedlichen Maskentyp nutzen. Mehrere Ebenen wirken aber kumulativ, die Wirkungen verbinden sich also. Dabei unterscheidet ART vier Maskentypen. Parametrische Masken werden anhand von Bildeigenschaften (den Parametern) definiert. Manuelle Masken zeichnet der Anwender mit einem Pinsel. Geometrische Masken, eine Variante der manuellen, erlauben die Definition der Maske anhand von wenigen Stützpunkten. Bei den DeltaE-Masken schließlich handelt es sich um eine Spezialität von ART: Sie ziehen die Ähnlichkeit von Farben zur Definition der Maske heran (Abbildung 10).

Abbildung 10: Die normalerweise unsichtbaren Masken sehen Sie nur mit aktiviertem <span class="ui-element">Show Mask</span>.

Abbildung 10: Die normalerweise unsichtbaren Masken sehen Sie nur mit aktiviertem Show Mask.

Momentan macht das Verwenden von Masken weder bei Rawtherapee noch bei ART Spaß. Vermutlich ändert sich das aber schon in näherer Zukunft. Wer derzeit ohne Masken auskommt, tut gut daran, das momentan beizubehalten. Eine Wiki-Seite fasst die verfügbaren Informationen zu den Masken zusammen [6].

Eine andere, spannende Entwicklung nimmt ART mit den User Commands. Dabei handelt es sich um Plugins in Form reiner Textdateien, die sich aus einem Shell-Skript entwickeln lassen [7].

Fazit

ART hinterlässt derzeit einen sehr zwiespältigen Eindruck. Die Idee, Rawtherapee um Werkzeuge von Darktable zu ergänzen und die großen RAW-Konverter zu entschlacken, wurde schon oft diskutiert. Allerdings fiel die Idee meistens durch, da es sehr schwierig erscheint, die unterschiedlichen Programmstrukturen anzugleichen. Daher ist der Versuch, dies nun in der Praxis zu probieren, unbedingt gut und zu begrüßen. Jedoch zeigen die Ergebnisse, dass dies nicht so einfach gelingt und eine Menge Arbeit bereitet.

Momentan lässt sich ART zwar nutzen, bleibt aber noch ein gutes Stück von den angestrebten Zielen entfernt. Wer sich mit Darktable oder Rawtherapee gut auskennt und ehrgeizige Ziele verfolgt, kommt mit den etablierten Programmen sicher schneller zum Ziel. Zum Experimentieren und für einfachere Aufgaben eignet sich ART schon jetzt. Ob es sich etabliert, muss die Zukunft erweisen. (tle)

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