Mit Treecle Informationen strukturieren und organisieren

Aus LinuxUser 04/2015

Mit Treecle Informationen strukturieren und organisieren

© Elena Chukhlebova, 123RF

Auf den Ast gekommen

Finden, was andere noch suchen: Mit Treecle erhalten Sie ein wertvolles Werkzeug für das Strukturieren von Informationen an die Hand.

Der Aufbau eines Unternehmens, die gesammelten Bücher oder die besten Rezept – solche Informationen sammeln sich täglich auf Tausenden Rechnern. Ob sinnvoll oder nicht, auf irgendeinem Weg gilt es, darin eine Struktur zu etablieren. Dazu nutzen viele Anwender Applikationen wie eine Tabellenkalkulationen oder ein Textverarbeitungsprogramm. Allerdings haben diese Werkzeuge ihre Grenzen: So gelingt es nur schwer, die Informationen über diese Programme in Hierarchien abzubilden. Genau diese Nische stößt die freie Software Treecle: Sie macht es möglich, Informationen in Baumstrukturen zu organisieren.

Ursprung

Das Programm Treecle entlehnt seinen Namen dem englischen Begriff “A Tree like Collection of Linked Elements” (eine baumartige Sammlung verknüpfter Elemente). Es steht samt Quelltext kostenlos auf der Webseite [1] des indischen Physikers Kartik Patel bereit. Treecle basiert auf dem Qt-Framework [2] und entstand ursprünglich, weil der Entwickler seine Musik- und Büchersammlung ordnen wollte. Einmal kompiliert oder entpackt, erlaubt das Programm das Ablegen von Texten und Bildern in großen Eingabefeldern, wobei diese Einträge Teil einer Hierarchie oder Baumstruktur sein dürfen. Jeder Zweig steht für eine Kategorie, die wiederum Unterkategorien enthalten darf.

Das schlank gehaltene Programm bietet darüber hinaus nur wenige Zusatzfunktionen. Es orientiert sich strikt daran, abstrakt alle möglichen Formen von Informationen zu verwalten. Funktionen wie ein Export aller Informationen als HTML-Webseite oder in Form eines PDFs fehlen ebenso wie ein Passwortschutz für die Daten oder die Möglichkeit, die Informationen zu verschlüsseln. Dennoch lohnt ein Blick auf das Programm: Möchten Sie Daten möglichst effizient als Text und in Hierarchien verwalten, finden Sie in Treecle womöglich genau das richtige Werkzeug.

Installation und Betrieb

Die gängigen Distributionen haben Treecle bislang übersehen, entsprechende Pakete suchen Sie daher in den offiziellen Quellen meist vergeblich. Das Einrichten bereitet dennoch kaum Probleme, da der Autor sowohl den Quelltext als auch ausführbare Dateien auf seiner Webseite bereitstellt [3].

Listing 1 zeigt, wie Sie Treecle unter Ubuntu 14.04 in der 64-Bit-Variante in Betrieb nehmen, nachdem Sie zuvor über den Webbrowser die Binärdatei [4] für 64-Bit-Linux heruntergeladen haben. Zusätzliche Pakete für den Betrieb von Treecle mussten wir in diesem Fall nicht einrichten, da auf dem Testrechner das Qt-Framework bereits vorinstalliert war.

Listing 1

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get dist-upgrade
$ cd Downloads
$ tar xzvf treecle-1.1-bin-amd64.tar.gz
$ cd treecle-1.1-bin-amd64
$ ./treecle

Der erste Eindruck

Nach dem Ausführen mit dem Kommando ./treecle erscheint eine übersichtliche Oberfläche. Mit dem Klick auf das obere linke Symbol New branch (englisch: neuer Zweig) erstellen Sie den ersten Ast einer neuen Struktur oder Kategorie (Abbildung 1).

Abbildung 1: Treecle präsentiert sich aufgeräumt, aber die Oberfläche liegt derzeit nur in Englisch vor.

Abbildung 1: Treecle präsentiert sich aufgeräumt, aber die Oberfläche liegt derzeit nur in Englisch vor.

Legen Sie viele Informationen in Form von Kategorien ab, entsteht nach und nach eine verzweigte Struktur, wie Sie es eventuell von Verzeichnissen im Dateimanager kennen. Die Software bleibt dabei aber simpel zu bedienen: Jeder Eintrag fungiert als Kategorie und enthält lediglich formatierten Text sowie optional Bilder. Die erste Zeile eines Eintrags oder einer Kategorie übernimmt das Programm dabei automatisch als Titel, alle weiteren Eingaben behandelt es als normale Daten.

Im Test stellte sich während der Eingabe der ersten Kategorien heraus, dass Treecle in seiner Oberfläche nur englische Begriffe kennt; die Auswahl von einer anderen Sprache bietet es nicht an. Bislang hatte Patel die Software hauptsächlich selbst im Einsatz; nun überlegt er aber, Lokalisierung zu integrieren. Der Fokus auf Englisch schlägt sich auch an anderer Stelle nieder: Der Einsatz von Umlauten verursacht an einigen Stellen Anzeigeprobleme (Abbildung 2).

Abbildung 2: Deutsche Umlaute scheinen Treecle Schwierigkeiten zu machen.

Abbildung 2: Deutsche Umlaute scheinen Treecle Schwierigkeiten zu machen.

Diese traten jedoch nicht konstant auf, da die Namen der Kategorien stets korrekt erscheinen. Nach dem Abspeichern und Laden der Treecle-Datei zeigt die Software die Umlaute häufig richtig an. Auf Rückfrage äußerte der Entwickler die Vermutung, dass die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit im HTML-Editor des Qt-Frameworks liegt.

Formatierung

Haben Sie die ersten Kategorien angelegt, dann wollen Sie die Informationen womöglich in neuen Einträgen darunter organisieren. Mit einem Blick auf den Button New Sub-branch (neuer Unterzweig) entsteht ein weiterer Ast, in dem Sie weitere Kategorien oder Daten ablegen. Im Test kam diese Funktion zum Einsatz, um verschiedene Rezeptkategorien anzulegen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Rezept für leckere Burger formatieren Sie komfortabel mit den Schaltflächen oberhalb des Editors.

Abbildung 3: Das Rezept für leckere Burger formatieren Sie komfortabel mit den Schaltflächen oberhalb des Editors.

Als hilfreich beim Schreiben des ersten Eintrags erweisen sich die Schalter zum Formatieren: Auf diese Weise markieren Sie Text als fett oder ändern die Art sowie Größe und Farbe der Schrift. Selbst das Ausrichten des Texts beeinflussen Sie wie in einem typischen Editor. Weiterführende Funktionen für andere Elemente wie Tabellen fehlen jedoch.

Haben Sie die gewünschten Informationen abgelegt, sichern Sie den aktuellen Baum über einen Klick auf den Knopf mit dem Disketten-Symbol und laden ihn zu einem anderen Zeitpunkt wieder. Neue Sammlungen legen Sie über den Schalter New file an und speichern diese wie jede andere Sammlung als Treecle-Datei ab.

Einsatz im Alltag

Im Test haben wir Treecle über mehrere Tage hinweg für die Ablage von Informationen verwendet. Dabei glänzte das Werkzeug durch die Möglichkeit, Daten in einer Baumstruktur abzulegen und Kategorien sowie Einträge in alphabetischer Reihenfolge zu sortieren.

Dennoch wirkt die Software an vielen Stellen nicht zu Ende gedacht: Nach dem Laden einer Treecle-Datei geht die alphabetische Sortierung verloren; es handelt sich dabei wohl nur um eine Art Filter für die Ansicht, nicht um eine persistente Einstellung. Eine Funktion zum direkten Speichern der Daten fehlt ebenfalls. Stattdessen bleibt nur der Weg über Save file – das nervt insbesondere, da die Software bei jedem Speichern den Dateinamen abfragt.

Schick wäre eine Funktion, die den aktuellen Datenbestand in definierten Intervallen automatisch abspeichert. Zwar erinnert das Programm beim Schließen einer Datei an das Sichern; allerdings besteht die Möglichkeit, dass das Tool oder das System abstürzt – dann wären alle Änderungen seit dem letzten Sichern verloren.

Die Kategorien sind zwar in einer Baumstruktur organisiert, und die Applikation erlaubt es, diese alphabetisch zu sortieren. Allerdings kann man die Einträge und Kategorien nicht frei via Drag & Drop anordnen. Stattdessen verbleiben alle Einträge in der Reihenfolge, in der Sie sie angelegt haben.

Fazit

Treecle offenbarte im Test einige Schwächen, erfüllt jedoch seinen Zweck: Informationen jeder Art übersichtlich abzulegen und zu verwalten. Der Entwickler hat das Werkzeug schlank gehalten, weitere Funktionen wie ein PDF-Export fehlen daher. Er arbeitet jedoch aktiv an der Software und nahm Anregungen per Mail, die beim Schreiben des Beitrags entstanden, positiv auf.

Wenn Sie ein Freund von strukturiertem Denken sind und einige Informationen organisiert ablegen wollen, ist Treecle womöglich genau das richtige Tool für Sie. Interessierte finden zudem eine kurze FAQ [5] zu Treecle. 

Der Autor

Valentin Höbel arbeitet als Cloud Architect für den VoIP-Spezialisten NFON AG in München. Wenn er in seiner Freizeit nicht gerade am Kickertisch steht, wirft er einen Blick auf aktuelle Open-Source-Technologien.

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