Tuxedo InfinityBook Pro 15 v4 mit Full-HD-Display im Test

Aus LinuxUser 08/2019

Tuxedo InfinityBook Pro 15 v4 mit Full-HD-Display im Test

© Computec Media

Eine Nummer größer

Wer mobil arbeitet, bevorzugt kompakte 13-Zoll-Notebooks. Das Tuxedo InfinityBook Pro 15 v4 legt zwei Zoll drauf, baut dabei jedoch nicht viel größer.

Business-Notebooks gibt es in unterschiedlichen Spielarten. Lenovo ist für seine robusten, aber wenig eleganten Thinkpads bekannt, Dell für die flachen und schicken XPS-Modelle, Apple für die Macbooks. Die InfinityBook-Reihe des Linux-Spezialisten Tuxedo fällt eher in die Sparte “schicker Flachmann”. Die auf 15,6-Zoll angewachsene große Variante des InfinityBook Pro gibt es nun in der vierten Ausgabe; wir testeten die “Red Edition” des Geräts auf Herz und Nieren.

Das InfinityBook Pro 15 [1] steckt in einem flachen Gehäuse, das Gerät baut nicht einmal zwei Zentimeter hoch (Abbildung 1). Anders als Dell und Apple verwendet Tuxedo allerdings kein massives Aluminium: Lediglich der Deckel und die Oberschale sind aus dem Metall gefertigt.

Die Unterschale und der Rahmen rund um das Display bestehen aus Kunststoff. Das tut der Funktion keinen Abbruch und mag sich im Alltag sogar als Vorteil erweisen, da das eingesetzte Material einen recht haltbaren Eindruck macht und beispielsweise leichte Schläge ohne Beulen verkraftet.

Abbildung 1: USB, HDMI, DisplayPort, Ethernet: Trotz der kompakten Maße hat das InfinityBook Pro 15 v4 die wichtigsten Schnittstellen an Bord.

Abbildung 1: USB, HDMI, DisplayPort, Ethernet: Trotz der kompakten Maße hat das InfinityBook Pro 15 v4 die wichtigsten Schnittstellen an Bord.

InfinityBook Pro 15

Das 15,6-Zoll-Display arbeitet in Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln. Eine Option, den Laptop mit einem 4K-Display aufzurüsten, gibt es nicht. Helligkeit, Blickwinkelstabiliät und Kontraste stimmen, sodass es sich im Sommer gut auf der Terrasse arbeiten lässt. Die matte Oberfläche verhindert dabei störende Reflexionen. Der Rahmen rund um das Display fällt angenehm klein aus – Apple oder Dell schaffen es nur gegen deutlichen Aufpreis, noch schmalere Ränder zu entwickeln.

Mittig über dem Display findet sich die mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln arbeitende Webcam mitsamt einer Status-LED. Anwendungen wie Cheese oder Skype funktionieren damit auf Anhieb. Für Videochats genügt das etwas fahle Bild der Kamera; für richtige Aufnahmen empfiehlt sich allerdings schon aufgrund der geringen Auflösung der Griff zum Smartphone. Bei Bedarf stellen Sie die Webcam über [Fn]+[F10] oder über das BIOS ab.

Auf der vollständigen Chiclet-Tastatur inklusive Nummernblock und Pfeiltasten tippt es sich im Alltag gut. Die Tasten verfügen über einen gleichmäßigen und angenehmen Druckpunkt. Typisch für Tuxedo findet sich auf der Windows-Taste anstelle der Microsoft-Flagge ein kleiner Tux-Pinguin. Eine weitere Besonderheit: Über [Fn]+[Geteilt] passen Sie die Farbe der Tastaturbeleuchtung an, wofür acht Farben zur Auswahl stehen, vom klassischen Weiß über Grün, Rot und Gelb bis hin zu Pink.

Den knappen Platz an den Seiten des Geräts füllt der Hersteller mit allen wichtigen Schnittstellen. So finden Sie hier zwei USB-3.1-Ports des Typs A sowie einen USB Typ C mit Thunderbolt 3 inklusive DisplayPort (etwa zum Anschluss eines Thunderbolt-Docks). Bildschirme oder Beamer verbinden Sie via Mini-DisplayPort 1.3 oder HDMI 1.4b mit HDCP. Buchsen für Gigabit-Ethernet, Kopfhörer und Mikrofon sowie ein SD-Kartenleser komplettieren die Anschlussmöglichkeiten (siehe Tabelle “Tuxedo InfinityBook Pro 15 v4”).

Komponente

Testgerät

Alternativen

Prozessor

Intel Core i5-8565U

Intel Core i7-8565U

Grafikkarte

Intel UHD Graphics 620

Display

Full-HD-IPS-Panel, 1920 x 1080 Pixel, 15,6 Zoll (39,62cm)

Arbeitsspeicher

8 GByte, 2666 MHz

bis zu 64 GByte

Festplatte

M.2-SSD Samsung SSD 860EVO M.2 250 GByte

bis zu 2 TByte

Netzwerk

Gigabit-Ethernet

Funknetze

Intel Dual AC 9260, Bluetooth

optional ohne Funkmodul

Anschlüsse

1 x Mini-DisplayPort 1.3, 1 x HDMI 1.4b mit HDCP, Mikrofon, Kopfhörer, Kartenleser

USB-Ports

2 x USB 3.1 Typ A Gen1, 1 x USB Typ C mit Thunderbolt 3 inkl. DisplayPort

Akku

54 Wh Lithium-Ionen

Betriebssystem

Tuxedo OS 18.04

verschiedene Distributionen, Windows

Abmessungen

360,4 mm x 19,9 mm x 244,5 mm (B x H x T)

Gewicht

ca. 1,7 kg inkl. Akku, je nach Ausstattung

Preis

964 Euro

945 bis 1979 Euro

Tuxedo OS à la Ubuntu

Beim Betriebssystem haben Interessenten bei Tuxedo die Wahl zwischen Ubuntu, OpenSuse und dem hauseigenen Tuxedo OS, einem für das Gerät optimierten Ubuntu 18.04 mit Budgie-Desktop [2], der sich wiederum aus dem Gnome-Fundus bedient (Abbildung 2). Windows spielt Tuxedo nur als aufpreispflichtige Option auf, je nach Vorliebe entweder parallel zu Linux oder als virtuelle Maschine in einer VirtualBox.

Abbildung 2: Tuxedo liefert seine Geräte am liebsten mit dem Eigengewächs Tuxedo OS aus. Das System basiert auf Ubuntu und verwendet den Budgie-Desktop.

Abbildung 2: Tuxedo liefert seine Geräte am liebsten mit dem Eigengewächs Tuxedo OS aus. Das System basiert auf Ubuntu und verwendet den Budgie-Desktop.

Budgie verzichtet auf die modernen Ansätze der Desktop-Umgebung Gnome, wie die Aktivitätenübersicht oder dynamische Desktops, und bietet eher klassische Kost. Über die Tux-Taste erreichen Sie beispielsweise das links oben in der Leiste angeordnete Startmenü (Abbildung 3), mit [Strg]+[Alt]+[Pfeil-links/rechts] schalten Sie zwischen den vier vordefinierten Desktops um. Tuxedo ergänzt den Desktop noch mit einem Plank-Panel am linken Bildschirmrand.

Abbildung 3: Das klassische Startmenü sowie ein Dock an der linken Bildschirmseite sollen Ein- und Umsteigern eine vertraute Umgebung bieten.

Abbildung 3: Das klassische Startmenü sowie ein Dock an der linken Bildschirmseite sollen Ein- und Umsteigern eine vertraute Umgebung bieten.

Beim Software-Umfang bringt Tuxedo OS einen breiten Strauß an Anwendungen mit; oft decken mehrere Programm denselben Zweck ab. So gibt es mit Geary und Thunderbird zwei E-Mail-Programme, mit Chromium und Firefox zwei Webbrowser sowie mit Gnome MPV und Videos (Totem) zwei Multimedia-Player. Klassiker wie Brasero zum Brennen von CD- und DVD-Rohlingen, LibreOffice und VirtualBox runden zusammen mit typischen Gnome-Anwendungen wie Dateien (früher Nautilus) oder dem Editor Gedit die Software-Ausstattung ab.

Um bei Problemen schnell reagieren zu können, integriert Tuxedo in das hauseigene OS eigene Paketquellen, etwa mit Grafiktreibern oder zusätzlichen Kernel-Modulen. Des Weiteren stellt Tuxedo mit WebFAI [3] eine Plattform zur Verfügung, über die sich das Gerät recht leicht wieder in den Originalzustand zurückversetzen oder mit einer anderen Linux-Variante bestücken lässt.

Leichter Dauerläufer

Das vom Hersteller vorinstallierte Tuxedo OS 18.04 arbeitet mit Kernel 4.18.0, wobei Tuxedo den Systemkern noch mit speziellen Headern und Modulen aus einer eigenen Kernel-Paketquelle anreichert, um das System optimal auf die Hardware abzustimmen. Der Hersteller verspricht für das Gerät eine Akkulaufzeit von bis zu 14 Stunden, allerdings bei minimaler Bildschirmhelligkeit, abgeschaltetem WLAN und Bluetooth und ohne angeschlossene Geräte.

In unserem Praxistest hielt der 54 Wh große, austauschbare Lithium-Ionen-Akku 8 Stunden und 55 Minuten durch (Abbildung 4). Während der Zeit erledigten wir am Gerät typische Büroarbeiten und verfassten dabei unter anderem diesen Artikel. Das WLAN war derweil aktiv, die Helligkeit des Displays hatten wir auf 50 Prozent eingestellt. Das 65 Watt starke und durchaus kompakte Netzteil lud dann den Akku in weniger als zwei Stunden wieder komplett auf.

Abbildung 4: Im Praxistest war nach knapp 9 Stunden Laufzeit Schluss. Während dieser Zeit surften wir mit dem Gerät durchs Netz und arbeiteten an Artikeln.

Abbildung 4: Im Praxistest war nach knapp 9 Stunden Laufzeit Schluss. Während dieser Zeit surften wir mit dem Gerät durchs Netz und arbeiteten an Artikeln.

Bitte hier öffnen

Anders als viele andere Notebooks lässt sich das InfinityBook Pro problemlos öffnen. Zum Abnehmen des rückseitigen Deckels drehen Sie eine Reihe von Kreuzschlitzschrauben heraus, lösen die Clips zwischen Deckel und Gehäuse und stoßen dann durch das markierte Schraubenloch die Tastatur aus dem Gerät heraus. Auf der Frontseite finden sich drei weitere Schrauben unter der Tastatur. Der Vorgang ist etwas komplizierter als bei Geräten mit einer einfach zugänglichen Wartungsklappe, doch man benötigt kein Spezialwerkzeug.

Unter dem Deckel liegen sämtliche Hardware-Komponenten frei (Abbildung 5), sodass Sie etwa den Lüfter reinigen oder bei Bedarf den Akku tauschen können. Außer einem zweiten Slot für einen zusätzlichen RAM-Riegel (bei unserem Testgerät mit 8 GByte Arbeitsspeicher nicht belegt) bietet das InfinityBook Pro allerdings keinen Platz für Hardware-Erweiterungen.

Abbildung 5: Zum Öffnen des Tuxedo InfinityBook Pro 15 v4 benötigen Sie lediglich einen Schraubendreher, einen flachen Spachtel und einen abgeschnittenen Zahnstocher.

Abbildung 5: Zum Öffnen des Tuxedo InfinityBook Pro 15 v4 benötigen Sie lediglich einen Schraubendreher, einen flachen Spachtel und einen abgeschnittenen Zahnstocher.

Fazit

Das 15,6-Zoll-Format zieht beim kompakten InfinityBook Pro 15 nur wenig Nachteile nach sich. Gegenüber dem weiter verfügbaren InfinityBook mit 14 Zoll baut das Pro 15 v4 nur 2 cm breiter, 1 cm tiefer und 2 mm höher. Erst die typische Kompaktklasse mit 13 oder 13,3 Zoll Bildschirmdiagonale findet aufgrund des DIN-A4-Formats in wirklich jeder Tasche Platz, in die auch eine Ausgabe von LinuxUser passt. Dafür bietet der großformatige Bildschirm mehr Raum für Inhalte, was das Arbeiten auf Dauer erleichtert.

Im Vergleich zu den Mitbewerbern von Dell, Apple und Co. besitzt das InfinityBook Pro 15 v4 zwar nicht die Materialanmutung eines Aluminium-Unibodys mit Teilen aus Carbon, doch dafür liegt der Preis auch deutlich unter jenem eines XPS 15 oder Macbooks. Zudem bekommt der Käufer ein für Linux optimiertes Gerät, das direkt nach dem Aufklappen funktioniert, ohne dass noch zusätzliche Arbeit anfiele.

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