Firefox entschlacken und absichern

Aus LinuxUser 01/2017

Firefox entschlacken und absichern

© Alexandre, Fotolia

Tempo, tempo

Firefox neigt bei intensivem Gebrauch schnell zur Trägheit. Mit einigen Einstellungen und Addons helfen Sie ihm wieder auf die Beine.

Mozilla Firefox gilt als einer der besten Webbrowser. Dank seines modularen Aufbaus lässt er sich nicht nur sehr detailliert konfigurieren, sondern auch um viele Funktionen erweitern. Doch vor allem Vielsurfer beklagen eine zunehmende Trägheit des Browsers, mit langen Wartezeiten beim Start und gelegentlich auch beim Aufruf von Webseiten. Mit wenigen Handgriffen verhelfen Sie Firefox jedoch wieder zu seiner ursprünglichen Geschwindigkeit.

Sammelwut

Viele Komfortfunktionen von Firefox erkaufen Sie sich durch das temporäre oder dauerhafte Speichern von Daten. Dabei handelt es sich keineswegs nur um aufgerufene Adressen im Internet oder Inhalte von Webseiten – auch die Mozilla Corporation, die den Browser pflegt und weiterentwickelt, möchte zur Verbesserung der Software regelmäßig über deren Betriebszustand informiert werden und lässt sich dafür voreingestellt eine Reihe von Daten übermitteln.

Unter Linux sammeln sich daher im Verzeichnis $HOME/.mozilla/firefox/ und dessen Unterverzeichnissen schnell größere Datenmengen an. Neben Statusberichten, die der Browser zusammenträgt und an Mozilla-Server übermittelt, finden sich darin der “Absturzmelder” sowie diverse Daten. Auch bis zu fünf Backups der Lesezeichenliste speichert die Software dort – auch dann, wenn Sie diese im entsprechenden Dialog extern sichern.

Zwar anonymisiert der Browser die Daten, speichert sie lokal jedoch ohne festgelegte Löschintervalle. Daher sammelt sich in den entsprechenden Unterverzeichnissen im Laufe der Zeit immer mehr Datenmüll an. Zwar gestattet Firefox im Einstellungsmenü in der Rubrik Erweitert | Datenübermittlung das Deaktivieren der einzelnen Funktionen, sammelt aber dennoch weiterhin die entsprechenden Daten und speichert sie.

Die sogenannten Telemetrie-Pings – Daten, die Firefox über die Browserversion, diverse Benchmark-Werte, installierte Erweiterungen und Informationen über das Computersystem sammelt – landen für die Übertragung an die Mozilla-Server dabei sogar zweifach lokal im System: in einer komprimierten und einer unkomprimierten Version.

Blockade

Um die Datenerfassung und das wahllose lokale Speichern zu eliminieren, schalten Sie zunächst im Einstellungsmenü alle Reportfunktionen ab (Abbildung 1). Das unterbindet jedoch lediglich das Versenden der generierten Informationen, nicht aber das Erheben der Daten. Deswegen müssen Sie zusätzlich in die Interna des Browsers eingreifen. Im ersten Schritt öffnen Sie dazu den Konfigurationsdialog von Firefox durch Eingabe von http://about:config in der Adresszeile.

Abbildung 1: In den erweiterten Einstellungen deaktivieren Sie die Weitergabe telemetrischer Daten an Mozilla.

Abbildung 1: In den erweiterten Einstellungen deaktivieren Sie die Weitergabe telemetrischer Daten an Mozilla.

Nach dem Bestätigen der Warnmeldung gelangen Sie in den Konfigurationseditor. Nach Eingabe des Begriffs toolkit.telemetry in der Suchzeile erscheint eine Liste der entsprechenden Verwaltungsoptionen. Hier suchen Sie die drei Einträge toolkit.telemetry.archive.enabled, toolkit.telemetry.enabled und toolkit.telemetry.unified. Mit einem Doppelklick darauf setzen Sie bei allen dreien den Wert false. Damit deaktivieren Sie generell jegliche Datenerfassung für die Telemetrie.

Möchten Sie ganz sichergehen, dass der Browser keinerlei Daten an Mozilla überträgt, löschen Sie darüber hinaus die hinterlegten Daten aus den Zeilen toolkit.telemetry.server und toolkit.telemetry.infoURL (Abbildung 2).

Abbildung 2: Um nicht nur die Weitergabe der Telemetrie-Daten zu verhindern, sondern auch deren Erhebung, dann müssen Sie in die Interna des Browsers eingreifen.

Abbildung 2: Um nicht nur die Weitergabe der Telemetrie-Daten zu verhindern, sondern auch deren Erhebung, dann müssen Sie in die Interna des Browsers eingreifen.

Datenreports

Im Unterverzeichnis datareporting des versteckten Firefox-Verzeichnisses sammelt der Webbrowser Daten zum Softwarestatus und zu Abstürzen. Diese Daten überträgt die Software ohne Änderung der Voreinstellungen ebenfalls an die Mozilla-Server.

Nach dem Unterbinden der Übertragung im Einstellungsmenü sammelt Firefox trotzdem weiter diese Daten und speichert sie lokal. Zwar handelt es sich dabei um jeweils nur kleine Datenbestände, aber bei intensivem Nutzen des Browsers kommen schnell Hunderte oder gar Tausende von Dateien zusammen, ohne dass Sie einen Nutzen davon hätten.

Um dem Browser diese Datensammelei nachhaltig abzugewöhnen, führt der Weg wieder über den manuellen Konfigurationsdialog http://about:config, wo Sie dieses Mal nach datareporting suchen. Durch einen Doppelklick auf die Zeile datareporting.policy.dataSubmissionEnabled setzen Sie dessen Wert auf false, sofern er zuvor auf true stand (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auch das Sammeln und Speichern lokaler Informationen lässt sich unterbinden.

Abbildung 3: Auch das Sammeln und Speichern lokaler Informationen lässt sich unterbinden.

Arbeiten Sie noch mit einer Firefox-Version 40.x oder darunter, so setzen Sie stattdessen den Eintrag datareporting.healthreport.uploadEnabled und toolkit.telemetry.enabled auf false. In allen Versionen können Sie zur Sicherheit zusätzlich die Adressen der Mozilla-Server löschen.

Zwischenspeicher

Firefox speichert Daten nicht nur permanent, sondern versucht, durch diverse Möglichkeiten des Zwischenspeicherns den Aufruf von Webseiten zu beschleunigen. Dabei nutzt der Webbrowser sowohl den Arbeitsspeicher als auch Festplatten und SSDs als Puffer.

Insbesondere beim Nutzen langsamer, älterer Festplatten ziehen häufige Zugriffe auf den Massenspeicher mitunter deutliche Geschwindigkeitseinbußen nach sich. Es lohnt sich daher, den Cache-Speicher im Auge zu behalten und ihn bei Bedarf zu löschen. Zwar bietet Firefox im Menü Einstellungen | Erweitert | Netzwerk dazu die entsprechenden Optionen an, diese lassen sich aber nur umständlich erreichen und nicht leicht im Auge behalten.

Das Addon Cache Status löst das Problem: Nach dessen Installation erscheinen rechts neben dem Adressfeld zwei Icons, die stets die aktuelle Speicherbelegung in KByte anzeigen. So behalten Sie immer den Überblick über die Zwischenspeicher.

Über das Menü Add-ons im Browser stellen Sie im zur Erweiterung gehörenden Dialog ein, welchen Umfang der Cache-Speicher erreichen darf (Abbildung 4). Um ihn zu leeren, rechtsklicken Sie auf das Icon in der Adressleiste und wählen aus dem Kontextmenü Gesamten Cache löschen. Auch aus Gründen des Datenschutzes empfiehlt es sich generell, die Zwischenspeicher beim Beenden einer Sitzung zu löschen.

Abbildung 4: Der Einstellungsdialog von <code srcset=

Cache Status reglementiert alle wichtigen Optionen.” width=”300″ height=”147″ /> Abbildung 4: Der Einstellungsdialog von Cache Status reglementiert alle wichtigen Optionen.

Radikalkur

Gelegentlich kommt es vor, dass Firefox sehr träge auf Eingaben reagiert und eine hohe CPU-Last erzeugt. Mit Kommandozeilenwerkzeugen wie Htop lässt sich nachvollziehen, ob tatsächlich der Webbrowser den Rechner bremst. Falls ja, verursachen oft aus dem Ruder gelaufene Addons die hohe Systemlast und können sogar Abstürze provozieren.

Um das zu überprüfen, starten Sie Firefox im abgesicherten Modus, der alle Addons inklusive installierter Themes deaktiviert. Das erreichen Sie entweder über die Anwahl von Mit deaktivierten Add-ons neu starten… aus dem Hilfe-Menü des Browsers oder über den Kommandozeilenaufruf firefox --safe-mode.

Arbeitet der Browser nun deutlich schneller und verursacht keine Probleme mehr, dann sollten Sie grundsätzlich alle installierten Addons entfernen und danach einzeln neu aktivieren. Die einfachste Möglichkeit, das zu bewerkstelligen, bietet die Support-Seite des Browsers, die Sie über die Eingabe von http://about:support öffnen.

Dort erhalten Sie nicht nur eine Fülle von Information über verwendete Bibliotheken, Module und Addons, sondern auch über modifizierte Browseroptionen. Klicken Sie oben rechts auf die Schaltfläche Firefox bereinigen…, so löscht die Software alle Addons sowie einige Einstellungen (Abbildung 5). Das betrifft auch die zuvor beschriebenen Änderungen an der Konfiguration. Unangetastet bleiben dabei die Lesezeichen, alle offenen Tabs und – sofern aktiviert – die gespeicherten Passwörter.

Abbildung 5: Firefox bietet auch eine Funktion zum kompletten Zurücksetzen auf Werkseinstellungen an.

Abbildung 5: Firefox bietet auch eine Funktion zum kompletten Zurücksetzen auf Werkseinstellungen an.

Generell empfiehlt es sich, eine solch radikale Komplettbereinigung erst dann vorzunehmen, wenn feststeht, dass nicht die vorhandenen Addons für die hohe Auslastung der Hardware durch den Webbrowser verantwortlich zeichnen.

Fazit

Firefox neigt insbesondere bei langen Sitzungen und bei vielen installierten Addons zur Trägheit. Zwischenspeicher und Protokollfunktionen blähen den Speicherbedarf zusätzlich auf. Das ausgereifte Konzept des Webbrowser erlaubt aber auch dem weniger versierten Anwender, dem Browser eine nachhaltige Daten-Diät zu verordnen, die sich nicht zuletzt in einer verbesserten Arbeitsgeschwindigkeit manifestiert. Durch das regelmäßige Löschen der Zwischenspeicher und das Abschalten unnötiger Protokollfunktionen erhöhen Sie außerdem den Datenschutz: Ohne diese Dateien lässt sich weder lokal noch durch Spähsoftware das Surfverhalten nachvollziehen. 

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