Webbrowser Surf für schwächere Rechner

Aus LinuxUser 05/2019

Webbrowser Surf für schwächere Rechner

© soloway, 123RF

Schlanker Sprinter

Gerade auf älterer Hardware geben Browser-Boliden wie Firefox und Chromium keine gute Figur ab. Surf arbeitet dagegen wieselflink und sparsam.

Unter Linux buhlen unzählige Webbrowser um die Gunst der Anwender. Neben den Platzhirschen Firefox und Chromium und weniger prominenten Alternativen wie Opera, Midori oder Falkon (ex: Qupzilla) finden sich für schwächere Hardware auch textbasierte Browser wie Lynx oder W3m im Softwareangebot.

Gerade jenen Vertretern der Gattung, die für leistungsschwächere Computersysteme konzipiert wurden, fehlt es jedoch oft an der Fähigkeit, moderne Webseiten korrekt darzustellen. Zudem benötigen sie immer noch mehrere Hundert MByte an Arbeitsspeicher, arbeiten also nicht so ressourcenschonend wie erwünscht.

Mit einem ungewöhnlichen Bedienkonzept präsentiert sich dagegen der von Suckless.org entwickelte Webbrowser Surf. Er nimmt für sich in Anspruch, tatsächlich einer der sparsamsten Internet-Navigatoren zu sein [1].

Konzept

Surf steht plattformübergreifend für unixoide Systeme in der Version 2.0 zur Verfügung und findet sich in den Software-Repositories zahlreicher Distributionen. Auch für FreeBSD bieten die Entwickler Pakete an. Der Browser basiert auf dem GTK+-Toolkit und der Webkit2-Engine, setzt also auf bekannte und bewährte Komponenten.

Anders als herkömmliche Browser besitzt Surf jedoch keine grafische Oberfläche, Sie starten ihn im Terminal. Er lässt sich auch als Kiosk-Browser konfigurieren, sodass der Anwender das Programm nicht ohne Weiteres beenden kann. Herkömmliche Bedienelemente und Menühierarchien fehlen Surf, die Steuerung erfolgt durch einen Mix aus Tastatureingaben.

Klaviatur

Sie starten Surf im einfachsten Fall, indem Sie im Terminal surf URL eintippen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie eine herkömmliche Webadresse angeben oder eine per SSL/TLS-Protokoll verschlüsselte Seite abfragen. Die aufgerufene Seite zeigt der Browser in einem neu geöffneten Fenster an.

Wie bei jedem anderen Webbrowser auch folgen Sie Verknüpfungen per Linksklick. Die neue Webseite öffnet sich dann im aktuellen Fenster. Aktivieren Sie mit [Strg]+[Umschalt]+[C] den Caret-Browsing-Modus erscheint im Browser-Fenster ähnlich wie bei einem Texteditor ein blinkender Cursor, den Sie mit den Pfeiltasten bewegen. Steht er auf einem Link, wechseln Sie mit der Eingabetaste zur verknüpften Adresse. So lässt sich der Browser komplett über die Tastatur steuern.

Die einzelnen Seiten speichert Surf in einem Cache. Da er neu aufgerufene URLs jedoch weder in einem zusätzlichen Tab noch in einem neuen Fenster öffnet, müssen Sie über die Tastenkombinationen [Strg]+[H] und [Strg]+[L] zwischen den einzelnen Webseiten hin- und herschalten.

Ähnlich wie beispielsweise in Firefox lässt sich auch in Surf der Bildschirminhalt vergrößern beziehungsweise auch verkleinern. Dazu nutzen Sie die Tastenkombinationen [Strg]+[+] und [Strg]+[-]; alternativ funktionieren auch die Tasten [Strg]+[Umschalt]+[K] zum Vergrößern und [Strg]+[Umschalt]+[J] zum Verkleinern. Mit [Strg]+[Umschalt]+[Q] setzen Sie den Zoom auf die Standardeinstellung zurück (Abbildung 1).

Abbildung 1: Surf kommt praktisch ohne grafische Bedienelemente aus. Selbst die Scroll-Balken lassen sich bei Bedarf deaktivieren.

Abbildung 1: Surf kommt praktisch ohne grafische Bedienelemente aus. Selbst die Scroll-Balken lassen sich bei Bedarf deaktivieren.

Menü

Um direkt aus Surf selbst neue Seiten aufrufen zu können, müssen Sie zusätzlich Dmenu installieren, ein ebenfalls von Suckless.org entwickeltes dynamisches Menü für das X-Window-System [2].

Sie laden es wie den Browser in der Regel aus den Paketquellen der von Ihnen genutzten Distribution auf den Rechner. Je nach verwendeter Distribution heißt das fragliche Paket entweder dmenu oder suckless-tools.

Um nach der Installation von Dmenu eine neue Seite manuell aufzurufen, verwenden Sie die Tastenkombination [Strg]+[G]. Surf blendet dann am oberen Bildschirmrand das Dmenu ein, in dem Sie die gewünschte Webadresse eingeben und mit einem Druck auf die Eingabetaste laden.

Sonderfunktionen

Surf besitzt auch eine komfortable Suchfunktion, die Sie mit der Tastenkombination [Strg]+[F] öffnen. Dmenu wartet daraufhin auf die Eingabe des Suchbegriffs. Der Browser markiert alle Fundstellen in gelber Farbe. Mit [Strg]+[N] springen Sie von Fundstelle zu Fundstelle, wobei Surf den jeweils aktuellen Begriff blau hinterlegt. Zurück zu einer vorherigen Fundstelle geht es mit [Strg]+[Umschalt]+[N].

Mit der Tastenkombination [Strg]+[R] frischen Sie eine Webseite auf; mit [Strg]+[Umschalt]+[R] laden Sie sie unter Umgehung des Caches vollständig neu. Alternativ dazu können Sie beim Start des Webbrowsers auch den Cache explizit ausschalten, indem Sie in der Kommandozeile den Parameter -d hinzufügen. In diesem Fall behält Surf die aufgerufenen Inhalte ausschließlich im Arbeitsspeicher. Der Parameter -D schaltet dagegen den Diskcache explizit ein.

Javascript

Zahlreiche Webseiten nutzen Javascript für dynamische Seiteninhalte. Allerdings greifen auch viele Anzeigen und Tracker auf Javascript-Funktionen zurück. Wollen Sie die oft lästigen Werbeeinblendungen loswerden, unterbinden Sie die Nutzung von Javascript, indem Sie beim Aufruf von Surf den Parameter -s an den Startbefehl anhängen (Abbildung 2). Umgekehrt lässt sich Javascript mit dem Aufrufschalter -S explizit aktivieren.

Abbildung 2: Ohne Javascript (links) laden viele Webseiten ohne störende Anzeigen.

Abbildung 2: Ohne Javascript (links) laden viele Webseiten ohne störende Anzeigen.

Haben Sie beim Start Javascript deaktiviert und stellen später fest, dass der Browser Inhalte infolgedessen nicht mehr korrekt wiedergeben kann, schalten Sie das Ausführen von Skripten mit der Tastenkombination [Strg]+[Umschalt]+[S] auch während der Laufzeit um.

Über die Tastenkombination [Strg]+[Umschalt]+[P] öffnen Sie bei Bedarf den Druckdialog des Systems und übergeben damit die aktuell geladene Webseite dem Drucker oder lassen die Seite als PDF- oder Postscript-Datei speichern.

Erweiterungen

Surf soll ganz bewusst nur die nötigsten Anforderungen eines Webbrowsers abdecken. Für zusätzliche Funktionen lässt sich der Browser allerdings mithilfe von Skripten erweitern. So rüsten Sie beispielsweise die fehlende Lesezeichen-Funktion nach oder implementieren eine Browser-Historie.

Dazu greift Surf in vielen Fällen auf Dmenu. Die Entwickler des Browsers pflegen auf der Homepage des Projekts zahlreiche Erweiterungen und liefern dazu ausführliche Anleitungen, die erklären, wie Sie die jeweiligen Skripte Ihren individuellen Bedürfnissen anpassen [3].

Für bestimmte Funktionen gibt es außerdem Patches, mit deren Hilfe sich der Browser erweitern lässt. Sie greifen allerdings direkt in den Quellcode ein, sodass Sie das komplette Programm neu kompilieren müssen. Für fortgeschrittene Anwender liefern die Entwickler von Surf auch dazu eine ausführliche Dokumentation [4].

Indikatoren

Eine Besonderheit von Surf stellen die auf den ersten Blick kryptisch anmutenden Zeichenfolgen wie etwa @cGDISVMf:-Dies ist LinuxUser – Das Magazin für die Praxis in der Titelleiste des Anwendungsfensters dar. Hinter dem Code steht allerdings kein zufälliges Kauderwelsch: Die Zeichenfolge, in der jedes Zeichen für einen Indikator steht, erklärt, mit welchen Parametern Surf die Webseite geladen hat.

Über die Indikatoren lässt sich beispielsweise feststellen, ob die SSL/TLS-Verschlüsselung korrekt funktioniert. Auch andere Parameter lassen sich aus dem Code ablesen, wie etwa der Zustand des Caches oder die Geolocation- und Plugin-Einstellungen. Eine ausführliche Dokumentation zu den einzelnen Indikatoren finden Sie in der Tabelle “Indikatoren”.

Indikator

Bedeutung

 a /A / @

erlaubte Cookies (keine / alle / alle bis auf Third-Party-Cookies)

c / C

Caret Browsing aktiv / inaktiv

g / G

Ermitteln der Geoposition untersagt / erlaubt

d / D

Cache inaktiv / aktiv

i / I

Laden von Bildern unterdrückt / erlaubt

s / S

Ausführen von Javascript unterdrückt / erlaubt

v / V

Laden von Plugins unterdrückt / erlaubt

m / M

Laden von Styles unterdrückt / erlaubt

– / T / U

Verschlüsselung (keine / SSL / Fehler beim Verschlüsseln)

Fazit

Surf beansprucht wesentlich weniger Ressourcen als die gängigen Webbrowser-Boliden und eignet sich damit vor allem – aber nicht nur – für den Einsatz auf leistungsschwacher älterer Hardware. Das weit abseits des Mainstreams liegende Bedienkonzept erfordert allerdings etwas Einarbeitung. Anders als bei vielen grafischen Leichtgewichten und textbasierten Webbrowsern müssen Sie bei Surf kaum Abstriche bei der Darstellungsqualität machen. Zudem lässt sich Surf dank seines modularen Konzepts unkompliziert mit Plugins erweitern. Alles in allem empfiehlt sich der Suckless-Browser also vor allem für experimentierfreudige Anwender mit beschränkten Hardware-Ressourcen. 

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