Webbrowser Pale Moon und SRWare Iron im Vergleich

Aus LinuxUser 11/2017

Webbrowser Pale Moon und SRWare Iron im Vergleich

© Phiseksit Inthip, rangizzz, 123RF

Mal was anderes

Sie finden, Firefox arbeitet zu langsam und Chrome sammelt zu viele persönliche Daten? Dann greifen Sie einfach zu schnellen und sicheren Webbrowser-Alternativen wie Pale Moon oder Iron.

Unter Linux, wie auch unter vielen anderen Betriebssystemen, teilen seit Jahren Googles Chrome und Mozillas Firefox den Webbrowser-Markt unter sich auf [1]. Doch beide haben gravierende Nachteile: Firefox triezt Anwender mit einer trägen Arbeitsweise und hohem Ressourcenbedarf, Chrome entpuppt sich als wahre Datenkrake. Beide Browser sorgen zudem mit Releases beinahe im Monatstakt für wachsenden Unmut. Mozilla sammelt ebenfalls immer fleißiger und intransparenter Daten seiner Nutzer, während Chrome an teils mangelnden Konfigurationsoptionen krankt.

Alternative Browser wie Midori oder Qupzilla/Falkon arbeiten zwar schnell und ressourcenschonend, bringen jedoch bei Weitem nicht so viele Erweiterungen mit wie die beiden Platzhirsche und deren Derivate. Allerdings lassen sich damit lästige Werbung, perfide Tracker und auch Sicherheitslöcher nur bedingt eliminieren. Eine echte Abhilfe schaffen auch die meisten Derivate der beiden Marktführer nicht: So ist das von Mozilla unterstützte Seamonkey-Projekt zwar weniger datenhungrig und auch schneller als Firefox, jedoch funktionieren die meisten Firefox-Erweiterungen nicht unter Seamonkey.

Chromium wiederum weist im direkten Vergleich zu Chrome einige Funktionsdefizite auf, wie fehlende Codecs, und leidet aufgrund seiner engen Verwandtschaft zu Googles Browser auch an dessen Konfigurationsdefiziten. Nach Einstellung verschiedener anderer Derivate wie Flock oder Cyberfox und Waterfox bleiben als bekannteste Derivate der Platzhirsche noch Pale Moon und SRWare Iron übrig, die sich jeweils als verbesserte Varianten der Originale verstehen.

Pale Moon

Der Firefox-Abkömmling Pale Moon [2] ist ein inzwischen unabhängig von Mozilla unter der Leitung des Niederländers M. C. Straver seit dem Jahr 2009 entwickelter, plattformübergreifender Browser. Die Software findet sich mittlerweile auch in den Repositories einiger gängiger Linux-Distributionen. Ursprünglich als Firefox-Derivat konzipiert, haben sich die Entwickler frühzeitig vom hektischen und kaum noch durchschaubaren Release-Modell des Mozilla-Browsers abgekoppelt, sodass Pale Moon derzeit die recht niedrig anmutende Versionsnummer 27.4 trägt.

Um Pale Moon im Vergleich zum immer trägeren Firefox zu beschleunigen, entfernten die Entwickler eine Reihe von Funktionen. Obwohl der Webbrowser inzwischen völlig unabhängig entsteht, legen die Programmierer Wert auf die Kompatibilität zu Firefox. Daher lassen sich neben den eigenen Erweiterungen auch solche aus dem Mozilla-Fundus nutzen. Auch Themes zur optischen Modernisierung des – auf den ersten Blick etwas altbacken wirkenden – Programms lassen sich aus dem Bestand von Firefox beziehen.

Die im Mozilla-Browser mit Version 29 eingeführte Australis-Oberfläche mit dem Design von Chrome suchen Sie dagegen bei Pale Moon vergebens. Darüber hinaus bietet der Browser von Moonchild Productions ein eigenes Repository für Erweiterungen [3] sowie zahlreiche Sprachpakete [4]. Pale Moon unterstützt zudem mehrere Dutzend Suchmaschinen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Pale Moon baut Webseiten deutlich schneller auf als der große Bruder Firefox.

Abbildung 1: Pale Moon baut Webseiten deutlich schneller auf als der große Bruder Firefox.

Unterschiede

Anders als das optische Erscheinungsbild zunächst vermuten lässt, handelt es sich bei Pale Moon nicht um einen Klon einer alten Firefox-Version. Der Browser nutzt die eigenentwickelte Goanna-Engine [5] anstelle des von Mozilla entwickelten Gecko und erzielt damit im direkten Vergleich zum Original einen signifikanten Geschwindigkeitszuwachs. Pale Moon startet wesentlich schneller als Firefox und öffnet Webseiten ähnlich schnell wie Chromium. Die kontinuierlich weiterentwickelt Goanna-Engine bietet vollständige HTML5- und CSS-Kompatibilität.

Firefox-Addons verwenden eine interne Versionskontrolle, die ständig an die extrem hektischen Release-Zyklen des Mozilla-Browsers angepasst werden muss. Daraus ergeben sich auch für Pale Moon vermehrt Probleme mit der Kompatibilität. Aus diesem Grund gibt es inzwischen von einigen sehr stark nachgefragten Addons, wie dem Werbeblocker uBlock Origin und dem Javascript-Blocker Yesscript, eigene Varianten für Pale Moon in dessen Addon-Repository.

Sie lassen sich wie beim Mozilla-Browser bequem per Mausklick installieren, erfordern jedoch keine ständigen, mit Browser-Updates einhergehenden Aktualisierungen. Mit der Pale-Moon-Commander-Erweiterung [6] steht zudem ein Addon bereit, das die detaillierte Konfiguration des Webbrowsers enorm vereinfacht. Der Commander fügt dem Browser einen erweiterten Einstellungsdialog hinzu, den Sie über das Menü Extras | Advanced options erreichen.

Kommandozentrale

In sechs horizontal am oberen Fensterrand angeordneten Reitern des Commanders finden Sie die wichtigsten Optionen zur Konfiguration des Browsers. Diese erreichen Sie sonst nur wesentlich unübersichtlicher über die Eingabe des Befehls about:config in der Adresszeile. Im Pale Moon Commander modifizieren Sie beispielsweise die Cache-Einstellungen und Optionen zur Sitzungshistorie, nehmen Anpassungen für Javascript, die Inhaltsdarstellung und das Benutzer-Interface vor und ändern einige sicherheitsrelevante Optionen. Der Browser übernimmt das neue Setting meist sofort und ohne Neustart (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ersetzt in vielen Fällen kryptische Konfigurationseinstellungen: der Pale Moon Commander.

Abbildung 2: Ersetzt in vielen Fällen kryptische Konfigurationseinstellungen: der Pale Moon Commander.

Zu den weiteren Änderungen von Pale Moon im Vergleich zu Firefox zählen der Wegfall des unter Sicherheitsaspekten problematischen WebRTC [7] und der Kindersicherung. Daneben verzichtet der Browser auf automatische Updates im Hintergrund sowie die ausufernde Datensammelei per Telemetrie und Absturzmeldungen.

Die Entwicklung von Pale Moon konzentriert sich auf modernere Prozessoren, grundsätzlich erfordert das Programm einen Prozessor mit SSE2-Unterstützung. Offiziell setzt der Browser daher eine Pentium-4-CPU voraus, für Rechner mit Pentium III gibt es lediglich einen inoffiziellen Build [8]. Eine Übersicht der unterstützten CPUs finden Sie auf der Projektseite [9].

SRWare Iron

Aus dem nordhessischen Trendelburg bei Kassel kommt der Chrome-Abkömmling Iron. Der Hersteller SRWare [10] entwickelt ihn als plattformübergreifende, quelloffene Applikation, der Fokus liegt dabei vor allem auf Sicherheit: Iron kommt ohne Links und Datenübertragungen zu Google aus, die eine Installation eindeutig identifizierbar machen [11].

Iron basiert wie das Google-Pendant auf der von Webkit abgespalteten Blink-Rendering-Engine, auch das Interface ähnelt jenem von Chrome/Chromium. Trotzdem bietet der Browser eine Arbeitsgeschwindigkeit, die ihresgleichen sucht, vor allem beim Seitenaufbau. Selbst andere sehr flinke Konkurrenten wie Opera und der Yandex-Browser hecheln Iron beim Rendering von Webseiten hinterher. Daher eignet sich Iron auch ausgezeichnet für den Einsatz auf älterer Hardware, auf der Boliden wie Firefox nur träge arbeiten.

Die Entwickler bieten Iron für Linux in vier unterschiedlichen Varianten an: Neben 32- und 64-Bit-DEBs liefert der Hersteller zwei portable TAR.GZ-Archive, die mit jeder Linux-Distribution harmonieren [12]. Den Inhalt des Archivs schieben Sie nach dem Auspacken in ein beliebiges Verzeichnis, wobei Sie dann den Browser nach einem Wechsel in das Zielverzeichnis mithilfe des Befehls ./chrome aufrufen. Falls Sie entsprechende Starter in Ihre Menüs integrieren möchten, müssen Sie diese manuell anlegen.

Einstellungssache

Die sehr detaillierten Einstellungsmenüs fördern einige Optionen zutage, die Anwender mit einem erhöhten Gespür für Datenschutz modifizieren sollten: So finden Sie im Einstellungsmenü im Bereich Sicherheit und Datenschutz eine ganze Reihe von aktivierten Inhaltseinstellungen, die teilweise die Identifikation des Nutzers zulassen oder gar Zugriff auf dessen Hardware ermöglichen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Datenschutz und Privatsphäre suboptimal: Iron lässt unnötigerweise viele Optionen aktiviert.

Abbildung 3: Datenschutz und Privatsphäre suboptimal: Iron lässt unnötigerweise viele Optionen aktiviert.

Diese Optionen sollten Sie jedoch nicht komplett deaktivieren, sondern den Browser nur veranlassen, bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses nachzufragen. Dazu gibt es die Möglichkeit, optionsspezifische Black- und Whitelists anzulegen, die den Zugriff auf das System für die darin angegebenen Webseiten blockieren oder erlauben. Diese recht holprige Konfiguration datenschutzrelevanter Einstellungen orientiert sich sehr eng an Chrome/Chromium und verwirrt insbesondere Anwender, die solche Dialoge von anderen Browsern her nicht kennen.

Aufgrund der engen Verwandtschaft zum Google-Browser kommt Iron auch mit dessen Addons zurecht. Dadurch eliminieren Sie wie bei Firefox & Co. allzu penetrante Werbeeinblendungen und Tracker. Standarderweiterungen wie uBlock Origin oder Ghostery befinden sich in den Google-Repositories für Chrome und lassen sich von dort ebenso installieren wie andere Erweiterungen, etwa Download-Manager.

Automatik

Der Iron-Browser besitzt die unangenehme Eigenschaft, bei Eingabe von Adressen oder Begriffen in der Adresszeile diverse Vorschläge zur Vervollständigung anzuzeigen. Dieses Verhalten in der sogenannten Omnibox führt meist nicht zum Ziel, bringt jedoch vor allem bei intensiver Nutzung des Browsers erhebliche Unruhe ins Browser-Fenster, da sich die Suchvorschläge bei jedem Tastenanschlag ändern. Zudem überträgt der Konkurrent Chrome dabei Daten an Google, die der Konzern zum Verfeinern der Suchvorschläge auswertet. Dieses Verhalten lässt sich bei Firefox und Pale Moon abschalten, bei Chrome und Iron jedoch nicht. Es gibt im Bereich Sicherheit und Datenschutz im Einstellungsdialog nur die Option, diverse Daten manuell zu löschen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Vom Browser angehäufte Daten lassen sich bei Iron mit Bordmitteln nur von Hand löschen.

Abbildung 4: Vom Browser angehäufte Daten lassen sich bei Iron mit Bordmitteln nur von Hand löschen.

Ein weiteres Manko stellt die Anzeige besuchter Webseiten in Gestalt verkleinerter Ansichten in einem leeren Browser-Tab dar. Diese Kachelansicht können Sie bei Firefox und Pale Moon abstellen, sodass bei Öffnen eines neuen Tabs nur ein leeres Fenster erscheint und sich keine Rückschlüsse auf das Surfverhalten ziehen lassen.

Dagegen bieten weder Iron noch Chrome in den Einstellungen eine Option, um die Kacheln abzuschalten. Sie müssen stattdessen ein zusätzliches Addon installieren, um die Kacheln wie auch die beim Öffnen eines neuen Tabs zwangsweise eingeblendete Lesezeichenleiste abzuschalten. Sie erhalten das dazu benötigte Addon Empty New Tab Page in Googles Chrome Web Store [13].

Allerdings bleiben selbst nach dem Löschen individueller Daten im Einstellungsmenü die besuchten Webseiten in der Miniaturansicht erhalten, sodass man diese nach Deaktivieren des Addons wieder einsehen und somit nachvollziehen könnte. Nur das komplette Löschen der Verlaufs- und Sitzungsdaten über das Menü Einstellungen | Weitere Tools | Browserdaten löschen… tilgt diese Spuren Ihres Surfverhaltens aus Iron.

Fazit

Die beiden getesteten Alternativen wissen im Vergleich zu den Originalen zu überzeugen. Dabei bietet Pale Moon einen deutlich besseren Datenschutz als Iron. Letzterer eliminiert zwar die Datensammelei durch Google weitgehend, speichert aber wie das Original Chrome viele individuelle Daten lokal. Pale Moon gewöhnen Sie mit wenigen Mausklicks jegliche Funktionen zum Speichern individueller Daten ab – Ähnliches erfordert bei Iron sehr viel mehr Fachwissen. Im Geschwindigkeitstest hängt Iron alle Mitbewerber locker ab, inklusive Opera, Vivaldi, Midori und Falkon/Qupzilla. Selbst eine größere Zahl installierter Addons führt dabei zu keinen Geschwindigkeitseinbußen. Haben Sie die Wahl zwischen Firefox respektive Chrome auf der einen und Pale Moon beziehungsweise Iron auf der anderen Seite, empfehlen wir ohne Einschränkung die beiden Alternativen. 

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