Linux kann jeder – doch nur mit einem Zertifikat lassen sich handfeste Kenntnisse auch nachweisen. Wir stellen Ihnen vor, welche Varianten es gibt.
Nach mehr als 25 Jahren kontinuierlicher Entwicklung treibt Linux nicht mehr nur vereinzelte Endgeräte unverbesserlicher Nerds und Hacker an – in der Server-Welt kann kein Unternehmen mehr auf das Open-Source-Betriebssystem verzichten. Vom kleinen Webshop bis zu den großen Datenbanksystemen mit Oracle und SAP schultert Linux inzwischen einen großen Teil der Wirtschaft. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass hinter den Maschinen Menschen mit dem nötigen Fachwissen und entsprechender Erfahrung sitzen.
Ein guter Weg nachzuweisen, dass Sie beides besitzen, stellt ein Zertifikat dar, das für eine oder mehrere bestandene Prüfungen steht. Einen solchen Fähigkeitsnachweis erwerben Sie jedoch normalerweise nicht einfach im Vorbeigehen: Ist die Prüfung zu einfach, dann taugt auch das Zertifikat nichts. Dieser Beitrag soll Ihnen dabei helfen, herauszufinden, welches Zertifikat für Sie von Interesse sein könnte und welche Wege für die Weiterbildung und Prüfungsvorbereitung zur Auswahl stehen.
Viel Aufwand
In Loriots berühmtem “Jodeldiplom”-Sketch versuchen sich bildungshungrige Bürger an alpenländischem Gesang, um mit einer offiziell aussehenden Urkunde anschließend etwas Eigenes zu haben und damit das Ego zu hätscheln. Anders im professionellen Umfeld: Da legen Sie Prüfungen meist nicht für sich selbst ab. Fremde Menschen, die einen noch nicht kennen, sollen anhand des Zertifikats besser ein- und wertschätzen können, wie gut Sie sind. Das ist in der modernen Welt keine Kleinigkeit. Vor allem in größeren Firmen treffen häufig Menschen Entscheidungen, die vom technischen Unterbau des Unternehmens nur wenig wissen.
Das Zertifikat eines Herstellers oder für bestimmte Kenntnisse weist nach, dass Sie als Inhaber einem definierten Standard genügen und die darin benannten Fähigkeiten besitzen. Es beweist allerdings nicht, dass Sie die beste Besetzung für eine bestimmte Arbeitsstelle sind. Dennoch hebt es Sie als Zertifikatsinhaber gegenüber jenen Menschen heraus, die das lediglich behaupten. Zertifikate versprechen letztlich einen Mindestlevel, den Sie garantiert liefern.
In jedem Falle zeigt es, dass Sie zielgerichtet arbeiten und zudem bereit sind, sich für ein Ergebnis auch zu quälen. Solche Bewerber interessieren eigentlich jeden Arbeitgeber – gerade, wenn neue Themen anstehen. Viele Teilnehmer an Kursen, die auf Zertifikate hinführen, berichten, dass sie die fragliche Prüfung ablegen wollen, weil es ihre Chancen erhöht, überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch zu kommen. Andere wollen ihren bestehenden Arbeitsplatz sichern oder in eine bessere Position im Unternehmen aufsteigen (siehe Kasten “Unterschiede im DACH-Raum”).
Mit der Teilnahme an einem Kurs mit abschließender Zertifizierung klärt sich Ihr Selbstbild zum eigenen Wissensstand. Bislang unstrukturiertes beziehungsweise nur bedarfsorientiertes Fachwissen festigt sich, Lücken werden geschlossen und Zusammenhänge verstanden. Die im Kurs besprochenen, grundlegenden Konzepte lassen sich zu großen Teilen auf andere Linuxe, BSDs, Solaris, MacOS, Android und den Raspberry Pi übertragen.
Unterschiede im DACH-Raum
Deutschland gilt als klassisches Zertifikatsland. Auch in Österreich und der Schweiz punkten Sie mit einem passenden Fähigkeitsnachweis und signalisieren, dass Sie sich aktiv weiterbilden. In der Schweiz sind bei Bewerbungen zudem Referenzen früherer Arbeitgeber oder Ansprechpartner begleiteter Projekte wichtig, die Auskunft über Sie geben [10]. Mitunter prüfen Unternehmen auch mit Tests das auf die spezifischen Anforderungen zugeschnittene Wissen ab.
Vertrauensbasis
Zertifikate als solche schaffen auch Vertrauen. Einem Trainer mit LPIC oder – je nach Situation – einem Red-Hat- oder Suse-Nachweis glauben die Kursteilnehmer meist eher und früher, dass er weiß, wovon er spricht. Überhaupt bilden bestandene Zertifikatsprüfungen bei Herstellerkursen in der Regel die Voraussetzung dafür, dass ein Trainer/Dozent das Seminar auch für andere Personen halten darf.
Am häufigsten wollen aber die Arbeitgeber der Zertifikanden mit dem neuen Schein ihrer Mitarbeiter glänzen. So lässt sich gegenüber dem Kunden argumentieren: “Sieh her lieber Kunde, wir qualifizieren und zertifizieren unseren Mitarbeiter. Sie lösen daher dein Problem zuverlässig und kompetent. Sie sind für deine Linux-Maschine ausgebildet und haben das mit der bestandenen Prüfung nachgewiesen.”
Überblick
Linux-Zertifizierungen gibt es in distributionsübergreifenden und distributionsspezifischen (sprich: herstellergebundenen) Varianten. Zu den bekanntesten Spielern auf dem Markt zählen auf der unabhängigen Seite das Linux Professional Institute (LPI [1]), die Linux Foundation [2] und Computing Technology Industry Association (CompTIA [3]).
Auf der Herstellerseite gilt Red Hat [4] im Moment als Platzhirsch, aber auch Suse [5] gewinnt wieder Fahrt (siehe Tabelle “Zertifizierungen”). Eher ein Nischendasein fristet die Oracle-Linux-Zertifizierung. Welche Prüfungen ein wie großes Loch ins Budget reißen, listet die Tabelle “Preise” auf.
Die Wahrnehmung und Anerkennung der Zertifikate in der Öffentlichkeit variiert. Aufgrund der längeren Marktpräsenz gelten die LPIC-Zertifikate als etabliert und erhalten daher beispielsweise auch Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit. Eine umfangreiche Liste möglicher Schulungspartner [6] finden Sie in der BA-Kursdatenbank (Abbildung 1). Weitaus seltener unterstützt werden RHCE/RHCSA sowie die Suse-Prüfungen – nicht zuletzt, weil sie sich auf einzelne Hersteller beziehen und ein wenig teurer kommen.
Die Linux Foundation tritt mit ihren Abschlüssen im Prinzip erst seit 2017 am deutschen Markt auf und ist daher noch nicht so bekannt. Neben einem ansehnlichen Angebotsumfang trumpft sie mit zwei großen Namen auf: Linus Torvalds und Microsoft. CompTIA gibt es in Deutschland zwar schon lange, die Organisation tritt aber weniger als Linux-Spezialist auf.
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Kürzel |
Titel/Name |
Infos |
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Distributionsübergreifend |
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CompTIA A+ |
– |
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CompTIA Network+ |
– |
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– |
Linux Essentials |
https://www.lpice.eu/de/unsere-zertifizierungen/linux-essentials-ueberblick/ |
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LPIC-1 |
Linux Server Professional |
https://www.lpice.eu/de/unsere-zertifizierungen/lpic-1-ueberblick/ |
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LPIC-2 |
Linux Engineer |
https://www.lpice.eu/de/unsere-zertifizierungen/lpic-2-ueberblick/ |
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LPIC-3 |
Linux Enterprise Professional |
https://www.lpice.eu/de/unsere-zertifizierungen/lpic-3-ueberblick/ |
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LFCS |
Linux Foundation Certified System Administrator |
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LFCE |
Linux Foundation Certified Engineer |
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Distributionsspezifisch |
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RHCE |
Red Hat Certified Engineer |
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RHCSA |
Red Hat Certified System Architect |
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RCA |
Red Hat Certified Architect |
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SCA |
SUSE Certified Administrator |
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SCE |
SUSE Certified Engineer |
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SEA |
SUSE Enterprise Architect |
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Anbieter/Programm |
Zertifikat |
Preis |
|---|---|---|
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LPI |
Linux Essentials (Papier) |
60 Euro |
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LPI |
Linux Essentials (digital) |
110 US-Dollar |
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LPI |
LPIC-101/102 (Papier) |
90 Euro |
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LPI |
LPIC-101/102 (digital) |
188 US-Dollar |
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CompTIA |
A+ |
145 Euro |
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CompTIA |
Network+ |
266 Euro |
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SUSE |
SCA |
149 US-Dollar |
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SUSE |
SEA |
195 US-Dollar |
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Linux Foundation |
SEA |
300 Euro |
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Red Hat |
RHCSA (EX200) |
515 Euro |
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Red Hat |
Cloud-Prüfung |
600 Euro |
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Preise ohne Rabatte und Gutscheine. |
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Die Qual der Wahl
LPI ist bekannt dafür, bis Level 2 ein breites Überblickswissen in Multiple-Choice-Formularen abzufragen. Zudem behält das LPI-Zertifikat für fünf Jahre seine Gültigkeit (siehe Kasten “Ablaufdatum”). CompTIAs Linux+ liegt etwa auf dem Schwierigkeitsgrad von LPI Level 1. Das Zertifikat lässt sich auf ein LPIC-1 überschreiben (siehe Kasten “LPI und CompTIA”). Die Prüfungen der Linux Foundation gelten als anspruchsvoll und technisch überzeugend, dabei aber teurer und sind im Markt noch nicht so bekannt. Vorteil des Trios: Alle drei Zertifikate beziehen sich nicht nur auf eine Distribution.
Ablaufdatum
Beim LPI geht es recht entspannt zu: Das höchste erreichte LPIC-Level müssen Sie nach fünf Jahren wiederholen, damit es gültig bleibt. Die darunterliegenden Zertifikate laufen nicht mehr aus. Verpassen Sie die Erneuerung, beginnen Sie allerdings wieder von vorn.
Ein von CompTIA erworbenes Linux+-Zertifikat gilt für das ganze Leben. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge in der Branche ändern, erscheint das doch ein wenig zu lang. Sehr kurz dagegen mutet die Laufzeit der Linux-Foundation-Zertifikate an: Sie bleiben gerade einmal zwei Jahre gültig. Da beide Zertifikate voneinander unabhängig sind, fallen stets beide Prüfungsgebühren an.
Die kommerziellen Anbieter setzen auf eine fein gestaffelte Hierarchie von Titeln und Voraussetzungen, die Sie für den Erwerb weiterer Titel benötigen. RHCSA und RHCE bilden etwa die Voraussetzung für den RHCA, für den Sie insgesamt fünf Titel und Prüfungen erwerben müssen – und dann halten die Zertifizierungen auch nur drei Jahre. Bei Suse gibt es zudem den SUSE Enterprise Architect, der insgesamt sechs Titel verlangt. Die Zertifikationen gültig zu halten, ist ganz offensichtlich mehr als nur ein Steckenpferd.
LPI und CompTIA
Wer die CompTIA-Prüfung Linux+ erfolgreich ablegt, kann sich kostenlos den LPI Certified Level I (LPIC-1) zuschreiben lassen. Da beide Zertifizierungen häufig im Rahmen von Studiengängen – insbesondere in akademischen Partnerschaften – und Lehren (in der Berufsschule) oder vom Arbeitsamt geförderten Maßnahmen sowie VHS-Kursen antrifft, gelten Sie ein wenig als Volks-Linux-Ausbildung mit Grundlagenfokus. Doch beide – LPI wie CompTIA – bieten sehr wohl auch Inhalte und Prüfungen auf hohem Schwierigkeitsgrad. Das umfasst heterogene Netze, LDAP/Kerberos-Authentifizierung, Security und Wissen zum Umgang in der Cloud.
Steht das System bereits fest, mit dem Sie arbeiten werden, vor allem, wenn es von Red Hat, Suse oder Oracle kommt, dann wählen Sie am besten aus deren Angebot einen passenden Kurs aus und kaufen diesen samt Prüfung direkt beim Distributor ein. Freie Kurse bei passend zertifizierten Trainern sind dem Herstellerangebot oft ebenbürtig, kosten jedoch meist weniger. Allerdings lassen sich solche Kurse weniger oft finden.
Arbeitgeber, die Teilnehmer in einen distributionsübergreifenden Kurs entsenden, betreiben häufig eine gemischte Server-Landschaft. Bei Debian handelt es sich um die weltweit am häufigsten anzutreffende Server-Plattform [7], es gibt jedoch keine eigene Zertifizierung (mehr) dafür. Gleiches gilt für Ubuntu-Server. Tatsächlich lässt sich das meiste, was man für den Betrieb eines Servers unter Red Hat, CentOS oder Suse Linux lernen muss, auch in einem LPI-Kurs erfahren.
Auch offene, herstellerübergreifende Kurse behandeln die verbreitetsten Standarddistributionen – meist Debian, Ubuntu, Red Hat Enterprise Linux (RHEL), CentOS oder Fedora. Darauf beziehen sich auch die Fragen in den Prüfungen. Bei der Linux Foundation darf man die Prüfungsdistribution aus einem knappen halben Dutzend wählen. Speziellere Distributionen wie Knoppix sprechen die Kurse meist nur kurz an oder behandeln sie in einem Spezialfall, etwa als Firewall oder lokaler Server [8].
Das LPI ist wohl das Mittel der Wahl für Leute mit wenig Geld – Schüler, Studenten und Arbeitssuchende (bei denen die Arbeitsagentur die Kosten für den Kurs und den Test trägt). Dasselbe gilt für alle, die sich breiter aufstellen wollen als nur mit einer einzigen Distribution. Die Zertifizierung kostet weniger als die kommerziellen Gegenstücke, Schulungsunterlagen sind öffentlich zugänglich und die Zertifizierung genießt einen guten Ruf (siehe auch Kasten “Kursbezeichnungen”).
Kursbezeichnungen
Viele Anbieter preisen ihre Linux-Trainings als LPI-Kurs an, doch das LPI veranstaltet selbst gar keine eigenen Kurse. Für die Zertifizierung definiert das LPI die Prüfungsinhalte und formuliert die Fragen dazu. Es gibt jedoch von LPI akkreditierte Schulungsunterlagen, Bücher und sogar empfohlene Schulungsanbieter. Eine Übersicht dazu finden Sie auf der LPI-Projektseite.
Zertifikatspflicht
Die Enterprise-Distributionen von Suse, Red Hat und Oracle fungieren als Hauptträgersysteme für die großen Datenbanken von Oracle und das dominante ERP-System SAP – oft trifft man beide im Tross an. SAP und Oracle (aber auch andere, zum Beispiel IBM für Lotus Notes) verlangen ein “zertifiziertes” Betriebssystem; nur die drei Kommerziellen besitzen eine solche Freigabe. Vor allem für diese Zertifizierung zahlt der Kunde Geld.
Für den Betrieb von Datenbank, Betriebssystem und der darunterliegenden, ebenfalls zertifizierten Hardware braucht es gute, mit einem Zertifikat bestätigte Leute. Das schreiben vor allem in größeren Firmen zunehmend die ISO-Zertifizierungen (ISO9001 und deren Nachfolger) vor. Die Business-Welt mit ihrer Zertifizierungskette will eine in sich geschlossene Welt erzeugen, an die man von oberster Entscheidungsebene an abwärts glauben kann. Tatsächlich erzeugt sie hier einen millionenschweren, in sich geschlossenen Markt, dem sich auch das Open-Source-basierte Linux nicht verschließen darf.
Für viele Teilnehmer aus Kursen, die zu Hersteller-Zertifizierungen führen, spielt der ethische respektive weltanschauliche Hintergrund von Linux daher auch keinerlei Rolle. Für sie gilt Linux in erster Linie nur als Nachfolger von Solaris, HP/UX oder AIX. Mit der Zertifizierung sichern sie ihren Arbeitsplatz oder spekulieren auf einen besseren.
Red Hat und Suse offerieren eine breite Palette an Kursen mit ähnlichen Schwerpunkten: Systemadministration, Cloud, Storage und Virtualisierung. Suse erholt sich mittlerweile von seiner langjährigen Novell-Depression. Den Novell-spezifischen Themen wie eDirectory, Groupwise und Co. widmet sich die Dachfirma Micro Focus [9], auch als die Cobol-de bekannt. Generelles Ziel dieser Strategie: Suse wieder als eigene Marke zu positionieren.
Fazit
Zertifizierungen machen Sie nicht für sich selbst, sondern um anderen Menschen Ihre Fähigkeiten nachzuweisen. Es gibt in Deutschland drei namhafte Herausgeber von Linux-Zertifizierungen: Suse und Red Hat bieten herstellerabhängige, das Linux Professional Institute distributionsunabhängige Prüfungen an.
Die herstellerabhängigen Prüfungen gelten häufig als Nachweis für Produktkenntnisse und öffnen Ihnen die Türen in einer hoch regulierten Zertifikationskette im Business-Umfeld. Distributionsunabhängige Zertifikate weisen allgemeine Linux-Kenntnisse nach und sind in der Branche ebenfalls hoch angesehen. Wer sich nur für die eigene Einschätzung oder den persönlichen Stolz prüfen will, könnte vielleicht die Linux Essentials des Linux Professional Institute ins Auge fassen.
Der zweite Teil dieser kurzen Artikelserie bespricht in der nächsten Ausgabe die Vorbereitung zur Prüfung und geht auf die sehr unterschiedlichen Prüfungsumgebungen ein.
Die Autoren
Dieter Thalmayr ist 54 Jahre alt und gibt seit 20 Jahren Linux-Trainings. Auch vorher schon gab er vorwiegend Kurse, die auf Zertifizierungen hinarbeiten. Er schrieb drei Bücher für Linux-Einsteiger und Admins: “Umsatteln auf Linux” (O’Reilly, 2005), “OpenSuse 11” (Addison Wesley, 2009) und “RHCSA” (Open Source Press, 2014). Er ist akkreditiert als SUSE und Red Hat Certified Instructor, LPI Certified Trainer sowie als Trainer bei der Linux Foundation. Frank Hofmann arbeitet von unterwegs aus – bevorzugt in Berlin, Genf und Kapstadt – als Entwickler, LPI-zertifizierter Trainer und Autor. Er ist zudem Co-Autor des Debian-Paketmanagment-Buchs (http://www.dpmb.org).
Infos
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Linux Professional Institute Central Europe (LPICE): https://www.lpice.eu
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Trainings der Linux Foundation: https://training.linuxfoundation.org
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CompTIA: https://www.comptia.org
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Red-Hat-Zertifizierungen: https://www.redhat.com/de/services/certification
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Suse-Zertifizierungen: https://training.suse.com/certification/
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Bundesagentur für Arbeit, Kursdatenbank: http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/index.jsp
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Debian beliebteste Server-Distribution: https://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/Debian-beliebteste-Server-Distribution-Ubuntu-holt-auf
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Cubietruck im Test: Frank Hofmann, “Zwergenaufstand”, RPG 04/2016, S. 62, http://www.raspi-geek.de/37112
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Micro Focus: https://www.microfocus.com/de-de/
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Bewerbungsratgeber: http://www.bewerbungsratgeber.ch/die-bewerbung/lebenslauf-cv/referenzen/






