Dienste-Browser: Franz, Rambox und Manageyum im Test

Aus LinuxUser 08/2017

Dienste-Browser: Franz, Rambox und Manageyum im Test

© Christina Yakovleva, 123RF

Aller guten Dinge …

Die Dienste-Browser Franz, Rambox und Manageyum wollen Messenger und andere Web-Apps unter einer Oberfläche vereinen.

Die Zahl der Kommunikationsdienste, die wir beruflich brauchen oder privat nutzen, nimmt ständig zu. Dazu zählen Social Networks, Messenger, Chats, Webmailer und Code-Archive. Beispielsweise setzt die Teilnahme an verschiedenen Communities und Projekten oft den Einsatz spezifischer Dienste voraus. Einige der Web-Dienste will man sowohl privat als auch im Job nutzen, beides aber nicht vermischen.

Auf diese Weise wächst die Zahl der Dienste stetig weiter an. Egal, ob wir sie als Lesezeichen ablegen oder als Reiter im Browser offen lassen: Es nervt, den gerade benötigten Dienst zu finden. Hinzu kommen die Benachrichtigungen, die in verschiedenen Formaten um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Seit einiger Zeit versuchen Projekte wie Franz [1], Rambox [2] und Manageyum [3] das Dienste-Chaos zu bändigen, und vereinen dazu eine Vielzahl an Messengern und ähnlichen Web-Apps unter einer Oberfläche.

Bei den Dienste-Browsern handelt es sich um nicht viel mehr als um Wrapper, die diverse Web-Versionen der verschiedenen Dienste unter eine Oberfläche bringen, sie in Reitern darstellen und sich um die Weiterleitung der Benachrichtigungen kümmern. Dazu muss die fragliche App ein Web-Interface oder eine Web-API bieten.

Das bekannteste der drei Projekte, Franz, ist Freeware; die beiden anderen Kandidaten sind freie Software. Manageyum stellt die jüngste und bisher weniger bekannte Variante eines Dienste-Browsers dar. Alle drei bieten eine unterschiedliche Anzahl an Diensten an. Die nicht eben kleinen Anwendungen rangieren im Download-Umfang zwischen 50 und 110 MByte. Statt sie zu installieren, legen Sie sie lediglich unterhalb des Verzeichnisses /opt ab und starten sie über eine Desktop-Verknüpfung.

Franz

Franz läuft unter Linux, MacOS und Windows. Sie laden es entweder als ZIP-Archiv von Github herunter oder klonen das Git-Repository [4]. Den Quellcode der Anwendung allerdings suchen Sie auf Github vergeblich: Außer dem Changelog ist hier nichts zu finden.

Beim Entpacken des ZIP-Archivs entsteht ein Verzeichnis mit rund 125 MByte Umfang (Listing 1, erste und zweite Zeile). Franz lässt sich direkt von hier aus starten, indem man die ausführbare Datei Franz doppelt anklickt.

Schätzen Sie Komfort und bevorzugen ein Icon zum Starten, müssen Sie eine Desktop-Verknüpfung händisch anlegen. Dazu laden Sie das Icon der Anwendung herunter (dritte Zeile) und erstellen mit einem Texteditor wie Nano eine Desktop-Datei für die Anwendung (Zeile 4). In diese kopieren Sie den Inhalt von Listing 2.

Listing 1

# mkdir /opt/franz
# tar xf Franz-linux*.tgz -C /opt/franz/<C>
# wget https://cdn-images-1.medium.com/max/360/1*v86tTomtFZIdqzMNpvwIZw.png -O /usr/share/icons/franz.png<C>
# nano /usr/share/applications/franz.desktop<C>

Listing 2

[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Name=Franz
Comment=App-Browser
Exec=franz -- %u
StartupWMClass=Franz
Icon=franz
Terminal=false
Type=Application
Categories=Network;

Eine nähere Inspektion des Anwendungsverzeichnisses enthüllt auch das Geheimnis des großen Umfangs: Franz ist, wie auch die beiden anderen Kandidaten, mit dem berüchtigten Framework Electron [5] gebaut. Es erstellt verschwenderisch große Cross-Plattform-Apps auf Basis von Javascript, HTML und CSS. Auch Grundelemente von Googles Browser Chrome finden Verwendung, um Franz das Gerüst eines Browsers mit Tab-Funktionalität zu geben.

Nach dem Start erwartet Sie ein übersichtliches Browser-Fenster (Abbildung 1), das zum Testzeitpunkt 34 Web-Apps zur Integration anbot. Darunter finden sich die üblichen Verdächtigen Hipchat, Wechat, Slack, Facebook-Messenger, Whatsapp, Skype, Hangouts, Gmail und Outlook.com. Alternative Plattformen wie Mattermost sind ebenso vertreten wie das Enterprise-Netzwerk Linkedin und Oldtimer wie ICQ.

Abbildung 1: Franz bietet ein &uuml;bersichtliches Fenster an, das jedoch an falscher Stelle um Spenden bettelt.

Abbildung 1: Franz bietet ein übersichtliches Fenster an, das jedoch an falscher Stelle um Spenden bettelt.

Keine Spionage

Weder Franz noch die beiden anderen Apps erstellen dabei Accounts: Alle drei nehmen lediglich Ihre Account-Daten entgegen und starten dann die Web-App, bei der Sie sich dann anmelden. Dabei werden keine Daten oder Inhalte an Franz übermittelt. Die jeweilige Web-App läuft im selben Kontext wie auch außerhalb von Franz in einem normalen Browser. So wertet beim Nutzen von Gmail in Franz weiterhin Google Ihre E-Mails aus, Franz bekommt davon nichts mit.

Nachdem Sie einige Web-Apps in Franz integriert haben, erscheinen diese am oberen Bildschirmrand als Reiter. Mehrere Konten desselben Diensts dürfen Sie auch mehrmals anmelden. Unterhalb der Reiter prangt recht aufdringlich eine Zeile, in der die Franz-Entwickler um Spenden bitten.

Die Integration der Apps geht flott vonstatten (Abbildung 2), Sie benötigen lediglich Ihre Anmeldedaten. Sie haben dabei die Wahl, Benachrichtigungen der jeweiligen App zuzulassen, und können die Anwendung akustisch stummschalten. Bei unseren Tests funktionierte das Einbinden recht gut. Eine Ausnahme machte der Messenger Wire, der meldete, diesen Browser nicht zu unterstützen.

Abbildung 2: Das Anmelden neuer Dienste l&ouml;sen alle drei Kandidaten gleich einfach.

Abbildung 2: Das Anmelden neuer Dienste lösen alle drei Kandidaten gleich einfach.

Rambox

Der zweite Kandidat bei den App-Browsern, Rambox, steht unter der GPL und bietet neben dem Quellcode sowie Windows- und MacOS-Binaries diverse Pakete für Linux an. So gibt es neben einem AppImage auch DEB- und RPM-Pakete sowie einen Tarball.

Bei den DEBs und RPMs handelt es sich allerdings um Etikettenschwindel: Die Pakete entsprechen keineswegs den Richtlinien der Distributionen und installieren auch nichts, sondern richten Rambox lediglich genauso ein, wie Sie das bei Franz händisch tun müssen. Die Software landet unterhalb von /opt, auf dem Desktop legt die Routine einen Starter an.

Nach dem ersten Start zeigt sich, dass Rambox quantitativ weit mehr zu bieten hat als Franz (Abbildung 3). Die App vereint derzeit rund 90 Web-Apps unter ihrer Browser-Oberfläche, die sich vom Aufbau her nicht viel von Franz unterscheidet. Auch hier kommt als Framework Electron zum Einsatz.

Abbildung 3: Das Angebot von Rambox umfasst rund 90&nbsp;Dienste.

Abbildung 3: Das Angebot von Rambox umfasst rund 90 Dienste.

Bei Rambox kommen auch viele weniger bekannte Apps zum Zug. So tauchen etwa neben Gmail die Web-Apps der beiden für Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre ausgelegten Mail-Anbieter Proton und Tutanota auf (Abbildung 4). Rambox erlaubt als zusätzliches Plus das Synchronisieren des Accounts mit den abonnierten Diensten über Systemgrenzen hinweg bei allen unterstützten Plattformen.

Abbildung 4: Die Mail-Provider Proton und Tutanota f&uuml;hrt nur Rambox im Angebot.

Abbildung 4: Die Mail-Provider Proton und Tutanota führt nur Rambox im Angebot.

Als weiterer Pluspunkt kommt die Möglichkeit hinzu, selbst Dienste zu ergänzen [6]. Für Zeiträume, in denen Sie Ihren Computer unbeaufsichtigt lassen, können Sie den Zugang zu Rambox mit einem temporären Passwort sperren. Um nicht gestört zu werden, unterbinden Sie mit einem Mausklick alle Benachrichtigungen und akustischen Signale der Anwendung.

Manageyum

Bei Manageyum handelt es sich um das jüngste Projekt des Trios. Das auf Github entwickelte, quelloffene Programm unterliegt einer MIT-Lizenz. Um Manageyum für Linux, MacOS oder Windows von der Projekt-Webseite [7] herunterzuladen, müssen Sie eine E-Mail-Adresse angeben. Manageyum ist nicht kostenlos: Entweder zahlen Sie 47 US-Dollar für eine Lizenz auf Lebenszeit oder werben fünf neue Nutzer. Sie dürfen die App aber einen Monat lang kostenfrei testen.

Das entpackte Archiv bringt es dank der Verwendung von Electron und Node.js auf einen Umfang von stolzen 285 MByte. Das Einrichten von Manageyum folgt demselben Schema wie das von Franz, das passende Icon für die Anwendung finden Sie auf Github [8].

Der Dienste-Browser fokussiert eher das Arbeitsumfeld als private Messenger, auch wenn er solche durchaus anbietet. Die Aufmachung fällt dementsprechend schlicht aus, wirkt aber ansprechend (Abbildung 5). Das Angebot umfasst derzeit 37 Apps, darunter Github, Bitbucket, Gitter, Confluence und Salesforce, aber auch Gmail, Outlook, Skype, Whatsapp und Wunderlist.

Abbildung 5: Manageyum richtet sich eher auf Enterprise-Dienste aus.

Abbildung 5: Manageyum richtet sich eher auf Enterprise-Dienste aus.

Auch Manageyum bietet das Einbinden weiterer Dienste an. Dafür gibt es sogar ein Icon, das bei einem Klick darauf lediglich den Namen und die URL des Diensts einfordert und den Rest im Hintergrund erledigt (Abbildung 6). Die Anwendung funktionierte im Test problemlos, inklusive des Einbindens eigener Dienste. Das funktioniert, wie auch bei Rambox, nur bei solchen Diensten, die ein Web-Interface mitbringen.

Abbildung 6: Bei Manageyum ist das Einbinden eigener Dienste besser gel&ouml;st als bei Rambox.

Abbildung 6: Bei Manageyum ist das Einbinden eigener Dienste besser gelöst als bei Rambox.

Ein Pluspunkt vom Manageyum: Die von Ihnen abonnierten Dienste erscheinen auf einer eigenen, schlichten Seite und lenken nicht mit den vielen bunten Icons der Eingangsseite ab (Abbildung 7).

Abbildung 7: Manageyum trennt die verf&uuml;gbaren von den abonnierten Diensten und erlaubt so konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkung.

Abbildung 7: Manageyum trennt die verfügbaren von den abonnierten Diensten und erlaubt so konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkung.

Fazit

Von den drei Apps hat uns zum Testzeitpunkt Rambox am besten gefallen. Die freie Software bietet die meisten eingebundenen Dienste und erlaubt, wenn auch etwas umständlich, das Hinzufügen weiterer Dienste. In Sachen DEB- und RPM-“Pakete” sollten die Entwickler jedoch klar darauf hinweisen, dass diese lediglich die Bereitstellung der App erleichtern sollen, es sich aber nicht um echte Pakete handelt.

Manageyum gefällt mit seiner unaufdringlichen Gestaltung und verrichtet anstandslos seinen Dienst. Die Ausrichtung auf Dienste aus dem Arbeitsumfeld ist unübersehbar, der geforderte Preis fällt mit 47 Dollar nicht gerade bescheiden aus. Derzeit ist die App das Geld nicht wert, bietet sie doch nicht einmal eine automatische Einbindung ins System. Allerdings befindet sich die recht junge Software noch mitten in der Entwicklung.

Franz hat zwar das Genre begründet, kann jedoch mit den jüngeren Konkurrenten nicht mehr mithalten. Es lässt sich zwar kostenlos nutzen, ist aber keine freie Software. Hier muss man der App vertrauen, keine Daten abzugreifen – anhand des Quellcodes kontrollieren fällt flach. Zudem nervt der prominente, ständig im Blickfeld befindliche Spendenaufruf. 

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