Linux-Alternativen zu Windows-Software

Aus LinuxUser 09/2016

Linux-Alternativen zu Windows-Software

© Donatas1205, 123RF

Neue Vielfalt

Freie Software-Alternativen zu den unter Windows gängigen kommerziellen Programmen sind häufig wenig bekannt. Wir zeigen, welche Anwendungen auf dem Linux-Desktop eine besonders gute Figur abgeben.

Für Anwender, die von Windows zu Linux migrieren möchten, stellt sich die Frage, welche Software-Alternativen sie unter dem neuen Betriebssystem anstelle ihrer Windows-Anwendungen vorfinden. Oft hört man dann das Gerücht, unter Linux gäbe es nicht dieselbe Vielfalt an Programmen wie unter Windows.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Während Sie bei Windows nach der Installation des Betriebssystems weder eine Bürosuite noch einen brauchbaren Mediaplayer vorfinden, bringen die meisten Distributionen bereits aus dem Stand viele freie Programme für jeden nur möglichen Einsatzbereich mit – allesamt mit grafischer Oberfläche. Hinzu kommen bei den großen Distributionsprojekten mehrere Tausend Anwendungsprogramme in den Repositories, an denen die Entwickler kontinuierlich arbeiten und für praktisch jeden Anwendungsbereich zusätzliche Alternativen bereithalten. Proprietäre, teils kostenpflichtige Software rundet das Angebot ab.

Wer schon unter Windows freie Software wie den Browser Firefox, die Bürosuiten LibreOffice oder OpenOffice, Multimedia-Anwendungen wie Audacity und VLC oder den Mailclient Thunderbird im Einsatz hatte, nutzt diese unter Linux einfach weiter. Häufig entsteht freie Software zunächst unter Linux, anschließend portieren die Entwickler sie nach Windows. Daher empfiehlt es sich, zunächst zu prüfen, ob die bereits genutzte Software auch unter dem freien Betriebssystem bereitsteht. Die Webseiten der Distributionen bieten entsprechende Hinweise.

Bleibt die Suche erfolglos, bieten sich häufig Alternativen an. Prüfen Sie am besten zunächst, ob das gewünschte Programm eine bestimmte Funktion zwingend braucht. Hier wäre der Umgang mit bestimmten Formaten zu nennen, aber auch Austauschmöglichkeiten von Daten mit anderen Programmen aus dem kommerziellen Bereich über standardisierte Schnittstellen. Haben Sie ein Pflichtenheft für die neue Software unter Linux definiert, beginnt die Jagd.

Office-Alternativen

Für viele Anwender dient der PC hauptsächlich zum Erledigen täglicher Schreibarbeiten. Daher gehören Office-Anwendungen zu den am häufigsten genutzten Programmen. Unter Linux stehen LibreOffice und OpenOffice ganz oben auf der Liste der meisten Nutzer. Beide Suiten bestehen aus mehreren Modulen und decken von der Datenbank über den Formeleditor und die Textverarbeitung bis hin zum Zeichenprogramm das ganze Spektrum der Bürowerkzeuge ab (Abbildung 1).

Abbildung 1: Linux hat mit LibreOffice oder OpenOffice gleich zwei freie Alternativen zu Microsoft-Office zu bieten.

Abbildung 1: Linux hat mit LibreOffice oder OpenOffice gleich zwei freie Alternativen zu Microsoft-Office zu bieten.

Als interessante Alternative bietet sich das aus China stammende WPS-Office an, das vor allem durch sein Bedienkonzept und verschiedene Themes glänzt und von dem zusätzlich eine Android-Version existiert. Benötigen Sie ein Büropaket mit integrierten Nachschlagewerken, so empfiehlt sich ein näherer Blick auf Softmaker Office, von dem Sie auf der Heft-DVD eine kostenlose Version finden.

Zusätzlich bieten die großen Linux-Desktops Gnome und KDE noch eigene Office-Anwendungen an, wie Abiword, Gnumeric oder die Calligra-Suite. Diese decken aber nicht einen derart großen Umfang ab wie die dedizierten Büropakete. In vielen Fällen genügen sie den Ansprüchen der täglichen Arbeit vollkommen.

Personal Information Manager

Als Alternative zu PIM-Software unter Windows wie beispielsweise Ecco Pro oder Lotus Organizer dienen unter Linux Evolution, Kontact oder Mozilla Lightning. Eher am althergebrachten Notizblock orientiert sich Basket, eine äußerst mächtige weitere Anwendung, mit der Sie Ihre Termine und Projekte im Auge behalten. Sie verwaltet dank der Unterstützung universeller Dateiformate und kollaborativer Elemente komplette Projekte inklusive Todo-Listen. Die Software integriert sich in den KDE-Desktop, versieht bei Bedarf aber auch unter anderen Arbeitsumgebungen klaglos ihren Dienst.

DTP-Software

Den Markt für professionelle Layout- und Satzprogramme teilen einige wenige Konkurrenten unter sich auf. Für Microsoft- wie Apple-Betriebssysteme kommen meist Adobe InDesign oder QuarkXPress zum Einsatz. Die proprietären Anwendungen kosten oft nicht unerhebliche Lizenzgebühren.

Unter Linux steht neben dem ebenfalls kostenpflichtigen PageStream für dieses Einsatzgebiet das freie Scribus zur Verfügung. Beide Programme können in Bezug auf die Funktionen zwar mit der Konkurrenz mithalten, aber viele Agenturen und Grafikabteilungen sind eher auf die Originale eingestellt. Das gilt es, gerade in diesem Feld zu bedenken.

Scribus hat sich nach rund 15 Jahren Entwicklungszeit im Linux-Umfeld fest etabliert und gilt heute unter dem freien Betriebssystem als führendes Programm zum Gestalten selbst anspruchsvoller Layouts. Die Software gibt es zudem auch für eine Vielzahl weiterer Betriebssysteme.

Konstruktion und Animation

Zu den besonders anspruchsvollen und die Hardware fordernden Software-Kategorie zählen Programme für Konstruktion und Animation. Unter Windows denkt man da an AutoCAD, 3ds Max oder Architect 3D.

Linux führt dagegen freie Programme wie Art of Illusion, Wings 3D, Blender oder auch Sweet Home 3D ins Feld. Für den Einsatz am Einzelplatz genügen sie durchaus den typischen Anforderungen, scheitern aber beim Arbeiten in Kooperation mit anderen und oft auch beim Verarbeiten der unter Windows gängigen Dateiformate.

Zudem finden sich die Software-Pakete für Linux meist nicht in den Repositories der gängigen Distributionen. Es setzt also ein wenig zusätzliches Know-how voraus, die Applikationen auf den jeweiligen Seiten der Projekte im Internet zu finden und sie anschließend zu installieren.

Webbrowser

In den letzten Jahren fielen Webbrowser aus dem Haus Microsoft primär durch Defizite in Bezug auf Sicherheit und Funktionen auf. Viele Anwender stiegen daher bereits früh auf die freie Alternative Firefox um (Abbildung 2). Der Mozilla-Browser dient aufgrund seines modularen Aufbaus als Grundlage für den Tor-Browser, der eine abgesicherte Verbindung ins Internet via Onion-Routing herstellt.

Abbildung 2: Unter Linux der wohl bekannteste Webbrowser: Mozilla Firefox.

Abbildung 2: Unter Linux der wohl bekannteste Webbrowser: Mozilla Firefox.

Neben Firefox haben sich unter Linux vor allem schlanke und schnelle Alternativen wie Qupzilla oder Midori etabliert. Mit Vivaldi steht außerdem eine schnelle proprietäre Alternative bereit. Selbst Google konnte mit seinem Browser Chrome und dessen freiem Pendant Chromium unter Linux Fuß fassen.

Für sehr spartanisch ausgerichtete Arbeitsplätze finden Sie unter Linux außerdem noch textbasierte Webbrowser wie Lynx, die sich für den Einsatz an Terminals eignen und die Sie ausschließlich über die Tastatur steuern.

Mailclients

Als Ersatz für das veraltete und mit technischen Defiziten behaftete Outlook Express oder dessen Nachfolger Live Mail bietet sich für Umsteiger Thunderbird an. Die freie Software braucht dabei den Vergleich mit den Microsoft-Produkten nicht zu scheuen und integriert über die ebenfalls von Mozilla entwickelte Kalenderanwendung Lightning eine Kalenderverwaltung.

Zusätzlich finden sich unter dem freien Betriebssystem noch viele andere Clients, die teilweise auf die großen Desktop-Umgebungen abgestimmt sind. So steht für Gnome das Programm Evolution bereit, das im Umfang Outlook gleicht, oder alternativ das schlanke Geary. Das Gegenstück für KDE hört auf den Namen KMail. In Verbindung mit dem PIM-Manager Kontact stehen hier auch Kalenderfunktionen zur Verfügung.

Im Bereich der integrierten Anwendungen punktet vor allem Seamonkey, das auf der früheren Mozilla Application Suite basiert. Inzwischen pflegt ein Team freier Programmierer den Quellcode. Die Software integriert neben einem schnellen Webbrowser auch ein Mail-Programm, einen Chat-Client, einen HTML-Editor sowie ein Adressbuch. Damit ersetzt die Suite gleich eine Vielzahl einzelner Anwendungen.

Wie Firefox, Thunderbird und Lightning steht Seamonkey unter freien Lizenzen. Der Browser basiert auf Firefox und weist wie dieser eine modulare Struktur auf. Das ermöglicht es, viele Firefox-Erweiterungen weiter zu nutzen.

PDF-Reader

Als Alternativen zum unter Windows ebenso allgegenwärtigen wie schwerfälligen Adobe Reader stehen unter Linux viele freie Programme und proprietäre Pakete bereit. Zu den wichtigsten freien Tools zählen Evince, Okular, XPDF und EPDFViewer, die Sie in den Repositories fast aller Distributionen finden. Der proprietäre Foxit-Reader, für Linux kostenlos erhältlich, bietet eine der besten Darstellungen von komplexen PDF-Dokumenten, wobei die Software außerordentlich agil arbeitet (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Foxit-Reader stellt PDF-Dateien fehlerfrei und sehr zügig dar.

Abbildung 3: Der Foxit-Reader stellt PDF-Dateien fehlerfrei und sehr zügig dar.

Bilder bearbeiten

Neben unzähligen Programmen zum Anzeigen von Fotos und Bildern jeder Art, von denen etliche bereits grundlegende Funktionen zum Bearbeiten besitzen, fungiert als absoluter Platzhirsch in dieser Kategorie der Bolide Gimp. Er positioniert sich als direkte Konkurrenz zu Photoshop. Die Software findet sich in den Paketquellen der meisten Distributionen.

Das von Adobe stammende proprietäre Paket Lightroom ersetzen Sie bei Bedarf durch die freie Alternative Darktable. Dieses Programm dient in erster Linie dem Bearbeiten von RAW-Daten. Es ist in vielen Software-Repositories eingepflegt, was die Installation vereinfacht (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit Darktable bearbeiten Sie Ihre Fotos im Handumdrehen.

Abbildung 4: Mit Darktable bearbeiten Sie Ihre Fotos im Handumdrehen.

Audioplayer

Unter Windows gehört Winamp zu den bekanntesten Playern und kommt mit vielen Dateitypen zurecht. Auch Linux unterstützt alle gängigen Multimedia-Formate. Unter dem freien Betriebssystem herrscht jedoch nicht nur Freiheit in Bezug auf die Wahl des Codecs, sondern darüber hinaus auf die Wahl der Software zum Abspielen.

Neben den bereits in die großen Desktop-Umgebungen integrierten Programme Rhythmbox und Amarok tummeln sich in den Repositories der verschiedenen Linux-Derivate schlankere Alternativen wie Audacious, XMMS, Deadbeef, Clementine oder Musique. Die einzelnen Anwendungen verfolgen dabei je nach Fokus eigene Konzepte und weisen unterschiedliche Oberflächen auf. Die Palette reicht dabei vom einfachen Abspieler bis zur opulent ausgestatteten Jukebox, die sich auch zum Verwalten großer Sammlungen eignet und auf jeder Party die Stimmung zum Kochen bringt.

Video im Griff

Ähnlich wie bei den Audioplayern stehen unter Linux unzählige Videoplayer bereit, die nahezu durchgängig den Funktionsumfang und Bedienkomfort des Windows Media Players bei Weitem übertreffen. Daher greifen Windows-Anwender ebenfalls häufig gern zum freien Media-Boliden VLC, der nicht nur verschiedene Quellen nutzt, sondern exzellent mit Codecs zum Abspielen unterschiedlichster Datei- und Containerformate ausgestattet ist. Daneben stehen unter Linux noch Desktop-spezifische Player bereit, wie etwa der unabhängig entwickelte Mplayer, die Software Xine oder der schlanke Exot ROSA Media Player (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der kürzliche verstorbene Schauspieler Bud Spencer lässt im VLC-Mediaplayer noch einmal die Fäuste fliegen.

Abbildung 5: Der kürzliche verstorbene Schauspieler Bud Spencer lässt im VLC-Mediaplayer noch einmal die Fäuste fliegen.

Beim Videoschnitt geben in der Windows-Welt der inzwischen nicht mehr weiterentwickelte Windows Movie Maker und Programme wie Sony Vegas Pro oder dessen kleinere Schwester Sony Vegas Movie Studio den Ton an. Unter Linux stehen als bekannteste Gegenstücke Cinelerra, Kdenlive, Kino und Pitivi parat. Auch der professionelle freie Video-Editor Shotcut gehört in diese Kategorie.

Brennen und Rippen

Zum Herstellen optischer Datenträger hat sich unter Windows neben einigen kleineren Share- und Freeware-Projekten vor allem Nero Burning ROM etabliert, das häufig in abgespeckter Variante optischen Laufwerken beiliegt. Es stand zeitweise auch für Linux bereit, wurde jedoch mittlerweile wieder eingestellt. Das dürfte an der starken Konkurrenz liegen: Unter Linux behaupten sich als Brennprogramme unter anderem K3b bei KDE, Brasero unter Gnome, Xfburn unter XFCE und X-CD-Roast als unabhängige und betont schlanke Alternative.

Für das Rippen von CDs und DVDs stehen unter Linux mehrere ausgereifte Programme bereit, während Sie unter Windows zu diesem Zweck höchstens auf das mittlerweile nicht mehr weiterentwickelte DVD Shrink oder DVDFab zurückgreifen. Linux-Nutzer setzen dazu vor allem Dvd::rip, K9copy, OGMRip oder Vamps ein. Die Anwendungen dienen nicht nur zum Kopieren von optischen Datenträgern mit Audio oder Videos, sondern sind unter Umständen dazu in der Lage, verlustbehaftet Videos zu komprimieren.

Systemwerkzeuge

Im Gegensatz zru Windows-Monokultur mit dem Explorer herrscht unter Linux in Bezug auf Dateimanager vitale Vielfalt. Das Spektrum der Software reicht dabei vom Norton-Commander-Klon Midnight Commander mit rustikalem Erscheinungsbild über Tools wie Dolphin, Thunar oder Nautilus, die zu den großen Desktops gehören, bis hin zu komfortablen Programmen wie EmelFM2 oder dem agilen XFE (Abbildung 6).

Abbildung 6: EmelFM2 bietet einen Zwei-Fenster-Betrieb.

Abbildung 6: EmelFM2 bietet einen Zwei-Fenster-Betrieb.

Im Windows-Universum gilt der proprietäre und kostenpflichtige Partition Manager von Paragon als unangefochtener Platzhirsch beim Einrichten von Massenspeichern. Microsoft steuert für seine diversen Windows-Versionen entsprechende Programme mit grundlegenden Funktionen bei. Inzwischen haben jedoch die freien Alternativen, die teils als Live-System mit Linux als Basis arbeiten, diesen Markt unter sich aufgeteilt. So bieten Gnome Disks, Gparted, Partimage und QtParted erheblich mehr Funktionen als die Windows-eigenen Programme (Abbildung 7).

Abbildung 7: Gnome Disks (unten rechts) und der KDE-Partitionsmanager (oben links).

Abbildung 7: Gnome Disks (unten rechts) und der KDE-Partitionsmanager (oben links).

Auch der Bereich der Backup-Lösungen für Kleinunternehmen und Heimanwender entwickelt sich dank freier Software zunehmend zu einer Linux-Domäne. Während im kommerziellen Bereich unter Windows primär Acronis Trueimage und Paragon Backup & Recovery das Feld bearbeiten, haben sich inzwischen verschiedene – teils deutlich leistungsfähigere – freie Pendants wie Areca Backup, Bacula, Clonezilla oder Duplicity etabliert. Zusätzlich helfen Programme wie FreeFileSync, Conduit oder die Java-Software DirSync Pro beim Synchronisieren von Daten.

Fazit

Umsteiger erwartet unter Linux erst etwas Arbeit: Während sich unter Windows im professionellen Bereich meist nur sehr wenige Programme für einen bestimmten Zweck etablieren können, finden Sie unter Linux für die unterschiedlichen Anforderungen meist eine große Zahl freier Anwendungen. Einschränkungen gibt es meist nicht, Kosten fallen so gut wie nie an.

Der Hauptvorteil liegt aber eindeutig in der Tatsache, dass niemand Ihnen auf dem System hinterherspioniert, wenn Sie das nicht wünschen: Sie haben die volle Kontrolle und wissen sich in Gesellschaft einer Community, die ebenfalls die Privatsphäre als hohes Gut zu schätzen weiß. Warum also noch warten? 

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