Die große Zeit der Podcasts ist vorbei, doch wenn Sie Ihren Mitmenschen etwas zu sagen haben, klappt das auch heute noch hervorragend per digitaler Audionachricht. Mit Audacity kommen Sie schnell ans Ziel.
Kaum zu glauben, aber wahr: Der Begriff Podcast erblickte bereits 2004 das Licht der Welt. Zu jenem Zeitpunkt erlebte auch die Idee, in Form von Audiodateien seinen Mitmenschen Beiträge anzubieten, ihre erste Hochphase. Derzeit erlebt das Format eine Art Revival, für das nicht zuletzt Satiriker wie Jan Böhmermann in Zusammenarbeit mit Streaming-Diensten wie Spotify verantwortlich zeichnen. Ganz gleich, ob gerade hip oder nicht: Podcasts bieten eine komfortable Möglichkeit, Mitmenschen Vorträge und Gedanken in akustischer Form zukommen zu lassen. Komfortabler als geschriebener Text stellen sie eine direktere Verbindung zwischen Sender und Empfänger her.
Vielleicht haben auch Sie sich schon einmal mit dem Gedanken getragen, einen Podcast aufzuzeichnen und online zur Verfügung zu stellen, den Gedanken im Anschluss aber wegen vermeintlicher technischer Hürden wieder verworfen. Doch es fällt gar nicht so schwer, einen qualitativ anspruchsvollen und guten Podcast herzustellen. Auf einem Linux-System finden Sie in aller Regel nahezu alle benötigten Komponenten dafür in Form des Audiobearbeitungswerkzeugs Audacity [1] bereits im Lieferumfang.
Audacity richtet sich durchaus auch an (semi-)professionelle Anwender und kommt bei vielen Musikern zum Einsatz. Da das Programm über eine einigermaßen intuitiv zu bedienende grafische Oberfläche verfügt, fällt die Arbeit damit nach einer kurzen Eingewöhnung nicht sehr schwer. Dieser Artikel verrät Ihnen, wie Sie mit Audacity Podcasts selbst aufzeichnen und optimieren. Er geht auf die Benutzung des Programms ebenso ein wie auf die Rahmenbedingungen, die Sie für qualitativ hochwertige Aufnahmen benötigen.
Die passende Hardware
Die gute Nachricht vorab: Den größten Teil der Hardware, die Sie für das Aufzeichnen von Podcasts brauchen, besitzen Sie bereits: einen Computer, auf dem eine aktuelle Distribution läuft. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob es sich um einen Desktop-PC oder einen Laptop handelt. Sehr wahrscheinlich verfügt der Rechner auch über eine 3,5-mm-Buchse für den Anschluss eines externen Mikrofons. Notebooks bringen in der Regel zudem ein internes Mikro mit, das sich auch zum Aufzeichnen von Podcasts nutzen ließe. Es lohnt sich jedoch, sich mit dem Thema Mikrofon etwas genauer auseinanderzusetzen.
Wie immer gilt: Was das Mikrofon an Audioqualität nicht liefert, kann auch das beste Programm durch Nachbearbeiten nicht herbeizaubern. Die bei Notebooks eingebauten Mikrofone befinden sich dort üblicherweise in der Nähe der Tastatur – und mithin in direkter Nähe zu lärmenden Bauteilen wie dem Lüfter der CPU. Nahezu unvermeidlich tauchen daher entsprechende Störgeräusche im Podcast auf, schränken die Verständlichkeit des Gesprochenen ein, und nerven damit die Zuhörer.
Möchten Sie Podcasts aufzeichnen, sollten Sie also über die Anschaffung eines für diese Zwecke geeigneten Mikrofons nachdenken. Keine Panik: Headsets, wie sie oft für Videotelefonie zum Einsatz kommen, liefern mehr als hinreichend gute Audioqualität und sind zum Teil für deutlich unter 30 Euro zu haben. Es muss auch keineswegs zwingend ein Gerät für die Klinkenbuchse sein; ein USB-Mikro tut es in der Regel genauso: Auch die Hersteller von USB-Mikrofonen halten sich meist an die üblichen Standards, sodass die Geräte sofort nach dem Anschließen zur Verfügung stehen. Übrigens verfügen viele externe Webcams ebenfalls über sehr gute Mikros – eventuell genügt das schon Ihren Ansprüchen.
Unkomplizierter Einstieg
Sobald Sie ein geeignetes Mikrofon Ihr Eigen nennen, kann die Arbeit mit Audacity beginnen. Das Programm liegt sämtlichen aktuellen Desktop-Distributionen ab Werk bei und lässt sich problemlos mittels der Paketverwaltung installieren. Nach der Installation finden Sie Audacity etwa unter KDE im K-Menü unter dem Eintrag Multimedia.
Je nach Distributionsversion bekommen Sie dabei jedoch möglicherweise die nicht mehr ganz taufrische Audacity-Version 2.1 serviert. Seit ein paar Wochen steht aber Audacity 2.2 zur Verfügung. Es kommt mit renovierter Oberfläche daher und bietet auch darüber hinaus viele Fehlerkorrekturen. Der Einsatz dieser Version empfiehlt sich daher. Entsprechende Pakete für Ubuntu 17.10 bekommen Sie aus einem eigens für diesen Zweck vorhandenen Ubuntu-PPA [2]. Für OpenSuse finden sich auf Packman [3] passende Pakete.
Ganz oben in Audacity finden Sie die Dateileiste, wie Sie sie auch aus anderen Programmen kennen. In der Leiste darunter bekommen Sie direkten Zugriff auf die zentralen Steuerknöpfe der Software sowie auf die Werkzeuge, die Audacity zum Bearbeiten von Ton bereitstellt. In der dritten Leiste von oben legen Sie fest, welche Geräte Audacity für die Ein- und Ausgabe nutzt. Stellen Sie gleich zu Beginn Ihrer Arbeit mit Audacity sicher, dass hier das richtige Mikrofon ausgewählt ist. Das Programm kann nicht wissen, welches Mikro Sie nutzen möchten – arbeiten Sie beispielsweise an einem Laptop, der sowohl über ein integriertes wie auch ein externes Mikrofon verfügt, nehmen Sie Ihren Ton im schlimmsten Fall mit dem falschen Mikro auf.
Die erste Aufzeichnung
Audacity gibt sich im Hinblick auf die Bedienung nicht besonders kompliziert. Hinzu kommt, dass die zentralen Bedienknöpfe oben links in ihrer Symbolik jenen Tasten ähneln, die Sie von typischer Audio-Hardware wie etwa CD-Playern kennen. Wenn Sie auf Basis dieses Umstands vermuten, dass ein Klick auf das Icon mit dem roten Kreis die Aufnahme startet, liegen Sie ganz richtig.
Setzen Sie sich also vor das Mikrofon, klicken Sie auf das Aufnahme-Icon, und sehen Sie Audacity dabei zu, wie es eine neue Tonspur im aktuellen Projekt anlegt. Sprechen Sie nun ins Mikrofon, so erscheint ein Wellenverlauf in der Tonspur des Audacity-Projekts (Abbildung 1). Gleichzeitig vermittelt der Mikrofonpegel in der Mitte der Werkzeugleiste, welche Lautstärke bei Audacity ankommt. Um die Aufnahme anzuhalten, klicken Sie oben auf das Icon mit dem weißen Viereck.

Abbildung 1: Das am Rechner angeschlossene USB-Mikrofon liefert in diesem Beispiel einen Stereo-Track, daher stellt Audacity zwei Wellenverläufe dar.
Der Podcast entsteht
Wie die Entstehung eines Podcasts vonstatten geht, hängt maßgeblich davon ab, welche qualitativen Ansprüche Sie an das Endprodukt stellen. In der simpelsten Variante starten Sie wie beschrieben eine Aufnahme, sprechen den Text ein, exportieren die resultierende Tonspur am Ende in ein gängiges Format und stellen die resultierende Datei ins Internet – das war’s.
Wer Audacity jedoch nur als Audiorekorder verwendet, vernachlässigt fast schon sträflich dessen großen Fundus an Funktionen. Ein gutes Beispiel bieten Versprecher: Nur den wenigsten Menschen gelingt es, einen längeren Text gleich beim ersten Mal fehlerfrei einzusprechen. Räusperer, Geräusche im Hintergrund, Verzögerungslaute (Klassiker: “Äh…”) oder Versprecher müssen nicht im finalen Produkt verbleiben. Audacity bietet diverse Werkzeuge, um solche Ausrutscher zu eliminieren.
Die gängigste Aufgabe beim Bearbeiten mit Audacity dürfte also darin bestehen, Störgeräusche und Versprecher zu entfernen. Dazu müssen Sie die Stelle, die den ungewünschten Abschnitt enthält, freilich zunächst finden. Dazu klicken Sie an der ungefähren Position in die Tonspur und anschließend auf das Icon oben links mit dem grünen Pfeil, um die Wiedergabe ab diesem Zeitpunkt zu starten. Die zuvor per Klick gesetzte Stelle, an der sich der Cursor befand, wandert nun automatisch in der Tonspur weiter. Das verhindern Sie, indem Sie das Icon oben links mit dem Viereck anklicken.
Haben Sie die entsprechende Stelle ausgemacht, klicken Sie nochmals ganz explizit an deren Anfang. Halten Sie die linke Maustaste gedrückt, und ziehen Sie den Mauszeiger nach rechts. Dabei entsteht ein hell unterlegter Bereich – er sollte bis zum Ende der Störung reichen. Durch Drücken von [Entf] löschen Sie die markierte Stelle aus der Spur.
Ein Tipp: Wenn Sie noch während der Aufnahme bemerken, dass Sie sich versprochen haben, dann pausieren Sie einfach mit dem Einsprechen für eine Sekunde. So fällt es beim Überarbeiten der Aufnahme wesentlich leichter, Störungen in der Tonspur zu identifizieren.
Die Aufnahme optimieren
Früher oder später bekommen Sie es beim Erstellen von Podcasts in Audacity mit Projekten zu tun, die mehrere Aufnahmen in unterschiedlichen Tonspuren organisieren. Diese Aufgabe beherrscht Audacity ohne Probleme; allerdings sollten Sie wissen, wie Sie eine Tonspur in Audacity repositionieren.
Markieren Sie dazu den Bereich der Tonspur, den Sie verschieben möchten. Drücken Sie [F5]+, um das Verschiebewerkzeug auszuwählen (alternativ den Schalter mit dem horizontalen Doppelpfeil in der Werkzeugleiste). Dann klicken Sie auf den fraglichen Bereich und ziehen ihn nach links oder rechts an seine neue Position. Zu guter Letzt drücken Sie [F1], um zum normalen Auswahlmodus zurückzukehren.
Gerade wenn Sie Aufnahmen von unterschiedlichen Orten oder aus verschiedenen Räumlichkeiten verwenden, wird Ihnen schnell auffallen, dass die Lautstärke der Tracks sich unterscheidet. Audacity bietet Ihnen aber die Möglichkeit, die Lautstärke einer Tonspur zu normalisieren. Zu diesem Zweck wählen Sie den gewünschten Bereich einer Tonspur aus und klicken auf Effekt | Normalisieren. Bestätigen Sie einfach die Voreinstellungen, um die Harmonisierung vorzunehmen.
Um einen Übergang zwischen zwei Tonspuren zu erzeugen, platzieren Sie die fraglichen Tracks so hintereinander, dass sie sich leicht überlappen. Nun wählen Sie in der Tonspur, die langsam leiser werden soll, ein bis zwei Sekunden am Ende aus und klicken auf Effekt | Ausblenden. Die langsam lauter werdende Tonspur fahren Sie danach hoch, indem Sie die ersten ein bis zwei Sekunden auswählen und die Option Effekt | Einblenden nutzen.
Intro und Outro
Die Erfahrung zeigt, dass mit zunehmender Anzahl der erstellten Podcasts beim Produzenten der Wunsch nach Perfektion wächst. Ein gängiges Mittel, um Podcasts einen professionellen Touch zu verleihen, stellt besondere Musik am Anfang und am Ende der Aufnahmen dar – neuhochdeutsch: ein Intro und ein Outro.
Haben Sie keine Angst, dabei mit der GEMA in Konflikt zu geraten: Im Netz findet sich ein reicher Fundus freier Musik, die Sie ohne Lizenzkosten benutzen dürfen und die beinahe alle Wünsche abdeckt. Klicken Sie sich beispielsweise einfach einmal durch das Free Music Archive [4] oder hören Sie auf Bensound [5] hinein, ob einige der Tracks Ihren Vorstellungen entsprechen.
Zum Einbinden der Titel in den Podcast importieren Sie die Musikdatei zunächst in Audacity. Laden Sie sie dazu aus dem Netz herunter, und legen Sie den oder die Titel lokal auf der Festplatte ab. Klicken Sie nun in Audacity auf Datei | Importieren | Audio, navigieren Sie zum heruntergeladenen Stück, und bestätigen Sie die Auswahl. Kurze Zeit später steht der Titel als separate Tonspur in Ihrem Audacity-Projekt zur Verfügung.
Falls Sie nur einen kleinen Teil des Werks als Intro oder Outro verwenden möchten, dann schneiden Sie die jeweilige Tonspur genauso zu, wie Sie es zuvor auch mit der eigenen Aufnahme gemacht haben. Im Falle des Intros verschieben Sie die gesamte Tonspur schließlich an den Anfang des Audacity-Projekts. Wollen Sie hingegen ein Outro gestalten, muss dieses logischerweise ans Ende des Projekts. Das war es schon: Nach dem Export des Audacity-Projekts in ein gängiges Format bilden Intro und Outro einen integralen Bestandteil Ihres Podcasts (Abbildung 2).

Abbildung 2: Derselbe Inhalt wie in Abbildung 1 – allerdings mit einem musikalischen Intro und entsprechenden Übergängen.
Der Export des Werks
Unter der Haube arbeitet Audacity nicht mit Audiodaten in einem gängigen Format; es nutzt für das Abspeichern ein eigenes Rohformat. Möchten Sie Ihren Podcast also der Welt zur Verfügung stellen, müssen Sie ihn noch als als MP3 oder Ogg-Vorbis-Datei exportieren.
Dazu stellen Sie den Podcast zunächst fertig: Intro und Outro gehören an die richtigen Stellen, eventuelle Störgeräusche schneiden Sie wie beschrieben heraus. Die Lautstärke gleichen Sie über den gesamten Podcast an, und Sie stellen sicher, dass sich keine Tonspuren überlagern.
Dann konvertieren Sie das Ergebnis in die gebräuchlichsten Audio-Formate. Dazu klicken Sie auf Datei | Exportieren | Als MP3 exportieren, geben im sich daraufhin öffnenden Dateiauswahlfenster einen sinnvollen Namen an, und klicken auf Save oder Speichern (Abbildung 3). Die Datei laden Sie dann anschließend ins Internet hoch, wo Ihre Hörer sie nun genießen können.

Abbildung 3: Um den Hörern einen funktionierenden Podcast anzubieten, bedarf es des Exports in das MP3-Format – kein Problem für Audacity.
Infos
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Audacity: https://www.audacityteam.org
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Das Ubuntu-PPA für Audacity: https://launchpad.net/~ubuntuhandbook1/+archive/ubuntu/audacity
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Audacity 2.2 für OpenSuse: http://packman.links2linux.org/package/audacity
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Free Music Archive: http://freemusicarchive.org
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Bensound: https://www.bensound.com





