Neues in LibreOffice 5

Aus LinuxUser 11/2015

Neues in LibreOffice 5

© Anke Van Wyk, 123RF

Runde fünf

Revolutionäre Neuerungen bietet LibreOffice 5.0 nicht, bringt aber optisch, funktionell und unter der Haube zahlreiche Verbesserungen mit, nicht zuletzt eine verbesserte Kompatibilität mit Microsoft-Formaten.

Von der Textverarbeitung, über Tabellenkalkulation, Präsentation und Zeichnungen bis hin zum Datenbankmanagement beinhaltet die freie Software LibreOffice ein umfassendes Büropaket, das die gängigsten Werkzeuge für den Büroalltag zur Verfügung stellt. Was es nicht standardmäßig bereitstellt, lässt sich durch Erweiterungen (Extensions) einfach ergänzen. Auf der eigens dafür eingerichteten Plattform finden Sie jede Menge Funktionen und Dokumentvorlagen.

Mit LibreOffice 5 haben die Entwickler die Bürosuite wieder einmal gründlich aktualisiert [1]. Alle Programme erhielten neugestaltete Logos und benutzerorientierte Verbesserungen. An der Oberfläche und ihrer Optik hat sich bei dem Versionswechsel aber wenig geändert: Die Entwickler konzentrierten sich auf kleinere Erweiterungen und Änderungen unter der Oberfläche, die das tägliche Arbeiten mit den Programmen erleichtern sollen. Daneben schrieben sie die Engine der Tabellenkalkulation Calc komplett neu und beseitigten etliche Fehler, deren Bereinigung den Startvorgang der Office-Suite deutlich beschleunigt.

Zudem bietet LibreOffice 5 eine verbesserte Kompatibilität zur Bürosoftware von Apple und Microsoft. Insbesondere importiert es jetzt MS-Office-Dateien der Typen DOCX und DOC problemloser, des Weiteren bietet es erweiterte Import-Filter für MS-Works- und Lotus-WordPro-Dokumente. Auch Tabellen mit OLE-Links lassen sich laut der Entwickler problemlos mit Nutzern von Microsoft Office austauschen. Der PDF-Export unterstützt jetzt auch das Zeitstempel-Protokoll, und die Versandoptionen für E-Mails bieten die Möglichkeit, das Entfernen ausgeblendeter Inhalte beim Versenden von Dokumenten per E-Mail zu verhindern.

Moderne Oberfläche

Beim Aufruf der Bürosuite fallen die neue, buntere Startseite sowie die erweiterten Seitenleisten mit mehr Optionen auf. Das gesamte Layout wirkt aufgeräumter und übersichtlicher. Wenn kein Dokument in LibreOffice geöffnet ist, sehen Sie das Startcenter mir seinen zwei nebeneinanderliegenden Bereichen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Startcenter bietet links Zugang zu den einzelnen Modulen, Vorlagen und Dateien. Rechts erscheinen die Vorschaubilder der zuletzt geöffneten Dateien.

Abbildung 1: Das Startcenter bietet links Zugang zu den einzelnen Modulen, Vorlagen und Dateien. Rechts erscheinen die Vorschaubilder der zuletzt geöffneten Dateien.

Mit den Dialogen auf der linken Seite öffnen Sie entweder eine bestehende Datei oder Vorlage, oder Sie klicken auf ein Symbol, um ein neues Dokument zu öffnen. Solange noch kein Dokument geladen wurde, zeigt der rechte Bereich eine Willkommensseite. Danach enthält er die Vorschaubilder der zuletzt geöffneten Dokumente. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über eines davon, hebt LibreOffice das Dokument hervor und liefert einen Hinweis zum Ablageort des Dokuments. Rechts oben im Vorschaubild finden Sie ein Symbol zum Löschen des Bilds aus dem Bereich und von der Liste der zuletzt benutzten Dokumente. Zum Öffnen des markierten Dokuments klicken Sie einfach auf das Vorschaubild.

Einige Icons und andere grafische Elemente eignen sich nun besser für hochauflösende Displays. Die Schaltfläche im Fenstertrenner zum Ein- und Ausblenden der Seitenleiste überarbeiteten die Entwickler für eine bessere Sichtbarkeit. Die Programmoberflächen von Writer, Calc, Impress, Draw und Base behalten dagegen Bewährtes bei. Sie sind mit denen der Vorgängerversion identisch, sehen aber nach Aktivieren des neuen Icon-Sets “Breeze” mit seinen flachen und weniger bunten Symbolen weitaus moderner aus (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit den neuen "Breeze"-Icons erhält die Symbolleiste von LibreOffice einen modernen Touch.

Abbildung 2: Mit den neuen “Breeze”-Icons erhält die Symbolleiste von LibreOffice einen modernen Touch.

Zudem wurden fast alle Dialoge überarbeitet, sodass sie weniger Platz auf dem Bildschirm belegen. LibreOffice 5 zeigt jetzt nur noch die am häufigsten verwendeten Funktionen an. Zahlreiche Formatierungsfunktionen entfielen aus dem Kontextmenü, während Grundfunktionen wie Ausschneiden und Kopieren stets sichtbar bleiben. Eine weitere praktische Erneuerung: Für Formatvorlagen erscheinen nun in der Seitenleiste Vorschauen (Abbildung 3).

Abbildung 3: In der Eigenschaftsleiste sehen Sie nun sofort, wie sich eine Vorlage auf den Text auswirkt.

Abbildung 3: In der Eigenschaftsleiste sehen Sie nun sofort, wie sich eine Vorlage auf den Text auswirkt.

Mit dem Support für Unicode 6 unterstützt LibreOffice jetzt auch Schriftarten, die eine ganze Reihe nützlicher Sonderzeichen bereitstellen. Über eine neue Funktion der Autokorrektur fügen Sie in Texten Ideogramme (“Emojis”) und andere Symbole des Unicode-Zeichensatzes ein, indem Sie ein entsprechendes Schlüsselwort zwischen Doppelpunkten angeben.

Tippen Sie beispielsweise :Giftstoffe:, ersetzt LibreOffice den Text durch ein Totenkopf-Symbol, bei der Eingabe von :alpha: erhalten Sie den entsprechenden griechischen Buchstaben. Das funktioniert auch für ganze Folgen von Zeichen, etwa mit :alpha::alpha::alpha:. Eine Liste aller Schlüsselwörter finden Sie unter Extras | AutoKorrektur Optionen… im Register Ersetzen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mithilfe der neuen Autokorrektur lassen sich eine Vielzahl von Emojis oder Smileys abbilden.

Abbildung 4: Mithilfe der neuen Autokorrektur lassen sich eine Vielzahl von Emojis oder Smileys abbilden.

Verbesserungen in Writer

In der Textverarbeitung bleiben beim Im- und Export von MS-Word-Dokumenten nun die Hervorhebung und Schattierung von Texten erhalten, zudem überleben kommentierte Textbereiche auch den Import aus dem DOC-Format. Behoben wurde auch ein Fehler, der beim Scrollen zur Anzeige einer falschen Seitenzahl führte. Beim Einfügen von Tabellenspalten und Tabellenzeilen berücksichtigt Writer jetzt wie Calc eine eventuelle Auswahl. Sie dürfen neue Spalten und Zeilen auch links sowie oberhalb der aktuellen Cursorposition einfügen, statt wie bisher nur unterhalb beziehungsweise rechts.

In Writer, aber auch in Impress und Draw können Sie über das Menü Format | Bild, via Kontextmenü oder über Symbole in der Symbolleiste Bild Grafiken per Mausklick speichern, durch ein anderes Bild ersetzen und zuschneiden. Zum Zuschneiden brauchen Sie nur einen der acht Anfasser neu zu positionieren (Abbildung 5). Drücken Sie beim Schneiden zusätzlich die Umschalttaste, schneiden Sie rechteckig proportional zur Originalgröße zu. Bei einem Druck auf [Esc] oder einen Mausklick in den Bereich außerhalb des zuzuschneidenden Objekts löst LibreOffice die Änderung aus.

Abbildung 5: Mit einer neuen Funktion schneiden Sie Bilder per Mausklick millimetergenau zu. Ein Vorschaurahmen zeigt das zu erwartende Resultat.

Abbildung 5: Mit einer neuen Funktion schneiden Sie Bilder per Mausklick millimetergenau zu. Ein Vorschaurahmen zeigt das zu erwartende Resultat.

Neuerungen in Calc

In Calc entfallen die Schaltflächen für Erstes Tabellenblatt und Letztes Tabellenblatt, deren Funktion Sie nun erzielen, indem Sie bei gedrücktem [Strg] die Knöpfe für Vorheriges Tabellenblatt beziehungsweise Nächstes Tabellenblatt anklicken. Die Schaltfläche zum Hinzufügen eines neuen Blatts findet sich jetzt auf der linken Seite, sodass Sie sie wiederholt anklicken können, ohne dass ihre Position sich jedes Mal verändert. In der Registerleiste können Sie mit dem Mausrad scrollen, sobald die Register mehr als den zur Verfügung stehenden Bereich benötigen.

Bezüge auf komplette Spalten oder Zeilen in der Tabelle lassen sich einfacher als zuvor herstellen, nach dem Schema A:A beziehungsweise 1:1. Statt wie bisher eine Formel wie =MAX(A1:A104) einzutippen, um den Maximalwert der Spalte A zu ermitteln, genügt also die Formel =MAX(A:A). Für Bezüge zu ganzen Spalten respektive Zeilen müssen Sie allerdings beide Teilangaben übereinstimmend entweder absolut oder relativ angeben. Gemischte Bezüge wie A$1:A104 oder A1:A$104 führen dazu, dass die Bereichsangaben erhalten bleiben, da Calc annimmt, dass exakt dieser Bezug gemeint ist. In der Datei speichert LibreOffice die Bezüge weiterhin in der alten Form, sodass die Tabellen zu früheren Calc-Version kompatibel bleiben.

Mehrere neue Funktionen sorgen für eine höhere Kompatibilität mit Excel. So korrigierten die Entwickler beispielsweise die Funktionen UNTERGRENZE und OBERGRENZE und fügten Funktionen UNTERGRENZE.MATHEMATIK und OBERGRENZE.MATHEMATIK hinzu. Als neue Funktion kam unter anderem FEHLER.TYP entsprechend des Open-Formula-Standards [2] hinzu.

In Pivot-Tabellen lassen sich Artikelbezeichnungen jetzt optional auch wiederholen, indem Sie beim Erstellen der Tabelle doppelt auf das gewünschte Feld aus der Liste Zeilenfelder klicken. Im sich öffnenden Dialog Datenfeld wählen Sie dazu Optionen… und im nun erscheinenden Dialog Datenfeld-Optionen klicken Sie auf Artikelbezeichnungen wiederholen. Abschließend bestätigen Sie zwei Mal mit OK.

Bei der bedingten Formatierung von Datenbalken zeichnete LibreOffice diese bisher als Gradienten von einer Farbe zu Weiß. Nun lassen sich die Balken auch einfarbig darstellen. Zudem dürfen Sie die Wertangaben ausblenden und für die Balken maximale sowie minimale Längen hinterlegen. Dazu markieren Sie die zu formatierenden Zellen und rufen Format | Bedingte Formatierung | Datenbalken auf. Hier klicken Sie auf Mehr Optionen und stellen unter Balkenfarben als Füllung: den Typ Farbe ein.

Wählen Sie im Abschnitt Achse als Position der Achse: den Wert Kein, aktiviert das die Optionen des Abschnitts Balkenlängen. Danach können Sie die maximale Balkenlänge (in Abbildung 6: 50 Prozent) einstellen. Um die Wertangaben auszublenden, aktivieren Sie die Option Nur Balken anzeigen mit einem Häkchen. Ein zweimaliger Klick auf OK weist die bedingte Formatierung den markierten Zellen zu.

Abbildung 6: Datenbalken lassen sich nun optional mit einem Farbverlauf oder durchgängig einfärben sowie prozentual skalieren.

Abbildung 6: Datenbalken lassen sich nun optional mit einem Farbverlauf oder durchgängig einfärben sowie prozentual skalieren.

Neues in Impress und Draw

Neu arrangierte Werkzeugleisten in Impress und Draw ermöglichen, schneller auf häufig genutzte Funktionen zuzugreifen. Aus den überarbeiteten Kontextmenüs entfielen selten verwendete Einträge, dafür kamen häufig genutzte hinzu. In den Texteigenschaften von Impress und Draw ergänzten die Entwickler beispielsweise den Abschnitt Einzug um Schaltflächen zum Vergrößern und Verringern des Einzugs. Beide Anwendungen besitzen jetzt Ausklappmenüs zur Auswahl von Füllfarben für Flächen samt einer neuen Farbauswahlpalette. Dadurch können Sie jetzt schnell von einer Farbpalette zur anderen wechseln. Auch in Textfeldern lässt sich der Zeichenhintergrund mittels Symbolleiste oder Seitenleiste (mehr-)farbig hinterlegen (Abbildung 7).

Abbildung 7: In LibreOffice 5 hinterlegen Sie unkompliziert Text oder Textteile farbig.

Abbildung 7: In LibreOffice 5 hinterlegen Sie unkompliziert Text oder Textteile farbig.

Zur bequemen Detailbearbeitung von Grafiken hält die Symbolleiste Zeichnung auch eine Lupe zum Vergrößern und Schwenken vor. Aktivieren Sie das Werkzeug, so vergrößert ein Mausklick die Ansicht, mit [Strg]+Klick verkleinern Sie wieder. Halten Sie die Umschalttaste gedrückt, können Sie das Objekt mit der Maus hin und her bewegen.

Impress bietet jetzt eine größere Arbeitsfläche sowie eine gestraffte und neu organisierte Seitenleiste, bei Draw vergrößerten die Entwickler die Seitenleiste mit den Formatierungswerkzeugen. LibreOffice kommt nun auch mit ASE-Farbpaletten (Adobe Swatch Exchange) zurecht, sofern diese die Farbräume CMYK, RGB oder Graustufen nutzen. LAB-Farben unterstützt das Büropaket auch in Version 5 noch nicht und ersetzt sie beim Import durch Schwarz.

LibreOffice für Android

Den LibreOffice Viewer gibt es jetzt auch für Android, Sie laden ihn bei Bedarf aus dem Google Play Store herunter (Abbildung 8). Um die App nutzen zu können, muss das Smartphone oder Tablet mindestens mit Android 4.0 laufen. Anders als der Name suggeriert, lassen sich mit dem LibreOffice Viewer Dokumente nicht nur lesen, sondern auch bearbeiten – wenn auch nur rudimentär. Die Editiermöglichkeiten beschränken sich auf das Hinzufügen oder Löschen von Text sowie das Anwenden von harten Formatierungen (fett, kursiv, unterstrichen, durchgestrichen). Der LibreOffice Viewer unterstützt die Formate ODT, ODS und ODP sowie Microsoft-Dokumente der Typen DOC, DOCX, XLS, XLSX, PPT und PPTX.

Abbildung 8: Der LibreOffice Viewer für Android wirkt vielversprechend, läuft aber noch nicht völlig stabil.

Abbildung 8: Der LibreOffice Viewer für Android wirkt vielversprechend, läuft aber noch nicht völlig stabil.

Fazit

Revolutionäre Neuerungen bietet LibreOffice 5.0 nicht, bringt aber optisch, funktionell und unter der Haube zahlreiche Verbesserungen mit, zu denen nicht zuletzt eine verbesserte Kompatibilität mit Microsoft-Formaten zählt. Eine vollständige Aufzählung aller Neuerungen finden Sie in den Release Notes der LibreOffice-Community [3]. Eine erfreuliche Dreingabe stellt der LibreOffice Viewer für Android dar, auch wenn er stellenweise noch nicht ganz rund läuft. Probleme im Umgang mit bestehenden LibreOffice-Dokumenten sind nicht zu erwarten, sodass auch von daher einem Upgrade [4] auf die neue Major-Release nichts im Weg steht. 

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