Anders als die meisten Slimline-Distributionen setzt NimbleX auf die Desktop-Oberfläche KDE und bietet Ihnen damit die gewohnte Arbeitsumgebung.
Minidistributionen wie Puppy Linux haftet oft der Makel an, dass sie eine für viele Benutzer ungewohnte Desktopoberfläche (wie etwa Icewm oder Fluxbox) verwenden und damit die Bedienung für viele an KDE gewohnte Anwender erschweren. Das auf Slackware 11 basierende NimbleX darf sich mit 200 MByte durchaus auch noch zur Riege der Minidists zählen, verfügt aber neben schlanken Windowmanagern wie Openbox auch über die ausgewachsene KDE-Oberfläche und den damit verbundenen Benutzerkomfort (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Schmalspurdistribution NimbleX verfügt nicht nur über den Window-Manager KDE sondern auch über eine beinahe vollständige Softwareausstattung für die tägliche Arbeit.
Als Basis verwendet die Live-Distribution den Kernel 2.6.16, die grafische Grundlage stellen X.org 6.9.0 sowie KDE 3.5.4 bereit. Die in Rumänien entwickelte englischsprachige Distribution richtet sich in erster Linie an Heimanwender und verfügt über den dafür notwendigen Softwarefundus (siehe Tabelle “NimbleX: Anwendungen”). Angefangen von Office-Programmen aus der KOffice-Suite bis hin zu Multimedia- und Systemprogrammen lässt die Distribution kaum Wünsche offen. Fehlt ein Programm, installieren Sie es einfach mit dem Paketmanager Gslapt nach.
NimbleX: Anwendungen
| Funktion | Programm |
|---|---|
| Audioplayer | Juk |
| BitTorrent-Client | Transmission |
| Brennprogramm | K3b |
| Bürosuite | KOffice |
| FTP-Client | Casablanca |
| Instant Messenger | Kopete |
| Partitionierung | QtParted |
| Pixelgrafik | Kolourpaint |
| Videoplayer | KPlayer |
| VoIP-Client | KPhone |
Als zweite Distribution enthält die CD das Mini-Medien-Center Geexbox 1.1 (Kasten “GeexBox”).
GeexBox
Trotz seiner minimalen Größe von gerade einmal 8 MByte verfügt GeexBox (Abbildung 6) über alle wichtigen Funktionen zum Abspielen von Filmen und Audiodateien. Dafür zeichnet sich in erster Linie der integrierte Mplayer 1.0 zuständig. Nach dem Start lädt GeexBox direkt den auf der CD enthaltenen Podcast zum Thema Mandriva und sicheres Löschen von Dateien.

Abbildung 6: Klasse statt Masse: GeexBox reichen 8 MByte, um Ihren Rechner in Multimediaplayer zu verwandeln.
Da die Minidistribution komplett aus dem Hauptspeicher läuft, können Sie nach dem Start problemlos die Boot-CD entfernen und durch eine Film- oder Musik-CD ersetzen. Die Distribution unterstützt dabei sowohl verschiedene AVI- und DIVX Formate als auch die üblichen Audio-Kodierungsformate wie OGG oder MP3.
Booten
Das Bootmenü bietet verschiedene Möglichkeiten, NimbleX zu starten. Während NimbleX (KDE) starten die Distribution direkt mit dem Windowmanager KDE startet, erreichen Sie via NimbleX (KDM) starten das KDM-Login Fenster (Abbildung 2). Im Auswahlmenü Session Type in der rechten oberen Ecke des Bildschirms wählen Sie, welche grafische Oberfläche NimbleX starten soll. Zur Auswahl stehen neben Fluxbox auch Icewm und Openbox. Das Loginpasswort für den Benutzer root lautet toor.

Abbildung 2: Starten Sie NimbleX im KDM-Modus, erscheint im Login-Bildschirm das Auswahlmenü für alternative Windowmanager.
Die Hardware-Anforderungen an den Rechner hängen maßgeblich von der Wahl der grafischen Oberfläche ab. Während zum Betrieb schlanker Desktopoberflächen wie Fluxbox bereits 64 MByte Hauptspeicher kombiniert mit einer 200-MHz-CPU genügen, um flüssig zu arbeiten, darf es beim Start vom KDE ruhig ein wenig mehr sein: 256 MByte Hauptspeicher und eine mit 500 MHz getaktete CPU sollte der Rechner schon mitbringen, damit das Arbeiten Spaß macht. Starten Sie die Distribution im RAM-Modus (NimbleX (KDE) in das RAM laden) sollte der Rechner über mindestens 512 MByte Hauptspeicher verfügen. Beim Start sucht die Distribution nach einer vorhandenen Swap-Partition und verwendet diese als erweiterten virtuellen Hauptspeicher, um Ressourcenengpässen zuvor zu kommen.
Vorbereitung und Setup
Sofern Sie NimbleX nicht nur als reines Live-System verwenden möchten, sondern vorhaben, öfter damit zu arbeiten, empfiehlt es sich, Einstellungen und persönliche Daten dauerhaft zu speichern. Dafür stellt die Distribution die Funktion Save in NimbleX (Abbildung 3) bereit, die Sie im K-Menü unter Settings erreichen.

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Abbildung 3: Zum dauerhaftem Sichern persönlicher Daten und Einstellungen bietet NimbleX die FunktionSave in NimbleX.In einer Schritt-für-Schritt-Abfrage legen Sie den Speicherort und die Größe der Containerdatei fest. Die Applikation erstellt daraufhin die Imagedatei nimblex.data welche die Distribution – sofern sie sich im Wurzelverzeichnis eines angeschlossenen Laufwerks befindet – beim Booten selbständig findet und automatisch einbindet.
Wählen Sie als Speicherort ein Unterverzeichnis, gilt es, dieses über die Boot-Optionen anzugeben. Wählen Sie dazu im Boot-Menü NimbleX (KDE) starten und drücken Sie [F5]. Suchen Sie danach den Abschnitt changes=nimblex.data und ergänzen Sie ihn um den Pfad zur Datei, beispielsweise changes=/dev/hda1/sonstiges/nimblex.data. Alternativ bietet die Distribution die feste Installation an (siehe Kasten “NimbleX installieren”). Beachten Sie: NimbleX bindet die Imagedatei erst nach einem Reboot als Speichermedium ein. Zuvor festgelegte Änderungen und Einstellungen gehen verloren.
Zum Einrichten bietet NimbleX in erster Linie KDE-interne Konfigurationstools wie das Control Center. Darin legen Sie sowohl das Verhalten und Aussehen von KDE fest, als auch das Tastaturlayout oder Netzwerkfreigaben. Zum Anschluss ans Netzwerk bietet NimbleX neben dem Standard-Ethernet-Anschluss Kppp zum Einrichten serieller Modems sowie Pppoe, um ADSL-Verbindungen zu erstellen. Allerdings fehlt diesem Programm ein passendes Frontend, weswegen Sie die notwendigen Einstellungen auf der Kommandozeile vornehmen müssen.
Beim Aktivieren des WLAN helfen Ihnen sowohl der Wireless Assistant als auch der Wireless LAN Manager; beide erreichen Sie im K-Menü unter Internet.
NimbleX installieren
Neben dem Anlegen einer Containerdatei zum dauerhaften Sichern von Einstellungen und Dokumenten bietet NimbleX auch eine Installationsoption. Diese erreichen Sie über das Icon NimbleX USB Installer.deskop (Abbildung 5) im Heimatverzeichnis.

Abbildung 5: Ein Klick auf den stilisierten USB-Stick öffnet den Dialog zur Installation von NimbleX auf einem Datenträger.
Als Speichermedium kommen sowohl USB-Sticks als auch Festplatten mit einer Kapazität von mindestens 512 MByte in Frage. Allerdings verwendet der Installer das das gewählte Speichermedium exklusiv, ohne auf bereits bestehende Partitionen Rücksicht zu nehmen, und formatiert es neu. Zusätzlich richtet das Skript direkt den Bootloader Grub im MBR des Datenträgers ein und macht ihn damit bootfähig.
Von einer Installation zu sprechen, erscheint jedoch etwas hoch gegriffen, da das Skript lediglich die benötigten Dateien einschließlich des Squashfs-Images von NimbleX in das Ziellaufwerk kopiert und das System letztendlich im Live-Modus startet. Um Dateien und Einstellungen dauerhaft zu sichern, gilt es deswegen auch hier, zunächst die Containerdatei anzulegen, in der die Distribution Änderungen speichert. Allerdings weigerte sich NimbleX in der installierten Variante zu booten, wenn sich der Container und die Systemdateien auf dem gleichen Datenträger befinden.
Arbeiten mit NimbleX
Die Distribution verfügt bereits von Haus aus über eine umfangreiche Software-Ausstattung, welche die meisten Anwendungsfälle bei der täglichen Arbeit abdeckt. Sollte doch ein Programm fehlen, hilft der Slackware-Paketmanager Gslapt (Abbildung 4) weiter. Generell macht die nachträgliche Installation von Paketen allerdings nur dann Sinn, wenn Sie zuvor den fixen Containerspeicher eingerichtet haben, da sonst alle installierten Anwendungen beim Neustart verloren gehen.
Nach dem Start des Paketmanager gilt es, zunächst mit einem Klick auf Update die Liste verfügbarer Pakete aus dem Netz nachzuladen. Danach steht Ihnen das komplette Software-Repository von Slackware 11 zur Verfügung.

Abbildung 4: Der integrierte Paketmanager Gslapt ermöglicht es, beliebige Pakete aus dem Slackware-11-Repository nachzuinstallieren.
Den Kernbestandteil der Office-Software stellt KOffice unter anderem mit der Textverarbeitung KWord, der Tabellenkalkulation KSpread und dem Präsentationsprogramm KPresent. Während Kontakt zur Adress- und Terminverwaltung dient, holen Sie mit KMail Ihre E-Mails ab. Für Telefonate verwenden Sie die auf dem Standardprotokoll SIP basierende VoIP-Software KPhone, mit dem multifunktionalen Instant-Messenger Kopete klinken Sie sich in Netzwerke wie ICQ, MSN, AIM oder Jabber ein. Zum Aufrufen von Webseiten stehen Ihnen Dillo und Konqueror zur Verfügung.
Auch zum Abspielen von Audio- und Videodateien bringt NimbleX mit Juk und dem MPlayer-Frontend KPlayer die passenden Programme mit. Etwas mager fällt dagegen die Auswahl an Software zum Bearbeiten von Bildern und Grafiken aus: Außer Kolourpaint ist in dieser Kategorie nicht viel geboten.
Zum Einrichten von Festplatten dient das Programm QtParted, das ähnlich wie Gparted und Partition Magic die Partitionen grafisch darstellt. Sie ändern damit die Größe und Position bestehender Partitionen oder erstellen neue. Im Test ließ das Programm aber nur jeweils einen Arbeitsschritt zu. Die folgenden wurden wegen gesperrter Datenträger verweigert. Erst ein Reboot erlaubte das weitere Bearbeiten der Datenträger.
NimbleX bringt neben Client- auch Serveranwendungen mit. Über den Eintrag Internet | NimbleX Servers des K-Menüs erreichen Sie die Start- und Stopskripte für den Web- und FTP-Server. Letzterer konnte im Test jedoch nicht überzeugen, da er bereits einfache Kommandos wie DIR mit einem Speicherzugriffsfehler quittierte. Beim Versuch, eine Datei via put auf den Server hochzuladen, schloss dieser mit dem Hinweis Service not available die Verbindung.
PXE (Preboot Execution Environment), als dritter Service im Bunde, ermöglicht Clients das Booten via Netzwerk – soweit die Theorie. In der Praxis verabschiedete sich der Testclient jedoch mit einer Kernel-Panic. Nicht viel besser bestellt ist es um den Webserver, der lediglich zum Ausliefern statischer Webseiten taugt.
Fazit
Wer ein kleines, aber leistungsfähiges Betriebssystem sucht, dabei aber nicht auf die gewohnte KDE-Arbeitsumgebung verzichten möchte, liegt mit NimbleX goldrichtig. Es bringt zu beinahe allen Anwendungsfällen die passende Software mit, fehlende Applikationen installieren Sie im Handumdrehen mit dem integrierten Paketmanager Gslapt nach. Damit veränderte Einstellungen und erstellte Dokumente einen Reboot überleben, bietet die Distribution das Erstellen einer Containerdatei an, in welcher sie diese speichert.
Lediglich der Betrieb der angegliederten Server (FTP, WWW und PXE) gibt Anlass zur Kritik: Während der FTP-Server keinerlei Transfers zuließ und die Verbindung abbrach, endete der Versuch, einen Client via Netboot über den PXE-Server zu starten, mit einer Kernel-Panic.

